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14.04.2008

Was Unternehmen für IT-Mitarbeiter tun

Einerseits sind IT-Spezialisten sehr begehrt - andererseits hat der Kostendruck nicht abgenommen. Mitarbeiterbindung ist kein leichtes Unterfangen.

Noch vor vier Jahren stagnierten das IT-Geschäft und der dazugehörige Arbeitsmarkt. Mittlerweile hat sich das Blatt gewendet. "Anbieter wie Unternehmen suchen händeringend nach IT-Fachkräften", kommentiert Hartmut Lüerßen, Geschäftsführer der Unternehmensberatung Lünendonk, die aktuelle Lage. Dabei sei die "Attraktivität des Arbeitgebers nicht nur für die Personalakquise, sondern auch für die Personalbindung wichtig", konstatiert Lüerßen.

Der Mangel an IT-Fachkräften schlägt sich allerdings kaum in höheren Gehältern nieder. Spürbare Zuwächse können IT-Spezialisten nur noch über eine variable, an der Leistung orientierte Bezahlung erreichen, wie die aktuelle Vergütungsstudie der computerwoche bestätigte. "Damit passt der Kostenfaktor ´Mensch‚Äò auch besser ins Controlling", räumt Winfried Materna, Geschäftsführer der Materna GmbH, ein. "Und in den Anwendungsfirmen macht das Topmanagement für das IT-Personal trotz Fachkräftemangels selten Unterschiede gegenüber den anderen Abteilungen." Bei Beratungshäusern und Dienstleistern, für die das IT-Personal die Kompetenzträger sind, sei das anders. "Hier ist man auf hinreichende fachliche und Führungskompetenz buchstäblich angewiesen, um die Kunden gut bedienen zu können." IT-Personal aufbauen, fördern und halten gehöre deshalb für einen erfolgreichen Geschäftsauftritt zur Grundmaxime. Zumal immer komplexere IT-Projekte, mit denen die Anwendungsunternehmen konkrete geschäftliche Ziele verbinden, den Beratungshäusern und Dienstleistern hohe fachliche und Führungskompetenzen abverlangten. Bei Materna hat man deshalb die Personalpolitik langfristig ausgelegt. Jährliche Beratungs- und Fördergespräche, regelmäßige Weiterbildungsmaßnahmen, der Aufstieg über eine Fachkarriere und eine leistungsorientierte Bezahlung sind die Bindemittel innerhalb dieser Personalpolitik.

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  • warum IT-Bewerber eher zu Herstellern als zu Anwenderunternehmen wollen;

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  • wie der CIO eines mittelständischen Handelsunternehmens seine Mitarbeiter motiviert.

Das sieht man bei Logica nicht anders. Der internationale IT- und Consulting-Dienstleister hat Programme zur Mitarbeitermotivation und -bindung aufgesetzt. Neue Kollegen werden zum Beispiel die ersten sechs Monate intensiv durch einen Mentor betreut. "Weiterbildung wird bei uns großgeschrieben", so Torsten Straß, CEO von Logica Deutschland. Persönliche Coaches fördern Mitarbeiter, die sich fachlich weiterbilden. Sie stehen während dieser Zeit als Ansprechpartner zur Verfügung. "Erst die Kombination von fachlichem Know-how und den nötigen Soft Skills zeichnen einen guten Berater aus. Deshalb setzen wir auf diese duale Weiterbildung", so Straß. Durch ein internes Vorschlagswesen können die Mitarbeiter Ideen zur Verbesserung einbringen. "Auf diese Weise entstand beispielsweise unser Familienservice. Er hilft berufstätigen Eltern bei der Vermittlung von Kinder- und Seniorenbetreuung." Straß weist darauf hin, dass eine erfolgreiche Personalpolitik über das Geschäft hinaus reichen sollte. Durch Erfolgsbeteiligungen und einen persönlichen Bonus haben die Berater gute Verdienstaussichten.

Outsourcing ist kein Thema

"Wir binden die Mitarbeiter durch abwechslungsreiche und interessante Tätigkeiten an das Unternehmen", lautet das Credo von Bernd Hilgenberg, IT-Chef von Fressnapf Tiernahrung. Die Vielseitigkeit der Arbeit und das hohe Maß an Eigenverantwortung zählten nach seiner Einschätzung viel mehr als monetäre Anreize. Von der Unternehmensleitung werden auch bei Fressnapf die Personalpolitik und das Leitbild zur Selbstidentifikation geprägt und organisiert. "Eine leistungsorientierte Bezahlung ist Teil unserer Unternehmenskultur", sagt Hilgenberg. Denn Leistungsanreize, die an die Erreichung individueller Ziele gekoppelt seien, trügen stark zur Motivation der Mitarbeiter bei. Extrabrötchen werden für die IT-ler trotz Fachkräftemangels nicht gebacken. Die Führungsinstrumentarien sind unternehmensweit gleich. Innerhalb des IT-Bereichs dominiert die inhaltliche Führung von Teams, weil der Schwerpunkt auf der Projektarbeit liegt. "Coaching ist deshalb bei uns ein wesentliches Führungs- und Bindungsinstrument", betont Hilgenberg.

Outsourcing, um sich auf diese Weise personalpolitischer Pflichten zu entledigen, sei kein Thema. Denn, so Hilgenberg, die "Multifunktionalität der IT-Mitarbeiter" lasse keine Auslagerung zu. Bei RTL Shop sieht man das anders. "Wir haben einen extrem großen Grad an Outsourcing erreicht", informiert Thomas Siekmann, Leiter des Informations-Managements. "Deshalb spielt in unserer IT die Personalpolitik eine untergeordnete Rolle." Die disziplinarische Steuerung des IT-Personals liege demzufolge weitgehend bei den Dienstleistungspartnern.

"Viele Unternehmen betreiben mehr Outsourcing, um bei der bestehenden IT-Fachkräfteknappheit nicht selbst die Personalpolitik und alle damit verbundenen Maßnahmen in die Hand nehmen zu müssen", registriert Christian Oecking, Leiter Global Operations bei Siemens IT Solutions and Services.

Dass Unternehmen immer weniger an einer langfristigen Mitarbeiterbindung interessiert sind, machen auch die vielen Personalvermittlungsgesellschaften und -Portale deutlich. Sie profitieren davon, dass Arbeitgeber ohne teuren Nebenkosten auf Zeitarbeitskräfte umschwenken. Über geliehene IT-Zeitarbeiter wollen Unternehmen ihre Auftragsspitzen ausgleichen, ohne sich langfristig zu binden.

Kurzsichtige Personaleinsparung

Robert Heinrich, Partner und Head of Advisory Services bei Ernst & Young, sieht genau darin ein Problem für die Anwendungsunternehmen: "Das sich schnell drehende Personalkarussell passt so gar nicht zu den steigenden Anforderungen an die IT-Fachkräfte." Immer komplexere IT-Projekte und anschließend der Betrieb einer komplexen IT sei mit Zeitarbeitern kaum zu bewerkstelligen. "Das hohe Anforderungsprofil spezifischer IT- und Geschäftsausrichtungen ruft förmlich nach einer intern gewachsenen Kompetenz und motivierten IT-Kräften mit einer hohen Leistungsbereitschaft."

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1860301: IT-Arbeitsmarkt.

Kompetenz, Motivation und Leistungswillen müssten mit dem langwierigen Vorhaben der Geschäftsprozessoptimierung zunehmen. "Andernfalls läuft das Unternehmen Gefahr, die Projektziele nicht zu erreichen und später das geplante Geschäftssystem nicht zu beherrschen", warnt der Chefberater. Heinrich qualifiziert deshalb den Fokus vieler Unternehmensführungen auf kurzfristige Personalkosteneinsparungen im IT-Bereich als "ausgesprochen kurzsichtig". (hk)