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18.06.1999 - 

Geplanter Merger bringt Kundenanwälte auf die Palme

Web-Werber Doubleclick flirtet heftig mit Daten-Dealer Abacus Direct

MÜNCHEN (CW) - Aktien im Wert von einer Milliarde Dollar bietet der Online-Werbespezialist Doubleclick Inc., New York, für den Marketing-Daten-Sammler Abacus Direct Corp., Broomfield, Colorado. Doubleclick will die Abacus-Informationen nutzen, um Web-Werbung besser auf einzelne Kunden zuzuschneiden. Verbraucherschützer sehen das gar nicht gern.

Doubleclick verkauft Werbebanner auf mehr als 1300 Web- Sites, darunter die Suchmaschine "Altavista". Wenn ein Netsurfer ein solches Werbefeld anklickt, übermittelt er heute schon eine Reihe von Informationen an Doubleclick - beispielsweise darüber, welche Seiten er zuvor besucht hat. Offenbar lassen sich solche Daten allein noch nicht gewinnbringend einsetzen. Nach Angaben des Düsseldorfer "Handelsblatts" schrieb Doubleclick im vergangenen Geschäftsjahr bei einem Umsatz von 80 Millionen Dollar einen Verlust von 18 Millionen Dollar.

Käuferprofile von Abermillionen Haushalten

Viel interessanter wäre es ja auch, zu wissen, wann, wo, was und wie oft der Kunde einkauft. Solche Informationen sammelt Abacus. Vermutlich besitzt das Unternehmen die größte Konsumentendatenbank in den USA. Seine Informationen bezieht es von mehr als 1000 konventionellen Mail-Order-Unternehmen, und auf der Grundlage solcher Daten erstellt es über mehrere Jahre reichende Käuferprofile für Abermillionen von amerikanischen Haushalten. Dieser Geschäftszweig ist anscheinend lukrativ: Bei einem Umsatz von 47 Millionen Dollar erzielte Abacus 1998 - wiederum laut "Handelsblatt" - einen Gewinn von 11,4 Millionen Dollar.

Das strategische Ziel der von Doubleclick angestrebten Fusion liegt aber nicht nur im Erwerb eines profitablen Unternehmenszweigs. Vielmehr ließe sich der eigene Tätigkeitsbereich mit Hilfe des neuen Partners in völlig neue Dimensionen erweitern. Dank der Abacus-Daten könnte Doubleclick Werbebotschaften zusammenstellen, die sich an den individuellen Einkaufsgewohnheiten der Kunden orientieren.

Dazu müßte Doubleclick nur den Namen und die Adresse des jeweiligen Web-Surfers erfragen, ein Stückchen Code (im Fachjargon: "Cookie") an seinen Browser anheften und diese persönliche Identifikation mit den offline gespeicherten Abacus-Daten verbinden. Wenn der Internet-Nutzer das nächste Mal eine Doubleclick-Seite öffnete, wüßte das System, wer er ist und auf welche Werbung er am wahrscheinlichsten anspricht. Und selbstverständlich würde seine Reaktion darauf in die Abacus-Datenbank zurückgespeichert. Keine Frage, daß die Verbraucherschützer und Fürsprecher einer unverletzlichen Privatspäre diesen Merger zu verhindern suchen. Denn damit ließe sich jede Bewegung im Internet einem Namen und einer Adresse zuordnen. Doubleclick versichert, daß der Nutzer über die Verwendung seiner Daten informiert werde und die Cookies abwehren könne. Trotzdem haben die Verbraucheranwälte bereits bei der Federal Trade Commission (FTC) vorgesprochen.

Sollte die Fusion dennoch wie geplant vonstatten gehen, bietet Doubleclick in einem "Pooling of Interests" für jede Abacus-Aktie 1,05 eigene Anteilscheine. Im Endeffekt wird sich etwa ein Viertel der Doubleclick-Aktien in den Händen ehemaliger Abacus-Aktionäre befinden. Das vereinigte Unternehmen soll ab Herbst dieses Jahres unter dem Namen Doubleclick firmieren.