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09.02.1979

Was heißt hier "Anzahl Installationen?"

Dr. Joachim Frank, Organisation Plaut AG, Figino/Lugano

Bei der Auswahl von Standard-Software für einen möglichen Einsatz im eigenen Hause stellt die Frage, wie häufig ein Software-Paket bereits verkauft und installiert wurde. für den Anwender ein wichtiges Beurteilungskriterium dar Dabei geht er davon aus daß die "Anzahl Installationen" eines Software-Paketes ein Indiz für dessen Reife und Zuverlässigkeit darstellt.

- Je öfter das Produkt installiert ist, um so fehlerfreier wird es sein

- Je öfter das Produkt installiert ist, desto erfahrener wird der Software-Anbieter sein.

- Wenn es in Unternehmen verschiedener Größenordnung, verschiedener Branchen und verschiedener Hardware-Ausstattungen eingesetzt ist, kann dem Paket um so mehr Vertrauen entgegengebracht werden.

Kurz, die "Anzahl Installationen" ist ein wichtiges Kennzeichen für die Betriebssicherheit und dokumentiert nicht zuletzt den Markterfolg eines Software-Paketes, aufgrund dessen sich ein Anwender vertrauensvoll an den Anbieter bei seiner Kaufentscheidung wenden kann.

Es ist nur natürlich, daß die Wichtigkeit dieses Software-Beurteilungskriteriums auch auf der Seite der Software-Anbieter erkannt und berücksichtigt wird. Deshalb ist der Software-Anbieter bemüht, bei neuen Software-Produkten zu versuchen, so schnell wie möglich eine hohe Installationszahl zu erreichen, die Vertrauen in das Produkt rechtfertigen und von seinem Erfolg im genannten Sinne künden soll. (Dies versucht er ebenso bei alten, bisher schwer verkäuflichen Paketen, und das ist die Mehrzahl der auf dem Software-Markt angebotenen!)

Der seriöse Weg, dies zu erreichen, ist natürlich darauf gerichtet. bei neuen Software-Paketen den entsprechenden Interessenten Pilot-Installationen anzubieten und ihnen Gelegenheit zu geben, die Leistungsfähigkeit des Produktes eingehend zu prüfen. Dies wird unterstützt durch ein erfolgreiches Marketing, indem etwa Rücktrittsklauseln eingeräumt oder Preiszugeständnisse bei Pilot-Installationen gemacht werden.

Für weniger erfolgreiche Software-Anbieter ist dieses Problem Grund genug, mit verschiedenen Tricks die "Anzahl Installationen" für ein Software-Paket beschönigend zu erhöhen:

Dazu gehört es zum einen, die eigene Arbeits-Installation im eigenen Rechenzentrum mitzuzählen, obwohl hier sicher kaum von einem Verkauf an einen Kunden gesprochen werden kann. Ein Fall ist dem Verfasser bekannt, bei dem ein Software-Anbieter, dessen primäre Aktivität das Führen des rechtlich selbständigen, gemeinsamen Rechenzentrums zweier Maschinenfabriken darstellt, beide "Anwender" seiner Software als getrennte Installationen aufführt.

Überhaupt wird es mehr und mehr beliebte Praxis, alle Kunden in einem Service-Rechenzentrum als jeweils getrennte "Installationen" zu nennen. So ist es beispielsweise einem Service-Rechenzentrum gelungen, durch eine solche Maßnahme in einem Halbjahresabstand in einem Software-Katalog die "Anzahl Installationen" eines Software-Paketes von 1 auf 24 zu erhöhen. Wahrlich ein schöner Verkaufserfolg!

Diese Beispiele zeigen, daß gerade bei der Angabe von Installationen Papier geduldig ist. Auch bei Kunden- und Referenzlisten werden alle "Anwender" der Software aufgeführt, ohne daß gekennzeichnet ist, wo es sich um eigene Installationen und wo es sich um Service-Anwender handelt. Hier ergibt sich für einen Software-Interessenten auf jeden Fall die Notwendigkeit. aus solchen Listen die wirklichen Installationen, das heißt die physische Verfügbarkeit eines Programmsystems auf einem Hardware-System, herauszuarbeiten. Meist gelingt dies nur durch hartnäckiges Rückfragen. Nur auf diese Weise können Ausuferungen, wie etwa das Abrechnen verschiedener Werke eines Unternehmens - wobei jedes Werk gezählt wird -, erkannt werden.

Andererseits soll nicht verkannt werden, daß auch bei einer Installation die Anzahl unterschiedlicher Benutzer (Anwender) der Software für eine Beurteilung interessant sein kann. So mag durchaus die Anzahl von Tochtergesellschaften, die in einem zentralen Konzernrechenzentrum abgerechnet werden, eine Aussage zur Leistungsfähigkeit eines Paketes liefern. Aber hier bieten sich jedoch zahlreiche Möglichkeiten, eindeutig darzustellen, daß ein einmal installiertes Software Produkt über mehrere Service Kunden verfügt. So nennt der Anbieter eines bekannten Personalinformationssystems neben der "Anzahl Installationen" auch die höhere Zahl von "Anwendern" der Software, sicherlich eine seriöse Aussage. Auch in den Kundenlisten sollten Service-Anwender gekennzeichnet sein.

Warum haben es gewisse Software-Anbieter Oberhaupt nötig, ihre "Anzahl Installationen" nach oben zu manipulieren? Wenn man den Angaben des bekannten ISIS-Software-Report vertrauen möchte hier hat der Herausgeber gewisse Kontrollmöglichkeiten bei den Zahlenangaben eingebaut - zeigt sich beispielsweise, daß im technisch-wissenschaftlichen Bereich fast 80 Prozent und im kommerziellen Bereich mehr als 60 Prozent der Programme mit nicht mehr als 5 (fünf!) Installationen angegeben sind (Ausgabe II/78).

Es gibt eben aus der Fülle der auf dem Software-Markt angebotenen Pakete nur wenige wirklich erfolgreiche Software-Produkte, die bei einer Vielzahl von DV-Anwendern auf unterschiedlichen Hardware-Ausstattungen installiert sind. Während im Systemsoftware-Bereich höhere Installationszahlen eher erreicht werden, sind im Bereich der kommerziellen Anwendungssoftware echte Installationszahlen von mehr als 50 oder 60 selten. So ist es nicht verwunderlich, wenn weniger erfolgreiche Wettbewerber versuchen, zumindest "optisch" diesen Zahlen näher zu kommen.