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07.10.1994

"Was fuer Microsoft zaehlt, sind Dollars und Cents" API-Strategie von Microsoft bremst PC-Software-Entwickler

FRAMINGHAM (IDG) - Nicht nur professionelle Anwender fuehlen sich in ihren Bemuehungen um Mitspracherechte bei API-Definitionen von Microsoft ignoriert. Auch Herstellern von PC-Software platzt mittlerweile der Kragen. Der Grund: Microsofts restriktive Spezifikationspolitik schraenkt die Freiheit bei der Applikations- und Schnittstellen-Entwicklung ein.

Nachdem erst kuerzlich Anwender heftige Kritik an Microsofts API- Politik geaeussert hatten (siehe CW Nr. 38 vom 23. September 1994, Seite 13), muss sich der Desktop-Gigant nun auch schwere Vorwuerfe von unabhaengigen Softwarehaeusern, den Independent Software Vendors (ISV), gefallen lassen. "Ich hasse es, ein Handlanger von Microsoft sein zu muessen", schimpft beispielsweise Nancy Colwell, Vice-President of Marketing beim Utility-Anbieter Unify Corp.

Ein Klotz am Bein der OLE-Entwickler

Microsoft, so die Meinung vieler Hersteller von Applikationen, duldet keinerlei externen Einfluss auf Spezifikationen. Anstatt mit anderen Anbietern zusammenzuarbeiten, kontrolliere ausschliesslich das Unternehmen aus Redmond diese Standards. Zwar sei an der Funktionalitaet der Schnittstellen wie OLE oder ODBC kaum etwas auszusetzen - eine akzeptable Unterstuetzung gebe es allerdings lediglich fuer Windows und Windows NT, nicht aber fuer Unix- Applikationen.

"Sie versuchen, die IBM der 90er Jahre zu werden", bringt Berl Hartman, Vice-President of Strategic Marketing beim Datenbankspezialisten Sybase Inc., die Ansicht vieler Kritiker auf den Punkt.

Dass Microsoft auch anders kann, beweist das Engagement der Gates- Company in der frueheren ODBC-Entwicklung (Open Database Connectivity). Damals habe der Quasi-Monopolist die Rolle des Partners uebernommen - nicht die des Diktators, wie es

bei Object Linking and Embedding (OLE) der Fall war, erinnert Doug Bayer, Director of Tools and Technology Development der Dun & Bradstreet Software Corp. gegenueber der CW-Schwesterpublikation "Network World".

Doch nicht nur das monopolistische Gebaren Microsofts erbost Software-Anbieter. Selbst eine Unterstuetzung fuer bestehende Spezifikationen wie OLE 2.0 scheitert angeblich allzuoft an der Produktpolitik des PC-Softwareriesen. Dadurch verschaffe sich Microsoft einen gewaltigen Zeitvorsprung bei der Entwicklung neuer Applikationen, sorgen sich die Hersteller. Len Fischer, President bei der Trax Softworks Inc., bestaetigt: "Sobald ein neuer Microsoft-Standard ins Spiel kommt, gehen sie einem aus dem Weg, um nicht helfen zu muessen."

Ein Patentrezept gegen das umstrittene Schnittstellen-Konzept von Microsoft gibt es offensichtlich nicht. Die Produkte der Gates- Mannschaft bieten naturgemaess den besten Support fuer die eigenen Technologien, raeumen Anbieter resigniert ein. "Die einzigen Produkte, die OLE 2 effektiv unterstuetzen, kommen von Microsoft", gibt etwa Rehan Syed, Senior Product Marketing Manager des Datenbank- und Applikationsanbieters Gupta Corp. zu bedenken.

Das Microsoft-Management selbst sieht sein Unternehmen nicht als Monopolisten. Man versuche, ISVs in die Entwicklung neuer APIs einzubinden, beschwichtigt Doug Henrich, Director of the Developer Relations Group beim Windows-Anbieter. Sein Unternehmen aendere APIs schliesslich auf Verlangen der anderen Anbieter. John Rymer, Analyst bei der Patricia Seybold Group aus Boston, fasst zusammen, was zur Zeit in den Koepfen der Software-Entwickler vorgeht: "Was fuer Microsoft zaehlt, sind Dollars und Cents."