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02.07.1976

Was tun, wenn auf dem Hobel die Lichter ausgehen?

Mit Helmut Pütter, EDV/ORG-Chef der Gutehoffnungshütte Sterkrade AG, sprach CW-Chefredakteur Dr. Gerhard Maurer.

- Keine Frage, daß in den allermeisten Unternehmen heute sehr viel mehr Datenverarbeitung betrieben wird als vor Jahren. Sind die Budgets entsprechend gewachsen?

Bekanntlich sind die Personalkosten gestiegen. Aber was die Hardware betrifft sind die Budgets - zumindest bei uns - konstant geblieben, obwohl wir heute ein Vielfaches per Datenverarbeitung abwickeln.

- Eines von dem, was Sie heute machen, lief bei Ihnen schon 1971: Timesharing für die Konstrukteure. Eine Bildschirmanwendung für die Lagerwirtschaft. Das waren Pionieranwendungen, die bereits auf der 360/50 liefen. War das damals alles teurer?

Ganz gewiß, wenn man die Leistungseinheit betrachtet. Unsere 360/50 hatte bereits 1300 K. Für dieses System bezahlten wir bis Mitte 1972 etwa 180 000 Mark Monatsmiete. Heute zahlen wir ungefähr den gleichen Betrag für eine 370/158 mit 1,5 MB, aber wesentlich höherer Leistung. Diese günstige Relation wurde auch durch Abschluß eines Leasing-Vertrages erreicht.

- Wurde die größere Maschine denn auch wirklich gebraucht?

Wir haben die zusätzliche Kapazität dringend für den Ausbau unserer Online-Anwendungen gebraucht. Dazu zählt insbesondere unser Materialwirtschaftssystem (Einkauf/Rechnungsprüfung). Hier arbeiten wir heute inklusive einiger Randgebiete mit 45 Bildschirmen gegenüber 12 Bildschirmen im Jahre 1972. Des weiteren haben wir das Timesharing-System - heute TSO - für die technischen Berechnungen unserer Konstruktionsabteilungen ausgebaut. Dort gibt es heute 15 Terminals gegenüber 8, die wir an die 360/50 angeschlossen hatten. Die Anzahl der über diese Terminals abgewickelten Programme ist außerdem stark angestiegen.

- Wie wird es weitergehen? Was kommt nach der 370/158?

Wir denken - auf Sicht gesehen - nicht an einen Systemwechsel. Zunächst haben wir die Absicht, den vorhandenen Hauptspeicher von 1,5 MB auf 2 MB aufzustocken.

- Um Platz zu schaffen für neue Anwendungen?

Sicherlich, aber in erster Linie, um die inzwischen außerordentlich hohe Paging-Rate in unserem virtuellen System auf ein vernünftiges Maß herunterzubringen.

- Wie soll sich das in Zahlen ausdrücken?

Wir haben eine Paging-Rate von bis zu 40 Seitenwechsel pro Sekunde. Durch regelmäßige SMF-Auswertungen haben wir festgestellt, daß unsere CPU-Auslastung im Verhältnis zur Anschaltzeit bei 62 Prozent liegt. Das ist zwar einerseits eine recht erfreulich hohe Auslastung der kostbaren Rechnerzeit, unerfreulich ist jedoch, daß darin enthalten sind 34 Prozent für den System-Overhead, also die Selbstverwaltung der Maschine, und daß nur 28 Prozent für die tatsächlichen Anwendungen verbleiben. Von der Hauptspeicher-Erweiterung erwarten wir eine wesentliche Verringerung dieser Systemzeiten, weil wir mehr realen Speicher vergeben können.

- Das Aufstocken der Maschinen - immer schön brav auf IBM's Wachstumspfad - ist also auch bei Ihnen das Übliche?

Hier muß ich eindeutig widersprechen. Ich glaube, ich habe vorher klar gemacht, daß wir die Systembelastung gezielt beobachten und nur dort Erweiterungen vornehmen, wo durch zusätzliche Anwendungen entstandene Endpässe beseitigt werden müssen. Außerdem ist es bei der geplanten Hauptspeichererweiterung nicht selbstverständlich, daß hier IBM das Geschäft macht. Wir werden natürlich auch Konkurrenzangebote prüfen.

- Kommen Sie vielleicht auch deshalb besser zurecht, weil Sie geradezu hartnäckig keine Datenbank-Software installieren, sondern Ihre Online-Anwendungen mit eigener Software realisierten?

Zwar ist man heute als Anwender mit einem großen Terminalnetz geradezu verdächtig, wenn man nicht IMS oder eines der anderen Datenbanksysteme fährt. Bei uns erklärt sich das historisch. Was wir 1971 und kurz danach geschaffen haben, ist nach wie vor gut. Und ich sehe nicht ein, daß wir heute so etwa 512 K mehr Hauptspeicher aufstocken sollen, nur um IMS zu fahren. Irgendwann werden wir wohl auch ein Datenbanksystem brauchen - hoffentlich gibt es dann wirtschaftlichere.

- Zunächst aber ist doch festzuhalten, daß das VS auch bei Ihnen nicht die Performance brachte, die Sie sich ursprünglich erhofft hatten.

Nein, dem kann ich nicht zustimmen. VS hat bei uns eine wesentliche Leistungssteigerung gebracht. Wir erweitern, weil wir in der Zwischenzeit noch wesentlich mehr Last fahren und - das ist zudem deutlich sichtbar - seit der letzten Erweiterung gut 20 Terminals zusätzlich installiert haben.

- Kann man bei Großrechnern die Belastungsgrenze - bezogen auf die Anzahl anzuschließender Terminals - vorausbestimmen?

Das Problem wäre nicht relevant, wenn sich die Kapazität eines Rechnersystems beliebig in diskreten Schritten erweitern ließe. Hauptspeichererweiterungen sind ja nur ein Ausweg. Engpässe bleiben bei den Kanälen und auch bei den internen Zyklus-Zeiten. Nach der Warteschlangen-Theorie - und das ist nicht Ideologie sondern Mathematik - wird jeder Engpaß zum Nadelöhr. Bei der heutigen Rechnerarchitektur kommt irgendwo der Punkt, an dem es nicht mehr sinnvoll ist, zusätzliche Online-Anwendungen mit entsprechenden Terminals auf dem stark belasteten Großrechner zu realisieren. Frage ist, wann die systeminternen Warteschlangen - und damit die Wartezeiten für den Benutzer - so unvertretbar lang werden, daß Online-Anwendungen eben nicht mehr Realtime-Anwendungen sind. Noch haben wir ja Ausbaumöglichkeiten, nämlich Erweiterung des Hauptspeichers, Anschluß weiterer Kanäle, wodurch eine bessere Performance der Gesamtkonfiguration erreicht werden kann und schließlich - bei unserer 158 - Umwandlung in das schnellere Modell 3, was zugegebenermaßen ein teurer Spaß ist. Wir hoffen, so bis in die frühen 80er Jahre über die Runden zu kommen. Und bis dahin wird ja wohl die neue Hardware-Generation da sein.

Helmut Pütter (42),

Leiter der Hauptabteilung Organisation und Datenverarbeitung bei der Gutehoffnungshütte Sterkrade AG. Nach kaufmännischer Ausbildung war Pütter viereinhalb Jahre bei der IBM, unter anderem als RZ-Leiter. Danach baute er die EDV-Abteilung bei Villeroy & Boch, Mettlach/Saar auf und ging 1963 zur GHH-Sterkrade, zunächst als Leiter für kaufmännische DV. Seit drei Jahren ist er dort Gesamt-EDV/Org-Chef mit 75 EDV-Mitarbeitern.

Installiert ist in Sterkrade eine geleaste 370/158, 1,5 MB, VS 2.1 (Hast, CSO, TCAM).