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02.11.2006

Web-Clients für ERP haben Schwächen

Die Browser-Frontends von Client-Server-Software hinken Web-basierender ERP-Software hinterher.
Der Funktionsumfang der Frontends von Client-Server-Systemen variiert. Deren Web-Clients bieten oft nicht die gleichen Features.
Der Funktionsumfang der Frontends von Client-Server-Systemen variiert. Deren Web-Clients bieten oft nicht die gleichen Features.

Die Basistechnik von kaufmännischen Business-Applikationen ist immer wieder Gegenstand von Softwareauswahlprojekten. Schließlich beeinflusst die Systemarchitektur die Kosten für Wartung, Integration und Modifikationen nachhaltig. Eine Kernfrage lautet daher, ob eine konventionelle Softwarearchitektur in Form eines Client-Server- Systems oder ein Web-basierendes Produkt angeschafft werden soll.

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Thin Client - Rich Client

Ein Thin Client ist ein Ein-Ausgabegerät, das mit einer Server-basierenden IT-Infrastruktur verbunden wird. In einer reinen Thin-Client-Umgebung laufen alle Anwendungen inklusive der Web-Browser auf dem Server, die Daten werden ebenso zentral abgelegt. Der Thin Client selbst übermittelt Tastatur- und Mouse-Events an die Server-seitigen Anwendungen und präsentiert deren Output auf dem Monitor.

Ein moderner Thin Client verfügt über genügend Grafikleistung zur Darstellung moderner Desktop-Oberflächen und kann auch die Ein- und Ausgabe von Audio per Mikrofon und Lautsprecher unterstützen. Je nach Typ, Konfiguration und Bedarf lassen sich Anwendungen auch direkt auf dem Thin Client ausführen. Praktisch alle verfügbaren Produkte kommen mit integrierten Clients für "Microsoft Terminal Server" (via RDP-Protokoll) und "Citrix Metaframe" (via ICA).

Mit einem Rich Client ist ein vollwertiges System gemeint. Synonym wird auch der Begriff Fat Client verwendet.

Web-basierende ERP-Lösungen laufen auf einem modernen Applikations-Server auf Basis von Java oder .NET und werden über einen Web-Browser bedient.

Dem stehen Entwicklungen seitens der Anbieter von Client-Server-Software gegenüber, die ihre Produkte Web-fähig machen, indem sie Web-Clients zur Verfügung stellen. Wie aber schneiden Web-Clients der Client-Server-Systeme in der Praxis im Vergleich zu Web-basierenden Systemen ab, und wo liegen die wesentlichen Unterschiede?

Viele Hersteller versprechen, eine neue Generation von ERP-Systemen zu entwickeln, doch hier eilen die Marketing-Aussagen der Realität voraus. Vollständig auf Standards der Internet-Technik aufgebaute ERP-Systeme sind eher noch die Ausnahme. In den letzten beiden Jahren haben nur wenige Anbieter wie etwa SoftM und Bison ("Greenax"), Demand Software Solu- tions GmbH ("Genesis4Web"), eine Tochter der Alpha Business Solutions AG und vor allem Ramco Systems mit "Ramco Enterprise Services" den Vorstoß gewagt, ein vollständig neues, Web-basierendes ERP-System zu entwickeln. Viele andere Hersteller haben die Client-Server-Architektur ihrer Systeme teilweise um darüber liegende Web-Clients erweitert. Doch beim Einsatz von Web-Clients muss der Anwender im Gegensatz zu Web-basierenden Systemen mit einigen Einschränkungen leben.

Der Web-Client baut beim Datenaustausch zwei Kommunikationskanäle zur Server-Umgebung auf. Über den einen Kanal werden die Objekte der Bedienoberfläche übertragen, über den anderen die angeforderten Datenpakete. Ausführbare Befehle sind somit an einen gewissen Rahmen gebunden.

Aufwändige Kommunikation

Hintergrund ist, dass die Web-Clients sich auf die Grundfunktionen des Web-Interface beschränken. Ausführbare Befehle (zum Beispiel für Zusatz- beziehungsweise Hilfsprogramme) laufen überwiegend außerhalb der Web-Umgebung und transferieren anschließend ihr Ergebnis in die entsprechende Maske der Web-Schnittstelle zurück. Der Interaktivität und Geschwindigkeit sind dadurch Grenzen gesetzt. Eine dynamische Erweiterung der Masken je nach zurückgeliefertem Ergebnis ist normalerweise nicht möglich. Informationen können nur partiell in das System eingegeben und Ansichten nur teilweise dargestellt werden. Beispielsweise lassen sich Datensätze wie Kundenprofile und Kontakthistorie einsehen und zum Teil auch bearbeiten. Dezentrale Auswertungen (zum Beispiel im CRM-Modul für das Vertriebs-Controlling) sowie Auftrags- oder Aktivitätensteuerungen sind vielfach nur bedingt möglich.

Die zumeist eingesetzten Thin Clients können Ein- und Ausgabefunktionen ausführen, jedoch kaum verarbeitende Funktionen wahrnehmen wie ein Rich Client (siehe Kasten "Thin Clients - Rich Clients").

Aus Sicht der Anwender ergibt sich aus dieser Entwicklung die Frage, welche Kernprozesse über das Web abgebildet und welche aus Gründen der Performance besser über einen bisherigen "fetten" Client bedient werden sollten. Zwar sind Thin Clients in vielen mittelständischen Betrieben im Einsatz, aber die Tendenz geht auch hier zum Rich Client, der durch Module und Plugins erweiterbar ist und komfortabler an die Anforderungen des Nutzers angepasst werden kann.

An Browser gebunden

Web-Clients sind heute oftmals noch an bestimmte Plattformen und Browser (meist Microsoft) gekoppelt und bieten damit nicht den Vorteil der Plattformunabhängigkeit, was unter- nehmensübergreifende Kollaborationsansätze zusätzlich erschwert. Lediglich Web-Clients auf Java-Basis, die beispielsweise mit Servlets, Javaserver Pages und Enterprise Javabeans erstellt wurden, bieten Alternativen, sind aber viel aufwändiger in der Entwicklung als Microsoft-Lösungen.

Zu bedenken ist auch, dass Web-Frontends das Netz mit datenintensiven Zugriffen auf Applikationen belasten. Verarbeiten müssen diese Anfragen die zentralen Systeme, da alle Programme auf wenigen Servern laufen statt auf zahlreichen Clients. Dies hat zur Folge, dass die Hardwareanforderungen an den Server im Gegensatz zu den Web-basierenden Systemen verhältnismäßig hoch sind. Ab einer bestimmten Anzahl von Thin Clients stellen sich aber auch hinsichtlich der Hardwarekosten, Lizenzgebühren und des Wartungsaufwands Skaleneffekte ein, die die zusätzlichen Anforderungen und Kosten mittelfristig überkompensieren.

Defizite bei Web-Services

Auch in Sachen Web-Services bieten die Web-Clients häufig nicht die notwendige Unterstützung. Dazu zählen Standards wie Soap (Simple Object Access Protocol), WSDL (Web Services Description Language) und XML, die eine Kommunikation und Integration von Anwendungen sowie Drittsystemen innerhalb und außerhalb der Unternehmensgrenzen gewährleisten.

Komponenten- und Web-basierende ERP-Systeme auf Basis einer SOA stellen unter anderem SoftM und Bison (auf Basis von Java) sowie der Schweizer ERP-Spezialist Ramco Systems her. Letzterer baut das "Ramco Enterprise Series" auf Grundlage der Anwendungs- und Entwicklungsumgebung "Virtualworks".

Ob Web-fähig oder Web-basierend, letztlich stehen eine Senkung der Betriebskosten, mehr Prozesseffizienz und Möglichkeiten zur Anwendungsintegration im Mittelpunkt der Entwicklungsbemühungen. Von Softselect innerhalb der vergangenen zwei Jahren befragte IT-Verantwortliche gaben im Rahmen von Software-Evaluationsprojekten diesbezüglich ebenfalls ein wachsendes Interesse an vertikaler und horizontaler Systemintegration, XML-Unterstützung, Java-basierenden Entwicklungen und Web-basierenden Systemarchitekturen (beispielsweise Portallösungen) an.

IT-Manager sind bereit, technische Entwicklungen hinsichtlich ihrer Praktikabilität zu prüfen. Sie achten jedoch mehr denn je auf die Kosten und den betriebswirtschaftlichen Nutzen. Hier stehen die Softwarehersteller in der Pflicht, sinnvolle Konzepte anzubieten. Und diese Konzepte werden im Wesentlichen auf den Web-basierenden Entwicklungen der jüngsten Generation aufsetzen. (fn)