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09.02.2001 - 

Thema der Woche

Web-Bezahlsystemanbieter entdecken den Konsumenten

Seit Jahren dümpeln Online-Bezahlsysteme vor sich hin. Konsumenten meiden komplexe Verfahren, die spezielle Software erfordern. Nun bringen immer mehr Anbieter reine Server- Lösungen auf den Markt, die per Browser bedient werden können. Ebenfalls im Kommen sind Lösungen für mobile Endgeräte sowie Micropayment-Systeme.

CW-Bericht, Frank Niemann

Der bunte Online-Katalog lässt keine Wünsche offen. Schnell sind drei, vier Artikel ausgewählt und der elektronische Warenkorb gefüllt. Nur noch zur Kasse, und schon ist der Web-Einkauf erledigt. Doch der Internet-Anbieter verlangt die Kreditkartendaten oder die Bankverbindung des Kunden sowie seine Anschrift und E-Mail-Adresse. Für viele Surfer endet an dieser Stelle der E-Commerce, denn nach wie vor weigert sich ein Großteil von ihnen, diese Informationen preiszugeben. Viele sind besorgt, dass Kriminelle ihre Kreditkartennummern und Kontendaten missbrauchen könnten. Zudem bereitet ihnen die Tatsache Unbehagen, dass Web-Händler die Adressen ihrer Kundschaft für Marketing-Zwecke an Geschäftspartner ausleihen. Laut einer Untersuchung der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) brechen etwa 90 Prozent der Surfer Online-Einkäufe vorzeitig ab.

Rechnung bevorzugtTrotz der rasanten Entwicklung des E-Commerce fristen Bezahlsysteme für das Internet ein Schattendasein. Die meisten, nämlich zwei Drittel aller Internet-Shopper, möchten laut einer Studie des Marktforschungsunternehmens Forrester Research am liebsten eine traditionelle Rechnung auf Papier. Eine Umfrage der Universität Karlsruhe beziffert den Anteil der Rechnungskäufer gar auf 90 Prozent, wobei auch die Bezahlung per Nachnahme beziehungsweise Vorausschecks in diesem Wert enthalten sind.

Dabei mangelt es keineswegs an Verfahren und Anbietern spezieller Payment-Systeme für das Web. Beispielsweise sind Cybercash, Ecash und Secure Electronic Transactions (SET) schon lange am Markt vertreten, doch auf den Durchbruch warteten die Betreiber bisher vergeblich. Der Grund: Die Bezahlsystemlieferanten haben ihre Produkte in erster Linie für die Integration in Web-Shops der Händler sowie in den elektronischen Zahlungsverkehr der Finanzwelt eingerichtet, berücksichtigten die Bedürfnisse der Endkunden jedoch kaum. Als Paradebeispiel wäre da SET zu nennen, ein von den Kreditkartengesellschaften und einigen namhaften IT-Herstellern ersonnenes Verfahren. Obwohl SET weit mehr Sicherheit bietet als die verbreitete Methode der verschlüsselten Kreditkartendatenübermittlung per Secure Sockets Layer (SSL), gibt es in Deutschland laut der Studie der Uni Karlsruhe nur 30000 Surfer, die über eine SET-Software verfügen.

Viele Payment-Verfahren kranken an einem Henne-Ei-Syndrom: Hat ein System wenig Nutzer, bietet es auch kaum ein Händler an. Andererseits sieht es kein Surfer ein, eine Bezahlmethode zu installieren, wenn nur sehr wenige Web-Shops damit arbeiten.

Einer der wenigen Internet-Läden, die dennoch SET anbieten, ist Kontaktlinsenversand.com, der von der Optik Adamus GmbH aus Derbur betrieben wird. Geschäftsführer Frank Adamus, bekennender Verfechter der SET-Technologie, kann nicht verstehen, dass Surfer ihre Kreditkartendaten bei Web-Shops eingeben, die Internet-Verbindungen mit nur 40 Bit verschlüsseln, und setzt deshalb auf das sicherere Verfahren. Allerdings haben nur zwei bis drei Prozent der kreditkartenzahlenden Internet-Kunden von Kontaktlinsenversand.com die SET-Software auf ihrem PC. Die meisten nutzen alternativ die 128-Bit-Verschlüsselung, um die Kreditkartendaten einzugeben.

Auch den Verfahren Cybercash und Ecash bleibt unter anderem deshalb der Erfolg verwehrt, weil der Endbenutzer eigens eine Software aufspielen muss, deren Funktionsweise er nicht versteht. Darüber hinaus werden diese Systeme sehr schlecht vermarktet. Der Bezahlanbieter Cybercash zog kürzlich aus der mangelnden Akzeptanz seiner elektronischen Geldbörse die Konsequenz und stellte sie kurzerhand ein (siehe CW 1/01, Seite 18), und das, obwohl eine Reihe von Banken, darunter die Dresdner Bank, die Payment-Technik anbieten. Nun soll das System so umgebaut werden, dass keine Endkundensoftware mehr erforderlich ist. Branchenkenner meinen jedoch, Cybercash könnte nach dem Aus der Geldbörse zumindest hierzulande ganz vom Markt verschwinden.

Nicht wesentlich attraktiver scheint das Ecash-Verfahren zu sein, ein von Deutsche Bank 24 angebotenes System. Mit Ecash kann der Surfer Waren im Internet mit elektronischen Münzen bezahlen. Zuvor muss er von seinem Girokonto einen Betrag auf ein spezielles Ecash-Konto übertragen. Über seine elektronische Geldbörse - und diesmal trifft diese Bezeichnung wirklich zu - lädt er von diesem Bankkonto Geld für den Online-Einkauf auf den PC. Dieses Verfahren bietet ein anonymes Bezahlen von Waren im Web und erhöht so den Schutz der Privatsphäre, da wie beim Barkauf nur Münzen den Besitzer wechseln. Zudem lässt sich Ecash - hat der Nutzer das umfangreiche Registrierungsverfahren absolviert und die Software aufgespielt - sehr einfach bedienen. Dennoch gelang es der Bank bisher nicht, dem System zu nennenswerter Verbreitung zu verhelfen.

Wie wenig die Internet-User von Ecash Notiz nehmen, zeigt das Beispiel des Online-Shops der auf natürliche Lebensmittel und Duftstoffe spezialisierten Firma Spinnrad aus Gelsenkirchen. Das Unternehmen war zwar als Ecash-Pilotkunde der Deutschen Bank von Anfang an dabei, doch der Anteil der Online-Einkäufer, die im Web-Shop mit Ecash bezahlen, liegt laut Christian Mark bei unter einem Prozent.

Mark ist E-Commerce-Chef bei der Internet-Agentur Trendgap, einem Spinoff von Spinnrad. Die meisten Online-Kunden des Internet-Shops (61 Prozent) bevorzugen das Lastschriftverfahren, 19 Prozent nutzen die Kreditkarte, und ebenso viele zahlen per Nachnahme. Zunächst hatte Mark mit dem Verfahren Cybercash geliebäugelt, doch wegen der geringen Akzeptanz verzichtete er darauf. Trotz der dürftigen Ecash-Nutzung seitens der Endkunden möchte Spinnrad nicht auf die Bezahlmethode verzichten, denn der Internet-Experte bemängelt zwar das schlechte Marketing der Bank, ist von der Technik jedoch überzeugt.

Bei der Kreditkartenbezahlung setzt Spinnrad auf eine reine Verschlüsselungslösung mit SSL. "SET ist nun wirklich zu kompliziert für den Endkunden", begründet Mark die Entscheidung und ist damit bekanntlich nicht der Einzige.

Lösungen, die dem Konsumenten die Installation einer Software sowie eine umfangreiche Konfiguration abverlangen, gehören der Vergangenheit an, meinen Branchenkenner unisono. "Spontankäufer werden so garantiert abgeschreckt", warnt etwa Oliver Gronau, Sprecher des Münchner Bezahlsystemanbieters Wire Card AG. Dies drang offenbar bis zu den Kreditkartengesellschaften vor. Sie unternehmen derzeit einen erneuten Versuch, SET bei Online-Anbietern populär zu machen und dem Endanwender den Einstieg zu erleichtern (siehe Kasten Seite 9: "Anreize für...").

Vermittler zwischen Käufer und ShopUnterdessen versuchen junge Firmen ihr Glück mit völlig neuen Ansätzen, die ohne endkundenseitige Software auskommen und leichter zu bedienen sein sollen als die beschriebenen Systeme. So betreibt das Kölner Unternehmen Iclear AG ein Clearinghouse, das als Mittler zwischen Kunde und Händler auftritt. Der Surfer registriert sich einmalig per Fax oder per Post bei dem Unternehmen und gibt dabei seine Adresse und Bankverbindung an. Iclear prüft die Daten, danach erhält der Antragsteller seine Zugangsdaten in einem Brief zugestellt. Internet-Shops, die mit Iclear zusammenarbeiten, muss der Einkäufer dann nur noch seinen Namen und ein Passwort eingeben, um den Kaufvertrag online abzuschließen. Das Web-Geschäft liefert die Ware, bekommt aber erst sein Geld, nachdem das Paket beim Kunden angekommen ist und dieser nicht innerhalb von vierzehn Tagen von seinem Widerspruchsrecht Gebrauch gemacht hat. Danach bucht Iclear den fälligen Betrag vom Bankkonto des Kunden ab und überweist an den Händler. Auf einem passwortgeschützten Bereich der Homepage des Clearinghouse kann der Surfer zudem alle seine offenen, erledigten oder stornierten Transaktionen bei den unterschiedlichen Web-Shops einsehen, die Iclear unterstützen.

Der Online-Zigarrenversender Cigarworld.de aus Düsseldorf zählt zu den Web-Händlern, die Iclear als Bezahlverfahren akzeptieren. Er hatte mit Bankeinzügen schlechte Erfahrungen gemacht: Nicht selten konnte der Internet-Laden den Rechnungsbetrag nicht abbuchen, hatte aber die Ware bereits an den Empfänger geschickt. "Mit Papierrechnungen hätten wir die gleichen Pannen erlebt", so Inhaber Marc Benden. Während große Versandhäuser sich einen Stab an Anwälten leisten können, ist ein professionelles Mahnwesen für den virtuellen Tabakwarenladen nicht praktikabel, begründet Benden die Entscheidung, es nun mit Iclear zu versuchen. Auch weiterhin können Kunden aber zusätzlich per Bankeinzug bestellen, denn nach der Überzeugung von Benden werden sich kaum alle seine Online-Kunden von heute auf morgen auf das neue System einlassen. Allerdings musste Benden zunächst ein technisches Problem ausräumen. Von Zeit zu Zeit kann Cigarworld.de nicht die gesamte Bestellmenge auf einmal liefern, sondern nur einen Teil davon. Bei Kaufabschluss geht jedoch bei Iclear der Gesamtbetrag ein, obwohl dem Kunden zunächst nur ein Teilbetrag in Rechnung gestellt werden kann. Erst durch eine Nachbesserung sind nun auch zahlungstechnisch Teillieferungen mit Iclear möglich.

Doch Iclear steht noch am Anfang. Laut Firmenangaben haben sich bis dato nur rund 35000 Konsumenten beim Clearinghouse registriert. Allerdings sind in Anbetracht des jugendlichen Alters des Unternehmens beziehungsweise der Methode diese Nutzerzahlen, verglichen mit denen von SET und Ecash, beachtlich.

Ob Verfahren wie Iclear mehr Anklang beim Endbenutzer finden als ihre glücklosen Vorgänger, muss sich noch zeigen. Die Anbieter sind hoffnungsvoll und fühlen sich zudem durch eine Studie von Forrester Research Deutschland bestätigt. Demnach geraten herkömmliche Bezahlmethoden zunehmend unter Druck. Innerhalb der nächsten fünf Jahre, so die Analysten, werden Kreditkarte, Überweisungen und Lastschrift an Bedeutung verlieren. Forrester sagt intelligenten Smartcards eine Blütezeit voraus. Schon heute könnten Endkunden mittels Chipkarte Kaufverträge online abschließen sowie Bezahlvorgänge auslösen, wobei sich Händler und Käufer gegenseitig elektronisch ausweisen.

Eine erste Anwendung für das Bezahlen im Internet mit Smartcard bietet die Geldkarte. Mit ihr bezahlen schon heute private Konsumten in Kaufhäusern. Im Vergleich zur Verbreitung zücken bis dato allerdings nur sehr wenige Käufer die Karte an der Kasse. Nun hat der Zentrale Kreditausschuss (ZKA) sowohl der Geldkarte als auch einem entsprechenden Lesegerät für den Anschluss an den PC seinen Segen gegeben. Damit wäre das Bezahlen im Web auch mit der Geldkarte machbar. Das vom ZKA zugelassene Terminal "Kann Professional" des Herstellers Kobil Systems wird mit dem Rechner verbunden, und wie im stationären Geschäft steckt der Einkäufer seine Karte in den Schlitz des Leseapparats. Darüber hinaus lässt sich das Kobil-Produkt auch für das auf Smartcards basierende Online-Banking nach dem in Deutschland entwickelten Verfahren Home Banking Computer Interface (HBCI) sowie für das digitale Unterschreiben von Dokumenten nutzen. Technisch wäre auch das Aufladen der Geldkarte über das Lesegerät möglich, allerdings ist diese Methode noch nicht vom ZKA abgesegnet.

Einerseits spricht für die Geldkarte ihre große Verbreitung in Deutschland - etwa 50 Millionen Karten sollen im Umlauf sein. Andererseits muss der Endkunde das dazugehörige Lesegerät selbst bezahlen. Um der Geldkarte im Web zum Erfolg zu verhelfen, sollten die Banken die Lesegeräte so subventionieren, wie es die Mobilfunkgesellschaften mit den Handys tun. Laut Kobil wollen die Banken diesen Schritt jedoch nicht gehen. Anders die Stadt Bremen. Sie hat ihren Bürgern im Rahmen eines Projekts Kobil-Lesegeräte zu einem Preis von 20 Mark überlassen - im Laden kosten die Systeme etwa 220 Mark. Gegen eine Gebühr von zehn Mark erhalten die Einwohner der Hansestadt zudem eine Smartcard für elektronische Signaturen, die dem deutschen Signaturgesetz entsprechen. Zudem wurden alle Bremer Behörden verpflichtet, die digitale Signatur genauso zu akzeptieren wie das handschriftliche Autogramm. Die Bremer können so beispielsweise beim Standesamt ihre Heiratsurkunden online bestellen und per Geldkarte bezahlen. Allerdings bedarf dieser Service des Amtes noch der Freigabe des Rechnungshofs der Stadt Bremen, die in Kürze erfolgen soll.

Nach Angaben von Kobil interessieren sich viele Online-Shops für eine Bezahllösung auf Basis der Geldkarte. So redet die Firma beispielsweise mit Beate Uhse und Bertelsmann. Auch bei den Internet-Anwendern kommt die Methode an: Knapp 50 Prozent der in der eingangs erwähnten Studie der Uni Karlsruhe befragten Teilnehmer würden die Geldkarte zum Kauf im Web verwenden.

Die Geldkarte könnte im Internet unter anderem dazu genutzt werden, kleine Beträge abzurechnen, für die sich Kreditkartentransaktionen, der Versand von Rechnungen oder Lastschriften nicht lohnen. Verfahren zum Begleichen geringer Summen fallen unter die Bezeichnung Micropayment. Auch in diesem Segment gab es einige Versuche wie etwa das von Digital Equipment (heute Compaq) entwickelte "Millicent". Ein relativ neues und Erfolg versprechenderes System dieser Kategorie ist "Firstgate Click & Buy" von der Firstgate Internet AG aus Köln. Das Unternehmen wurde Anfang 2000 von Norbert Stangl eröffnet. Click & Buy arbeitet mit einem kumulativen Kundenkonto: Erst ab einem bestimmten Betrag wird per Lastschrift oder Kreditkarte vom Konto des Nutzers abgebucht. Die Bonität des Kunden wird nach Angaben Stangls über Scoring-Verfahren geprüft, dabei wird über Erfahrungswerte ermittelt, ob in dem Stadtteil oder der Straße wenig kreditwürdige Personen wohnen. "Es kommt schon mal vor, dass Kunden absichtlich falsche Adressen, Kontodaten oder Kreditkartennummern angeben."

Bezahlen für InhalteBisher haben sich etwa 1000 Anbieter für die Payment-Methode entschieden und 25000 Surfer beim Bezahlsystemanbieter registriert, täglich kommen laut Stangl 500 neue User und zehn Online-Anbieter hinzu. Der Grund dafür liegt in der Einfachheit: Firstgate braucht keine spezielle Software oder Applets. Der Teilnehmer registriert sich online, danach steht ihm die Methode sofort zur Verfügung. Vor allem Verlage nutzen das Verfahren, um Kleinstbeträge für Zeitschriftenartikel einzutreiben. Ein Anwender der Technik ist die CW-Schwesterzeitschrift "PC Welt". Über die Website des Magazins können sich Surfer Heftbeiträge der aktuellen Ausgabe kaufen, beispielsweise Testberichte.

Die Stiftung Warentest vertreibt mittels Click & Buy ältere Produkttests, wobei das Unternehmen das Firstgate-System als eines von drei Micropayment-Verfahren einsetzt. Daneben betreibt Stiftung Warentest die Payment-Methode "Net 900" der Firma In Medias Res aus Mönchengladbach sowie "Infin" der Münchner Ingenieurgesellschaft für Informationstechnologien.

Bei Net 900 wird die Gebühr über die Telefonrechnung des Surfers eingezogen. Infin funktioniert etwas anders: Der Kunde ruft eine spezielle, im Online Shop eingeblendete Telefonnumer an, ihm wird eine Transaktionsnummer (TAN) genannt, die er in ein Eingabefeld tippt. Auch hierbei erscheinen die Kosten für die Online-Inhalte auf der Rechnung der Telefongesellschaft.

Die Stiftung Warentest unterhält drei verschiedene Systeme, da sie grundsätzlich keine exklusiven Partnerschaften eingeht. Zudem setzen die Payment-Funktionen unterschiedliche Schwerpunkte. Bei Infin muss der Nutzer nichts weiter tun, als zum Telefonhörer zu greifen und dann die TAN eintippen.

Auch Net 900 erfordert nicht die Eingabe persönlicher Daten wie Kontonummer oder Anschrift, allerdings muss sich der Benutzer eine kleine Software aus dem Netz laden und installieren. Firstgate erfordert zwar eine Registrierung, dennoch machen die Site-Besucher von dieser Variante am häufigsten Gebrauch, erläutert Andreas Gebauer, Leiter der Online-Redaktion von www.stiftung-warentest.de. Den Content-Verkauf via Web hat die Stiftung Warentest ins Leben gerufen, um den Kunden eine Alternative zum Faxabruf über eine 0190-Nummer zu bieten.

Apropos Alternative: Online-Bezahlsysteme gibt es nicht nur für PCs, sondern zunehmend auch für andere Endgeräte wie etwa Handys. Die Paybox AG aus Frankfurt am Main beispielsweise bietet einen Service, mit dem Handy-Nutzer über ein sprachgesteuertes System Lastschriftverfahren in Gang setzen können.

Der Anwender muss sich bei Paybox registrieren und erhält eine persönliche Identifikationsnummer (PIN), die er bei Transaktionen eingibt. Mit Paybox können Mobiltelefonierer in Online-Shops bezahlen, indem sie am PC surfen und mit dem Telefon die Bezahlung veranlassen. Zudem erlaubt es die Technik dem User, Geldbeträge an andere Paybox-Kunden zu überweisen. Das Verfahren scheint anzukommen: In einer Studie des Berliner Marktforschungsunternehmens Berlecon Research gaben 20 Prozent der befragten großen Web-Händler an, dieses System anzubieten. Bei kleineren Shops ist das Payment per Handy allerdings weit weniger ein Thema.

Gemeinsam mit Oracle entwickeln die Frankfurter eine WAP-basierte Variante des Systems, um Mobiltelefonierern die gleiche Möglichkeit zu bieten wie PC-Nutzern. Diese Lösung wird aber erst zum Tragen kommen, wenn die Mobilfunkteilnehmer sich via GPRS und UMTS ins Internet einwählen können.

Handy als GeldbörseEinen anderen Weg geht die Firma Inatec aus Leipzig. Deren System "Street Cash" arbeitet über den Short Message Service (SMS). Der Online-Shop, Taxifahrer oder Kellner schickt dem Kunden eine Kurznachricht mit dem zu zahlenden Betrag, und der Schuldner bestätigt den Vorgang mit seiner PIN. Eine weitere SMS signalisiert dem Verkäufer die erfolgte Transaktion. Der Bezahlsystemspezialist Telecash aus Stuttgart arbeitet an einer ähnlichen Mobile-Payment-Methode, die jedoch ausschließlich für Web-Shops konzipiert ist. In Zukunft dürften mobile Bezahlsysteme an Verbreitung gewinnen. Die TK-Gesellschaft Mobilcom AG aus Büdelsdorf will mit der Landesbank Baden-Württemberg eine Mobilbank gründen, die unter anderem Payment-Systeme für Mobilfunkendgeräte anbieten soll.

Auch die Boston Consulting Group (BCG) aus Frankfurt untermauert die Zukunftsperspektiven für die mobilen Systeme in ihrer "Global Payment-Studie 2000/1". "Im Kompromiss zwischen Bequemlichkeit und Sicherheit sind das mobile Portemonnaie und E-Mail-Zahlungen am besten positioniert", erläutert BCG-Geschäftsführer Michael Krupp. Mit E-Mail-Zahlungen meint Krupp beispielsweise das in den USA beliebte "Paypal" ("Pal" bedeutet Kumpel). Über eine zentrale Website können Nutzer anderen Anwendern des Verfahrens Geldbeträge zusenden. In der Nachricht ist ein Link auf die Paypal-Site eingebettet. Über die Homepage gelangt der Empfänger an den übermittelten Betrag, der auf sein Paypal-Konto überwiesen wird. Sollte der Empfänger der E-Mail noch kein Paypal-Kunde sein, muss er sich registrieren, um das Geld zu bekommen - dies dürfte einer der Gründe für die rasche Zunahme der Paypal-Nutzer sein. Nach Angaben des US-Anbieters, der Ende 1998 gegründeten Firma Paypal aus Kalifornien, nutzen weltweit fünf Millionen Internet-Anwender dieses System. Insbesonders bei Teilnehmern von Online-Auktionen erfreut sich das Verfahren großer Beliebtheit, das mittlerweile in 26 Ländern verfügbar ist, darunter in Deutschland.

Anreize für Händler und Konsumenten zur SET-NutzungDie Kreditkartengesellschaften haben mit Secure Electronic Transactions (SET) ein Verfahren geschaffen, das sowohl Händlern und Banken als auch den Surfern weit mehr Sicherheit bietet als das herkömmliche Verfahren bei der Bezahlung mit Kreditkarte. Ohne SET übermittelt der Käufer seine - oder möglicherweise auch eine illegal in Erfahrung gebrachte - Kartennummer an den Händler. Das so genannte Chargeback-Risk, also das Risiko des Zahlungsausfalls, sollte der Karteninhaber die Abbuchung wiederrufen, liegt beim Web-Geschäft. Anders bei SET: Der Händler erhält ein Zahlungsversprechen von der kartenausgebenden Bank. Auch der Surfer profitiert, denn er übermittelt beim Bezahlvorgang lediglich eine elektronische Authentifizierung an den Shop, nicht jedoch seine Kartendaten. Die Kreditkartengesellschaften erwarten, dass durch SET der Kartenbetrug im Internet abnimmt. Dennoch konnte sich SET bisher nicht durchsetzen, da es für Surfer zu komplex ist beziehungsweise nur sehr wenige Händler das Verfahren anbieten.

Nun unternehmen die Kreditkartengesellschaften einen weiteren Versuch, SET zur Blüte zu verhelfen. Ab Oktober 2001 will Visa das Tree-Domain-Modell (3D-SET) für seine Mitgliedsbanken einführen. Visa hat eingesehen, dass sich eine Ende-zu-Ende-SET-Lösung nicht durchsetzen kann. Statt einer elektronischen Geldbörse (Wallet) auf dem PC des Surfers nutzt dieser in Zukunft ein Zertifikat, das auf einem externen Server gespeichert ist. Der User registriert sich einmalig mit Name, Adresse und seiner Kartennummer. Diese Daten stehen dann bei jedem SET-Einkauf zur Verfügung. Der Shopper kann dadurch von jedem Rechner aus bezahlen: Beim Einkauf braucht er nur noch sein Passwort einzugeben, um die auf dem Server gespeicherte Wallet zu nutzen.

Damit genug Karteninhaber sich für diese Möglichkeit entscheiden, werden die ausgebenden Banken dazu verpflichtet, ihre Kunden darüber zu informieren beziehungsweise Nachfragern den Service zur Verfügung zu stellen. Allerdings haben sich die Banken bisher in Sachen SET-Vermarktung nicht eben mit Ruhm bekleckert. Branchenkenner berichten immer wieder, dass in vielen Kreditinstituten das Bezahlverfahren praktisch unbekannt ist.

Für Händler gibt es ebenfalls einen Anreiz. Ab dem 1. Juni dieses Jahres gewährt Visa ihnen eine Auszahlungsgarantie, wenn sie zumindest zwischen ihrem Shop und der kartenausgebenden Bank (Acquirer) SET nutzen. Bisher, so Ralf Gladis, konnte der Karteninhaber die Zahlung bestreiten und stornieren, so dass der Online-Anbieter das Nachsehen hatte. Gladis ist Geschäftsführer der Computop Wirtschaftsinformatik aus Bamberg, die Payment-Lösungen- und -Services anbietet und unter Netkauf.de auch ein Internet-Kaufhaus betreibt. Zwischen Händler und Endkunde bleibt bei diesem Szenario zunächst alles beim Alten, allerdings wird bei Kreditkartenzahlungen dann zusätzlich der CRC2-Code ausgewertet. Dabei handelt es sich um eine dreistellige Zahlenfolge, die beispielsweise auf jeder Eurocard hinter der eigentlichen Kreditkartennummer erschient.

Will auch der Endkunde SET nutzen, muss er nach wie vor eine Wallet installieren. Bis Ende 2001 oder Anfang 2002 soll das 3D-SET-Verfahren so weit ausgebaut sein, dass der Endkunde dann auch keine elektronische Geldbörse mehr auf seinem Rechner benötigt, erläutert Oliver Gronau, Sprecher des Münchner Online-Bezahldienstleisters Wire Card AG. Anbieter von Payment-Services wie Computop, Wire Card sowie die Stuttgarter Firma Telecash bieten Systeme, mit denen sich auch SET-Abrechnungen mit einem Server-basierten Zertifikat abwickeln lassen. Sie wollen ihre Angebote in Kürze an das 3D-SET-Modell anpassen.

"E-Rechnung"Das Marktforschungsunternehmen Forrester Research Deutschland rechnet damit, dass die elektronische Rechungsstellung beziehungsweies Bezahlung (Electronic Bill Presentment and Payment, kurz EBPP) künftig einen breiten Raum im elektronischen Geschäftsverkehr einnehmen wird. Dieses Verfahren digitalisiert quasi die alte Papierrechnung. Der Rechnungssteller soll so Geld für Druck und Porto sparen sowie seine Geschäftsprozesse vereinfachen können. Statt einer per Post zugestellten Zahlungsaufforderung nachzukommen, ist der private Konsument künftig in der Lage, offene Posten über das Electronic-Banking-System seiner Bank zu begleichen. Die anfallenden Rechnungen liegen auf den Bank-Servern, und der Online-Banking-Nutzer zahlt sie beispielsweise per elektronische Überweisung. Allerdings müssen die Firmen ihre Abrechnungssysteme entsprechend anpassen.

Ein solches EBPP-Konzept will das schweizerische Unternehmen Paynet AG aus Wallisellen, eine Ausgründung des Bezahlsystemanbieters Europay SA, in diesem Frühjahr realisieren. Im Business-to-Business-Bereich wird Paynet schon genutzt. Interessant ist das Paynet-System vor allem für Firmen, die sehr viele Rechnungen stellen, beispielsweise Telefongesellschaften, Stromanbieter oder Versandhäuser. Die Eidgenossen möchten ihr Verfahren in ganz Europa einführen und verhandeln hierzu auch mit deutschen Banken.

Abb.1: Was Shopper wünschen

Angst vor dem Klau der Kreditkartennummer hält nach wie vor viele Surfer vom Web-Kauf ab. Quelle: Forrester Research Deutschland

Abb.2: Handy als mobile Geldbörse

Marktforscher sehen in mobilen Endgeräten ein universelles Bezahlterminal. Quelle: Consulting Group