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17.09.1999 - 

Internationale Konzerne trimmen das WWW für E-Business

Web: Kommerz braucht weltweit gültige Regeln

PARIS (CW) - Die Chefs von 29 internationalen Großunternehmen haben sich Anfang dieser Woche in Paris versammelt. Ziel der hochkarätigen Versammlung: Das Internet auf seine Rolle als künftige Infrastruktur der Weltwirtschaft zu trimmen.

Alles, was im Telekommunikations-, Computer- und Medienbereich Rang und Namen hatte, gab sich am Montag im Louvre ein Stelldichein. Gerufen hatte die Initiative Global Business Dialogue on E-Commerce (GBDE), und erschienen waren unter anderem Bertelsmann-Chef Thomas Middelhoff, Gerald Levin von Time Warner, IBM-Boß Louis Gerstner, der französische Premier Lionel Jospin sowie der amerikanische Handelsminister William Daley.

"Durch den Blick der Beteiligten über den eigenen Tellerrand hinaus", so Hewlett-Packards Topmanager Bob Kirkwood zum Ziel der Konferenz, solle eine globale Standortbestimmung getroffen werden, auf der sich der elektronische Handel der Zukunft aufbauen lasse. Was die beteiligten Unternehmen bislang am Internet stört, ist die Tatsache, daß sich der E-Commerce - zumindest in Europa - nicht wie erhofft entwickelt. Um endlich einen allgemein akzeptierten und vor allem frequentierten Marktplatz für ihre Geschäfte zu finden, gehen die Branchenriesen das Thema jetzt in einer konzertierten Aktion an. Die Forderungen an Politiker und Kollegen aus der Industrie stellte die GBDE nach Themengebieten geordnet vor. Darunter finden sich Überlegungen zu Sicherheitsbelangen ebenso wie zum Vertrauen der Kunden, zu Problemen beim Urheberecht in den neuen Medien, der Gesetzgebung im grenzüberschreitenden Handel sowie dem Datenschutz und Steuerthemen.

Beim Thema Kundenvertrauen kommt der eigentliche Standort der GBDE-Lobbyisten zum Vorschein. Hier setzen die Manager lediglich auf die Selbstregulierungskräfte der Branche (siehe auch Seite 27). Während diese nach geeigneten Mitteln suchen müsse, um die Anwender zufriedenzustellen, falle den Regierungen eine Unterstützungsfunktion zu. Politiker hätten lediglich den minimalen rechtlichen Rahmen zu schaffen, der von den Unternehmen mit Inhalt gefüllt werde.

Ein ähnliches Szenario schwebt der illustren Vereinigung auch beim Datenschutz vor: Hier seien die Unternehmen besser auf die sich schnell verändernden Rahmenbedingungen vorbereitet als die Regierungen. Außerdem sei es falsch, wenn nationale Gesetzgeber den Fluß der Surfer-Daten über die Landesgrenzen hinaus unterbinden würden. Dies hätte negative Auswirkungen auf den freien Handel und damit auf die Entwicklung des E-Commerce.

Als Lösung schlägt die GBDE zwei alternative Verfahren vor. Zum einen ließe sich der Datenschutz über ein sogenanntes Siegel-Programm realisieren, bei dem ein Drittanbieter über die Einhaltung der Datenschutzbestimmungen auf Websites wacht. Andererseits könne auch ein Unternehmen, das über genügend Renommee und einen starken Markennamen verfüge, selbständig für die Erfüllung der vorher festgelegten Richtlinien auf seiner Website sorgen.

Marc Rotenberg, Direktor des Electronic Privacy Information Center (Epic) in Washington, ist nicht der einzige, der bei derartigen Modellen Bedenken hat: "Gerade im kritischen Bereich des Datenschutzes hoffen viele Anwender auf eine Gesetzesinitiative der Regierungen." Die Selbstregulierungsversuche der Industrie seien seiner Erfahrung nach bislang nicht besonders erfolgreich verlaufen.