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19.06.1987 - 

Dr. Volkhard Seraphim, Direktor der Zentralstelle für Arbeitsvermittlung, Frankfurt, der Bundesanstalt für Arbeit.

Was kann eine staatliche Manager-Vermittlung leisten?

EDV ist in unserer Technologie-orientierten Zeit zu einem Synonym für die Erweiterung des intellektuellen und Psychischen Potentials des Menschen geworden; der Begriff steht für Aufbruch in eine neue Zeit, für Effizienz und Kreativitäts-Eigenschaften, die staatlichen Stellen nicht immer zugeschrieben werden, so auch einer Sonderorganisation der Bundesanstalt für Arbeit: der Zentralstelle für Arbeitsvermittlung (ZAV) in Frankfurt.

Entsprechend des im Arbeitsförderungsgesetz normierten Alleinrechtes zur Vermittlung von Arbeitsplätzen hat die ZAV die Aufgabe, Führungskräfte der ersten und zweiten Unternehmensebene, also Vorstandsmitglieder, Direktoren Geschäftsführer, Bereichsleiter, Abteilungsleiter, zu vermitteln. Trotz dieses Alleinrechts befindet sich die Frankfurter Behörde bei realistischer Einschätzung tatsächlich in Konkurrenz zu einigen hundert Personalberatungsunternehmen, die privatwirtschaftlich organisiert sind. Mit vielen seriösen Personalberatungsunternehmen bestehen zugleich in den Jahren gewachsene, vielfältige und gute Kooperationsbeziehungen.

Aus der Sicht dessen, der sich beruflich verändern will, ist der Arbeitsmarkt "EDV-Mikroelektronik" gegenwärtig unproblematisch. Bewerber um Stellen haben gute Wahlmöglichkeiten. Naturgemäß sehen die Unternehmen die Kehrseite der Medaille, die Schwierigkeit nämlich, die vakanten Führungspositionen mangels vorhandener Bewerber zu besetzen.

So bringen auch Stellenanzeigen, die die Unternehmen in der überregionalen Presse und in DV-Fachzeitschriften unter ihrem Namen veröffentlichen, nicht immer die erhoffte Resonanz und den Erfolg. Führhungskräfte-Angebot und -Nachfrage klaffen auf dem DV-Markt so weit auseinander, daß selbst anonyme Stellenangebote, die Personalberatungen und die ZAV im Auftrag von Unternehmen veröffentlichen, keine Abhilfe schaffen. Demzufolge hat sich ein lukratives Betätigungsfeld für die sogenannten "Executive Searchers", salopp "Headhunter" bezeichnet, aufgetan. Auf die kontroversen Ansichten rechtlicher Natur, die über diese Art von "Führungskräfte-Transplantation" bestehen, soll hier nicht eingegangen werden.

Die ZAV bedient sich dieser Praktiken nicht: Zu vielfältig sind die Karriere-Abstürze von Managern, die vermeintlich verlockenden Angeboten nicht widerstehen konnten. Desillusioniert und durch den Karriereknick keine attraktiven Objekte des Executive Search mehr, kommen sie in persönliche und berufliche Bedrängnis. Selbst Unternehmen, die in ihrer Ratlosigkeit, geeignete Bewerber zu finden, auf dieses Mittel der Personalsuche zurückgreifen, beklagen im vertraulichen Gespräch die negativen - auch betriebswirtschaftlich meßbaren - Begleiterscheinungen für den "Abgabe-", aber auch den "Aufnahme-Betrieb".

Da die ZAV aufgrund des gesetzlichen Auftrags das Alleinrecht zur Vermittlung von Führungskräften hat, verfügt sie nicht nur über einen Stellenangebots-, sondern auch über einen Bewerberpool. Vornehmste Aufgabe des Vermittlers ist, die fachlich und persönlich passenden Partner zusammenzubringen.

Der fachliche Aspekt kann dabei auf ein mathematisches Kongruenz-Verfahren reduziert werden. Folgerichtig nutzt die ZAV durch ihre computerunterstützte Arbeitsvermittlung die Möglichkeiten der EDV zur Vor-Auswahl passender Bewerber. Dieses Verfahren verhilft zu Zeitersparnis und Arbeitserleichterung. Ein weiterer Aspekt ist indes weitaus diffiziler und delikater.

Bei Führungspositionen fallen persönliche Qualifikationen eines Kandidaten sehr viel stärker ins Gewicht als fachliche. Um dieser anspruchsvollen Aufgabe gerecht zu werden, sind bei der ZAV die leitenden Vermittlerpositionen mit Mitarbeitern besetzt, die eine akademische Ausbildung mit langjähriger Berufs- und Führungserfahrung auf den Unternehmensebenen haben, für die sie tätig sind.

Die Vermittlertätigkeit erfolgt also nicht durch "reine Verwaltungs-Fachleute", sondern durch Persönlichkeiten, die in den Berufsbereichen und Branchen Fachleute waren, in die sie heute Kandidaten vermittlen. Fortbildungsveranstaltungen und ein umfangreiches Angebot an Fernstudien auf den Gebieten der Personalbeurteilung sowie -auslese und der DV sichern zudem das kompetente Beratungsangebot der ZAV. Der ständige persönliche Umgang mit DV-Führungskräften und Unternehmen, die solche beschäftigen, läßt die Vermittler ebenfalls den Kontakt zur Realität der Arbeitswelt, aber auch zum technologischen Wandel nicht verlieren.

Eben dieser persönliche Umgang mit DV-Arbeitgebern und -Arbeitnehmern ist daher ein sehr wichtiger und aufwendiger Bezugspunkt der Arbeit eines ZAV-Vermittlers. Nur diese intensiven Kontakte ermöglichen eine individuelle und beide Seiten zufriedenstellende Betreuung. Hier wird sichergestellt, daß die "Persönlichkeit" des Unternehmens mit der Persönlichkeit des Kandidaten vereinbar ist. Bewerber finden einen umfassenden Service - von der Information über und in Fragen der Karriereplanung, der persönlichen Darstellung bei Bewerbungen, auch in Fragen des Arbeitsmarktes bis hin zu Angeboten zur Fort- und Weiterbildung sowie Qualifizierung.

Ein Angebot an entsprechenden Dienstleistungen besteht für die Arbeitgeberseite. Dieser Service ist gemeinnützig und kostenlos. Daß er vertraulich und diskret ist, braucht nicht besonders betont zu werden. Kein Klient erfährt eine bevorzugte Behandlung oder ein Mehr an Dienstleistung, nur weil er bereit oder in der Lage ist, auch entsprechend mehr dafür zu bezahlen. Dies ist eine wesentliche Voraussetzung für die Unparteilichkeit und Neutralität, zu der die ZAV - wie alle Organisationen der Bundesanstalt für Arbeit - ohnehin gesetzlich verpflichtet ist.

Damit auf dem Führungskräftemarkt, auch in der EDV, durch Vermittlung der ZAV die richtigen Partner zusammenfinden, ist es erforderlich, daß ein ausreichender Bestand an entsprechenden Stellengesuchen und Stellenangeboten vorhanden ist. Hier ist die ZAV, die auf der Bewerberseite, wie erwähnt, keine Direktansprache praktiziert, darauf angewiesen, daß beide Parteien aus eigener Entscheidung auf sie zukommen und sie mit der Vermittlung beauftragen. Von einer großen Zahl von Unternehmen hat die ZAV einen ausgesprochenen "Dauerauftrag". Der gute DV-Arbeitsmarkt für Bewerber um Stellen findet seinen Ausdruck auch darin, daß sich mehr als 70 Prozent dieser veränderungswilligen Kandidaten aus ungekündigter Stellung das Dienstleistungsangebot der ZAV zunutze machen und sich über diese um eine neue Position bemühen.