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06.04.2005

Was Datenprojektoren unterscheidet

Schulze ist freier Autor der Website CIO.de und dem CIO-Magazin.
Mit verschiedenen Techniken buhlen Hersteller um die Gunst der Anwender. Die Gerätepreise sind am unteren Ende der Skala angekommen - nicht aber die Folgekosten.

Datenprojektoren sind seit Jahren ein Wachstumsmarkt. Die umgangssprachlich als Beamer bezeichneten Geräte sind heute nicht mehr nur im Unternehmensumfeld anzutreffen, sondern finden auch zunehmend ihren Weg ins Wohnzimmer. Für jeden Bedarf und jedes Einsatzgebiet halten die Hersteller ein Portfolio der unterschiedlichsten Gewichts-, Leistungs- und Preisklassen bereit.

Der Preisverfall ist drastisch: Kosteten noch vor wenigen Jahren Mittelklassegeräte mehrere tausend Euro, gibt es gute Beamer heute um wenig über 1500 Euro. Einsteigergeräte sind bereits für unter 1000 Euro zu haben. Im Kampf um die Heimanwender liegen die Preise wesentlich tiefer. So hatte Aldi Nord unlängst ein Gerät für weniger als 500 Euro im Sortiment.

Neben der kundenfreundlichen Preisentwicklung hat sich auch die Technik deutlich verbessert. Mobile Geräte mit 2,5 Kilogramm oder weniger sind inzwischen von fast allen Herstellern verfügbar. Die Lichtstärke dieser Winzlinge ist auch bei Tageslicht praxistauglich. Am Markt werden heute vor allem zwei Basistechnologien angeboten, die beide ihre Vor- und Nachteile haben. Am verbreitetsten ist die von Flachbildschirmen bekannte LCD (Liquid Crystal Display)-Technik. Sie kommt besonders bei den preisgünstigeren Beamern zum Einsatz.

Flüssigkristalle statt Dias

LCD-Geräte arbeiten ähnlich wie ein Diaprojektor: Das Micro-Display besteht aus zwei Glasscheiben, zwischen denen die Flüssigkristalle eingebettet sind. Diese lassen je nach angelegter Spannung mehr oder weniger Licht durch. Vor den Zellen mit den Flüssigkristallen befinden sich Filter, mit denen die verschiedenen Farben erzeugt werden. Das Licht der Projektorlampe wird über ein System von Linsen und Spiegeln durch das Micro-Display geleitet und schließlich auf die Leinwand projiziert.

Als zweite Technik ist DLP (Digital Light Processing) am Markt zu finden. Das zentrale Bauelement dieser Projektionsart ist ein DMD-Chip (Digital Micromirror Device), auf dem mikroskopisch kleine Spiegel untergebracht sind. Erfinder und einziger Anbieter der Chips ist Texas Instruments. Für eine Auflösung von 1024 mal 768 Punkten (XGA-Auflösung) sind über 780 000 Spiegel notwendig - einer pro Pixel. Durch die Neigung der Spiegel wird das Licht entweder durch das Objektiv oder zu einem so genannten Absorber geleitet.

Da der DMD-Chip mit Spiegelbewegungen nur verschiedene Helligkeitsstufen darstellen kann, müssen Farben durch zusätzliche Komponenten erzeugt werden. In sehr hochwertigen Geräten kommen drei der teuren Chips zum Einsatz. Dabei wird das Licht der Lampe mit Filtern in die drei Grundfarben (Rot, Grün, Blau) zerlegt und auf die Chips verteilt.

Zerteilte Bilder

Ein Prisma setzt die Farben schließlich wieder zum Gesamtbild zusammen. Einfachere Geräte besitzen nur einen DMD-Chip, das Licht wird dann über ein Farbrad zerlegt. Es entstehen vier Teilbilder mit den drei Grundfarben und Weiß, die nacheinander projiziert werden. Die Bewegung des Farbrads ist so schnell, dass das Auge den Bildwechsel nicht wahrnimmt.

Beide Verfahren haben ihre Vor- und Nachteile. DLP-Projektoren erreichen deutlich bessere Kontrastwerte als andere Technologien. Der direktere Lichtweg ermöglicht höhere Ausgangslichtleistungen, als das bei der LCD-Technik der Fall ist. Allerdings hatten vor allem die älteren Geräte mit nur einem Chip damit zu kämpfen, dass an den Bildrändern der "Regenbogeneffekt" auftrat. Durch höhere Drehzahlen des Farbrads ist dieses Problem jedoch heute weitgehend gelöst. Das Hauptmanko bei DLP ist der Preis. Die Projektoren sind - besonders in der Ausführung mit drei Chips - deutlich teurer als die LCD-Mitbewerber.

LCD-Anhänger führen dagegen neben dem günstigeren Anschaffungspreis gerne die bessere Farbechtheit und schärfere Kanten ins Feld. Zudem ist ein LCD-Gerät in aller Regel robuster als ein DLP-Beamer, da keine empfindlichen mechanischen Teile verwendet werden. Daher ist diese Technik für mobile Beamer heute der Standard. Im Massengeschäft und im Heimanwendermarkt haben die LCDs klar die Oberhand.

Eine weitere Technik, die allerdings erst seit kurzem am breiten Markt verfügbar und entsprechend wenig verbreitet ist, ist LCOS. Das Kürzel steht für "Liquid Crystal on Silicon" und führt die Vorteile von LCD und DLP zusammen. Wie LCD-Projektoren verfügen auch LCOS-Geräte über ein Micro-Display, mit dem bislang Auflösungen von bis zu 1600 mal 1200 Pixel möglich sind.

Spannung macht Licht

Die Flüssigkristalle sind auf eine Silizium-Schicht aufgebracht und werden von einer dünnen Glasplatte abgedeckt. Ähnlich wie bei DLP wird bei LCOS das Licht entweder reflektiert oder absorbiert - in diesem Fall nicht durch bewegliche Spiegel, sondern durch Anlegen einer Spannung. Beim Reflexionsvermögen erreichen die LCOS-Displays ähnliche Werte wie DMD-Chips. Nachdem die ersten LCOS-Geräte noch an schlechter Bildqualität litten, sind die heute angebotenen Geräte ausgereift.

Ebenfalls konnte sich D-ILA (Digital Direct Drive Image Light Amplifier) in den vergangenen Monaten wieder ins Gespräch bringen. D-ILA ist eine LCOS-Spielart des Herstellers JVC. Die Vorteile dieser Technik sind extrem hohe Lichtausbeute, sehr gute Kontrastwerte und große Auflösungen von aktuell bis zu 2048 mal 1536 Bildpunkten. Der damit verbundene Nachteil: Die heute am Markt verfügbaren Geräte sind im Vergleich zu den LCD-Mitbewerbern schwer und teuer.

Allerdings unterscheiden sich die am Markt angebotenen Projektoren nicht nur durch ihre Basistechnik. Im praktischen Einsatz entscheiden auch andere Werte über die Bildqualität, allen voran die Lichtstärke. Sie wird von den Herstellern in ANSI-Lumen angegeben. Dahinter verbirgt sich die maximale Lichtleistung, die auf einer weißen Projektionsfläche von einem Quadratmeter gemessen wird.

Lichtleistung zählt

Im völlig abgedunkelten Raum wird eine Lichtleistung von rund zehn ANSI-Lumen pro Quadratmeter benötigt, um ein gutes Bild zu erhalten. Allerdings nimmt der Lichtbedarf zu, je heller ein Raum ist und je weiter der Projektor von der Projektionsfläche entfernt steht. Auch die Größe des Bilds und die Qualität der verwendeten Leinwand haben hierauf Einfluss. Eine Projektion auf sechs Quadratmeter Fläche benötigt sechsmal mehr Licht, als wenn nur ein Quadratmeter angestrahlt wird.

Jedoch wird man den Beamer nur dann in völlig abgedunkelten Räumen einsetzen, wenn man dem Kino Konkurrenz machen will. Für Präsentationen muss der Beamer mit einem Minimum an Umgebungslicht oder sogar mit Tageslicht zurechtkommen. Zudem darf nicht vergessen werden, dass die in Beamern eingesetzten Metalldampflampen mit zunehmender Einsatzdauer an Leuchtstärke verlieren. Etwas Reserve ist also unverzichtbar, wenn man nicht fortlaufend neue Lampen anschaffen möchte. Fast alle aktuellen Beamer bringen über 1000 ANSI-Lumen, Spitzengeräte auch über 5000.

Diese Leuchtkraft hat jedoch ihren Preis in Form teurer Lampen. Sie ist der Hauptverursacher bei den Betriebskosten und kann bei Dauerbetrieb den Unmut des Controllings hervorrufen. Immerhin schlägt eine Ersatzlampe je nach Modell mit rund 250 bis 1000 Euro zu Buche - die Lampe eines teuren und hochwertigen Beamers kann also unter Umständen so viel kosten wie ein neues Gerät für den Heimbereich.

Als Faustregel kann gelten: Je lichtstärker ein Beamer ist, desto teurer sind die Ersatzlampen. Gute Planung bei der Produktauswahl lohnt sich also.

Technisch tut sich bei den Projektoren einiges, auch die Preise kommen in erschwingliche Bereiche. Während im Lowend kaum noch Luft für große Verbilligungen sein dürfte - inzwischen kosten die extremen Schnäppchen gerade mal so viel wie zwei Lampen - , wird sich im gehobenen Segment durch günstigere DMD-Chips und Verbesserungen bei den LCOS-Geräten in der nächsten Zeit noch einiges bewegen. (ls)