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08.11.2002 - 

Bosch Rexroth gestaltet seine Kundenprozesse neu

Web-Portal verbindet Unternehmenswelten

MÜNCHEN (qua) - Wenn zwei Unternehmen fusionieren, gibt es an allen Ecken und Enden Integrationsbedarf. Weit oben auf der Prioritätenliste der Bosch Rexroth AG stand das Ziel, den Kunden ein einheitliches Web-Portal anzubieten. Es liefert nicht nur Informationen, sondern unterstützt auch die Abwicklung von Prozessen.

Bei der im vergangenen Jahr besiegelten Fusion von Mannesmann Rexroth und Bosch Automationstechnik trafen auch zwei Firmenkulturen aufeinander: Die Robert Bosch GmbH ist traditionell sehr zentral organisiert und verfolgt eine homogene Markenstrategie. Rexroth hingegen hatte den einzelnen Bereichen und Niederlassungen viel Freiraum gestattet und für jede Technologie eine eigene Marke im Portfolio. Diese Unterschiede spiegelten sich in den Web-Präsenzen der Spezialisten für Antriebs- und Steuerungstechnik wider.

Marktplatz erwies sich als Sackgasse

Im Zusammenhang mit der neuen, universalen Marke "Rexroth" wollte das frisch gebackene Unternehmen seinen Kunden auch in einheitlicher Gestalt gegenübertreten. Im Dezember 2000, also noch bevor die Fusion amtlich wurde, nahm ein Projektteam der künftigen Bosch Rexroth AG ein Web-Portal in Angriff, das den Zugang zu allen Daten, Prozessen und Transaktionen des Unternehmens öffnen sollte. Bei Mannesmann Rexroth war das Portalthema aufgrund der dezentralen Struktur schon länger Gegenstand der Diskussion. Angeheizt wurde sie dadurch, dass die damalige Unternehmensmutter Atecs um die Jahrtausendwende den Börsengang anpeilte und hoffte, mit einer ausgefeilten E-Commerce-Strategie Investoren anzulocken.

Ebenso intensiv hatte sich das in Lohr am Main beheimatete Unternehmen bereits mit der Idee eines Sellside-Marktplatzes auseinander gesetzt, für die es auch seine Mitbewerber gewinnen wollte. Doch dieser Weg stellte sich als Sackgasse heraus. "Wir haben da tief hineingeschaut und sind zu dem Schluss gekommen, dass wir dort nur Geld versenken können", erläutert Christoph Kainzbauer, der schon bei Mannesmann Rexroth als Leiter E-Business fungierte und nun bei Bosch Rexroth für den E-Commerce verantwortlich zeichnet. Nach seiner Einschätzung sind die verfügbaren Softwarewerkzeuge noch zu wenig ausgereift, die Geschäftsmodelle selten tragfähig und vermeintliche Standards durchaus interpretierbar. Vor allem aber hätte sich "nur unter günstigsten Umständen" ein Return on Investment (RoI) innerhalb von fünf Jahren erzielen lassen.

So lange wollte das Unternehmen keineswegs auf den Kapitalrückfluss warten. Vielmehr drang das neue Management auf eine Verbindung von Innovation und Effizienz, sprich: einen schnellen RoI. Deshalb entschied es sich, die vorhandenen Entwicklungskapazitäten statt in den Online-Marktplatz lieber in das Unternehmensportal zu investieren, das auf den programmatischen Namen "Bridge" (ein Akronym für "Bosch Rexroth Integrated Global Entrance") getauft wurde.

Hinsichtlich der Definition und Umsetzung seiner Kundenprozesse versicherte sich Rexroth externer Unterstützung: Berater des in St. Gallen beheimateten Dienstleisters Information Management Group (IMG) halfen dem Unternehmen, seine Geschäftsabläufe zu definieren und die E-Commerce-relevanten Prozesse zu strukturieren. "E-Business überlebt nur dort, wo es einen klaren Nutzen für den Kunden bringt"; getreu diesem Motto des IMG-Mitbegründers und -Cheftechnologen Hubert Österle wurden alle kundenbezogenen Unternehmensfunktionen analysiert und bewertet.

In drei Stufen implementiert

Auf 400000 Unternehmen schätzt Kainzbauer die Kundenbasis der Bosch Rexroth AG. Sie umfasst Großabnehmer wie den Baumaschinenhersteller Caterpillar oder den Automobilproduzenten Daimler-Chrysler, aber auch eine Vielzahl mittelständischer Betriebe. Während die kaufmännische Abwicklung mit den Erstgenannten bereits seit vielen Jahren über Electronic Data Interchange (EDI) läuft, müssen Letztere zum Teil erstmals an ein elektronisches Vertriebsportal herangeführt werden.

Es galt also, zunächst die Kundenbasis zu unterteilen, dann die Kundenrollen innerhalb der Segmente zu identifizieren und schließlich die Kundenprozesse zu beschreiben, die sich aus den jeweiligen Rollen ergeben. Gleichzeitig hatte Rexroth zu entscheiden, welche Prozesse überhaupt online abgebildet werden sollten und in welcher Reihenfolge die Umsetzung am meisten Sinn ergäbe.

Letztlich wird das Portal in drei Stufen implementiert. Vollständig verwirklicht ist bereits die erste. Sie betrifft den Marketing-Aspekt, also die Darstellung von Informationen über das Unternehmen selbst und über Produkte - sprich: Datenblätter, Konfigurationen und technische Zeichungen (CAD) - sowie Beispiele und Referenzen für deren Anwendung. Neu und damit nutzerfreundlicher strukturiert wurden auch die Informationen im Bereich der After-Sales-Services. So sollen die Kunden unter anderem schneller auf Handbücher und Montageanleitungens sowie Hotline-Nummern zugreifen können. Zudem stellt Rexroth auf seiner Webpage E-Learning-Pakete für das Mitarbeitertraining beim Kunden zur Verfügung. In Arbeit befindet sich hingegen das Online-Order-Management, in dessen Rahmen die Vertriebsabwicklungs-Prozesse für das Komponentengeschäft ins Internet verlagert werden. Darüber hinaus ist gerade ein Projekt gestartet, das auf eine medienneutrale Produktdatenbank zielt.

Gleichzeitig mit der E-Business-Strategie widmeten sich IMG und Bosch Rexroth dem Entwurf der technischen Architektur. Statt einer vorgefertigten Portallösung, wie sie einige Customer-Relationship- und Content-Management-Spezialisten, aber auch junge Anbieter à la Plumtree, Viador und Epicentric anbieten, entschieden sie sich für ein offenes, Java-basierendes Framework, in das sich unterschiedliche Module einbetten lassen. Als Begründungen nennen sie die größere Herstellerunabhängigkeit und Flexibilität der IT-Landschaft, die Sicherheit der Investitionen, aber auch die Unvollständigkeit der verfügbaren Produkte.

Auch ohne die umfassende All-in-one-Lösung weiß sich Bosch Rexroth recht gut zu helfen. Im Prinzip wünschenswerte Features wie das Single-Sign-on wurden erst einmal zurückgestellt, die Benutzer- und Rollenverwaltung hingegen mit Hilfe des Lightweight Directory Access Protocol (LDAP) auf der Basis des "Sun One Directory Server" verwirklicht.

Bezüglich der E-Shop-Software und des Web-Content-Managements hatte sich Bosch schon vor der Fusion auf die Anbieter Intershop und Gauss festgelegt. "Intershop Enfinity" und "Gauss VIP" erfüllten weitestgehend auch die Anforderungen von Bosch Rexroth und ließen sich mehr oder weniger problemlos in das Framework integrieren. Folglich sprach nichts dagegen, die mit der Nutzung verbundenen Synergieeffekte auszuschöpfen.

Ein Kandidat für die Integration in den Architekturrahmen ist auch die SAP-Portals-Lösung. Kainzbauer hält sie "vom Entwurf her" für gelungen. Allerdings habe sie noch ein paar Ecken und Kanten, weshalb er mit einem großflächigen Einsatz lieber auf die nächste Produktgeneration warten möchte. Als mögliche Einsatzbereiche nennt der E-Commerce-Direktor interne Anwendungen, die den Zugriff auf SAP-Software benötigen, also beispielsweise Management-Berichte im Intranet. Auf keinen Fall könne SAP Portals das gesamte Framework ersetzen - unter anderem deshalb, weil die Software weder einen eigenen Online-Shop anbiete noch in der vorliegenden Form ein wirkliches Web-Content-Mangement ermögliche.

Seit etwa einem Jahr ist das Portal (www.boschrexroth.com) nun im Internet sichtbar. Neben detaillierten Informationen über das Produktangebot unterstützt es in einigen Unternehmensbereichen und Ländern heute schon geschäftsrelevante Transaktionen. Beispielsweise existieren ein deutscher, ein schwedischer und ein britischer "Pneumatik-Shop", ein "Hydraulik-Shop" in Großbritannien sowie Online-Shops für Linear- und Montagetechnik sowohl in Deutschland als auch in den USA. In anderen Bereichen und Ländern müssen die Kunden ihre Aufträge derzeit noch als E-Mails verschicken. Dort, wo das elektronische Order-Management bereits funktioniert, können sie ihre Aufträge online einstellen, deren Status im Web verfolgen (hier kooperiert Rexroth mit Logistikdienstleistern wie UPS), eine Übersicht ihrer Orders im XML-Format hochladen sowie die für sie gültigen Nettopreise und die voraussichtlichen Lieferdaten abfragen (dafür greift Enfinity auf das Sales-and-Distribution-Modul von R/3 zu). Eine Anbindung an das unternehmenseigene CRM-System ist laut Kainzbauer "in Angriff genommen", eine flächendeckende Verwirklichung liege aber "aus Budgetgründen" noch auf Eis.

Die Technik

Derzeit nutzt Bosch Rexroth für sein Kundenprozess-Portal folgende Komponenten:

- Sun- und HP-Server mit Intel-Prozessoren,

- Solaris und Linux als Betriebssysteme,

- das Datenbank-Management-System Oracle 8,

- den Low-cost-Applikations-Server "Resin 2.1.4",

- eine Benutzer- und Rollenverwaltung auf Basis des "Sun One Directory Server 5.1" (vormals Iplanet LDAP),

- die E-Shop-Software "Enfinity 2.2" von Intershop,

- das Content-Management-System "Gauss VIP" in der Version 8,

- das Web-Tracking-Werkzeug "Web Trends" von Net IQ,

- den "SAP Business Connector" als Übersetzungsprogramm für die "Extensible Markup Language" (XML) sowie

- einige Open-Source-Komponenten wie "Sympa" (Mailing) und "PHProjekt" (Collaboration).

Antreiben und kontrollieren

Die Bosch Rexroth AG mit Sitz in Lohr am Main ist eine hundertprozentige Tochter der Robert Bosch GmbH. Ihr offizieller Geburtstermin liegt im Mai vergangenen Jahres; zu diesem Zeitpunkt waren die Ausgliederung der Automationstechnik aus der Robert Bosch GmbH und der Zusammenschluss mit Mannesmann Rexroth abgeschlossen und amtlich. Aber die Ursprünge des Unternehmens reichen bis ins Jahr 1796 zurück, als die Eisenschmiede Rexroth in Elsavatal/Odenwald ihren Betrieb aufnahm. Im vergangenen Jahr setzte Bosch Rexroth mit 26000 Mitarbeitern 3,86 Milliarden Euro um. Über die Geschäftsbereiche Industrial Hydraulics, Electric Drives and Controls, Linear Motion and Assembly Technologies sowie Pneumatics, Service Automation und Mobile Hydraulics offeriert die "Drive & Control Company", wie sie sich selbst nennt, ihre Lösungen zum Antreiben, Steuern und Bewegen in rund 80 Ländern der Erde.