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02.03.2001 - 

Mit Umang Gupta, President und CEO von Keynote Systems, sprach CW-Redakteur Frank Niemann

"Web-Performance braucht Kontrolle"

CW: Was sind die drängendsten Probleme, die Firmen mit der Performance ihrer Website haben?

Gupta: Zwei Aspekte sind entscheidend: Wie wurde Ihre Website gebaut, und wie ist sie ans Netz angeschlossen? Sie müssen vor allem auf die Organisation der Datenbank achten, die Programmierung der Anwendung und natürlich die Hardware. Doch selbst dann, wenn Sie die beste Anwendung haben, kann die Antwortzeit immer noch durch unzureichende Netze verlängert werden, beispielsweise durch schlechtes Peering zwischen den Netzen der Internet-Service-Provider (ISPs). Das was vor Ihrer Firewall passiert, haben Sie praktisch nicht im Griff. Einen Ausweg bieten Caching-Mechanismen, wie Dienstleister in der Art von Akamai oder Digital Island anbieten.

CW: Mit welchen Schwierigkeiten haben Firmen hauptsächlich zu kämpfen, die Ihren Service für Web-Performance-Messungen in Anspruch nehmen?

Gupta: Sie könnten genauso gut einen Arzt fragen, welche Krankheiten seine Patienten haben, und er würde Ihnen die gleiche Antwort geben wie ich jetzt: alle möglichen. Eins stellen wir jedoch immer wieder fest: Unternehmen, die früh ins Internet-Geschäft eingestiegen sind, haben mehr Probleme mit der Infrastruktur als Newcomer. Das liegt teilweiseam ungeschickten Datenbankdesign, so dass Abfragen zu lange dauern, wenn viele User gleichzeitig die Site besuchen. Große Firmen, die sich bereits lange mit IT beschäftigen, verstehen zwar viel von Datenbanken, ihnen fehlt aber oft das Know-how, ihre Web-Anwendung gut mit dem Internet zu verbinden.

CW: Wie unterscheiden sich denn die Methoden, die Performance einer Web-Anwendung zu messen, von den Verfahren, die in Client-Server-Umgebungen zum Einsatz kommen?

Gupta: Früher wurde die Leistung mit Transaction-Processing-Performance-Council-(TPC-) Benchmarks ermittelt, beispielsweise für Datenbanksysteme. Bei Web-Anwendungen nutzt das wenig, denn die Leistungsfähigkeit der Site wird nur zu einem Teil von der Datenbank bestimmt. In Client-Server-Umgebungen haben Sie Kontrolle sowohl über den Client als auch den Server, im Internet dagegen ist der Client eine Unbekannte: Die Browser-Anwender sind nicht über gemietete Leitungen angebunden, sondern über die Netze von Providern. Die Netz-Performance der ISPs lässt sich beispielsweise mit unseren Diensten messen und überwachen. Wir sind in der Lage, Bandbreitenprobleme und die Ursache zu erkennen. So kann unser Service etwa einen defekten Router bei einem ISP ausfindig machen.

CW: Viele Firmen haben eine zentrale Site. Wäre es nicht viel besser, mehrere dezentrale Websites weltweit zu betreiben, um so die unterschiedlichen Regionen der Welt besser abzudecken?

Gupta: Zentrale Sites bieten einige Vorteile in puncto Verwaltung, und so lange es sich um statische Inhalte handelt, können Sie mit verteilten Caches die Antwortzeiten verkürzen. Dezentrale Web-Anwendungen lassen sich nur sehr schwer realisieren, da sich die Datenbanken nicht einfach verteilen lassen, was beispielsweise daran liegt, dass sich die einzelnen Daten-Pools nur schwer synchronisieren lassen.

CW: Zurzeit laden Web-Surfer in erster Linie Text, Grafiken und Dateien aus dem Netz. Werden wir erneut ein "World Wide Wait" erleben, wenn mehr und mehr Anwender dazu übergehen, Streaming-Media-Angebote zu nutzen?

Gupta: Wir haben mit "Streaming Perspective" einen Mess-Service speziell für diese Art von Inhalten eingerichten. Erste Messungen haben ergeben, dass nur sehr wenige Anbieter Audio- und Video-Streams mit guter Qualität liefern können. Dies liegt zum einen an den Videocodecs, die diese Firmen verwenden: Oft werden die Filme mit 300 Kbit/s codiert, was noch weit von TV-Qualität entfernt ist. Hinzu kommen Einflüsse wie Paketverlust sowie Übertragungsverzögerungen, so dass ab und zu das Bild für kurze Zeit stehen bleibt.

CW: Setzen diese Unternehmen keine Content-Distribution-Services ein?

Gupta: Einige tun das, doch wenn das Signal schlecht codiert wurde, nützen diese Services wenig.

CW: Firmen müssen einerseits ihre IT-Anwendungen überwachen und, falls sie Websites betreiben, auch die Netzwerk-Performance im Auge behalten. Geht das alles auf einer Management-Konsole?

Gupta: Danach fragen uns viele große Unternehmen immer wieder. Firmen nutzen unsere Daten für Diagnosen. Insbesondere die großen Unternehmen haben Management-Plattformen wie "HP Openview", "Unicenter" und "Tivoli" im Einsatz und wollen auch unsere Daten auf diesen Konsolen sehen. Bei Openview geht das schon. In den nächsten Monaten werden wir auch eine Integration in Unicenter schaffen sowie in die Applikations-Management-Produkte von BMC.

CW: Was passiert denn genau, wenn jemand über Ihre Messwerte ein Problem bei seinem Provider entdeckt?

Gupta: Es gibt da ein schillerndes Beispiel: Der Ausrichter der amerikanischen Footballmeisterschaft Superbowl verzeichnete eine schlechte Site-Performance, fand dann über Keynote heraus, dass die Ursache ein defekter Router bei seinem Hosting-Provider war, und rief diesen an.

CW: Ist es möglich, nicht nur die Dauer des Homepage-Aufbaus zu überwachen, sondern auch Internet-Transaktionen?

Gupta: Transaktionen sind eine Serie von Pages. Wenn beispielsweise die Login-Seite einer Website sehr langsam ist, kann Keynote feststellen, dass es genau diese Page ist, die Probleme macht. Hierzu schreiben wir spezielle Skripts, die beispielsweise alle 15 Minuten genau diese Transaktion testweise ausführen, um die Antwortzeiten zu messen. Das Unternehmen benötigt dann allerdings zusätzliche Werkzeuge, um festzustellen, wo die Ursache liegt, das geht runter bis zu den einzelnen SQL-Statements.

CW: Können Sie auf diese Weise auch herausfinden, ob die von Fremdfirmen eingeblendeten Werbebanner für schlechte Antwortzeiten verantwortlich sind?

Gupta: Ja, aus dem Grund zählt beispielsweise der Werbevermarkter Doubleclick zu unseren Kunden.

CW: Im Internet lässt sich schwer vorhersagen, wie viele Leute auf eine Site kommen. Wie können sich Unternehmen auf einen Ansturm von Surfern vorbereiten?

Gupta: Wer spezielle Werbekampagnen fährt, weiß auch, dass entsprechend mehr Surfer die Site besuchen. Oft mieten diese Unternehmen dann zusätzliche Netzkapazität oder leihen sich Computersysteme aus, um ihre Server-Farm kurzfristig zu erweitern. Einen Knackpunkt stellen wiederum die Datenbanken dar, - wie bereits gesagt - denn die lassen sich nicht so ohne weiteres auf verschiedene Maschinen verteilen. Bei Internet-Anwendungen sind wir noch weit entfernt von einem Service-Level, wie ihn Mainframes bieten. Viele Firmen ermitteln anhand der Log-Dateien ihrer Web-Server Trends im Besucherverhalten. Bei Amazon.com wird am meisten während der Mittagszeit bestellt beziehungsweise am Abend.

CW: Apropos Mainframes: Warum gibt es eigentlich so wenige Sites, die auf Großrechnern laufen? Schließlich haben diese Rechner bewiesen, dass sie viele Transaktionen gleichzeitig verarbeiten können.

Gupta: Das Problem bei Mainframes ist schlicht das Verhältnis zwischen Preis und Performance. Ansonsten würden sich diese Systeme gut eignen.

CW: Heute nutzen viele Firmen in ihren Web-Anwendungen Scripts, die sich manchmal als Flaschenhals erweisen. Womit werden Unternehmen künftig ihre Applikationen schreiben?

Gupta: Bei der Entscheidung für Programmier-Tools müssen Firmen immer zwischen Einfachheit und Skalierbarkeit abwägen. Microsofts Active-Server-Pages-(ASP-)Scripts sind sehr einfach zu schreiben, doch wenn Sie mehr Performance haben wollen, müssen Sie beispielsweise Java in Verbindung mit einem Applikations-Server verwenden, womit jedoch der Programmieraufwand steigt. Generell gilt aber, dass sich Web-Anwendungen nicht für fünf Jahre planen lassen. Sie müssen immer wieder neue Programmiermethoden einführen, um ihre Applikationen an neue Anforderungen anzupassen.

CW: Hersteller wie IBM, Microsoft, HP, Oracle und zuletzt Sun haben Frameworks für Web-Services vorgestellt. Was halten Sie davon?

Gupta: Bei allen geht es um die Interoperabilität zwischen Systemen auf Basis von XML, und das ist der Weg der Zukunft. Mittels XML lassen sich HTML und Datenbanken viel besser kombinieren, als es heute mit Script-Techniken möglich ist, die untereinander nicht kompatibel sind.

Keynote SystemsDas 1995 gegründete Unternehmen Keynote Systems aus San Mateo, Kalifornien, bietet Diagnose- und Testdienstleistungen im Internet an. Hierzu betreibt Keynote weltweit 1100 Messrechner an 120 Standorten. Damit können Firmen feststellen, wie performant ihre Online-Angebote sind und sind zudem in der Lage, Störungen frühzeitig zu erkennen (siehe CW 14/00, Seite 27). Geleitet wird das Unternehmen von Umang Gupta. Der gebürtige Inder gründete 1984 die auf Datenbanksoftware spezialisierte Firma Gupta Corp., die später in Centura Software umbenannt wurde.