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14.10.1977

Was ist eigentlich ein Mikroprozessor?

Ganz im Zeichen der Mikroprozessoren stand der Kongreß für Meßtechnik und Automatik "INTERKAMA '77", und auch die SYSTEMS '77 hat dieser neuen Technik ein Symposium gewidmet. Was Mikroprozessoren können, verdeutlicht am besten ein Beispiel, das Dipl.-Ing. A. Selbach, Präsident der INTERKAMA, anläßlich eines Presse-Gespräches erklärte: Ein Mikroprozessor in der Preisklasse von 100 bis 1000 Mark ersetze heute einen Großrechner, der vor 30 Jahren 2 Millionen Dollar gekostet habe. Wir wollten wissen, was dem EDV-Anwender zu diesem Begriff einfällt.

Helmut Coenen

Verwaltungsdirector Kommunales Rechenzentrum Niederrhein, Moers

Der Mikroprozessor - ich glaube, man nennt ihn auch "Chip" - ist ein elektronisches Bauelement aus Silicium, das etwa ab Mitte 1971 in den unterschiedlichsten Industriezweigen verwendet wird, die Skala reicht vom Fernschreiber bis zum Staubsauger.

Der Mikroprozessor findet sich selbstverständlich auch in der Computer-Industrie wieder - hier oft unter dem Begriff "Mikrocomputer". Er wird vor allem als Satelliten-Terminal zu größeren Systemen eingesetzt, also als intelligentes Terminal. Ein Mikrocomputer besteht aus logischen Schaltkreisen, sicherlich ist auch bei entsprechender Programmierung eine Speichermöglichkeit gegeben. In diesem Zusammenhang spricht man von "Mikroprogrammierung". Eine Begrenzung ist allerdings zur Zeit noch gegeben: Der Mikroprozessor - sprich Chip - kann derzeit nur eine maximale Mortlänge von 16 Bit erreichen. Die Entwicklung geht jedoch weiter, und ich erwarte für die 80er Jahre einige interessante Anwendungsmöglichkeiten.

In unserem Hause wird derzeit kein Mikroprozessor-System eingesetzt.

Kurt Geiser,

Leiter der EDV, Bremer Lagerhaus Gesellschaft, Bremen

Spontan verstehe ich unter dem Begriff "Mikroprozessor" ein Computersystem, das nach der neuesten Technologie aufgebaut ist und zur Steuerung von Produktionsmaschinen egal, welcher Größenordnung verwendet wird. Nur verstehen Hersteller unter Mikros oder auch "Chips" etwas anderes: Sie werden auch in kommerzielle Großsysteme eingebaut. Meiner Meinung nach ist also der Begriff "Mikroprozessor" zweideutig. Denn auch kleinere Computer, wie Steuerungssysteme, beinhalten heute die gleichen Bauteile, wie sie auch in Großrechnern enthalten sind. Unklar ist zudem, warum heute auch komplette Systeme mit mehreren hundert Chips als "Mikroprozessor" bezeichnet werden. Bei intelligenten Terminals sprechen die Hersteller auch von eingebauten Mikroprozessoren, das bedeutet für mich, daß dort ein kleiner Computer eingebaut ist, der speichern und auch rechnen kann. Eine exakte Definition, was nun ein Mikroprozessor ist, gibt es noch nicht. Zum Beispiel laufen die japanischen Taschenrechner auch unter der Bezeichnung "Mikroprozessor", ebenso Nähmaschinen und Küchenherde. Jeder benutzt diesen Begriff, obwohl die Auslegung des Wortes "Prozessor" ja bereits eine ganze Maschine bedeutet und nicht nur ein Chip. Wenn ich heute einen Prospekt lese, mit dem für "Mikroprozessorgesteuerte" Systeme geworben wird, sagt mir das noch gar nichts: Ich muß erst alles durchlesen, um zu erkennen, was im Detail damit gemeint ist.

Die Großcomputer-Hersteller gehen mit dem Begriff "Mikroprozessor" wesentlich vorsichtiger um: Hier wird dem Anwender klar gesagt, wo im System ein Mikroprozessor eingebaut ist. Hierbei handelt es sich nicht nur um "Chip", sondern um eine in sich abgeschlossene Maschineneinheit, die bestimmte Funktionen ausüben kann.

Man sollte für unterschiedliche Anwendungen auch unterschiedliche Begriffe finden, es verwirrt sonst nur.

Dr. Martin A. Graef

Direktor des Zentrums für DV, Universität Tübingen

Im universitären Bereich weiß der Anwender sehr wohl über die Einsatzmöglichkeiten von Mikroprozessoren Bescheid. Wir selbst haben sehr viele Experimentatoren, die damit arbeiten und die sich natürlich sehr darüber freuen, diese Mikros nun, da die Miniaturisierung so weit -fortgeschritten ist, überall einsetzen zu können. Die Verwendung von Mikroprozessoren erlaubt es uns, intelligente Systeme nach außen zu verlegen. Unsere Benutzer gelangen dadurch in den: Vorteil, intelligente Leitungsrechner zu haben, so daß ein Verbund von größeren Systemen leicht realisiert werden kann.

Bei uns ist der Mikro nicht nur mehr ein Schlagwort - wie oft bei den Anwendern in der Wirtschaft - wir arbeiten echt damit.

Wir konnten durch die Mikros mit relativ geringem Kosten- und Leistungsaufwand Leitungsprozeduren umformen und intelligente Terminals schaffen. Ganz sicher macht diese Entwicklung den Einsatz von Großrechnern nicht überflüssig, es kommen nur neue Aufgaben auf uns zu, denen wir uns anpassen müssen. Das konventionell geführt Rechenzentrum tritt immer mehr in den Hintergrund. Der Mikro weist dem Service-Betrieb Rechenzentrum eine neue Aufgabenstellung zu, der er sich anzupassen hat.

Wir selbst halten Vorträge über Mikroprogramming ab und haben Spezialisten, bereit, die unseren Benutzern Hilfestellung bei der Anwendung der Mikroprozessor-Technik bieten. Innerhalb der Universität macht man sich ganz bestimmt kein falsches Bild. Auch in der Wirtschaft sollte darauf geachtet werden, daß der Rechenzentrumsleiter seinen Benutzern Unterstützung erteilt. Seine Arbeit ist nicht länger, nur einfach eine Maschine zu betreiben. Er muß mit seinem neuen Wissen hineingehen in die Fachabteilung und sich verantwortlich fühlen für den Einsatz der Datenverarbeitung - und dazu gehören die Mikros nun einmal. Ist dieser RZ-Leiter ein aufgeschlossener Mann, wird er diese neuen Aufgaben finden und auch meistern. Vorbehalte gegen "neuen Kram", wenn das alte doch läuft, sind nicht mehr angebracht. Wir gehen den Mikros sicher nicht aus dem Weg - sie dringen vehement vor. Wenn wir nicht aufpassen, entsteht leicht ein "Wildwuchs", der später nur sehr schlecht wieder . koordiniert werden kann.

Horst Laue,

EDV-Sachbearbeiter, Bonn

Meines Wissens gibt es weder eine genaue Definition des Mikrocomputers noch eine Abgrenzung zu anderen Systemen. Die Miniaturisierung der Elektronik-Komponenten hat ein Ausmaß angenommen, wie man es vor Jahren nicht für möglich gehalten hat. Mit der Entwicklung des Mikroprozessors ist eine neuer revolutionäre Phase in der Elektronik eingetreten, in deren Verlauf Systeme auf dem Markt erwartet werden, die ein heute noch unvorstellbares Preis/Leistungsverhältnis aufweisen. Ein Mikroprozessor ist ein Halbleiter-Bauelement, in dem alle zentralen Rechen- und Steuerfunktionen integriert sind. Das Ziel der Halbleiter-Technologie ist, eine möglichst große Dichte von Schaltkreisen oder Dioden auf einer oder einigen wenigen Silicium-Flächen, den sogenannten "Chips", zu erreichen. Die sehr kleinen und flexiblen Mikroprozessoren eröffnen die Möglichkeit, Funktionen der Digitaltechnik durch Computerbefehle in herkömmliche elektronische Schaltungen des Gerätes zu übertragen, so wie es bisher unwirtschaftlich oder aus Platzgründen nicht realisierbar war.

Der Mikroprozessor bildet zusammen mit anderen Bausteinen den Mikrocomputer. Programmiert man diesen durch ein Anwendungsprogramm, stehen sämtliche Funktionen des Mikrocomputers, die in Form Befehlen dargestellt werden, spricht man von einem funktionsfähigen Mikrocomputer-System. Die Speicherung der

Software erfolgt in Festspeichern (ROM = Read Only Memory); der Inhalt dieser ROM'S, der vom Hersteller entsprechend der Kundenanweisung festgelegt wird, ermöglicht keine nachträglichen Änderungen. Besteht die Notwendigkeit, den Speicherinhalt nachträglich zu ändern, werden die kostenaufwendigeren PROM's (Programmable ROM), die sich durch ultraviolette Bestrahlung löschen und in einem besonderen Gerät neu programmieren lassen, verwendet. Bei der Speicherung der Daten kommen RAM's (Random Access Memory) zur Anwendung. Wenngleich die Mikroprozessoren nahezu überall einsetzbar sind, lassen sich zur Zeit die meisten Anwendungen im technischen und militärischen Bereich finden. Der Erfolg der Mikros im kommerziellen Bereich ist meines Erachtens hauptsächlich davon abhängig, inwieweit es gelingen wird, Anwendungssoftware zu einem vernünftigen Preis/Leistungsverhältnis zu erhalten.