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29.11.2002 - 

Anwender des Jahres/ADAC

Website-Relaunch mit Vollgas gestartet

In nur sechs Monaten baute der ADAC eine komplett neue Infrastruktur für seine Web-Aktivitäten auf und führte ein neues Content-Management-System ein. Damit erreichte der größte Autofahrerclub Europas die Finalrunde des Wettbewerbs "Anwender des Jahres".

Am 1. Februar 2002 wurde es für Roland Feuerstein, Leiter Systementwicklung Telematik, Touristik und Vertrieb (STV), und seine Mannschaft noch einmal so richtig spannend: Würde der neue Auftritt unter www.adac.de, den sie in den letzten sechs Monaten unter großen Anstrengungen aufgebaut hatten, den Anforderungen der Praxis standhalten? "In der Nacht von Freitag auf Samstag habe ich sehr schlecht geschlafen", gesteht beispielsweise Peter Baudrexel, Teamleiter Internet STV. Der Grund für die Aufregung: Zwar hatte man bereits am Freitagmorgen um sechs die Arbeiten am Relaunch der Website erfolgreich abgeschlossen, und natürlich war vorher getestet worden, doch die Feuertaufe für das neue System stand noch bevor. Denn am Abend des 2. Februar startete um 18 Uhr auf SAT 1 die Fernsehsendung "motorwelt - Das ADAC Magazin" in Kooperation mit dem ADAC. Alle Beteiligten erwarteten einen massiven Anstieg der Seitenaufrufe während und nach der Sendung. Gerade bei vielen Zugriffen in kürzester Zeit war die alte Website regelmäßig in die Knie gegangen. Doch diesmal lief alles glatt: Über 100000 Benutzer kamen und klickten, doch die Server auf Wintel-Basis steckten die zusätzliche Belastung locker weg. Feuerstein, Baudrexel und ihr gesamtes Team konnten den Rest des Wochenendes genießen und sich von den Strapazen der vorausgegangenen Wochen erholen.

Angefangen hatte alles Ostern 2001. Feuerstein erinnert sich: "An diesem Wochenende ging die Besucherzahl rapide in die Höhe, da über die Feiertage besonders viele Leute wegfahren und sich rund um die Mobilität informieren. Die Antwortzeiten wurden inakzeptabel." In der Folge häuften sich die Beschwerden frustrierter Benutzer, und es war klar, dass etwas geschehen musste. Denn der Vorfall war nur ein Beispiel für die Entwicklung im ersten Halbjahr 2001. In diesem Zeitraum stieg die Zahl der Page Impressions um 90 Prozent, und es traten immer größere technische Probleme auf, die auf der Architektur des alten Systems beruhten.

Die Architektur des Altsystems basierte auf Java, und das Kernstück des Ganzen war ein Shopsystem von Intershop, an das dann eine Content-Management-Lösung auf Basis der Technik von Imperia angeschlossen wurde. Die Anwendungslogik wurde in Perl-Scripten hinterlegt. Mit der Zeit wuchs das Startscript auf rund 35 KB an, und der Aufbau der ersten Seite dauerte damit bis zu 30 Sekunden. Folglich musste immer mehr in Hardware investiert werden, um einigermaßen mit dem Wachstum mithalten zu können. Mittlerweile befanden sich sieben Sun-Enterprise-Server mit je vier Prozessoren im Einsatz, die monatlich bis zu zehn Millionen Page Impressions verzeichneten. An diesem Punkt war ein weiterer Ausbau nicht mehr möglich, da die Softwarearchitektur nur auf einen Web-Server ausgerichtet war.

Eine weitergehende Interaktion mit den Mitgliedern im Web war jedoch schon aus Kostengründen wünschenswert. Denn die Transaktionskosten liegen hier deutlich niedriger als in anderen Kanälen. So kostet ein Anruf im Call-Center einen Euro und fünfzig Cent. Diese Kosten entfallen, wenn der Besucher beispielsweise eine Adressänderung selbst im Internet eingibt, denn die Änderung wird automatisch in den Bestandsdaten auf dem IBM-Host vorgenommen. So konnte die Geschäftsführung mit wenig Mühe davon überzeugt werden, dass der Web-Auftritt auf eine neue technische Basis gestellt werden musste. "Eines der Ziele war dabei, die Prozesskosten bei den Informationsdiensten für Mitglieder zu verringern", berichtet Feuerstein. Außerdem sollten die Content-Pflege dezentralisiert und mehr Inhalte für Nichtmitglieder zur Verfügung gestellt werden.

Das Projekt startete am 1. August 2001. Die Ausschreibung hatte zuvor die Master Bit GmbH aus dem hessischen Kloster Arnsburg gewonnen. Gemeinsam mit den Entwicklern und Fachbereichsmitarbeitern des Automobilclubs bildete man ein Team von 60 Mitarbeitern. Der Betrieb der Website wurde der T-Systems Computer Service Management GmbH (CSM) als neuem Hosting-Partner übertragen.

Die kurze Projektlaufzeit von sechs Monaten verlangte allen Beteiligten viel ab. Baudrexel gibt zu: "Am Anfang hat von uns keiner geglaubt, dass wir das schaffen könnten." Doch am Schluss wurden alle Vorgaben erfüllt: Obwohl die Page Impressions seit Projektstart um 160 Prozent gestiegen sind, haben sich alle Antwortzeiten deutlich verkürzt. Das angestrebte Ziel von weniger als zehn Sekunden für den Aufbau der Startseite bei 28800 Bit/s wurde deutlich übertroffen.

Doch der Weg zum Ziel war alles andere als einfach. So mussten häufig Projektphasen parallel laufen, die aufeinander aufbauten. Baudrexel nennt ein Beispiel: "Eine Herausforderung bestand für uns darin, dass die Entscheidung für den Einsatz der Microsoft-Plattform-Technologie noch nicht gefallen war, als wir das CMS suchten. Wir brauchten also ein System, das sowohl auf der damals noch denkbaren Sun-Solaris- als auch auf der Microsoft-Plattform einsetzbar ist." Dieser Umstand war ausschlaggebend für die Wahl des Content-Management-Systems (CMS) "Dialog-Server 4.3" von Tridion. Es konnte sich aufgrund der guten Integrierbarkeit in die Microsoft-Plattform und der durchgängigen Unterstützung offener Standards für die Verwaltung der Inhalte auf Basis von XML bei der Evaluierung gegen Konkurrenzprodukte etwa von Gauss, Openmarket und Interwoven durchsetzen.

Pflege vereinfacht

Den Kern der neuen Anwendung bildet der Microsoft Commerce Server 2000. Dieses Produkt ist ein Teil der .NET-Server-Plattform und bildet die Grundlage des integrierten Web-Shops. Darüber hinaus erlaubt es die Bildung von Kundenprofilen, so dass sich Website-Besucher individuell ansprechen lassen.

Verbesserungen bringt das neue System auch für die Pflege der Inhalte, die teilweise mehrmals täglich (Mobilitätsnachrichten, Wetterinformationen) oder sogar alle zehn Minuten (Verkehrsinfos) aktualisiert werden müssen.

Beispiel Verkehrsinformationen: Von der Polizei über die ADAC-Staumelder und die Pannenhelfer ("gelbe Engel") bis hin zu ausländischen Automobilclubs liefern hier die unterschiedlichsten Quellen Informationen. Dieser Input wird in einer zentralen Datenbank konsolidiert. Mehr als 30 Redakteure prüfen die Mitteilungen auf Richtigkeit und Aktualität und gleichen sie mit dem bereits vorhandenen Material ab. Aus der Datenbank heraus werden die Meldungen dann über verschiedene Kanäle verbreitet. Neben den vielen Radiosendern mit Verkehrsservice gehört dazu auch ein Sprach-Server, auf den Autofahrer sich per Handy über die Nummer 22 4 99 in allen Mobilfunknetzen einwählen können. Die ADACcom-Dienste geben dann anhand der GPS-Satellitenortung beziehungsweise der durch den Netzbetreiber ermittelten Lokation die Informationen aus, die für den jeweiligen Standort des Anrufers relevant sind. Ebenso wie der Web-Server wird auch der Sprach-Server mit einem automatischen Update auf den neuesten Stand gebracht, hier jedoch im Minutenintervall.

Nutznießer des neuen Systems sind auch Online-Redakteure in den ADAC-Regionalclubs, die über ganz Deutschland verteilt sind. Sie können heute etwa Ankündigungen von Beleuchtungs- oder Bremsentests, Fahrertrainings und Ähnliches über ein einfach bedienbares Frontend selbst aktualisieren. Dabei benutzt der Regionalredakteur den Browser-basierenden CMS-Client, um seine Informationen in vorbereitete Templates einzugeben. Anschließend werden die Inhalte von einem Mitarbeiter nach einem flexibel anpassbaren Workflow in der Zentrale freigegeben. Dynamische Inhalte wie Schneehöhen- und Verkehrsinformationen werden ohne Nachbearbeitung im Content-Management-System auf der Website präsentiert. Dies ermöglicht eine universelle Middleware, die im Projekt von ADAC und Master Bit gemeinsam entwickelt wurde.

Kosten gespart

Unterm Strich, bilanziert Feuerstein, sei das neue System leistungsfähiger als das alte, und im Verhältnis obendrein deutlich kostengünstiger. "Das beginnt schon bei der Hardware, die nicht mehr so teuer ist wie die großen Sun-Server, die wir früher eingesetzt haben. Und die Content-Pflege ist durch die erreichte Dezentralisierung nicht nur schneller, sondern auch billiger". Die Softwarekosten für die Microsoft-Lösung lagen rund 30 Prozent unter den Angeboten der Mitbewerber. Die Ausgaben für Hardware sanken sogar um 40 Prozent, weil standardisierte Intel-basierende Maschinen eingesetzt werden.

Insgesamt investierte man knapp fünf Millionen Euro. "Damit haben wir zwar etwa die gleiche Summe ausgegeben wie für den alten Auftritt, aber das neue System ist nicht nur leistungsfähiger, sondern auch sicherer."

Als wesentliche Grundlage für den Erfolg des Projekts nennt Feuerstein die starke Unterstützung der Geschäftsleitung: "Es ist nicht der Normalfall, dass kurzfristig neue Büroflächen für ein Team von 60 Personen angemietet werden. Ohne Unterstützung von oben geht das nicht." Und Baudrexel ergänzt: "Zwar waren viele Projektmitarbeiter ADAC-Leute. Ohne massive externe Unterstützung, zeitweise waren das bis zu 30 Beschäftigte, hätten wir den Zeitplan aber sicher nicht einhalten können." Denn auch so mussten die Projektteilnehmer gerade in der Weihnachtszeit auf manches Wochenende verzichten. Das war allerdings nicht Bestandteil der Planung, sondern Ergebnis unvorhersehbarer Zwischenfälle wie etwa der Insolvenz eines Dienstleisters, der für die optische Gestaltung der Web-Seiten verantwortlich war. Dadurch mussten überraschend Design und Funktionalität parallel entwickelt werden - denn der Endtermin stand ja fest. Und so blieb es für das ganze Projektteam spannend bis zuletzt. (uk)

Der ADAC

1903 in Stuttgart gegründet, ist der ADAC mit 14,4 Millionen Mitgliedern mittlerweile Europas größter Automobil-Club. Er ist föderal aufgebaut, mit 1700 Orts- und 18 Regionalvereinigungen.