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18.03.1977

Was kostet die Umstellung auf DB?

In der aktuellen Diskussion über Datenbank- Systeme scheint es nur noch darum zu gehen, ob DB- Konzepte eine optimale Verarbeitung ermöglichen oder andererseits schnellen Informations- Zugriff unterstützen. Indes, soweit sind die Anwender noch nicht. Es ist eher offensichtlich, daß die Umstellung auf Datenbank- Systeme schleppender vorangeht, als es sich die Hersteller erhofft haben. Auch "sophisticated User" schrecken noch davor zurück, ein lnstrumentarium einzusetzen, dessen Kosten sie - insbesondere in der Planungs- und Vorbereitungsphase- für schlecht abschätzbar halten. Insbesondere dann, wenn den genau bezifferbaren Ausgaben für DB- Software einschließlich Mitarbeiter- Schulung keine Ersparnisse in Mark und Pfennig gegenübergestellt werden. Diese Skepsis ist in Bezug auf die derzeit angebotenen DBMS- Produkte durchaus nicht unbegründet, wie nachstehende Statements zeigen.

Helmut R. Walter, Geschäftsführer und DB- Designer, GES GmbH, Insel Reichenau

Wenn unsere Seminarteilnehmer die Kosten schätzen, die vor der Umstellung konventioneller Datenhaltung auf ein Datenbank- Konzept stehen, so hört man meist eine Summe, die zusammengesetzt ist aus: Kaufpreis des DBMS x 2. Man ist - mit anderen Worten - geneigt, nochmals so viel wie das Datenbank- System gekostet hatte, für die Umstellung zu investieren.

Bernie Plagman, ein amerikanischer Management- Berater in Sachen Datenbanken und Kommunikationssysteme, rechnet in der Regel mit einem zweijährigen Umstellungsprozeß. Die Kosten hierfür beziffert er um die fünf Millionen Mark.

Die erste Zahl ist verständlich, wenn man berücksichtigt, daß jeder Seminarteilnehmer noch nicht "problematisiert" ist. Beginnt man aber einmal, die Randbedingungen dieser "Plagman- Zahl" zu spezifizieren und die einzelnen Kostenfaktoren zu analysieren, dann ist diese Zahl nicht mehr so unrealistisch, wie man ursprünglich glaubte. Nun, jede Umstellung auf eine Datenbank ist natürlich kein Fünf Millionen- Projekt, zumal Plagman ja nicht von einer Umstellung spricht, sondern von einem langjährigen Umstellungsprozeß, dessen Hauptkosten- Anteil in der Infrastruktur liegt. Viele mir bekannte DBMS- Installationen sind sowieso nur Insellösungen. Die sind natürlich meist billiger zu haben, wobei in den meisten Fällen die Frage berechtigt ist, ob die Vorteile, die man sich von dieser "Datenbank- Lösung" versprochen hat, die erbrachten Investitionen rechtfertigt. Meist hätte eine bessere Datenorganisation oder eine effizientere Zugriffsmethode den gleichen Effekt gehabt. Dazu kommt noch, daß gerade bei den Insel- Lösungen der Einsatz sogenannter "File- Management- Systeme" insgesamt gesehen weit kostengünstiger ist. Diese wichtige Tatsache wird sehr oft außer acht gelassen. Allerdings hat eine solche Insel- Lösung auch den Vorteil des Lerneffekts. Der Anwender hat die Möglichkeit, an Hand eines überschaubaren Anwendungsfalles erste Erfahrungen mit dem "scharfen Instrument" Datenbank- Software zu sammeln.

Mit den Datenbank- Design-Techniken ist es wohl ähnlich wie mit den Strukturierten Design- Techniken. Man befaßt sich, wenn überhaupt, nur sehr oberflächlich damit und verirrt sich weiterhin im Dschungel der Systementwicklung. Die Folgen sind dann meist die bekannten- Verketzerungs- Attacken Über ineffiziente Datenbank- Systeme und - insgesamt gesehen - verringerten Gesamtdurchsatz.

Eine pauschale Aussage Über die DB- Umstellungskosten kann natürlich nicht gemacht werden. Sie ist abhängig von einer Vielzahl von Kriterien und Randbedingungen. Kalkulierbar und vertretbar werden sie überall dort sein, wo erfahrene DB- Designer und DB- Analytiker am Werk waren, die in der Lage sind, das Machbare zu realisieren.

Unternehmen, deren Mitarbeiter noch nicht dem Stadium einer DB- Euphorie entwachsen sind, denen in jeder Hinsicht das Know- how für ein professionelles DB- Design fehlt, und die dem Verkaufsgeschwätz eines VB-Mannes hoffnungslos verfallen sind, für die wird es eine böse Ernüchterung geben.

Klaus Gehrmann, Organisation Technischer Bereich Vorwerk + Co. Elektrowerke GmbH & Co. KG, Wuppertal

Mit heute 2900 Beschäftigten erwirtschaftet die Vorwerk Electro derzeit einen Jahresumsatz von etwa 420 Millionen Mark. Bis Anfang 1976 wurden die Fertigungsstammdaten (Stücklisten, Arbeitspläne, Teilestamm) über den MRP- Generator von IBM verwaltet und ausgewertet. Das Gesamtsystem umfaßt mehr als 100 Programme. Da MRP mit der Zeit bei zunehmendem Datenumfang Schwierigkeiten bereitete und der Hersteller keine Wartung mehr durchführte, mußten wir nach einer neuen Lösung suchen, damit der Datenbestand aufgrund der neuen Bedarfsrechnung um Unterteilstammsätze erweitert werden konnte. Wir entschieden uns für das Datenbanksystem Isogen. Die Umstellung 1:1 brachte keine Probleme, lediglich die Ein/Ausgaberoutinen der Programme mußten durch Isogen- Calls ersetzt werden. Ferner wurden acht Verwaltungsprogramme, die im Laufe von zehn Jahren entwickelt wurden, optimiert und auf drei reduziert.

Die Kosten der Umstellung auf diese Datenbank waren im Verhältnis zu den Vorteilen der DB- Lösung- nicht hoch: Für den Kauf von Isogen, die Programmänderungen, Stammdaten- Umsatzprogramme und Anpassung der Datensicherungsorganisation wurden sechs Mann- Monate aufgewendet. Denn im Gegensatz zum MRP- Generator erfordert das Handling unserer neuen Datenbank keine detaillierten DB-Kenntnisse, der enorme Schulungsaufwand fällt also weg, da der DB- Zugriff über eine eindeutig definierte Schnittstelle per Call erfolgt. Heute, nach einem zweimonatigen Parallellauf MRP- Isogen, konnten wir durch die neue Lösung eine CPU- Einsparung von 40 Prozent verzeichnen.

Maximilian Wieland, Leiter der EDV, Bayerische Beamtenversicherung, München

Wenn es um die Installation eines DB/DC- Systems geht, denkt der Anwender wohl meist zuerst- wenn er sein EDV- Budget rechtfertigen muß- an die Kosten für erhöhten Hardware- Bedarf, also CPU, Großspeicher, TP- Peripherie. Ebenfalls fest einzukalkulieren sind die Lizenzgebühren für die DB/DC- Software. Was aber oft bei dieser Rechnung nicht genügend berücksichtigt wird, sind die Schulungskosten, deren Aufwand nicht unterschätzt werden darf: Komplexe und vielschichtig aufgebaute DB/ DC- Systeme erfordern außerordentliche Vorleistungen seitens des Anwenders- wenn Erfolg garantiert werden soll. Zu schulen sind nicht nur EDV- Organisatoren (Systemanalytiker), Anwendungsprogrammierer, Systemprogrammierer, Bediener, Gruppenleiter und sogar der Leiter der EDV- Abteilung, sondern auch diejenigen Mitarbeiter, die sich speziell mit DB- und DC Organisation befassen sollen. Dazu kommen dann noch die Schulungskosten für alle Mitarbeiter: DFV- Ausbildung und- Schulung.

Bis hierher sind die Kosten noch einigermaßen überschaubar, weitere Posten, die enorm ins Geld gehen können entstehen aber noch, wenn man meint, bereits das oben genannte "im Griff" zu haben: Alle Mitarbeiter müssen eine ausreichende Lern- und Trainingszeit zur Verfügung haben, speziell die Mitarbeiter der DB/DC- Gruppe sollten über mehrere Monate hin am Design arbeiten, Testdatenbanken aufbauen, Performance- Statistiken auswerten und mit dem System vertraut werden können.