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03.11.2000 - 

Neue Ideen in der Softwareentwicklung

Web-Services befinden sich noch im Frühstadium

MÜNCHEN (CW) - Einer der Softwaretrends dieses Jahres sind so genannte Web-Services. Dahinter verbergen sich Schnittstellen, über die Anwendungen über das Web eigenständig auf Informationen zugreifen können. Mit Microsofts ".NET", IBMs "Web Services" und Hewlett-Packard (HP) "E-Services" gibt es nun erste Visionen.

Mit dem Konzept der Web-Services verfolgen ihre Verfechter mehrere Ziele: Zum einen soll Entwicklern ein neues, attraktives Arbeitsgebiet für Tools und Technologien eröffnet werden, bei dem es darum geht, Softwarekomponenten und APIs zu erstellen, die sich über eine URL aufrufen lassen. Zum anderen versprechen Web-Services eine flexiblere Umsetzung des Modells für Application-Service-Providing (ASP), indem es nicht mehr um das Mieten monolithischer Anwendungen, sondern um den transparenten Zugriff und die Kombination geschäftlicher Dienstleistungen geht. So könnte beispielsweise ein Reiseunternehmen bei der Zusammenstellung eines Angebotes seinen Kunden durch spezielle Informationen einer Fluglinie oder eines Hotels einen Mehrwert geben.

Welche Bedeutung dieses Konzept hat, lässt sich an den Ankündigungen mehrerer Branchenschwergewichte ermessen, die allerdings bisher erst zu wenigen greifbaren Produkten geführt haben. Vorreiter war hierbei HP, das bereits Anfang 1999 seine "E-Services" präsentierte. Damals stellte der Hersteller zusammen mit Partnern abonnierbare elektronische Web-Dienstleistungen etwa für Anwendungen im Rechnungswesen oder Supply-Chain-Management in Aussicht. Als Metasprache für die Auszeichnung der Parameter setzt das Unternehmen auf die Extensible Markup Language (XML) und die Plattform "E-speak". Doch bisher, so etwa das Urteil der Gartner Group, sei das technische Konzept dahinter zu komplex, und dem Unternehmen drohe ein Nischendasein. Ob das mit der Übernahme von Bluestone Software hinzugewonnene Java- und XML-Know-how daran etwas ändert, bleibt abzuwarten.

Für mehr Aufsehen sorgte hingegen Microsoft, das im Juni 2000 mit .Net die Grundzüge einer radikalen Weiterentwicklung von "Windows DNA 2000" hin zu einer Programmierplattform für vernetzte, Web-basierte, in einer beliebigen Sprache erstellte komponentenbasierte Anwendungen vorstellte (siehe CW 37/00, Seite 17). Sie ist jedoch derzeit noch nicht erhältlich. Der Kern von .NET ist die objektorientierte Laufzeitumgebung "Common Language Runtime" (CLR) sowie ein Basisframework. CLR soll es ermöglichen, beliebige, zuvor in einem Zwischencode übersetzte Programmiersprachen aufzunehmen und zur Laufzeit übersetzen zu lassen. Als weitere Programmiersprache wirbt der Hersteller hierbei auch für C# (siehe CW27/00, Seite 22). Kurz gesagt, wartet die .NET-Basisarchitektur mit Systemdiensten und so genannten Building Blocks (erweiterte Dienste etwa für Authentisierung) auf, die XML-basiert arbeiten. Hinzu kommen auf Präsentationsebene Web- oder Windows-Oberflächen. Begleitet wird die neue Architektur von dem .NET-Server-Konzept, das künftig jeden Client, Server oder Web-Service miteinander vernetzt und so unter anderem für eine bessere Skalierbarkeit sorgen soll, was insbesondere im ASP-Geschäft wichtig ist. Das bisherige Back-Office-Portfolio wird dabei ebenfalls überarbeitet und erweitert, zum Beispiel durch den "Biztalk"-Server, "Exchange 2000" oder dem "Commerce Server" (siehe CW 30/00, Seite 13).

Außerdem hat Microsoft so genannte .NET-Services angekündigt, mit denen sich Dienste über beliebige Geräte an beliebigen Orten lokalisieren und nutzen lassen sollen. Voraussetzung sind allerdings Windows-basierte Systeme, auf denen die Anwendungen laufen. Die Entwicklung neuer Applikationen wird mit Hilfe des künftigen Release der Tool-Suite "Visual Studio.NET" und in ihr vor allem von "Visual Basic" erfolgen, wo per "Orchestration" sich existierende Dienste über Workflows verbinden und integrieren lassen. Ebenso werden mit ihnen die hier besonders interessierenden Web-Services erstellt, von denen derzeit aber bisher nur ein einziger erhältlich ist. Als Kommunikationsmechanismus zwischen Servern /Clients und den Web-Services soll das Simple Object Access Protocol (Soap) dienen, das per XML definierte Remote Procedure Calls über HTTP oder andere Protokolle und Messaging-Middleware (siehe CW 34/00, Seite 15) den Anwendungen und Services übermittelt. Die Verarbeitung von Soap erfolgt über ASP+-Web-Seiten auf dem Web-Server, der wiederum mit dem Biztalk-Server verbunden ist, der seinerseits auf Back-Office- oder COM-basierte Anwendungen zugreift.

Als Dritter im Bunde hat auch IBM "Web Services" angekündigt, allerdings auf der Basis von Enterprise Javabeans (EJB), und erste Toolkits vorgestellt. Dabei will und muss der Hersteller mit Microsoft und Sun kooperieren, um zu Standards für die künftige Servicelandschaft zu kommen. Zu den wichtigsten Technologien zählen für Big Blue ebenfalls XML und Soap, wobei Letzteres dem Open-Source-Gremium der Apache Group für die Anpassung an den Java-Standard übergeben wurde. Laut Gartner Group wird IBM im Web-Service-Geschäft vor allem versuchen, sein ganzes Gewicht als Dienstleister und Hardwarelieferant in die Waagschale zu werfen. Zugleich muss das Unternehmen darauf bedacht sein, eine Kannibalisierung seiner Umsätze mit traditioneller Middleware wie "MQ Series" durch die künftigen Web-Services zu verhindern.

Zurückhaltung herrscht momentan noch bei anderen potenziellen Konkurrenten im Web: Oracle und Sun. So hat sich bei Oracle außer der Marketing-Kampagne "Software as a Service" und seiner Portalstrategie noch nicht viel getan. Analysten glauben aber, dass sich dies im nächsten Jahr ändern könnte. Dazu jedoch muss das Unternehmen die Kröte schlucken und sich Technologie von anderen Hersteller hinzuholen. Ebenso ist von Sun bisher in puncto Web-Services kaum etwas zu hören, obgleich Scott McNealy schon 1998 davon gesprochen hatte, dass Java-basierte Dienste im Web, wie etwa "Jini" , traditionelle Anwendungen ersetzen würden.

FrameworkWeb-Services benötigen eine Infrastruktur die als Minimum bietet:

- Einen Dienst, über den sich Komponenten finden und publizieren lassne.

- Einen Dienst für die Beschreibung und Metadatenverwaltung der zwischen den Diensten ausgetauschten Informationen.

- Einen Kommunikationsmechanismus, die der Service intern und extern verwendet.

- Eine Laufzeitumgebung für alle Dienste.

- Mechanismen wie Event-Notifikation, Negotiation, Transaktionsverwaltung sowie einen Workflow.