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17.09.1976 - 

Implantierte Computer sollen das Gedächtnis stützen:

Was man nicht im Kopf hat - hat man im Kopf

Wenn hier über Spekulationen eines amerikanischen Wissenschaftlers berichtet, wird, der in 50 Jahren Menschen mit Kleinstcomputern im Kopf herumspazieren sieht, so klingt auf den ersten Blick sicher mehr als futuristisch. Nur: Wie mögen sich 1926 wohl Prophezeiungen angehört haben, die, beispielsweise, auch nur einen modernen Taschenrechner als denkbar erklärt haben?

Dies vorausgeschickt, sind die Prognosen des Psychologen Adam Reed von der Rockefeller University sicher des näheren Hinhörens wert - zumal er ein wichtiges Teilgebiet dieses Forschungsfeldes selber bearbeitet. Reed spekulierte auf einem US-Wissenschaftlerkongreß nämlich nicht allein auf die fortschreitende Miniaturisierung der Computer, sondern auch auf einen Durchbruch in der Input-Output-Technologie: Eines Tages, so erklärte er zuversichtlich, wird ein Computer direkt die Gehirnströme des Menschen "verstehen" und so auf dem direktesten vorstellbaren Weg mit unserem Denkapparat im Kopf kommunizieren. Diese Perspektive läßt selbst die Vision eines sprechenden und

sprach-verständigen Computers blaß und dürftig erscheinen.

Reed arbeitet in seinem Laboratorium an der Entschlüsselung der komplizierten elektrochemischen Prozesse, die wir "Denken" nennen. Aus Tierversuchen gewinnt er Stück für Stück die für bestimmte körperliche Reaktionen charakteristischen Hirnstrommuster, doch weitere Erkenntnisse kann er erst erhoffen, wenn ihm bessere Hardware geliefert wird: Zum gezielten Kontaktieren einzelner Gehirnzellen braucht er zehnmal dünnere Elektroden als heute - Drähte, von denen 100 000 auf den Quadratmillimeter gehen.

Aber erst nach Überwinden des Elektroden-Problems beginnt für Reed der eigentliche Hindernislauf. Er wird dann klären müssen, wie dem Gehirn die im Computer gespeicherten Informationen verständlich gemacht werden können, an welchen "Schlüssel"-Gehirnzellen die Verbindung zum Rechner ansetzen soll, wie man den gehirn-internen "Denkcode" und die Computer-Programmierung auf einen Nenner bringen kann und wie das Gehirn es eigentlich anstellt, sich den Sinn gespeicherter Informationen bewußt zu machen. Nur wenn diese und andere Probleme beherrscht werden wird man die riesigen Speicherkapazitäten, die hohe Arbeitsgeschwindigkeit und vor allem die maschinentypische Irrtumsfreiheit zur unmittelbaren Erweiterung unseres menschlichen Denk- und Lernvermögens nutzbar machen können.

Und dann ist da noch Frage: Bedrohen Arbeiten wie die Reeds und seiner Kollegen nicht in unverantwortlicher Weise die Freiheit und Vertraulichkeit des Gedankens? Machen sie nicht den Bau von "Super- Lügendetektoren", ja von "Gehirn -Abhöranlagen" vorstellbar, die etwa in der Hand eines Geheimdienstes und einer neuen "Watergate-Regierung" zur unabsehbaren Bedrohung für Demokratie und Freiheit werden könnten? Reed sieht diese Gefahren sehr wohl und meint, notfalls müßten die Wissenschaftler aus ihrer eigenen Verantwortung heraus die mißbräuchliche Verwendung ihres Know-hows verhindern, indem sie die Mitarbeit verweigern. Doch kann man auf diese Hoffnung bauen?

Informationen: Egon Schmidt ist freier Wissenschaftsjournalist.