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17.01.2008 - 

Kolumne

Was heißt "langfristig", Herr Carr?

Nicholas Carr ist ein Phänomen. Seit vier Jahren dreht und wendet er seine ursprünglich 2003 im "Harvard Business Review" veröffentlichte These "IT doesn't matter" so, dass er offenbar gut davon leben kann. Sein neuestes Buch "The Big Switch" (siehe Seite 5) sagt erneut den Tod der IT-Abteilung in ihrer heutigen Form voraus. Dieses Mal trägt der Trend zum Utility- oder besser gesagt Cloud Computing die unternehmensinterne IT zu Grabe. "Auf lange Sicht", schreibt Carr "ist das Überleben der IT-Abteilung zumindest in ihrer heutigen Form unwahrscheinlich." Sie verliere ihre Arbeit, wenn sich der größte Teil des Business-Computing aus den privaten Rechenzentren hinaus und in die (Internet-)Wolke hinein verschiebe. Dann könnten Geschäftsbereiche und sogar einzelne Mitarbeiter die Informationsverarbeitung direkt kontrollieren. Die Heere von Technikern würden nicht mehr gebraucht. Schöne neue Computing-Welt.

Die These von Carr ist zwar provokant formuliert, aber originell ist sie nicht. Natürlich werden sich IT-Abteilungen langfristig verändern, und sie werden sicher auch andere Aufgaben wahrnehmen als heute. Das zeichnet sich bereits ab. Unter den meisten CIOs ist außerdem schon seit längerem unumstritten, dass zukünftige IT-Abteilungen dank Outsourcing und anderen IT-Service-Angeboten kleiner sein werden als heute. Um wie viel die internen IT-Bereiche zusammenschrumpfen, hängt ganz entscheidend von der Qualität der Dienstleister ab und von den Aufgaben, die sie verlässlich übernehmen können. Schon lange kümmern sich moderne IT-Organisationen um viel mehr als den IT-Betrieb. Der ist schon häufig zumindest teilweise ausgelagert. Carr hängt seiner Zeit hinterher, wenn er immer noch annimmt, dass der Betrieb der Hauptfokus der IT ist. Schon seit einigen Jahren geht es um Prozessdefinition und -mitgestaltung. Es geht um Business-Architekturen, flexible Unterstützung des Geschäfts, Kundenunterstützung, Business-Analyse und um clevere IT-Tools, die den Unternehmen zumindest zeitweise Vorteile gegenüber der Konkurrenz bringen.

Carr hat Recht, wenn er voraussagt, dass Commodity-Anwendungen künftig von spezialisierten Dienstleistern vorgehalten werden. Sein Problem ist allerdings, dass er auch nach vier Jahren Beschäftigung mit dem Thema IT deren Komplexität nicht begriffen hat. Nicht alles ist Commodity, nicht jede Anwendung ist wie Strom am freien Markt zu beziehen. Dienstleister werden sich kaum mit individuellen Großanwendungen beschäftigen wollen, wenn diese nicht weiterverwertbar sind. Außerdem lässt sich nicht jedes Problem mit Standardsoftware beheben.

Weil Carr zu wenig differenziert, hilft er weder CIOs noch den CEOs, die er lediglich vor der Überausstattung mit IT warnt.

Wie kommentieren Sie Carrs neue Thesen? Glauben Sie, dass die interne IT überflüssig wird? Diskutieren Sie mit auf blog.computerwoche.de.