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Online-User bevorzugen bisher Offline-Verfahren


21.04.2000 - 

Web-Bezahlsysteme treten gegen Papierrechnung an

Nach wie vor bevorzugen Web-Shopper, wenn es ums Bezahlen geht, die Rechnung auf Papier. Viele scheuen die Preisgabe persönlicher Daten im Internet, andere schrecken vor der Installation spezieller Client-Software zurück. Handy-gestützte Bezahlverfahren sowie Server-basierte Systeme könnten das Blatt wenden.CW-Bericht, Frank Niemann

Verfahren wie Cybercash, Ecash und Secure Electronic Transactions (SET) sind zwar technisch ausgefeilte Lösungen, um sicher im Internet zu bezahlen, doch benötigt der private Konsument eine elektronische Geldbörse (Wallet) auf seinem Rechner. Surfer lassen sich aber nur schwer davon überzeugen, ein Programm zu installieren, damit sie online bezahlen können. So kommt es, dass nur wenige Online-Shops diese Verfahren unterstützen, obwohl die Systeme schon seit Jahren am Markt verfügbar sind. Nicht wenige Internet-Händler kreiden den Banken an, sie hätten es bisher versäumt, elektronische Bezahlverfahren unter die Leute zu bringen. "Das E-Commerce-Know-how steckt bei den Kreditinstituten in den Zentralen und wird nicht an die Filialen weitergegeben", stellt Jörg Abrolat, Produktmanager E-Commerce beim Kommunikationsdienstleister Com.box in Berlin fest.

Da heute nur wenige Surfer über elektronische Geldbörsen verfügen, sehen Online-Händler auch kaum Notwendigkeit, solche Zahlungsverfahren zuzulassen. So bieten derzeit nur 52 deutsche Web-Shops Cybercash (siehe www. cybercash.de) an, und Ecash akzeptieren lediglich 68 Internet-Geschäfte (siehe www.ecash.de). Nach Informationen des europäischen Zahlungssystemedienstleisters Europay International verfügen etwa 50 deutsche Internet-Shops über eine SET-konformes Abrechnungssystem - nicht gerade üppig also (siehe www.eurocard.de). "Die Banken sehen es anders, aber SET ist eigentlich tot", kann Carsten Schmidt, Analyst bei dem Marktforschungsunternehmen Forrester Research in Amsterdam, dazu nur feststellen.

Deutsche Internet-User vertrauen der traditionellen Zahlverfahren weit mehr als den elektronischen Payment-Systemen. Beim Online-Buchversender Buecher.de aus München können Kunden beispielsweise per Lastschrift, Rechnung oder Kreditkarte bezahlen. Trotz der Auswahl lassen sich die meisten Käufer eine Rechnung schicken. Laut Klaus Driever, Geschäftsführer des Buecher.de-Konkurrenten Booxtra, wickelt sein Unternehmen sogar 95 Prozent der Internet-Geschäfte auf diese Weise ab.

Daran dürfte sich sobald auch nichts ändern, glaubt man den Ergebnissen einer E-Commerce-Studie des Beratungs- und Marktforschungsunternehmens Meta Group. Demnach planen 55 Prozent der 350 befragten deutschen Unternehmen das Nachnahmeverfahren beziehungsweise die Rechnung anzubieten, 41 Prozent vertrauen auf die Einzugsermächtigung als Bezahlmethode. Zwar wollen 39 Prozent künftig auch Kreditkartentransaktionen verarbeiten, doch nur 19 Prozent erwägen, dies mit SET zu realisieren. Mit dem Verfahren Cybercash können sich 15 von 100 Firmen anfreunden.

Primustronix, der auf Elektronikartikel spezialisierte Web-Shop der Firmengruppe Primus-Online, zählt zu den wenigen Firmen, die auf SET setzen. Allerdings hat das Unternehmen gemeinsam mit dem Softwarespezialisten Brokat eine besondere SET-Lösung entwickelt. Der Primus-Kunde benötigt im Gegensatz zum herkömmlichen Verfahren weder eine Wallet-Software auf seinem PC noch ein elektronisches Zertifikat, sondern muss lediglich ein Java-Applet auf seinen PC laden. "Wir haben uns umgeschaut, wie viele Online-User ein Zertifikat für die Bezahlung per SET besitzen und dabei festgestellt, dass dieses Verfahren in Reinform für uns keinen Sinn macht", begründet Geschäftsführer Michael Gerke das erweiterte SET-Angebot seines Unternehmens. Das Zertifikat des Endkunden garantiere dem Händler, dass der Käufer wirklich der ist, der er vorgibt zu sein. Somit trage der Web-Shop-Betreiber das Risiko. Rund 25 Prozent der Kunden bei Primustronix bezahlen mit Kreditkarte, 15 Prozent via Lastschrift. Doch auch bei der Primus-Tochter schwören die meisten Klienten auf den Kauf per Nachnahme oder Rechnung, wobei letztere nur für Firmen angeboten wird.

Neben seinen bestehenden Bezahlsystemen liebäugelt Primustronix mit dem auf Mobilfunktelefon-Technik basierenden Verfahren Paybox des gleichnamigen Anbieters (CW 12/00, siehe 8). Dabei bezahlt der Käufer per Lastschrift, wobei er die Online-Transaktion über sein Handy in Gang setzt. Potenzielle Nutzer gibt es zuhauf: Das erforderliche Endgerät tragen Millionen deutsche Mobilfunkkunden fast ständig mit sich herum. Das Einsatzgebiet von Paybox beschränkt sich nicht auf den Internet-Handel. Anwender können Geldbeträge auch an andere Mobilfunknutzer überweisen, vorausgesetzt, die Beteiligten haben sich zuvor beim Anbieter Paybox.net registrieren lassen.

Nach Ansicht von Experten hat auch "Net 900" die Chance, sich im Internet als Zahlungsverfahren durchzusetzen, und zwar insbesondere zur Abrechnung von kleinen Beträgen. Seit Anfang dieses Jahres nutzt die Deutsche Telekom diese Methode als Ersatz für das Bezahlsystem von T-Online Classic (vormals Btx). Da Surfer zunehmend für Inhalte und Online-Dienstleistungen zur Kasse gebeten werden, kommt Net 900 wie gerufen. Kaum ein Inhaltsanbieter dürfte Interesse daran haben, für einen 20 Pfennig teuren Online-Artikel eine Kreditkartentransaktion abzuwickeln oder gar dem Kunden eine Rechnung zu schicken - allein das Briefporto würde den Warenwert übersteigen.

Net 900 basiert auf einer Client-Software, die sich der Surfer von der Website des jeweiligen Anbieters herunterlädt. Dieses Programm baut per Modem oder ISDN eine Verbindung über eine spezielle Telefonnummer aus, sobald der Surfer eine kostenpflichtige Inhaltsseite ansteuert. Banken sind dabei nicht im Spiel: der Käufer zahlt dann über die Telefonrechnung. "Net900 übt Druck auf die Banken aus, denn das Geschäft macht die Telekom", bemerkt denn auch Dag Klimas, Vorstand der auf elektronische Zahlungssysteme der Aronline AG, auf einem Symposium "E-Commerce Abrechnungsmodelle" des Verbands Bayerischer Verlage und Buchhandlungen. Zwar handelt es sich um kleine Beträge, Peanuts quasi, doch Kleinvieh macht bekanntlich auch Mist. Demnächst wird beispielsweise der Online-Wissensplattform Xipolis.net aus München dieses System einführen, um Gebühren für die Nutzung von Online-Archiven einzutreiben.

Für Online-Anbieter, die mehrere Bezahlverfahren für verschiedene Endgeräte anbieten wollen, hat das in Leipzig ansässige Unternehmen Virbus AG, eine 100-prozentige Tochter der Landesbank Sachsen, das "Virbus Internet Payment System" (VIP) entwickelt. Die Händler können die Software entweder kaufen oder als Service mieten. VIP stellt ihnen die Bezahlverfahren Lastschrift, Cybercash, SET sowie Kreditkartentransaktionen via SSL zur Verfügung. Damit Käufer nicht wieder gezwungen werden, eine elektronische Geldbörse nebst Zertifikat zu installieren, richten sie sich auf dem "VIP Account Server" eine virtuelle Brieftasche ein. Der Konsument kann die Bezahlmethoden des Systems dann sowohl über das Internet als auch über Handy verwenden, soweit letzteres das Wireless Application Protocol (WAP) versteht. Wer diese Account Server betreiben wird, steht noch nicht fest, es dürfte allerdings kaum der Händler selbst sein.

BezahlverfahrenHinweis: Die hier vorgestellten Verfahren stellen keine vollständige Marktübersicht dar.

Paybox: Verfahren, mit dem Handy-Nutzer Geldbeträge sowohl an andere Mobilfunknutzer als auch an Online-Shops überweisen können. Es kommt zwar ohne Wallet aus, erfordert für den Online-Einkauf aber ein Handy. Die Deutsche Bank 24 zählt zu den wichtigsten Förderern dieses Zahlungssystems.

Iclear: Der gleichnamige Anbieter agiert als Clearing-Haus zwischen Kunden und Händler, übernimmt die Bonitätsprüfung und trägt das Zahlungsrisiko. Surfer haben sich zuvor bei dem Dienstleister zu registrieren, müssen beim Online-Einkauf außer einer Identifikationsnummer keine weiteren Daten mehr eingeben.

Net 900: Micropayment-System, das kostenpflichtige Online-Services über eine spezielle Rufnummer abrechnet. Dies setzt jedoch eine besondere Software voraus und funktioniert nur über Internet-Zugänge per Modem oder ISDN.

Wire Card: Die Firma stellt Händlern ein Kreditkarten-Bezahlverfahren als Dienstleistung zur Verfügung. Endkunden laden sich für den Bezahlvorgang ein Java-Applet vom Webshop herunter.

SET: Ein Verfahren für Kreditkarten- und andere Bezahltransaktionen, bei dem die Kundendaten nicht an den Händler gehen, sondern an die abwickelnde Bank. Das Verfahren gilt als sicher und technisch ausgereift, erfordert aber seitens des Online-Nutzers die Installation einer Wallet-Software und das Einrichten eines Zertifikats.

Ecash: Sicheres, einfach zu bedienendes Verfahren zum Bezahlen von Beträgen bis 400 Mark. Es ist allerdings wie SET eine Wallet erforderlich. Nur die Deutsche Bank steht hierzulande hinter Ecash.

Cybercash: Flexibles Bezahlsystem, das Kreditkartenzahlungen über herstellereigenes Protokoll, Lastschrift sowie elektronische Münzen (Cybercoins) für Kleinstbeträge unterstützt. Es übermittelt keine Daten an den Händler, erfordert aber eine Wallet.

Geldkarte: Setzt ein spezielles Lesegerät beim Kunden voraus und ist nur für Beträge bis 400 Mark vorgesehen. Die Geldkarte hat nach Ansicht von Branchenkennern im Online-Handel heute kaum Bedeutung.

Abb.: An der Dominanz der Rechnung beziehungsweise des Nachnahmeverfahrens ändert sich laut der Meta Group auch künftig nichts. Quelle: Meta Group