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04.05.2001 - 

Internet-Boom: eine Luftblase der Marktforscher

Web-Euphorie künstlich geschürt?

MÜNCHEN (CW) - Angesichts der Krise der New Economy geraten Marktforschungsinstitute wie Forrester Research, Meta Group und IDC zunehmend ins Kreuzfeuer der Kritik. Inzwischen sind auch aus den eigenen Reihen Eingeständnisse zu vernehmen, wonach die Internet-Euphorie zu großen Teilen auf unrealistischen Marktprognosen basierte.

1998 sagten die Marktforscher von Forrester Research dem Geschäft mit der Vergabe von Online-Hypotheken eine rosige Zukunft voraus. Bis zum Jahr 2003, so die Prognose, werde der Markt auf 91 Milliarden Dollar anwachsen, was einem Anstieg von einem auf zehn Prozent des Gesamtmarktes entspräche. Solche Prognosen konnten die Investment-Banker, die das Startup-Unternehmen Mortgage.com betreuten, damals gut gebrauchen.

Zu hohe Erwartungen an StartupsSelbst wenn das auf die Hightech- und Internet-Wirtschaft spezialisierte Marktforschungsinstitut Recht behält - für Mortgage.com käme der vorausgesagte Aufschwung eindeutig zu spät: Der Online-Broker ist längst von der Bildfläche verschwunden. Trotzdem müssen sich die Researcher jetzt unangenehme Fragen zu ihren optimistischen Aussagen gefallen lassen - nicht nur zu Mortgage.com, sondern auch zu zahlreichen anderen Vertretern der New Economy.

Die übertriebenen Erwartungen an Startup-Firmen wurden von allen Marktbeobachtern - allen voran jedoch Forrester - geschürt. In den Jahren 1998 und 1999 wurde das Unternehmen in den IPO-Dokumenten von mehr als 200 Internet-Companies zitiert. Laut Bob Grandhi, Chief Investment Officer bei der US-Fondsgesellschaft Monument, ermöglichten es die Forrester-Berichte auch kleinen Internet-Anbietern, hohe Wachstumsprognosen aufzustellen, obwohl sie bis dato kaum Besucher auf ihren Sites verzeichneten. Auch Wallstreet-Analysten beriefen sich in ihren Aktienempfehlungen häufig auf die Studien des US-Marktforschungsinstituts. "Forrester hat nicht unwesentlich zur Überbewertung der Startup-Firmen beigetragen", bestätigt John Mahoney, Analyst bei der Investment-Bank Raymond James & Associates, gegenüber dem "Wall Street Journal".

George Forrester Colony, Gründer und Chef von Forrester, weist solche Vorwürfe weit von sich - und hält unverdrossen an den damals veröffentlichten Forecasts fest.

Unrealistische AnnahmenAndere Institute dagegen, etwa Jupiter MMXI oder International Data Group (IDC), gestehen inzwischen ein, dass sie die heiße Luft in der Internet-Wirtschaft zu großen Teilen selbst produziert haben. "Rückblickend wird klar, dass die Analysen der Marktforschungsfirmen auf zum Teil völlig unrealistischen Annahmen basierten", räumt auch Meta-Analyst Dale Kutnick ein.

Mit Zugeständnissen dieser Art gerät die Branche zunehmend unter Druck. Den auf den Hightech-Sektor spezialisierten Marktforschern weht inzwischen ein rauer Wind um die Nase. So kündigte Jupiter MMXI bereits im Januar Entlassungen und andere Maßnahmen zur Kostensenkung an. Anfang dieses Monats hat auch die Meta Group beschlossen, 15 Prozent der Belegschaft auf die Straße zu setzen. "Wir haben alle von Zeiten profitiert, in denen die Kunden die Geldhähne voll aufdrehten", räumt Julio Gomez, Chief Operating Officer (CEO) der Internet-Research-Firma Gomez, ein. "Doch jetzt wird es ernst."

Härtere Zeiten für MarktforscherForrester-Chef Colony sieht zwar ebenfalls härtere Zeiten auf die Branche zukommen. Seinem Unternehmen rechnet er jedoch nach wie vor gute Wachstumschancen aus. Seit dem Börsengang 1996 hat sich der Umsatz von Forrester mehr als versechsfacht - im vergangenen Jahr lagen die Einnahmen bei 157 Millionen Dollar. Colony geht davon aus, in diesem Jahr zusätzliche Marktanteile hinzuzugewinnen und den Umsatz um 50 Prozent zu steigern. Die Krise der New Economy berührt den Firmenchef wenig. Mit Dotcom-Firmen habe sein Unternehmen ohnehin nie mehr als vier Prozent des Gesamtumsatzes generiert, so das Argument des Firmenchefs.

Analysten bezweifeln allerdings, dass Forrester das hoch gesteckte Umsatzziel erreicht. Im vierten Quartal 2000 konnte das Marktforschungsinstitut die Kundenzahl nur noch um vier Prozent erhöhen. Und selbst Großunternehmen aus der Hightech-Industrie beginnen, an Research- und Beratungsleistungen zu sparen.