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07.09.2001 - 

In Software zur Verwaltung von Internet-Inhalten wird nur noch häppchenweise investiert

Web-Content-Management: Boom ist vorbei

MÜNCHEN (fn/sp) - Noch vor einem Jahr herrschte im Markt für Web-Content-Management-Systeme (WCMS) ein regelrechter Boom. Die enorme Nachfrage nach Software zum Verwalten von Internet-Inhalten verleitete die Hersteller zu rosigen Prognosen. Inzwischen leidet die Branche unter dem konjunkturell bedingten Investitionsrückgang.

An WEB-Content-Management-Software besteht nach wie vor Bedarf, doch den Anwenderunternehmen sitzt der Geldbeutel längst nicht mehr so locker wie noch vor einem Jahr. Auf Gesamtverträge oder Rahmenvereinbarungen lassen sich die Kunden mittlerweile kaum mehr ein, beschreibt Martin Hegi, WCMS-Experte beim Düsseldorfer Fachverlag New Media Sales, die Situation: "Gekauft wird nur noch häppchenweise: Hat sich die Software auf einem Gebiet bewährt, erwirbt man vielleicht noch ein paar weitere Lizenzen für einen anderen Bereich, dann wird erst einmal abgewartet."

"Die Entscheidungsfreudigkeit der Kunden ist sehr gering im Moment," bestätigt Stefan Utzinger, Vorstandsvorsitzender Conceptware AG. So gering, dass die auf mittelständische Lösungen spezialisierte Firma aus Schwalbach im Taunus Ende Juli ihre Auslandsaktivitäten zurückfahren, die Münchner Niederlassung schließen und 20 Prozent der Belegschaft entlassen musste. Noch härter traf es die Mediasurface GmbH. Die deutsche Tochter des britischen WCMS-Anbieters hatte erst vor einem Jahr ihre Zelte in München aufgeschlagen. Mittlerweile wurden alle ausländischen Niederlassungen wieder dicht gemacht.

Die Pleite der Mediasurface GmbH kam recht überraschend: Noch Ende Juni hatte das britische Mutterhaus insgesamt 11,5 Millionen Pfund von hochkarätigen Investoren wie 3i, Dresdner Kleinwort Capital und Goldman Sachs erhalten. "Es hieß, wir seien für die nächsten zwölf Monate finanziert, selbst wenn wir keine Umsätze mehr machen", erinnert sich Geschäftsführer Peter Weger. Nur eineinhalb Wochen später wendete sich das Blatt. Inzwischen hat Weger Insolvenz beantragt. Auch nach den Worten von Josef Huber, Geschäftsführer der Tridion GmbH, ist der Markt im Vergleich zum vergangenen Jahr zurückhaltend geworden: "Es gab Firmen, die mal schnell 500000 Mark für einen Web-Auftritt hinlegten und sich erst nachträglich Gedanken darüber machten, wie sie diesen realisieren wollen. Solche Deals funktionieren heute nicht mehr", so der Firmenchef. Vor allem Anwender, die mit ihrem System schlechte Erfahrungen gemacht hätten, seien vorsichtiger geworden: "Die steigen erst einmal im kleinen Rahmen ein - etwa mit einer Intranet-Lösung."

Zu spüren ist der Nachfragerückgang laut Huber vor allem beim reinen Internet-Auftritt, da mittlerweile jedes Unternehmen über irgendeine Lösung zum Verwalten seiner Web-Inhalte verfüge. Häufig handelt es sich um "selbstgestrickte" Anwendungen, da viele Firmen angesichts der unsicheren Konjunktur nach wie vor zögern, auf eine professionelle Lösung umzusteigen. In den USA entfällt die Hälfte der eingesetzen WCM-Systeme auf Inhouse-Solutions. In Deutschland ist dieser Anteil wahrscheinlich noch wesentlich höher - vor allem weil der Mittelstand, in dem ein enormes Potenzial schlummert, keine Anstalten mache, auf den WCMS-Zug aufzuspringen. Unter anderem aus diesem Grund ist auch das ASP-Geschäft noch immer nicht angelaufen.

Investiert in Web-Projekte wird laut Tridion-Chef Huber erst, "wenn der Druck so hoch ist, dass man eine effizientere Lösung braucht - etwa um Content im CRM-System oder im Intranet wiederverwerten zu können." Zudem achteten die Kunden heute weit mehr als noch vor einem Jahr darauf, ob es sich um eine zukunftsweisende Technik handelt, die etwa auf gängigen Standards wie Java oder XML basiert, und ob die Existenz des Anbieters als dauerhaft gesichert gelten kann. Um die Kosten im Griff zu behalten, sitzen bei der WCMS-Auswahl immer häufiger auch Controller am Tisch, hat der Anbieter Infopark festgestellt. In zunehmendem Maße wird die Entscheidung für ein WCM-System aber auch auf Management-Ebene - vom Chief Technology Officer (CTO) oder gar dem CEO - gefällt, beobachtet man bei Gauss Interprise.

Auf das flaue Geschäft reagieren einige Hersteller - wie kürzlich Pironet NDH - mit Entlassungen. Ein falscher Ansatz, meint New-Media-Sales-Manager Hegi: "In einer solchen Siuation herunterzufahren, ist sehr gefährlich, denn damit überlässt man die Aufträge der Konkurrenz." Stattdessen müssten die Anbieter ihre Vertriebsmitarbeiter jetzt erst recht rausschicken und "baggern" - eine Vorgehensweise, die beispielsweise Imperia praktiziere. Allerdings, räumt Hegi ein, können sich solche aggressiven Strategien nur die Unternehmen leisten, die im vergangenen Jahr genug verdient haben, um heute noch davon zu zehren.

Vor allem in Hinblick auf das vierte Quartal ist ein Finanzpolster überlebenswichtig. Da sich die wirtschaftliche Lage der Branche eher noch verschlechtern soll, werden nach Hegis Einschätzung viele Anbieter in Bedrängnis geraten. "Wer nicht noch vom letzten Jahr richtig viel Geld in der Kasse hat, wird spätestens im vierten Quartal Probleme bekommen." Größere Firmen wie die Gauss Interprise AG, die derzeit über mehr als 1000 Kunden verfügt, hätten aufgrund ihrer Größe einen längeren Atem, aber auch eine stärkere Verpflichtung den Anwenderunternehmen gegenüber. "Die können es sich schon allein aus Imagegründen nicht erlauben, ihre Kunden einfach abzuhängen, wenn die Geschäfte nicht so gut laufen", meint der Experte. Wahrscheinlicher sei in einem solchen Fall, dass der Hersteller von einem Konkurrenten oder einem großen Systemintegrator übernommen werde.

Eine Konsolidierung des zersplitterten Marktes ist laut Hegi allerdings nicht in Sicht. Es fänden eher Umschichtungen statt: "Einige Player kommen, andere - wie jetzt Mediasurface - verschwinden wieder." Auch nach Einschätzung von Marcus Schmidt, Sprecher der Pironet NDH, ist bislang eher das Gegenteil einer Konsolidierung der Fall, da ständig neue Anbieter auf den Markt drängten. Außerdem würden kleinere CMS-Anbieter von ihren Großkunden übernommen - wie kürzlich die Firma Hexmac von der Mediengruppe Focus Digital.

Konsolidierung steht bevorJeff Mann, Vice President International for Electronic Business Strategies bei der Meta Group in Paris, hält eine Marktkonsolidierung dagegen für längst überfällig. Er rechnet in nächster Zeit mit einer ganzen Reihe von Übernahmen oder Fusionen. Als mögliche Aufkäufer von CMS-Firmen betrachtet Mann beispielsweise die Anbieter von Portal-Software.

Auch auf den ersten Blick völlig fachfremde Player drängen zunehmend in den Markt. So beginnen zum Beispiel Medienkonzerne, ihre für den eigenen Bedarf programmierten und inzwischen sehr weit gediehenen WCM-Systeme an andere Unternehmen zu verkaufen. "Solche Quereinsteiger wird es in Zukunft zuhauf geben," prophezeit New-Media-Sales-Experte Hegi. Speziell große Verlage hätten den reinen Herstellern einiges voraus: Sie verfügten über ein hohes Branchenwissen, benötigten aber dank zahlreicher Medienpartner keinen aufwändigen Vertriebsapparat, um ihr System zu vermarkten. Würde etwa die Verlagsgruppe Handelsblatt diesen Weg einschlagen, entginge den WCM-Anbietern nicht nur ein potenzieller Großkunde - sie erhielten damit auch einen zusätzlichen ernst zu nehmenden Wettbewerber.

Nicht nur durch die Fülle an Playern und die wachsende Konkurrenz durch Drittanbieter ist der WCMS-Markt stark zersplittert und ständig in Bewegung. Auch die zunehmenden Konvergenzen zwischen den einzelnen Lösungen machen das Angebot intransparent. So verschmelzen Web-Content-Management- und Dokumenten-Management-Systeme, oder sie werden mit anderen Komponenten - etwa Enterprise Application Integration (EAI) - aus einer Hand angeboten. Das erschwert nicht nur die Vergleichbarkeit, sondern auch den Dialog zwischen Hersteller und Kunden.

Eine umfassende Analyse wird aber vor allem dadurch behindert, dass sich der Markt nicht nach einheitlichen Kriterien erfassen lässt. Die Frage ist zum Beispiel, ob man ein Unternehmen am Umsatz oder an der installierten Basis misst. Zudem lässt sich nicht leicht beurteilen, wann eine neue Software dem Projektstadium entwachsen ist und tatsächlich als standardisierte Lösung angesehen werden kann.

Hinzu kommt, dass die installierte Basis nur schwer nachzuvollziehen ist, da speziell große Konzerne Hunderte von Websites betreiben und zu diesem Zweck Lösungen von verschiedenen Herstellern implementiert haben. "Bei einem Unternehmen wie BMW sind wahrscheinlich rund 20 WCM-Systeme im Einsatz", schätzt Thomas Grota, Vice President Produkt Development bei Pironet NDH. Eine konzernweit einheitliche Lösung lässt sich hier kaum durchsetzen, da zu viele Menschen an der Entscheidung beteiligt seien, so Hegi: "In Deutschland kocht jeder sein eigenes Süppchen." Auf der anderen Seite sei es aber auch gefährlich, sich von einem einzigen Hersteller abhängig zu machen, da zumindest momentan keiner der Anbieter gewährleisten könne, dass er auch in einigen Jahren noch am Markt sei.

Marktvolumen undurchsichtigSchwierig ist ein umfassender Überblick über den WCM-Markt auch dadurch, dass einige Anbieter die Umsätze aus Lizenzgeschäft und Beratung einzeln ausweisen, während andere die Einnahmen zusammenfassen. Das ist verständlicherweise vor allem bei Firmen beliebt, die ihren Hauptumsatz mit Beratung erzielen. Laut Marktforschern von Gartner wurden vor zwei Jahren 600 Millionen Dollar aus dem Lizenzgeschäft und rund eine Milliarde Dollar für Beratungsleistungen im WCM-Bereich umgesetzt. Bis zum Jahr 2003 soll der Lizenzumsatz auf rund 3,8 Milliarden Dollar wachsen. Das Consulting-Geschäft wird sich den Analysten zufolge mehr als versechsfachen, da sich Anbieter wie etwa Pironet NDH und Reddot künftig stärker auf den Beratungsbereich zurückziehen wollen.

Bei Pironet NDH macht das Lizenzgeschäft zurzeit rund zwölf Prozent des Umsatzes aus.

Andere Hersteller halten sich, was solche Angaben betrifft, eher bedeckt und sorgen laut Hegi damit bewusst für Intransparenz. Seiner Ansicht nach ist der Anteil der Beratung am Gesamtumsatz von Gauss Interprise "so groß, dass sich alle totschweigen". Denn ein gesundes Softwareunternehmen dürfe höchstens 20 bis 30 Prozent des Gesamtumsatzes mit Beratung erzielen, der Rest müsse über das Lizenzgeschäft generiert werden.

Aufwändige ImplementierungMit dem Kauf der Lizenz ist es bei der Anschaffung eines WCM-Systems noch lange nicht getan. Einen weit größeren Posten müssen die Anwenderunternehmen für die Implementierung und die damit verbunden Serviceleistungen - etwa Beratung und Schulung - einplanen. "Dadurch, dass die Projekte zunehmend anspruchsvoller und komplexer werden, dauert auch die Integration der Systeme immer länger", so WCMS-Experte Martin Hegi.

Grundsätzlich gilt: Je stärker die Produktorientierung, desto kürzer die Implementierungs- und Time-to-Market-Zeiten. Die eher produktorientierten Hersteller setzen mit Standardlösungen auf eine rasche Einführung - bei Obtree etwa dauert die Implementierung lediglich zwei Monate. Dafür beschränken sich solche Lösungen in der Regel auf Basisfunktionen. Bei Framework-orientierten Anbietern komplexer Systeme wie Interwoven oder Vignette muss man laut Hegi sechs bis zwölf Monate veranschlagen. Vor allem bei Vignette sei die Implementierung aufwändig und dadurch teuer. Leichter ist die Integration dagegen beim Konkurrenten Interwoven, da sich dieser ausschließlich auf Verwaltungsfunktionen konzentriere. Das Erstellen von Inhalten überlässt er Spezialisten wie Dreamweaver oder Webmethods - das Publizieren übernehmen ATG, Commerce One oder IBM. Voraussetzung für eine solche Arbeitsteilung sind allerdings absolut saubere, performante Schnittstellen.

Microsofts MarkteintrittNach Ansicht von Branchenkennern besteht im WCM-Markt ein Konflikt zwischen den lizenzgetriebenen Herstellern und den eher qualitätsgetriebenen Systemintegratoren. Der Dumme ist dabei oft der Kunde, der am Ende alles bezahlt. Hier setzen Softwareriesen wie SAP oder IBM an, die sich ebenfalls ein Stück des Kuchens sichern wollen. Sie argumentieren, dass sie bereits Lösungen für das komplette Backend parat haben - damit sei es für sie ein Leichtes, ein passendes WCM-System darauf aufzusetzen. Auch Microsoft hat mit der Übernahme von Ncompass Labs einen ersten Schritt unternommen, um im WCM-Markt Fuß zu fassen. Das System des US-Unternehmens soll unter anderem in Microsofts "SQL Server 2000" integriert werden.

Trend zu FirmenportalenAngesichts der konjunkturellen Abkühlung setzen viele Firmen in erster Linie auf Lösungen zur Verwaltung von Intranet-Inhalten, da firmeninterne Netze mehr Potenzial für Kosteneinsparungen bieten als das Internet. Das Internet gewinnt durch Knowledge-Management an Gewicht. Vor allem aber Firmen-Portale, die Unternehmen für die eigenen Mitarbeiter, Kunden und Lieferanten errichten, erfreuen sich zunehmender Beliebtheit. So präsentiert sich zum Beispiel Pironet NDH neuerdings als Portal-Partner von Oracle und ATG.

Eine Reihe von Content-Management-Firmen setzen schon seit längerem auf den Portal-Hype, allerdings vermarkten sie lieber Zusätze für das eigene Produkt, als sich in Applikations-Server einzunisten. Vignette beispielsweise führt Enterprise Portal als Modul für sein "V/5"-Framework im Katalog. Konkurrent Inter-woven hält mit seinem "Portal Ready SDK" dagegen. Zudem ging der Hersteller jüngst eine Portal-Kooperation mit Peoplesoft ein.

AnbieterContens

www.contens.de

Coremedia

www.coremedia.com

Documentum

www.documentum.de

Eprise

www.eprise.com

Gauss Interprise

www.gauss-interprise.com

Hyperwave

www.hyperwave.de

Imperia

www.imperia.net

Infopark

www.infopark.de

Interred/Klahold

www.klahold.com

Interwoven

www.interwoven.com

Obtree

www.obtree.com

Pironet

www.pironet-ndh.com

Reddot

www.reddot.de

Tridion

www.tridion.de

Vignette

www.vignette.com

Bei den 15 von New Media Sales ausgewählten Firmen handelt es sich um deutsche Firmen wie Gauss oder Pironet beziehungsweise um US-Anbieter wie Vignette und Interwoven, die schon lange etabliert und damit auch für den hiesigen Markt relevant sind. Einen Marktführer beziehungsweise die Marktanteile der einzelnen Player lassen sich aufgrund der starken Marktzersplitterung, Konvergenzen mit anderen Produkten und Anbietern sowie der unterschiedlich ausgewiesenen Umsatzzahlen nicht bestimmen.

Abb: Der weltweite WCMS-Markt

Trotz der gegenwärtigen Krise wird der Markt für Web-Content-Management-Systeme (WCMS) weiter wachsen. Vor allem die Umsätze aus dem Beratungsgeschäft sollen in den kommenden Jahren überproportional ansteigen. Quelle: Gartner