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20.02.1976

Was tun, wenn's im Rechenzentrum brennt?

Anlaß zu diesem "Thema der Woche" war eine Diskussion unter Münchner EDV-Anwendern, die sich beim letzten CW-Stammtisch gemütlich zum Bier und Apfelkorn trafen. - Man diskutierte Beiträge der letzten CW-Ausgaben über Datenschutz und Sicherheit im Rechenzentrum.

Viel wurde von den Maßnahmen gesprochen, die das Rechenzentrum sicher machen - die Alarmanlagen, die Fenster, die Zugangskontrolle und das feuersichere Zubehör.

Was aber tun, wenn alle Sicherheitsvorkehrungen versagen und es im RZ tatsächlich brennt?

Jürgen Zahn, Leiter der Datenverarbeitung, Allgäuer Alpenmilch, München

Mich hat einmal jemand gefragt: "Was tun Sie, wenn es in Ihrem RZ brennt?"

Meine Antwort: "Dann springt der EDV-Leiter sofort aus dem nächsten Fenster" -also nicht nach dem Prinzip: "Der Kapitän verläßt als letzter das Schiff." Denn so sicher fühlen wir uns in bezug auf die Datensicherung unseres Hauses.

Bei uns gibt es hierzu eine sehr durchdachte Organisation. In einem feuer- und einbruchssicheren Safe werden die Datenträger derjenigen Daten aufbewahrt, die wir täglich verarbeiten. Zudem existiert im Keller eines anderen Gebäudeteils ein zweiter Safe, in dem liegt die Generation minus einen Satz, also der Bestand vom Tag vorher zusammen mit den Unterlagen der originären Datenerfassung. Parallel hierzu lagern wir die Verdichtung, die Kumulation der originären Datenerfassung, bei einer befreundeten Firma aus.

Darüber hinaus werden die Monatsbestände in einem unserer Werke eingelagert, ebenfalls die entsprechenden Bewegungsdaten.

Selbstverständlich sind wir nicht in allen Arbeiten völlig abgesichert, durch diese Maßnahmen, "erhalten" wir aber 80 Prozent der Auswertungen, die wir spontan wieder weiterführen können - natürlich auf einer fremden Anlage. Hierzu gibt es Absprachen mit einigen Anwender-Kollegen, die uns in einem Katastrophen-Fall Zeiten auf ihren Anlagen zur Verfügung stellen würden. Unsere Sicherheitsverfahren sind so aufgebaut, daß wir unsere Betriebsbestände auf deren Betriebssystem laden können.

Wie auch voriges Jahr, werden wir auch diesmal unsere Sicherungsmaßnahmen durch einen sogenannten "Härtetest" überprüfen. Dazu wurde ein Katastrophenfall simuliert. Dann heißt es: "Datenverarbeitungsanlage kaputt, Rechenzentrum nicht mehr betretbar. "

Maximilian Wieland, Leiter der EDV-Abteilung, Bayerische Beamten-Lebensversicherung a. G., München

Als Konsequenz der Bemühungen zu Datensicherung und Datenschutz gibt es im Hause BBV für eventuelle Notfälle ein sogenanntes "Katastrophen-Handbuch". Von diesem Buch existieren neun Exemplare, die an unterschiedlichen Stellen, zum Teil auch außer Haus, bei namentlich genannten Verantwortlichen aufbewahrt werden müssen.

Ein Bestandteil dieses Buches ist der Alarmplan, in dem die Sofortmaßnahmen für den Katastrophenfall festgehalten sind. Unter anderem sind daraus auch alle Telefonnummern und Adressen der Leute zu ersehen, die im Ernstfall benachrichtigt werden müssen - angefangen bei der Feuerwehr über den EDV-Leiter, die Operatoren bis hin zu den Herstellern.

Ein weiterer wichtiger Punkt des Plans betrifft das Ausweichsystem. Hier existiert ein Vertrag mit einem anderen Rechenzentrum gleicher Konfiguration, in dem wir beim totalen Zusammenbruch unser EDV mit den gesicherten Daten weiterarbeiten können.

Das Kapitel "Sicherungsbestände" beschreibt die Sicherung der wichtigsten Datenbestände wie Betriebssystem, Systembibliothek, Programme mit Steuerkarten, Programmdokumentation sowie die jeweiligen Ausführungsunterlagen.

Ein weiterer Absatz des Handbuches bestimmt die Sicherung aller wichtigen Dokumente der EDV, wie zum Beispiel Verträge. Als Anlage existiert eine Beschreibung des gesamten Bandarchives mit Archivnummern und dem jeweiligen Aufbewahrungsort der Bänder. Hierbei wird exakt gekennzeichnet, ob es sich um einen Archivbestand, den ersten Sicherungsbestand oder um den äußerst wichtigen letzten Sicherungsbestand handelt.

Da das Buch ständig gewartet wird, bietet es eine aktuelle Grundlage, um im Falle eines Zusammenbruchs unserer EDV innerhalb kurzer Zeit an anderer Stelle weiterarbeiten zu können.

Heinzbert Hamacher, Geschäftsführer, EDV-Service, München

Als Service-Rechenzentrum müssen wir - vielleicht in stärkerem Maße als anderswo - auf den physischen Schutz der uns anvertrauten Daten achten. Für den Fall einer Katastrophe wie zum Beispiel Brand im Rechenzentrum haben wir einen feuersicheren Raum neben der Anlage bauen lassen, in dem wichtige Bestände täglich gesichert werden. Dieser Raum hält eine Branddauer von etwa vier Stunden unbeschädigt durch. Bei uns gibt es die Anweisung, Bänder und Platten nicht im RZ zu lagern, sondern diese nur dort aufzubewahren.

Zudem werden alle wichtigen Daten extern gelagert und täglich gewartet. Sollten wirklich einmal Bestände verlorengehen, so könnten sie innerhalb von einem Tag durch diese Sicherung neu gefahren werden.

Sollte unser EDV-System durch Brand oder sonstige Katastrophenfälle einmal vernichtet werden, werden Wir, uns an den Hersteller wenden, der uns kurzfristig eine Ersatzanlage zugänglich machen kann. Das ist weitaus günstiger, als sich unter befreundeten Unternehmen nach Blockzeiten umzusehen, die dann meist in der Nacht liegen.

Lorenz Schadhauser, Verwaltungsdirektor und Leiter der DV, Landeshauptstadt München

Richtig brennen kann es in unserem Rechenzentrum eigentlich gar nicht - unsere Feuermelder sind unmittelbar an die Feuerwehr angeschlossen, und zwar sind diese Alarmsysteme so empfindlich gegen Raucheinwirkung, daß bei uns bereits wiederholt die Einsatzwagen angerückt kamen - und zwar innerhalb von Minuten.

Sollte es doch einmal brennen, dann schützen unsere neuen feuersicheren Schränke alle wichtigen gesicherten Daten: Zu diesem Zweck mußten wir kürzlich 45000 Mark investieren - die Safes wurden in einem Institut in Braunschweig einem extremen Härtetest unterzogen, wobei der Schrank etwa neun Meter hinuntergeworfen wurde und durch Stichflammen auf seine Feuersicherheit überprüft wurde.

Unsere wichtigsten Bestände sind insgesamt fünfmal gesichert: zweimal auf Platten, zweimal auf Magnetbändern und - wiederum auf Magnetbändern - das sogenannte Sicherungsband aus dem Datenbank-Verwaltungssystem. Zudem arbeiten wir nach dem "Großvatersystem", so daß die wirklich letzten Bestände verfügbar sind.

Mit den so gesicherten Daten können wir jederzeit auf einem anderen Siemens-System gleicher Konfiguration weiterarbeiten - mehrere dieser zur Stadtverwaltung gehörende Anlagen stehen in München.

Wir werden diese Probleme beim Bau des neuen Rechenzentrums der Anstalt für Kommunale Datenverarbeitung besonders berücksichtigen: Dort werden wir hardwaremäßig so ausgerüstet sein, daß sich eine gegenseitige Ausweichmöglichkeit bietet.