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17.09.2004 - 

Die Pakete von Suse, Red Hat und Sun im Vergleich

Was Linux-Desktops zu bieten haben

MÜNCHEN (ls) - Die Zeiten, in denen Desktops nahezu aus- schließlich mit Windows und Office bestückt waren, neigen sich ihrem Ende zu. Immer mehr Firmen interessieren sich für Alter- nativen - und die kommen aus der Open-Source-Welt. Im Zentrum der Aufmerksamkeit stehen die Eigenschaften dreier Pakete von Suse, Red Hat und Sun.

Auf den Servern hat Linux sich so schnell verbreitet wie kein Betriebssystem vor ihm. Doch auf den Desktops ist der schon oft prognostizierte Siegeszug bisher ausgeblieben, auch wenn sämtliche Marktforscher eine höhere Durchdringung vorhersagen. IDC schätzt, dass 2002 weltweit 3,4 Millionen Clients mit Linux liefen, 2007 sollen es mehr als zehn Millionen sein. Das wäre ein Marktanteil von sechs Prozent.

Positive Erfahrungen mit Linux auf den Servern haben das Eis gebrochen. Doch die lassen sich allenfalls bedingt auf PC-Umgebungen übertragen. Den Vorteilen von Linux-Desktops stehen durchaus kritische Aspekte gegenüber (siehe Kasten "Pro und Kontra"). Ob letztlich die Vorteile überwiegen oder die Gegenargumente zum Verbleib in einem Microsoft-Szenario führen, hängt von vielen spezifischen Ausgangssituationen in den jeweiligen IT-Abteilungen und von der Umgebung ab, in der ein Unternehmen oder eine Verwaltung sich bewegt.

Gegen Microsoft aufgestellt

Doch die Argumente sind im Fluss. Weder Microsoft noch die Linux-verbundenen IT-Anbieter schlafen. Beide Seiten werden noch stärker als bisher versuchen, sich technisch auszustechen. Immerhin haben die wichtigsten Anbieter im Desktop-Linux-Segment Microsoft die zwei wichtigsten Argumente für Windows aus der Hand genommen: Die Linux-Alternativen sind technisch ausgereift und komplett. Zweitens kommen sie aus einer Hand, inklusive Updates und Support. Damit sind sie wettbewerbsfähig.

Die Basisausstattung für 90 Prozent aller Arbeiten am Desktop ist auch unter Linux gegeben. Alle im Folgenden vorgestellten Linux-Pakete für Business-Desktops verfügen über die üblichen Büroprogramme, Browser, E-Mail-Systeme, Groupware-Clients etc. Deutlicher unterscheiden sie sich in ihren Tools für Installation und Administration der Desktops, für Updates und Sicherheit. Diese Verwaltungsaspekte sind der wichtigste Kostenfaktor in professionellen IT-Umgebungen.

Suse Linux Desktop 1.0

Dieses Paket der Nürnberger Novell-Tochter ist das älteste auf dem Markt; der zugrunde liegende Linux-Kernel 2.4.19 erschien im August 2002. Es läuft auf Ein-Prozessor-PCs mit Intel- oder AMD-CPUs nach der klassischen x86-Architektur. Die Desktop-Clients lassen sich in heterogene Umgebungen mit Zugriffsmöglichkeiten auf Windows-, Unix-, Internet- und Applikations-Server (beispielsweise SAP) einbinden.

Das aus Sicht der Administratoren wichtigste Merkmal ist das Tool "Yast 2" (Yet Another Setup Tool). Bei der Installation erkennt es die vorhandene Hardware und führt durch den Prozess. Dabei gibt es drei Wahlmöglichkeiten, nämlich die Installation eines Thin Clients, eines Standard-Desktops oder eines Templates für Clients nach unternehmensspezifischen Vorstellungen. Über letzteres Verfahren lassen sich später per "Autoyast" Desktops automatisch konfigurieren, mit Patches und Updates versorgen sowie remote administrieren. Die Fernwartung wird unterstützt durch "Yast Online Update" (YOU).

Dateien und Mails können per Mausklick im Datei-Manager verschlüsselt werden. Über eigentliche Sicherheitsfunktionen hinaus geht das integrierte "KDE Desktop Security System" (Kiosk), das Benutzerrechte festlegt. Wer auf welche Dateien und Programme zugreifen darf, lässt sich fein regeln. Änderungen an der Desktop-Konfiguration werden für die User zum Tabu.

Red Hat Desktop

Technisch ist dieses Anfang Mai 2004 erschienene Paket nahezu identisch mit Red Hat Enterprise Linux 3 WS (Workstation). Im Unterschied zu diesem auf technische Workstations zugeschnittenen System läuft der RH Desktop nur auf Systemen mit einer CPU, allerdings auch auf 64-Bit-Prozessoren von AMD und Intel (EM64), jedoch nicht auf dem Itanium. Der Kernel 2.4.21 enthält einige Performance-steigernde Eigenschaften, die aus der Entwicklung des Linux-Kerns 2.6 stammen.

Das Installations-Tool "Anaconda" erkennt zuverlässig vorhandene Hardware und führt zügig durch den Prozess. Per Kickstart auf einem Server lässt sich das Betriebssystem auf viele Clients übertragen. Die weitere Basis der Administration sind "Proxy" oder "Satellite Server", die das Red Hat Network (RHN) nutzen. Dies ist ein Dienst, über den der Distributor seine Kunden mit Updates und Patches entsprechend der jeweiligen Konfiguration versorgt.

Ein Management-Modul für die Server dient dazu, Updates von einer zentralen Stelle aus für mehrere Rechner durchzuführen. Hiermit werden auch Gruppen, Rollen und (delegierbare) Administrationsrechte definiert. Außerdem lassen sich Applikationen, Add-ons etc. zentral installieren oder entfernen. Im Unterschied dazu informiert das Update-Modul einzelne Anwender über verfügbare Neuerungen und ermöglicht ihnen deren Installation. Am weitesten geht das Provisioning-Modul, das auch zentrale Updates von Versionen gestattet, was mit dem Management-Modul nicht möglich ist. Es bietet auch die Möglichkeit, einen Rechner als Prototyp zu konfigurieren und zu testen, um diese Konfiguration dann automatisch auf beliebig viele Maschinen zu kopieren.

Sun Java Desktop System 2

Das Desktop-Paket von Sun baut auf Suse Linux auf, auch beim Installations-Tool handelt es sich im Kern um das Yast der Nürnberger. Für die zentrale Installation und Administration bedarf es jedoch eines Servers mit einer Red-Hat-Distribution. JDS ist das umfangreichste Programmpaket auf dem Markt. Das liegt zum einen daran, dass es die Java 2 Standard Edition 1.4.2 und Netbeans IDE 3.6 umfasst. Zum anderen bietet es das beste Administrationswerkzeug.

Herausragendes Merkmal des Sun-Angebots ist die Verwaltung der Clients. Sie erfolgt über "Sun Control Station 2.1" (SCS). Dieses mächtige Steuerungssystem übernimmt nicht nur (per "Allstart") das Setup multipler Desktops und die automatische Verteilung von System-Images und Anwendungen. Es umfasst auch ein Verzeichnis der Hardwareprofile und der Softwareausstattung jedes PCs. Bevor neue Programme im Push-Verfahren verteilt werden, prüft das System zunächst deren Verträglichkeit mit den vorhandenen Applikationen. Die Performance der Desktops wird laufend überwacht.

Per "JDS Configuration Manager" richten Administratoren, Anwendergruppen und ihre Rechte bis hin zu fein granulierten Privilegien einzelner User ein. Hier sind auch die Sicherheitsregeln hinterlegt. Im Notfall kann ein System-Manager oder der User-Support einen Desktop remote übernehmen, um Anwendern zu helfen oder Problemen auf die Spur zu kommen.

Die Perspektiven

Alle drei Desktop-Pakete arbeiten mit einem recht betagten Linux-Kernel 2.4. Der aktuelle Kernel 2.6 bringt auch für PCs erhebliche Vorteile hinsichtlich Performance und Hardwareerkennung. Suse hat ein entsprechendes neues Paket angekündigt, das im November auf den Markt kommen könnte. Es dürfte besonders in Sachen Setup, Administration und Benutzeroberfläche viele Neuerungen mit sich bringen. Branchengerüchte, nach denen Novell die Oberfläche Gnome des Tochterunternehmens Ximian mit KDE zu einem Produkt zusammenführen möchte, werden allerdings dementiert. Sicher scheint zu sein, dass der E-Mail-Client und Groupware-Ansatz "Evolution" aufgewertet wird. Außerdem kommt von Novell das Netzadministrationswerkzeug "Zen" hinzu.

Red Hat hat ein neues Desktop-System für das erste Quartal des kommenden Jahres announciert, das sich an das dann ebenfalls erscheinende Red Hat Enterprise Linux 4 mit dem neuen Kernel anlehnen wird. Das Schwergewicht der Neuerungen liegt auf Sicherheit und Systemverwaltung. Integriert wird nämlich "Security Enhanced Linux" (SELinux). Dessen "Mandatory Access Protocol" (MAC) definiert fein granulare Zugriffsrechte für Anwender, Gruppen, Programme, Prozesse, Dateien und weitere Komponenten. Das Update soll für Red-Hat-Abonnenten kostenlos sein.

Warten auf die Neuerungen

Sun wird nachziehen, allerdings sind Details noch unbekannt. Als sicher gilt die Einbeziehung eines Übersetzers von Microsoft-Macros, der bisherige Grenzen von StarOffice aufheben soll. Hinweise in verschiedenen Sun-Dokumenten lassen vermuten, dass auch Programme unterstützt werden sollen, die nicht auf die Benutzeroberfläche Gnome zugeschnitten sind. Ob zu den Neuerungen schon die 3D-Oberfläche "Looking Glass" gehören wird, ist zweifelhaft. Sicher wird Sun einen bisher nicht vorhanden DVD-Player einbringen. Außerdem möchte das Unternehmen bestehende Probleme mit Centrino-WLAN-Chips in Notebooks aus dem Weg räumen.

Angesichts dieser in Kürze anstehenden Änderungen sollten sich Interessenten momentan besser nicht festlegen. Ganz Vorsichtige können mit einer Probe der vorhandenen Demo-CDs beginnen. Des Weiteren empfiehlt es sich, die aktuellen Pakete auf Einzelplätzen zu testen. Dabei sollte man den Schwerpunkt aber nicht auf das Betriebssystem, die Administration und die Benutzeroberfläche legen, weil hier große Fortschritte zu erwarten sind. Vielmehr gilt es, die Applikationen auf ihre Eignung im jeweiligen Betrieb und die Integrierbarkeit anderer Anwendungen zu testen.

Pro und Kontra

+ geringere Lizenzkosten für Betriebssystem und Anwendungen;

+ hohe Sicherheit gegen Viren;

+ Stabilität und Skalierbarkeit von Linux;

+ geringerer Administrationsaufwand

+ Selbstbestimmung über Updatezyklen;

+ längere Nutzbarkeit der Hardware;

+ tief greifende Administrations-Tools;

- kompliziertere Administration;

- Mangel an Linux-geschulten Administratoren;

- höhere Gehälter für Administratoren, wenn Betriebe keine Linux- oder Unix-Kenner haben;

- Kosten der Migration von Altanwendungen;

- Windows-Emulatoren (Crossover Office, Wine) nur begrenzt nutzbar;

- ablehnende Haltung der Endanwender.

Desktop-Linux-Pakete auf einen Blick

Angebot / Kernel / Favorisierte Benutzeroberfläche* / Applikationen* (Auswahl) / Installation, Administration, Update, Sicherheit

Suse Linux Desktop 1.0 / 2.4.19 / KDE 3.1.1 (Gnome 2.2) / OpenOffice 1.03, StarOffice7, Mozilla, Ximian Evolution, Kmail / SAP-Client, Acrobat Reader, Windows-Terminal- Server-Client, Codeweaver, Crossover Office / Yast 2, Autoyast, YOU, Kiosk

Red Hat Desktop (RHEL 3 WS) / 2.4.21 (modifiziert) / Gnome 2.4 / OpenOffice1.1, Mozilla, Ximian Evolution / Macromedia, Flashplayer, Real Networks, Realplayer, Acrobat Reader, Citrix ICA Client, Java-Plug-in (IBM, Bea) / Red Hat Network, Proxy/Satellite Server

Sun Java Desktop System 2 (JDS 2) / 2.4.19 / Gnome 2.2 / StarOffice 7, OpenOffice 1.1, Mozilla, Ximian Evolution, iCal Internet, Calendering / Acrobat Reader, Macromedia Flashplayer, Real Networks Realplayer, J2SE / Yast 2, Sun Control Station (SCS) 2.1, JDS Configuration Manager, Java System Update Service

*Durch automatisierbare Updates ständig auf neuestem Versionsstand