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03.08.2016 - 

Internet-Giganten der 1990er

Was wurde eigentlich aus…?

Florian Maier beschäftigt sich mit dem Themenbereich IT-Security und schreibt über reichweitenstarke und populäre IT-Themen an der Schnittstelle zu B2C. Daneben ist er für den Facebook- und LinkedIn-Auftritt der COMPUTERWOCHE zuständig. Er schreibt hauptsächlich für die Portale COMPUTERWOCHE und CIO.
Bestimmt fragen Sie sich auch manchmal, was eigentlich aus der guten alten Fireball-Suchmaschine geworden ist. Oder dem Real Player. Oder Winamp. Wir zeigen Ihnen, wie es einigen der großen Marken aus der Online-Frühzeit ergangen ist.

Nach dem Kauf von Yahoo durch den Telekommunikationsriesen Verizon steht ein weiterer Pionier des Internets vor dem Aus. Verizon könnte Yahoo und das - bereits im Jahr 2015 akquirierte - Unternehmen AOL zusammenzulegen, um so einen neuen Konkurrenten Für Facebook und Google zu etablieren. Ob das mit der Zwangspaarung zweier gescheiterter Giganten gelingen kann, bleibt abzuwarten.

Das wurde aus den Internet-Ikonen der 1990er

Beim Klang der ehemals großen Namen des beginnenden Internetzeitalters werden jedoch zwangsläufig Erinnerungen wach an andere, einst große Marken, die die Online-Frühzeit geprägt haben. Was zum Beispiel wurde aus Brands wie Compuserve, Altavista, Netscape, Angelfire, Realplayer, Winamp oder der deutschen Google-Alternative Fireball? Wir haben es herausgefunden!

Altavista

Im Jahr 1995 geht Altavista als Demo-Projekt der Digital Equipment Corporation online. Im Prinzip ist Altavista der Vorläufer von Google. Die Volltext-Suchmaschine ist bis zum kometenhaften Aufstieg der heutigen Alphabet-Tochter eine der weltweit bekanntesten und meistgenutzten Suchmaschinen. Mit dem Verkauf an Compaq im Jahr 1998 beginnt der Anfang vom Ende für Altavista. Nichtmal ein Jahr später verkauft Compaq die Suchmaschine an CMGI (mit einem Verlust von einer Milliarde Dollar). Nächster Eigentümer ist das Werbeunternehmen Overture Series, die Altavista 2003 für 140 Millionen Dollar erwerben. Noch im selben Jahr kauft Yahoo das Web-Urgestein - 2013 ist schließlich endgültig Schluss.

Angelfire

Der Website-Hoster Angelfire war in den 1990ern einer der populärsten seiner Art. 1996 gegründet, wird das Unternehmen 1998 von Lycos Europe erworben - das damals zusammen mit AOL, Yahoo und Microsoft die "Big Four" des World Wide Web bildet. Lycos wurde seinerseits mehrmals "herumgereicht" und gehört heute zum indischen Medienkonzern Ybrant Digital. Angelfire ist dabei allerdings nicht unter die Räder gekommen: Auch heute werden Sie dort noch gehostet.

Die Webpräsenz von Angelfire im Jahr 2016.
Die Webpräsenz von Angelfire im Jahr 2016.

Compuserve

Als man sich noch über ein Modem ins Internet einwählen muss, bilden AOL, Compuserve und Prodigy ein mächtiges Dial-Up-Provider-Trio. AOL kann sich kurz vor dem Millenium durchsetzen und kauft Compuserve, lässt die Marke aber weiterleben - oder eher vegetieren. Erst im Jahr 2009 wird der klassische Compuserve-Service eingestellt. Tot ist Compuserve deswegen trotzdem nicht. Zumindest noch nicht ganz.

Fireball

Lange vor Google mausert sich die Suchmaschine Fireball in den späten 1990ern zur beliebtesten Web-Suchmaschine in Deutschland. Entwickelt wird sie 1996 von der Fakultät für Informatik an der Technischen Universität Berlin - indexiert werden ausschließlich deutschsprachige Webseiten. Um auch internationale Suchergebnisse abbilden zu können, geht man eine Kooperation mit Altavista ein. Im Jahr 1999 sichert sich Lycos Europe die Suchmaschine für rund 120 Millionen Euro. Seit März 2009 gehört Fireball dem Schweizer Unternehmen Ambrosia AG, das die Suchmaschine - spezialisiert auf deutsche Webangebote und mit dem Versprechen der Anonymisierung - wiederbelebt hat.

Google-Alternative gefällig? Fireball gibt es noch - beziehungsweise wieder.
Google-Alternative gefällig? Fireball gibt es noch - beziehungsweise wieder.

Geocities

Neben Angelfire ist Geocities einer der beliebtesten Webhoster der Internet-Frühzeit und so etwas wie ein Vorläufer von Wordpress. Das 1994 gegründete Unternehmen wird im Zuge des Dotcom-Booms 1999 an Yahoo verkauft, der Preis beträgt damals mehr als 3,5 Milliarden Dollar. Zehn Jahre lang firmiert die Firma unter dem Namen Yahoo Geocities - 2009 gehen schließlich die Lichter aus.

ICQ

Mit ICQ erschafft ein israelisches Start-Up namens Mirabilis Ende 1996 den ersten kostenlosen Instant-Messaging-Dienst. Entsprechend rasant breitet sich die Software aus. Mitte 1998 wird Mirabilis von AOL für mehr als 400 Millionen Dollar aufgekauft. Im April 2010 wechselt ICQ erneut den Besitzer und geht von AOL für knapp 190 Millionen Dollar an das russische Investment-Unternehmen Mail.ru Group über. Seit 2010 steht ICQ als mobile App zur Verfügung, kämpft jedoch durch die Verbreitung von Facebook, Whatsapp, Twitter und Co. ums Überleben.

Napster

Die Filesharing-Plattform Napster tritt 1999 einen wahren MP3-Boom los und bringt die Musikindustrie wie kein zweites Unternehmen gegen sich auf. Deshalb ist nach zahlreichen Klagen (unter anderem von Metallica und Dr. Dre) gegen das Unternehmen bereits 2001 Schluss mit Napster in seiner ursprünglichen Form. Zuvor versucht der deutsche Bertelsmann-Konzern das Unternehmen mit einem Investment in eine legale Plattform umzuwandeln, doch der Plan scheitert, Napster muss in die Insolvenz. 2002 kauft Roxio die Überbleibsel, bevor im Jahr 2008 der Retail-Riese Best Buy zuschlägt. Ende 2011 übernimmt schließlich der Konkurrent Rhapsody den Markennamen und nutzt ihn seitdem für seine eigene Musik-Bezahl-Plattform im Stil von Spotify und Deezer.

Rhapsody wurde zu Napster - einer heutzutage völlig legalen Musik-Streaming-Plattform.
Rhapsody wurde zu Napster - einer heutzutage völlig legalen Musik-Streaming-Plattform.

Netscape Navigator

Der Netscape Navigator ist in der Anfangszeit des Internets DAS Fenster zum World Wide Web - lange bevor Microsoft seinen Internet Explorer mit Hilfe von Windows 95 zum Nummer-Eins-Browser macht. Das Unternehmen Netscape Communications wird im Jahr 1998 von AOL für 4,2 Milliarden Euro erworben. Bis 2007 wird der Navigator so am (weitgehend künstlichen) Leben erhalten - dann endlich hat man bei AOL ein Einsehen und lässt den Kult-Browser in Frieden ruhen.

Real Player

Der Real Player ist eine Web-Ikone. Schließlich ist er im Jahr 1995 einer der ersten kostenlosen Media Player überhaupt, der es in Sachen Funktionen mit Microsofts damals dominierendem Windows Media Player aufnehmen kann. Allerdings zeichnet sich der Real Player auch durch Mitbringsel wie Ad- und Spyware aus, weswegen die Kollegen von der PCWorld ihn 2006 zum "zweitschlechtesten technischen Produkt aller Zeiten" küren. Trotz alledem: Die von Real Networks entwickelte Software hat sich tatsächlich bis heute gehalten, der Quellcode wird bereits 2002 offengelegt. Inzwischen steht der Real Player in überarbeiteter, zeitgemäßer Form zum Download zur Verfügung.

Winamp

Mit der Veröffentlichung des kostenlosen Musik- und Videoplayers Winamp gelingt dem neu gegründeten Unternehmen Nullsoft im Jahr 1997 ein großer Wurf. So groß, dass es 1999 von AOL für rund 80 Millionen Dollar aufgekauft wird. Mit der Weiterentwicklung von Winamp ist AOL offenbar überfordert - neue Versionen floppen, die User wandern zu Konkurrenzprodukten ab. Im November 2013 gibt AOL bekannt, dass Winamp eingestellt werden soll. Die genannte Deadline verstreicht allerdings, ohne dass etwas passiert. Im Januar 2014 wird schließlich die Akquisition durch das belgische Unternehmen Radionomy bekannt. Die offizielle Webseite erstrahlt bereits seit Anfang 2014 in modernem Design, ansonsten hat sich bislang allerdings wenig getan: Immer noch ist dort zu lesen "There’s more coming soon".

Die Winamp-Website im Jahr 2016. Stillstand?
Die Winamp-Website im Jahr 2016. Stillstand?

Homepage-Reminiszenzen aus der Internet-Frühzeit

So ein Nostalgie-Flash ist schon etwas Schönes. Deswegen haben wir auch gleich noch die Webpräsenzen der frühen Internet-Top-Brands ausgegraben und sie um einige, noch aktive Tech-Giganten erweitert. Schließlich ist eine Website - immer noch - die digitale Visitenkarte eines jeden Unternehmens. Umso interessanter (und teilweise auch amüsanter) ist es zu sehen, wie die World-Wide-Web-Aushängeschilder von Apple, Facebook, Amazon, YouTube und Co. in ihrer Frühphase ausgesehen haben:

Die COMPUTERWOCHE selbst blickt übrigens ebenfalls auf eine bewegte Webpräsenz-Geschichte zurück: Seit die erste Homepage im Jahr 1995 das Licht des World Wide Web erblickt hat, hat sich Einiges getan - sowohl inhaltlich als auch designtechnisch. Doch sehen Sie selbst:

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Sie wollen mehr Retro? Kein Problem! Wir haben zahlreiche Artikel auf Lager, die Sie in die guten alten Zeiten von Modem, Diskette und Browser-Krieg zurückversetzen. Wie wäre es zum Beispiel mit unserem ‚Best Of‘ gescheiterter Speichermedien oder den Retro-Computer-Tops und -Flops? Noch mehr "gute alte Zeit" gibt’s darüber hinaus in unserer Skurrilitäten-Sammlung aus dem COMPUTERWOCHE-Archiv.

Mit Material von IDG News Service.

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