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30.04.1999 - 

IT-Training

Web-Kurse auf dem Siegeszug

Da sich die betriebliche Aus- und Weiterbildung mit traditionellen Mitteln allein nicht mehr bewältigen läßt, sind computergestützte Lernverfahren ein geeignetes Bildungsinstrument. In vernetzten Umgebungen begegnen sie dem ständigen Wandel und den höheren Qualifikationsanforderungen dadurch am besten, daß sie zeitlich und örtlich flexible Kurse und damit permanentes Lernen ermöglichen. Von Detlef Sandern*

In den Unternehmen stehen immer mehr vernetzte PCs. Das bietet die Möglichkeit, eine elektronische Umgebung zu schaffen, in der Mitarbeiter zu jeder Zeit und an jedem Ort lernen und an IT-Trainings teilnehmen können. Diese breite Basis hat mittlerweile zu einem verstärkten Einsatz des Fernlernens beigetragen, insbesondere bei IT-Trainings. "Klassische, papiergebundene Lernmedien werden bereits in naher Zukunft ihre momentan noch dominierende Stellung verlieren", erklärt hierzu Wolfgang Finke, Professor für Wirtschaftsinformatik an der Fachhochschule Jena, der auch den heutigen CD-ROM-Konzepten wenig Chancen einräumt.

Finke setzt vielmehr auf die Synergie und die Erlebniswelten von Groupware-Lösungen und hebt hervor: "Web-basierte Groupware wird in den entstehenden multimedialen Lehr- und Lernumgebungen eine wesentliche Rolle spielen, da sie individuelles Lernen interessanter und vor allem effizienter macht." Insbesondere die richtige Kombination aus Ausbildungsdiensten und -maßnahmen ist eine Investition in die Zukunft. Ein lernendes Unternehmen kann schnell zu einem Knowledge-Management-Unternehmen werden und auf diese Weise zusätzliche Vorteile aus IT-Trainings ziehen. Deshalb rückt Wissens-Management neben der Schulung von Anwendern zunehmend in den Mittelpunkt strategischer Überlegungen vieler Unternehmen.

Hinzu kommt ein rascher Technologiewandel, in dessen Gefolge neue Arbeitsmethoden und moderne Geschäftsprozesse stehen und die eine ständige Weiterbildung sowie IT-Trainings von Mitarbeitern notwendig machen. Insbesondere vor dem Hintergrund, daß eine heute absolvierte Ausbildung in drei bis fünf Jahren überholt ist und Mitarbeiter während ihres Berufslebens durchschnittlich sechs- bis siebenmal den Arbeitsplatz wechseln, ergibt sich die Notwendigkeit lebenslangen Lernens. Eine Untersuchung der CW-Schwesterzeitschrift "Computerworld" hat gezeigt, daß pro Anwender sieben bis zehn Weiterbildungstage im Jahr notwendig sind, um eine optimale Produktivität am Arbeitsplatz zu erreichen sowie neue Fähigkeiten zu erwerben und weiterzuentwickeln.

Entsprechend rasch wächst der Markt für Weiterbildung: So erreichten die Ausgaben von Unternehmen für Weiterbildung und Schulung in den USA 1995 eine Summe von 52 Milliarden US-Dollar (das sind sieben Prozent der gesamten Ausgaben für Bildung, die sich auf insgesamt 558 Milliarden US-Dollar beliefen). Darüber hinaus liegen die Ausgaben von Firmen für Training und Ausbildung mit einer durchschnittlichen Wachstumsrate von fünf bis sechs Prozent klar über der durchschnittlichen Wachstumsrate von zwei bis zweieinhalb Prozent im übrigen Bildungsbereich.

Einer IDC-Studie vom April 1998 zufolge wird der Markt für Web-basiertes Training im Jahr 2002 in den USA die Sechs-Milliarden-Dollar-Marke überschreiten, was einer jährlichen Wachstumsrate von annähernd 95 Prozent im Zeitraum von 1997 bis 2002 entspricht.

Selbst Universitäten verzeichnen ein Wachstum beim Fernlernen wie dem Fernstudium und der kontinuierlichen Weiterbildung. Dadurch bieten die Hochschulen auch Studenten, die nicht an den regulären Kursen teilnehmen können, die Möglichkeit des Studiums. An der Universität St. Gallen beispielsweise besitzen rund 3500 der 4000 Studierenden sowie 900 Mitarbeiter eine Groupware-Lizenz. Diese Software wird für die Studentenadministration, als Web- und Messaging-Server, für Newsgroups, die Examensarbeiten und anderes mehr genutzt.

Außerdem setzt die Universität inzwischen auch ein Web-basiertes Programm, Lotus Learningspace, für das Fernlernen ein und hat sogar schon den ersten virtuellen MBA-Kurs auf der Grundlage dieser umfangreichen Plattform für die asynchrone, ortsunabhängige Vermittlung von Lerninhalten ins Internet gebracht. Außerdem ist Groupware zum festen Bestandteil des Informatik- und des wirtschaftswissenschaftlichen Studiums geworden.

"Lernen in einer kleinen Gruppe mit intensiver Betreuung, wobei alle zusammenkommen, ist sicher eine Idealform - nur kann sie nicht immer angewandt werden beziehungsweise steht nicht allen offen, die Lernbedarf haben", sagt Andrea Back, Professorin am Institut für Wirtschaftsinformatik (IWI) der Universität St. Gallen, die beim Studiengang Master of Business Engineering ebenfalls auf Groupware und Web-basiertes Fernstudium mit Lotus Learningspace als Ergänzung zum üblichen Lernen setzt. "Beschränkende Rahmenbedingungen des Präsenzlernens können jedoch zum Vorteil der Lernenden und Lehrenden durch verteiltes Lernen im Internet/Intranet aufgehoben werden. So kann man zum Beispiel im Arbeits- und Wohnumfeld bleiben und regelmäßig in kleineren Zeitintervallen lernen."

Nach Backs Meinung ist verteiltes Lernen im Internet/Intranet deshalb kein vergängliches Euphorie-Thema, sondern eine langfristige Entwicklung. Das Fernlernen wird auf lange Sicht den Bildungsmarkt aufrollen. Computergestütztes Lernen wird nicht mehr nur als Selbstlernen mit computerbasierter Technologie wie CD-ROMs gesehen. So erschließt sich das Fernlernen immer neue und weitere Felder. Dennoch wird das verteilte Lernen traditionelle und klassische Formen nicht gänzlich ersetzen, sondern eher ergänzen, wobei insbesondere die Interaktion in der Gruppe mit den Funktionalitäten des Internet optimal unterstützt und gefördert werden kann. Back dazu: "Trotz Technologie können Kursteilnehmer in der Gruppe lernen und betreut werden."

Neben einer zunehmenden Zahl von Hochschulen setzt auch eine Reihe von Unternehmen wie Siemens Business Communication Systems oder die Weltbank Web-basierte Software zum Fernlernen ein, um ihren Mitarbeitern im Online-Betrieb multimediales, Groupware-orientiertes Lehren und Lernen zu gewährleisten. In den Vereinigten Staaten nutzt Siemens diese Möglichkeit im Rahmen des sogenannten Virtual-University-Programms und hat damit die Weiterbildungskosten um 90 Prozent gesenkt.

Mehr als 1000 Siemens-Mitarbeiter, die über die gesamte USA verteilt sind, besuchen diese Virtual University. Al Gordon, der zuständige Manager für das Virtual-University-Programm, erläutert: "Bevor wir Web-basierte Software zum Fernlernen einsetzten, hat jeder Mitarbeiter durchschnittlich zwei Wochen pro Jahr mit Kursen zu neuen Produkten und Technologien in speziellen Weiterbildungseinrichtungen verbracht." Jetzt erfolgten die Trainingsmaßnahmen deutlich effizienter online am jeweiligen Einsatzort.

Als regierungsunabhängiges Finanzinstitut für Wiederaufbau und Entwicklung bietet die Weltbank ihren Mitarbeitern und Kunden weltweit Aus- und Weiterbildungsmaßnahmen an. Dabei favorisiert die Kreditanstalt bei ihren Online-Kursen die asynchronen Lernangebote, die Videokonferenzen und Bücher ergänzen. "Aufbauend auf der vorhandenen Lotus-Domino-Infrastruktur nutzen wir Learningspace als komplementäres Instrumentarium, um online aktuelle wirtschafts- und finanzpolitische Wissensinhalte zu vermitteln", sagt Andrei Tolstopiatenko, IT-Manager bei der Weltbank in Washington D.C.

Bereits heute bieten sich technologische Möglichkeiten, Anwendern Trainingsinhalte zu liefern, wann und wo auch immer sie diese benötigen. Wenn jedoch die Wissens- und Trainingsanforderungen der Anwender bei diesen neuen Wegen außer acht gelassen werden, stellen Unternehmen sehr schnell fest, daß es lang dauert, bis sich der erwartete Erfolg einstellt. Online-Training ermöglicht dabei flexibles und praxisnahes Lernen, wie es herkömmliche Bildungsmethoden nicht bieten können. Doch es entfaltet seinen Nutzen nur, wenn es qualifiziert und mediengerecht umgesetzt wird, da Vernetzung allein noch keinen Lernerfolg garantiert.

Online-Training ...

... gibt dem Lernenden mehr Gestaltungsmöglichkeiten, denn im Netz eignet sich der Mitarbeiter Wissen und Informationen interaktiv an, indem er auf verschiedene Quellen zugreift: auf Trainer oder Lerneinheiten. Diese Lerneinheiten können Audio- und Videosequenzen, Softwaresimulationen, Grafiken, Animationen oder Textdokumente sein. Über Diskussionsforen ist außerdem ein Erfahrungsaustausch, zum Beispiel mit mitlernenden Kollegen, möglich. Interaktives Lernen im Netz fördert den Wissensaustausch; Kenntnisse und Erfahrungen einzelner werden zum nachvollziehbaren Unternehmenswissen - auf allen Ebenen. Die Vision des lernenden Unternehmens mit eigenverantwortlichen und teamfähigen Mitarbeitern bekommt damit Konturen.

*Dr. Detlef Sandern ist freier Journalist in München.