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Online-Umfrage der COMPUTERWOCHE


20.07.2001 - 

Was Unternehmen unter EAI verstehen

MÜNCHEN - Enterprise Application Integration (EAI) verspricht, das Problem der Anwendungs- und Datenintegration in Unternehmen konzeptionell und technisch in den Griff zu bekommen. Die umfassende und geschäftsprozessorientierte Kopplung interner und externer Systeme mit Hilfe eines Middleware-Busses soll Kosten sparen und E-Business-Strategien umsetzen helfen. Doch wie sieht es in der Praxis aus? Von Klaus Fochler, Stella Malsy und Sascha Alexander*

Ziel von EAI ist es, spezialisierte, oft separat voneinander entwickelte und funktional ausgerichtete Anwendungen mittels Kommunikation derart zu integrieren, dass sie als ein System geschäftsprozessorientiert im Sinne des Unternehmenszwecks arbeiten - und das möglichst effizient und automatisiert. In anderen Worten kann EAI daher auch als die unbeschränkte Möglichkeit zum Informationsaustausch zwischen beliebigen Systemen auf Präsentations-, Anwendungs- und Datenbankebene verstanden werden, ohne dass deswegen wie bisher Eingriffe in die bestehenden Anwendungen oder Datenstruktur nötig sind.

Dieser umfassende Ansatz setzt die Tradition früherer Integrationskonzepte fort, die erstmals in den 60er Jahren im Rahmen des Computer Integrated Manufacturing (CIM) aufkamen. Letzteres basiert auf der Idee, Informations- und Materialflüsse zwischen den einzelnen Funktionen von Industrieunternehmen durch eine Integration von DV-Systemen zu verbessern, wobei es in erster Linie um eine Kopplung der Produktionsplanung und -steuerung mit anderen Fertigungsbereichen ging. Praktische Erfolge mit solchen Konzepten gab es nur in wenigen Ausnahmen, zunächst in den 70er Jahren in den USA - zehn Jahre später dann auch in Deutschland. Es dauerte aber auch danach noch Jahre, bis das Thema der geschäftsprozessorientierten Integration von einer breiteren Anwenderschaft auf die Tagesordnung gesetzt wurde und heute im Zusammenhang mit der Entwicklung von E-Business-Architekturen an Bedeutung gewinnt.

Die aus dem CIM-Konzept entwickelten Enterprise-Resource-Planning-(ERP-)Systeme konnten die in sie gesetzten Hoffnungen als Integrationsumgebung aller Teile des Unternehmens nur teilweise erfüllen. Obgleich ihr Funktionsspektrum in den letzten Jahren größer geworden ist und beispielsweise jetzt auch Systeme für das Kundenbeziehungs-Management (CRM) umfasst, sind ERP-Systeme daher selbst zu einem Integrationsfall geworden. Ist die mit EAI propagierte Totalintegration aller Unternehmensanwendungen anvisiert, müssen ERP-Systeme mit Eigenentwicklungen und zugekauften Sonderlösungen kombiniert werden. So betrachten laut Umfrage 83 Prozent der Firmenvertreter die enge Verzahnung von SAP und anderer betrieblicher Standardsoftware mit den übrigen Geschäftsanwendungen als "bedeutsamen" oder "sehr bedeutsamen" Bestandteil ihrer EAI-Strategie. Dabei messen vor allem Unternehmen des Handels und der Industrie diesem Thema eine besonders hohe Bedeutung bei.

Anwendungsinseln verbindenIn der Praxis versprechen sich die befragten Unternehmen von EAI zunächst einmal, dass ein Austausch von Informationen trotz zeitlich-räumlicher Trennung der einzelnen Geschäftsbereiche möglich wird und manuelle Arbeiten wegfallen. Im Mittelpunkt steht hierbei aus Sicht der meisten Befragten - vor allem wenn es sich um Behörden handelt - die unternehmensinterne Integration der Systeme für das Rechnungswesen und Controlling. 60 Prozent der befragten Unternehmen wollen zudem unterschiedliche Firmen-Directories zur Verwaltung von Anwendern und Ressourcen im Rahmen von EAI integrieren. Eine Anbindung an Systeme von Marktpartnern wird insbesondere von den befragten IT-Serviceanbietern und Handelsunternehmen als bedeutend gewertet. Letztere Branche sowie Finanzdienstleister betrachten EAI als die technische Grundlage ihrer Strategie im elektronischen Handel. Als besonders wichtig gilt dabei die Verbindung von E-Commerce-Software mit solcher für CRM sowie für den Vertrieb (Computer Aided Selling= CAS). Als weitere EAI-Strategie wurde zudem der Einsatz von Workflow-Management-Systemen genannt. Hatte eine frühere empirische Untersuchung der CW gezeigt, dass diese Systeme von 30 Prozent aller befragten Unternehmen für die Integration von DV-Anwendungen eingesetzt werden, so bestätigte sich dieses Ergebnis jetzt: Fast 70 Prozent der Befragten halten prozessorientierte Workflow-Management-Systeme für bedeutsam oder sehr bedeutsam.

Das EAI-Konzept verspricht zeitliche und finanzielle Einsparungspotenziale für die IT-Abteilung, da sich der Datenaustausch automatisieren lässt, Geschäftsprozesse leichter aufzusetzen und anzupassen sind und sich Schnittstellen von zentraler Stelle aus pflegen lassen. Welche Kosten sich durch ein zentrales Schnittstellen-Management theoretisch senken lassen, wird an einer Untersuchung von Forrester Research deutlich, nach der rund 35 Prozent der Programmierarbeit auf die Schnittstellen-Entwicklung und Punkt-zu-Punkt-Integration entfallen. Rund 70 Prozent des erstellten Anwendungscodes dienen nur dem Informationsaustausch. Viele EAI-Produkte warten deshalb mit Adaptern für Standarddatenformate und Kommunikationsprotokolle auf, wodurch eine gemeinsame Nutzung und Verteilung von Informationen und Geschäftsdaten möglich wird. Technologien, die unterstützt werden beziehungsweise mit denen sich ein Anwender in seinem Integrationsprojekt auseinander setzen muss, sind etwa COM+/DCOM, Component Object Request Broker Architecture (Corba), EDI, Java-RMI, und XML.

Gefragt nach der praktischen Bedeutung solcher Technologien für die eigene Strategie, nannten die Firmenvertreter an erster Stelle Schnittstellen-Standards für den Datenbankzugriff wie ODBC sowie Messaging-Verfahren. Kommt letztere Technologie zum Einsatz, dann sind standardisierte Datenaustauschformate wie XML oder EDI den Teilnehmern sehr wichtig. So halten über 90 Prozent aller Befragten die Nutzung dieser Formate insgesamt für bedeutsam oder sehr bedeutsam, und zwar für die Anbindung von Marktpartnern noch mehr als für die interne Integration. Neben COM+/DCOM und Corba, die sich laut Umfrage offenbar ein Kopf-an-Kopf-Rennen in puncto Verbreitung liefern, spielt zudem in bestimmten Branchen der BAPI-Standard der SAP eine wichtige Rolle. Dies trifft vor allem auf Industrie- und Handelsunternehmen zu, während Behörden und Verbände BAPI praktisch keine Bedeutung beimessen.

Wie groß die Kostenersparnisse durch EAI sind, lässt sich in der Praxis aber oft schwer vorhersagen, da etwa Vergleichszahlen fehlen. So berichteten 45 Prozent der Firmenvertreter, vor dem Start eines EAI-Projekts keinen Wirtschaftlichkeitsnachweis erbringen zu müssen. Dort, wo eine Prüfung verlangt wird, ergab sich eine erwartete Amortisationsdauer von durchschnittlich sechs Jahren. Weiter zeigte die Auswertung in puncto Kosten: Je mehr ein Unternehmen auf traditionelle Integrationsverfahren wie Screenscraping setzt, umso eher ist es bereit, größere Budgets und längere Amortisationszeiten für das Integrationsprojekt in Kauf zu nehmen. Insgesamt wollen die Firmen durchschnittlich rund 30 Prozent ihres IT-Budgets in den nächsten zwei Jahren für Integrationsarbeiten ausgeben.

Insgesamt zeigten die Antworten, dass sich der EAI-Gedanke erst langsam durchsetzt. Vorreiter sind vor allem Unternehmen, die bereits eine Kultur der Geschäftsprozessorientierung entwickelt haben. Nur so gelangen sie zu einem tieferen Verständnis darüber, wie eine Integration der eigenen Systeme aussehen muss und welche EAI-Strategie für das eigene Unternehmen die richtige ist. Dabei werden laut Umfrage die Geschäftsprozesse noch überwiegend mit einfachen Mitteln wie Grafik-Tools modelliert, erst an zweiter Stelle kommen professionelle Werkzeuge wie "Aris", "Rational Rose" oder "Bonapart" zum Einsatz.

Auch ist der Markt für EAI-Produkte noch recht jung, und erst in jüngster Zeit bildet sich eine kleine Gruppe von Marktführern heraus. Zu den global agierenden Unternehmen zählen beispielsweise IBM, Tibco oder Sybase/Neon, hierzulande kommen Anbieter wie Seeburger hinzu. Dennoch nutzen erst rund die Hälfte der befragten Unternehmen EAI-Software oder planen ihre Anschaffung, wobei IBMs "MQ Series" und die Produkte von Webmethods am häufigsten genannt wurden.

*Klaus Fochler ist Geschäftsführer bei Enterprise Integration LLC in Irvine, Kalifornien, und Doktorand an der Universität Kassel. Stella Malsy ist Senior Consultant bei Enterprise Consulting in Bad Homburg. Sascha Alexander ist Redakteur der COMPUTERWOCHE.

Zur UmfrageDie Online-Umfrage im EAI-Forum der COMPUTERWOCHE (www.cowo.de ) ergab 82 statistisch verwertbare Fragebögen. Ziel war es, jenseits der Marktprognosen und der komplexen und verwirrenden Definition von EAI mehr über die Integrationsstrategien in deutschen Unternehmen zu erfahren. Leitfragen waren, warum Firmen EAI-Projekte machen und welche Technologien dafür genutzt werden sollen. Die Teilnehmer stammen zu 64 Prozent aus dem IT-Dienstleistungssektor, 23 Prozent aus der Industrie, sechs Prozent jeweils aus dem Handel sowie den Behörden und zwei Prozent aus der Finanzbranche. Die Ergebnisse sollen im Rahmen einer Dissertation an der Universität Kassel verwertet werden. Weitere Informationen, Links sowie ein Diskussionsforum zum Thema EAI finden sich unter oben genannter Adresse.

Bedeutung und Integrationsfokus einzelner EAI-TechnologienEAI-TechnologieIntegrationsfokus / Bedeutung morgen

Message-Verfahren: Ein DV-System schickt Messages an das zu integrierende DV-System. Die Nachrichten werden dort zeitversetzt ausgelesen.Präsentationsschicht Applikationsschicht Datenschicht / 3,4

Datenbank-Schnittstellen-Standards: Die Integration der DV-Systeme erfolgt auf Datenbankebene via standardisierte Schnittstellen (zum Beispiel Microsofts ODBC).Datenschicht / 3,4

Remote Procedure Calls: Prozeduren werden beim zu integrierenden DV-System aufgerufen und liefern Daten zurück beziehungsweise schreiben Daten in das zu integrierende DV-System.Applikationsschicht / 3,1

Replikationsverfahren: Daten werden über Replikationsmechanismen der zugrunde liegenden Datenbanksysteme von einem DV-System auf ein zu integrierendes DV-System übertragen.Datenschicht / 3,1

Batch-Verfahren: Daten werden über Batch-Verfahren von einem DV-System auf ein anderes übertragen.Applikationsschicht Datenschicht / 3,0

Transaktions-Management-Systeme: Die Integration der DV-Systeme wird durch übergreifende Transaktions-Management-Systeme ermöglicht.Präsentationsschicht Applikationsschicht Datenschicht / 3,0

Screenscraping : Auslesen von Bildschirminhalten durch ein DV-System zwecks Input in ein anderes DV-System.Präsentationsschicht Applikationsschicht / 1,5

Die Beurteilung der EAI-Technologien erfolgt auf einer Skala von 1 (wenig bedeutend) bis 5 (sehr bedeutend). / Quelle: CW

Abb: Integration Broker

Für Produkte, die die gesamte Geschäftsprozess-, Anwendungs- und Datenintegration steuern, hat sich mittlerweile die Bezeichnung Integration Broker etabliert. Derartige Software bietet die nötigen Plattformdienste und Anschlusstechniken, um EAI möglich zu machen. Quelle: Gartner, Stand: Mai 2001