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03.09.1976

Was halten Sie von den Fachhochschul-Absolventen?

Die Bundesregierung setzt in ihrem Bundesausbildungsförderungsgesetz stark auf die Fachhochschulen - sehr zum Leidwesen vieler Fachschulen und privater Ausbildungsinstitute, die eine Einschränkung der Förderung hinnehmen mußten. Ist diese Verschiebung der Prioritäten richtig? Jährlich verlassen etwa 300 Studenten als graduierte Informatiker die Fachhochschulen. Sind unsere Ausbildungsinstitute - insbesondere die Fachhochschulen - überhaupt in der Lage, Fachkräfte zu "produzieren", die den Anforderungen der Industrie und des Anwenders genügen? Ein oft wiederholter Vorwurf: Mangel an Praxis. Sind die Fachhochschulabsolventen nur Theoretiker? ob

Hans-Peter Albrecht Leiter der Datenverarbeitung,

Bertelsmann AG, Gütersloh

Ohne handfeste betriebliche EDV-Praxis stellen wir keine frischgebackenen Fachhochschulabsolventen ein. Dies gilt in gleicher Weise für Hochschulabsolventen wie zum Beispiel diplomierte Informatiker oder Mathematiker.

Das geringe Maß an Programmierung während des Studiums betrachten wir als nicht ausreichend. Unsere betriebliche EDV-Ausbildung, die wir trotz eines eigenen EDV-Instruktors überwiegend im Job ausfahren - indem wir neue Mitarbeiter in erfahrene Teams einbauen -, würde mit nur theoretisch vorgebildeten Leuten nicht funktionieren. Insofern halte ich es für besonders wichtig, die spätere berufliche Umwelt bereits vor oder während des Studiums kennenzulernen, um das Studium darauf ausrichten zu können.

Ich empfehle jedem Studenten in den Semesterferien Werkstudent bei größeren zu arbeiten. Bei der Auswahl von Bewerbern beachten wir diesen Aspekt ganz besonders, da er uns deutliche Hinweise auf die beruflichen Motivationen gibt. Deshalb beschäftigen wir seit geraumer Zeit auch Werkstudenten. Die Erfahrungen sind ermutigend.

D. Hecht Manager of programming and education

Deere and Company, Mannheim

Schon seit mehreren Jahren decken wir unsere Nachfrage nach EDV-Mitarbeitern fast ausschließlich mit sogenannten EDV-Neulingen. Nur sehr selten werden bei uns EDV-Fachkräfte mit mehrjähriger Praxis eingestellt. Als Lieferanten für unseren Bedarf kommen in erster Linie EDV-Fachschulen wie Control Data Institut, Frankfurt, Bundesfachschule für Datenverarbeitung in Mannheim oder Fachhochschule für Informatik in Mannheim in Frage.

Obwohl die Abgänger der Informatik-Fachhochschule ein weitaus größeres Studiumpensum zu erfüllen haben, muß ich jedoch aufgrund meiner Erfahrungen aussagen, daß für unsere kaufmännisch-orientierte Programmierung die "nicht graduierten" Programmieranfänger eine durchaus akzeptable Konkurrenz darstellen. Sechs Semester Fachhochschule und zwei Semester Industriepraktikum müßten an für sich ausreichen, um den Unternehmen einen bereits von Beginn an sehr produktiven -Mitarbeiter zu bieten.. Daß dem nicht so ist, liegt größtenteils an der immer noch sehr praxisfremden Ausbildung der Fachhochschulen.

Es werden viele Spezialisten ausgebildet. Doch wenn man sich über den Kenntnisstand von COBOL, Assembler, ICL, Betriebssysteme und Debugging informiert, erlebt man sehr oft unangenehme Überraschungen. Für welchen Markt werden also nun all diese Spezialisten ausgebildet? Sehr wahrscheinlich nicht für die Menge der Hauptnachfragen, nämlich für kommerzielle Rechenzentren.

Für die Auswahl eines Bewerbers der Fachhochschulen sind also für mich nicht alleinig die Kenntnisse ausschlaggebend, sondern vielmehr die Tatsache, daß gute Absolventen ein sehr gutes Potential für die EDV besitzen. Eine firmeninterne mehrmonatige Ausbildung durchlaufen bei uns graduierte Informatiker ebenso wie alle anderen EDV-Neueinstellungen.

Dr. R. Henssler Direktor, Control Data Institut, Frankfurt

Blickt man auf die Zahlen, die Vater Staat für diejenigen Fachhochschulen, die sich mit EDV-Ausbildung beschäftigen, ausgibt, so könnte man meinen, für EDV-Ausbildung würde eine ganze Menge getan und um die EDV-Ausbildung stehe es bestens. Dies ist nun leider nicht der Fall. Während EDV-Fachhochschulen, DV-Bildungszentren oder wie immer sie sich nennen, in ausreichendem Maß Steuergelder verkonsumieren, ist ihre volkswirtschaftliche Effizienz äußerst gering. Der Grund dafür ist, daß im staatlichen Bildungsdenken noch das Humboldtsche Ideal des "studium generale" herumgeistert und in Bereichen sein Unwesen treibt, wo es überhaupt nichts zu suchen hat. In der EDV zum Beispiel kommt es auf gründliches EDV-Wissen an, Halbwissen oder Überblick ist nicht gefragt.

Die graduierten Informatiker oder auch Computer-Techniker, die aus den staatlich anerkannten Schulen kommen, haben alle ein viel zu kleines und wenig vertieftes praktisches Wissen, Das Control Data Institut hat in fast allen Lehrgängen einige Absolventen von Fachhochschulen, die bei der Arbeitssuche nach ihrem Studium festgestellt haben, daß sie mit ihrem Wissen nicht landen können. Sie wollen nun in einem Zweitstudium im selben Fach ihr Wissen den Anforderungen anpassen.

Es sollte untersucht werden, ob Steuergelder nicht auf andere Weise besser eingesetzt werden können, die zudem noch eine Menge frustrierter junger Leute auf die Straße bringt.

Max H. Neuß Hauptabteilungsleiter für

Organisation und Datenverarbeitung, Motoren-Werke Mannheim AG, Mannheim

Zu Ausbildung und Wissensstand der bei uns in Organisation, Systemanalyse und Programmierung tätigen Absolventen: Erfreulich ist, daß für die EDV-Aufgaben in Verwaltung und Betrieb über die Fachhochschulen Nachwuchskräfte ausgebildet werden und damit Angebot und Auswahlmöglichkeit für die EDV-Verantwortlichen größer geworden sind.

Allerdings ist aus unserer Sicht zum Ausbildungsstand zu bemängeln, daß auf Gebieten, wie zum Beispiel Material- und Zeitwirtschaft oder beim Arbeiten auch mit einfachen Datenbanken den Ausbildern offensichtlich die Praxis fehlt.

Das aber ist bei der raschen technologischen Weiterentwicklung und damit neuen Möglichkeiten zur Rationalisierung dringend erforderlich. Sonst bleibt die Praxis der Theorie immer einen Schritt voraus.

Ing. (grad.) Hans Optenhöfel Prokurist bei IBAT-AOP Gesellschaft für Analyse, Organisation und Programmierung mbH u. Co. KG, 4300 Essen

IBAT-AOP hat mit FHS-Absolventen, die etwa 90% aller im Bereich Automatisierung eingesetzten Mitarbeiter ausmachen, sehr gute Erfahrungen gemacht.

Bei der Realisierung von Automatisierungs-Projekten werden neben fundierten Theoriekenntnissen möglichst Hardware-Kenntnisse und Praxisnähe gefordert. Daß sich FHS-Absolventen für diese Aufgabe besonders eignen, ergibt sich bei den meisten aus dem Werdegang:

Nach einer handwerklichen Lehre wird die FHS-Reife erreicht und das Studium konsequent durchgezogen. In vielen Fällen haben sich die FHS-Absolventen schon während der Semester- und Ingenieurarbeit mit Automatisierungsarbeiten beschäftigt. Von solchen Mitarbeitern kann man gute theoretische Kenntnisse, Praxisnähe, Hardwarekenntnisse, Stehvermögen und besondere Motivierungsfähigkeit erwarten.

IBAT-AOP hat grundsätzlich mit FHS-Absolventen aller Fachrichtungen gute Erfahrungen gemacht. Man ist zwar sehr leicht geneigt, den Informatiker wegen seiner spezifischen Ausbildung als besonders prädestiniert im Software-Bereich zu betrachten. Häufig ist jedoch das Begreifen des technischen Prozesses und die daraus abzuleitende Automatisierungsaufgabe für einen Ingenieur anderer Fachrichtung wesentlich leichter. Z. B. Maschinenbauer für NC-Steuerung, Verfahrenstechniker für Hochofensteuerung oder Elektrotechniker für Energieerzeugung und -verteilung. Deshalb ist ein gesunder Mix aus FHS-Absolventen verschiedener Fachrichtungen sehr empfehlenswert.

Eine FHS muß den Studenten die Möglichkeit geben, neben dem Studium auch praktisch an Automatisierungsaufgaben zu arbeiten. D. h. es müssen entsprechende Dozenten da sein, die solche Aufgaben vergeben und beurteilen können. Ferner muß ein Labor mit Rechner und Prozeßperipherie vorhanden sein.

Nach meinen Erfahrungen bieten die Fachhochschulen Dortmund, Furtwangen, Paderborn und Ulm die besten Ausbildungsmöglichkeiten für künftige Automatisierungsingenieure.

P. Thust Dipl.-Ing., Leiter der Abteilung Technischer Nachwuchs im Zentralbereich Personal der Siemens AG, München

Die Siemens AG beschäftigt sich in verschiedenen Unternehmens- und Zentralbereichen intensiv mit komplexen Problemen, die zu einem erheblichen Teil Softwareprobleme sind, deren Lösungen jedoch tiefergehende Kenntnisse aus dem Bereich der Elektrotechnik erfordern.

Wir erwarten von graduierten Informatikern der Richtung "allgemeine Informatik" bzw. Kerninformatik, daß sie an diesen Problemen -mitarbeiten können. Die Ausbildung der graduierten Informatiker scheint jedoch an einer ganzen Reihe von Orten ebenso software-orientiert zu sein wie die Ausbildung vieler Diplom-Informatiker.

Offensichtlich fällt es Ingenieuren leichter, sich im Berufsleben Informatik-Kenntnisse zu erwerben. Aus der Not in der Praxis sollte an eine Tugend in der Ausbildung machen und Informatik als Nebenfach für graduierte Ingenieure anbieten.