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Trends im ERP-Markt/XML, UDDI und BMEcat sind auf dem Vormarsch


30.03.2001 - 

Web-Standards erleichtern ERP-Vernetzung

Das E-Business stellt an Firmen große Herausforderungen, die jedes Glied in der Wertschöpfungskette betreffen. Die"Netzwerkfähigkeit" eines Unternehmens ist von zentraler Bedeutung in der Gestaltung übergreifender Prozesse. Neben rein technischen Problemen betrifft sie auch anwendungsorientierte Fragestellungen. Von Thomas Hantusch*

Die erfolgreiche Implementierung eines ERP-Systems oder einer ERP-Landschaft ist eine Grundvoraussetzung für die Teilnahme am E-Business. So werden Prozesse im eigenen Unternehmen definiert, optimiert und eine umfassende IT-Unterstützung geschaffen. Das Ergebnis ist eine operative IT-Basis mit hohem Automatisierungsgrad und zentraler Datenhaltung in fast allen Unternehmensbereichen.

Von den Internet-Anwendungen sind der Einkauf, der Verkauf und die Produktion betroffen. Die zentrale Bedeutung des ERP-Systems in diesem Kontext ergibt sich aus der Tatsache, dass es die interne Informationsdrehscheibe darstellt, die, vereinfacht ausgedrückt, aus einem Kundenauftrag einen Produktionsauftrag und gegebenenfalls eine notwendige Einkaufsaktion anstößt. Dieser transaktionsbezogene Informations-Backbone soll für die Welt der Geschäftspartner geöffnet werden.

Zugang zu TeilbereichenDie E-Business-Anforderungen an die ERP-Infrastruktur ergeben sich dabei zum einen aus dem Aufbau der eigenen Internet-Systeme, zum anderen aus den spezifischen Gegebenheiten bei den Geschäftspartnern. Eine wichtige Forderung ist in diesem Zusammenhang der direkte und automatisierte Zugang zu Teilbereichen der Fertigung und Logistik. Unternehmen, die bereits mit der ERP-Einführung zwei oder mehr Standorte mit getrennten ERP-Instanzen verbunden haben, besitzen die besten Voraussetzungen hierfür: Ihre Projektleiter sind bereits mit den Fragestellungen vertraut, die sich auch in E-Business-Projekten ergeben.

Zwei Aspekte spielen bei der Vernetzung von ERP-Systemen eine wichtige Rolle: die technische Eignung einer Schnittstelle sowie die Datenharmonisierung von Stamm- und Bewegungsdaten. Bei der Schnittstelle weisen die zu verbindenden Betriebssysteme und die darunter liegende Hardware eine große Bedeutung auf. Die einfachste und daher am häufigsten eingesetzte Implementierung ist der Dateitransfer mit entsprechenden Ein- und Auslese-Algorithmen. Insbesondere im Mainframe-Umfeld ist dies die Variante mit den wenigsten Problemen. Darüber hinaus haben sich Standards wie EDI für den geplanten, periodischen Datentransfer etabliert. Aufgrund der Komplexität und der regional unterschiedlichen Ausprägung des davon abgeleiteten Edifact-Standards kam es jedoch nur zu einer eingeschränkten Verbreitung.

Mit dem Internet steht ein modernes Übertragungsmedium zur Verfügung, das eine neue kostengünstige Transportmöglichkeit darstellt. Die Portierung des Edifact-Protokolls auf dieses weltweite Rechnernetz brachte das Web-EDI hervor. Damit steht eine einfache und kostengünstige Alternative zu EDI für kleine und mittelständische Unternehmen zur Verfügung, die aufgrund der hohen Karten den Einstieg gescheut haben.

Vielfältige LösungsartenMit dieser Lösung sind jedoch nicht die grundsätzlichen Probleme in der Kommunikation zwischen ERP-Systemen gelöst. Zum einen wickeln EDI und Web-EDI den Datenaustausch zeitlich versetzt (asynchron) ab, zum anderen sind die Verfahren nicht zum Massendatentransport im Sinne eines Stammdatenabgleichs geeignet.

Stattdessen gibt es mittlerweile ganze Produktfamilien, welche die Integrationsproblematik lösen, also Werkzeuge für das "Enterprise Application Integration" (EAI). Diese Anwendungen haben sich zum Ziel gesetzt, Infrastrukturkomponenten schnell und pflegeleicht zu integrieren. Die unterschiedlichen Systeme werden dabei sowohl auf Anwendungs- als auch auf Prozessebene gekoppelt. EAI-Lösungen übernehmen die notwendige Datentransformation, verfügen über regelbasierende Module, unterstützen bei der Workflow-Steuerung und stellen Adapter sowie Konnektoren zur Anbindung etablierter Anwendungen bereit. Der Markt dieser Anwendungen ist groß, und entsprechend vielfältig sind auch die Lösungsvarianten.

Zwei technologische VariantenZur Wahl stehen Integrations-Server, skalierbare Server-zentrierte Architekturen sowie Message-Broker mit dezentraler Server-Architektur zur optimierten Lastverteilung des Datenverkehrs. Darüber hinaus gibt es klassische Middleware-Produkte, die sich mit fortschreitender Entwicklung zu Web-Application-Servern mausern und den Integrationsaufgaben in nahezu idealer Weise gewachsen sind.

Am Horizont dieses Trends gibt es zwei technologische Ansätze, die viel versprechende Ansätze zur Standardisierung aufweisen: Extensible Markup Language (XML) und J2EE (Java 2 Enterprise Edition). XML gilt als die Lingua Franca zur Anwendungsintegration. Auf ihr bauen etliche Implementierungen für spezifische Aufgabenstellungen auf wie cXML, CBL, Bizztalk, SOAP. J2EE dient dagegen der Entwicklung von Integrationsanwendungen mit standardisierten Schnittstellen wie JTS/JTA, JNDI, JMS und JDBC. Diese beiden Technologien sind mittlerweile in nahezu allen E-Business-Standardprodukten enthalten.

E-Business-Schnittstellen müssen vor allem den IT-gestützten Austausch beispielsweise von Aufträgen, Bestellungen, Angeboten, Rechnungen automatisieren. Der wesentliche Inhalt der transferierten Daten beschreibt Artikel, Produkte sowie Dienstleistungen und ordnet diese für die Weiterbearbeitung zu. Es ist nur logisch, dass unterschiedliche Branchen verschiedene Anforderungen haben. Mangels Standard ist die Abbildung der Artikelkataloge in ERP-Systemen, die Grundlage der Kataloge im Web, in fast jedem Unternehmen anders erfolgt.

Harmonisierung der StammdatenZur Harmonisierung der Stammdaten zwischen den Systemen gibt es mehrere Ansätze: Der Bundesverband Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik e.V. (BME) hat eine Initiative gestartet, die Standards zur elektronischen Datenübertragung für Artikelkataloge entwickeln soll. Die Version 1.0 von "BMEcat" wurde bereits im November 1999 verabschiedet. BMEcat bietet mit der Übernahme von Katalogdaten aus unterschiedlichen Formaten gute Voraussetzungen, den Handel über das Internet in Deutschland voranzubringen. Durch die Verwendung des Internet-Standards XML ist dieses Format grundsätzlich offen für eine internationale Verbreitung. BMEcat dient nicht ausschließlich zur Übermittlung der Katalogdaten zwischen ERP-Systemen. Es stellt auch ein geeignetes Format dar, um beispielsweise Shop-Systeme, Marktplätze und E-Procurement-Systeme mit multimedialen Daten zu füttern. Auch Katalog-Management-Systeme bauen auf diesen Standard auf.

Mehrsprachige StrukturEin weiterer Aspekt des Katalogdatenaustauschs ist die einheitliche Klassifizierung der Produkte, Dienstleistungen, Waren und Materialien. Von führenden Unternehmen der deutschen Wirtschaft wurde ein Standard für den Datenverkehr zwischen Verkäufern und Käufern zur Klassifizierung entwickelt. eCl@ss umfasst ein aus zirka 12000 Begriffen bestehendes Schlagwortregister. Die Produkte sind dabei über einen vierstufigen, hierarchischen Schlüssel kodiert. Für das gesamte Material, die Waren und Dienstleistungen wird also eine mehrsprachige Struktur bereitgestellt, deren Detaillierungsgrad an die Bedürfnisse der Industrie angepasst ist. Mit Hilfe dieses Klassifizierungsverfahren sollen Käufer und Verkäufer im chaotischen Internet einander finden.

Neben eCl@ss gibt es einen weiteren Standard für die Produktklassifikation: UN/SPSC steht für Universal Standard Products and Services Classification und ist von den Vereinten Nationen vorgegeben. Dieser Standard ist insbesondere im amerikanischen Raum verbreitet und findet verstärkt internationale Beachtung. Er steht in unmittelbarer Konkurrenz zu eCl@ss.

Mit der zunehmenden Etablierung elektronischer Marktplätze und dem damit verbunden Kostensenkungspotenzial werden die Bestrebungen nach übergeordneten Protokollen, Standards und Anwendungen zum elektronischen Handel gestärkt. Ariba, Microsoft und IBM stellen unter dem Stichwort Universal Description, Discovery and Integration (UDDI) drei synchronisierte, XML-basierende Datenbanken ins Netz, die als eine Art gelbe E-Business-Verzeichnisse Unternehmen mit ihren Produkten und Dienstleistungen katalogisieren und zusätzlich Informationen darüber beinhalten, welche die bevorzugten Standards zur automatisierten Geschäftsabwicklung über das Internet sind. Mit Hilfe solcher, bislang kostenloser Dienste soll das Auffinden von Geschäftspartnern mit gleichen Schnittstellen und Protokollen über das Netz der Netze erleichtert werden. Die Organization for the Advancement of Structured Information Standards (Oasis) sowie diverse Herstellergruppen beschäftigen sich darüber hinaus mit der Definition von übergeordneten Protokollen wie die Trading Partner Agreement Markup Language (TPAML), die Geschäftsbedingungen aushandelt, bevor gewünschte Services in Anspruch genommen werden.

Ein sehr junges UmfeldMit steigendem Abstraktionsgrad der Protokolle und Standards nimmt der unmittelbare Einfluss der ERP-Software auf das Geschehen im Web ab. UDDI und TPAML sind die Domäne der vorgelagerten E-Business-Anwendungen. Die künftigen Initiativen und Standardisierungsbestrebungen sind noch nicht abzusehen. Das Umfeld ist sehr jung, die Möglichkeiten fast unerschöpflich. Tagtäglich entstehen neue Business-Modelle, die mit Internet-Technik realisierbar sind. Bemerkenswerte Standards werden sich jedoch erst im Laufe der Zeit etablieren, wenn genug Anwender daran Interesse haben.

*Thomas Hantusch ist Senior Manager im E-Business-Bereich der KPMG Consulting AG in München

GlossarEDI: Electronic Data Interchange (EDI) ist ein standardisiertes Datenformat für den Austausch von Geschäftsinformationen über Computernetze. Die Entwicklung von EDI wurde nicht zentral koordiniert. Daher entstanden je nach Branche und Land abweichende EDI-Formate."

Web-EDI: Web-EDI setzt auf dem Internet-Dienst WWW auf und dient zur Abwicklung der zwischenbetrieblichen Unternehmenskommunikation auf Basis von EDI.

EAI: Enterprise Application Integration bezeichnet die uneingeschränkte Verbindung und Vernetzung aller Geschäftsprozesse und der damit zusammenhängenden Datenquellen in einem Unternehmen.

XML: Die Extensible Markup Language ist eine Weiterentwicklung von HTML und ein Quasi-Standard zur Erstellung strukturierter Dokumente im Internet. Mit XML ist es möglich, seine eigenen Auszeichnungs-Tags zu erstellen.

J2EE: Die Java-2-Plattform, Enterprise Edition (J2EE) ist eine Standardarchitektur zur Definition und Realisierung mehrstufiger Java-Anwendungen. J2EE wurde von Javasoft, einem Tochterunternehmen von Sun Microsystems, entwickelt.

cXML: "Commerce XML" ist eine Anzahl neuer Document Type Definitionen (DTD) für die XML-Spezifikation. cXML ist eine Metasprache, die notwendige Informationen eines Produkts definiert. Sie wird zum standardisierten Austausch von Kataloginhalten verwendet und beschreibt den Anfrage-Antwort-Prozess für sichere elektronische Transaktionen im Internet.

CBL: Ist die Abkürzung für Common Business Library. CBL ist ein von Commerce One entwickeltes, XML-basiertes Protokoll, das die Kommunikation zwischen E-Procurement (elektronische Einkaufs-) und E-Sales (elektronische Verkaufs-) Anwendungen ermöglichen soll.

S: Das Simple Object Access Protocol basiert auf XML. Es soll die Kommunikation zwischen unterschiedlichen Applikationen über das Internet ermöglichen. Soap wurde von Microsoft, Developmentor und Userland Software entwickelt und der Internet Engineering Task Force (IETF) als Standard vorgeschlagen.

BMEcat: Ein XML-basierter Standard zur elektronischen Datenübertragung für Artikelkataloge, der vom Bundesverband Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik initiiert wurde.

ECl@ss: Standard zur Klassifikation von Material und Warengruppen.

UN/SPSC: Von den Vereinten Nationen vorgegebener Standard zur Produktklassifikation

UDDI: Das Projekt Universal Description, Discovery and Integration ist ein E-Business-Verzeichnis. Die Initiative geht auf Microsoft, IBM und Ariba zurück. Ende 2000 hatte sie 130 Mitglieder.

LinksBMEcat:

http://www.bmecat.org

ECl@ss:

http://www.eclass.de

UN/SPSC:

http://www.unspsc.org

UDDI:

http://www.uddi.org

Abb: Schnittstellen und Infrastruktur

Damit sich ERP-Systeme für das E-Business öffnen können, müssen sie Standards auf verschiedenen Ebenen unterstützen. Quelle: KPMG