Melden Sie sich hier an, um auf Kommentare und die Whitepaper-Datenbank zugreifen zu können.

Kein Log-In? Dann jetzt kostenlos registrieren.

Falls Sie Ihr Passwort vergessen haben, können Sie es hier per E-Mail anfordern.

Der Zugang zur Reseller Only!-Community ist registrierten Fachhändlern, Systemhäusern und Dienstleistern vorbehalten.

Registrieren Sie sich hier, um Zugang zu diesem Bereich zu beantragen. Die Freigabe Ihres Zugangs erfolgt nach Prüfung Ihrer Anmeldung durch die Redaktion.


23.05.2005

Websites ohne Stolpersteine

Senior Communication Managerin bei der Content Marketing Agentur Evernine
Eine Website ist dann gelungen, wenn sie ihren Zweck erfüllt, sei es als Marketing-Instrument, Service-Center oder Online-Shop. Erfolgskriterium Nummer eins ist dabei die Benutzerfreundlichkeit - neudeutsch: Usability.

Rund 30 Minuten pro Tag verbringt Geoff Smith, E-Commerce-Chef des amerikanischen Online-Geschenkehändlers Personal Creations, damit, die jeweils neuesten Analysen des Besucherverhaltens auf seiner Site zu lesen. Dann weiß Smith, wer wie lange bleibt, was er kauft oder wo er aussteigt. Findet er Stolpersteine, so werden die sofort entfernt. Smiths Vorgehen liegt im Trend: Laut den Marktforschern von Jupiter Research investieren Unternehmen mit Jahresumsätzen ab einer Milliarde Dollar 50000 Dollar pro Jahr in die Web-Analyse und den Abbau von Barrieren.

Deutschen Bundesbehörden ist der Abbau von Barrieren auf Internet-Sites gesetzlich vorgeschrieben. Sie müssen bis Ende 2005 ihre Internet-Seiten "barrierefrei" gestalten. Dabei geht es nicht um Sonderlösungen für behinderte Menschen. Ziel ist vielmehr, Web-Seiten zur Verfügung zu stellen, auf die alle Nutzer ungehindert zugreifen können. Hindernisse sind beispielsweise unübersichtliche Navigationsstrukturen, überfrachtete Seiten, kritische Farbkombinationen und viel zu kleine Schriften, die so manchen Surfer aus der virtuellen Filiale treiben. Jacob Nielsen, Ex-Softwareingenieur bei Sun und Experte in Sachen Nutzerfreundlichkeit, geht beispielsweise davon aus, dass nur 56 Prozent aller ernsthaft unternommenen Online-Shopping-Touren erfolgreich beendet werden. Die restlichen 44 Prozent scheitern, weil der potenzielle Kunde sich nicht zurechtfindet.

In den virtuellen Filialen von großen deutschen Banken wie Commerzbank, Deutsche Bank, Dresdner Bank, Hypovereinsbank und der Postbank sieht es nicht besser aus. Eine Studie der Münchner Tns Infratest Finanzforschung kommt zu dem Ergebnis, dass "Bankkunden bereits von den elementaren Funktionen wie der Informationssuche oder der Girokonto-Verwaltung überfordert sind".

Es gibt zahlreiche Ratgeber zur nutzerfreundlichen Gestaltung von Web-Seiten. Doch werden die Tipps immer noch häufig ignoriert. Detlef Salman, Konzeptionist und Consultant bei T-Systems Multimedia Solutions GmbH aus Dresden nennt ein Beispiel: "Vor dem Hintergrund, dass allein zehn Prozent der männlichen Bevölkerung unter Farb-Sehstörungen leiden, sollte man meinen, dass längst auf jeder Web-Seite ausreichende Farbkontraste eingesetzt werden. Doch viele Unternehmen verwenden immer noch Gelb-Weiß- oder Rot-Blau-Kombinationen, die das Lesen erschweren. Besser sind Farben wie Schwarz und Weiß oder Blau und Weiß." Er fasst die weiteren wichtigsten Grundregeln zusammen. "Barrierefreie Websites sollten auf technische Spielereien wie Animationen, Pop-up-Fenster oder bewegten Text verzichten. Grafiken und Bilder gehören indes auf jede Website, da das Internet ein visuelles Medium ist." Allerdings sollten Informationen, die über ein Bild transportiert werden, "mit einem erklärenden Alternativtext" unterlegt werden. Insbesondere blinde Menschen seien auf Textinformationen angewiesen, denn sie lassen sich diese mit Hilfe von Sprachausgabesystemen wie Screenreadern vorlesen oder auf "Braille-Zeilen" übertragen.

Auf barrierefreien Web-Seiten sollte der Nutzer selbst die Darstellungsfarben in seinem Browser bestimmen können. Außerdem müssen sich Schriften und Bildschirminhalte vergrößern lassen.

"Nicht im HTML-Quelltext enthalten sein dürfen Frames zur Layout-Bestimmung", meint Salman. "Bei der Programmierung ist darauf zu achten, dass der Quellcode den Einsatz von Screereadern sicherstellt. "Als Technik sollten Cascading Style Sheets (CSS) verwendet werden."

Kleine Schriften sind tabu

Viele Menschen leiden unter einer Sehschwäche - "allzu kleine Schriften sind daher tabu." Empfehlenswert sei eine Buchstabengröße von mindestens zwölf Punkt, "idealerweise in einer serifenlosen Schrift". Zusätzlich sollten die Schriften skalierbar sein und sich über den Browser individuell an die Bedürfnisse des Nutzers anpassen lassen.

Grundsätzlich gelte: "Web-Inhalte müssen klar gegliedert sein, und der Nutzer muss sich über eine logische Navigationsführung problemlos auf der Seite orientieren können." Ein absolutes Muss sei daher ein Inhaltsverzeichnis oder eine Sitemap, die die Anordnung der Informationen verdeutlicht.

Um Fallstricke im eigenen Web-Auftritt aufzuspüren und zu beseitigen, gibt es verschiedene Verfahren. Die Bandbreite reicht von Gratis-Tools zur Überprüfung der Site auf Barrierefreiheit über die Logfile-Analyse bis hin zu mehrere tausend Euro teuren Usability-Tests durch Web-Agenturen, Marktforscher oder Universitäten.

Zur Gattung der Gratis-Tools zählen beispielsweise die Programme Vischeck, A-Prompt und Barrierefinder. Mit Vischeck erhalten Web-Designer die Möglichkeit, sich beim Betrachten einer Seite in die Lage eines Sehbehinderten zu versetzen: Das Programm zeigt dem "normal" Sehenden, wie Bilder oder Grafiken für Menschen mit einer Rot-Grün- oder einer Blau-Gelb-Schwäche wirken. A-Prompt listet vorgefundene Mängel auf und schlägt Schritt für Schritt eine Problembehandlung vor.

Tools für die Analyse

Die Logfile-Analyse nimmt sich das Besucherverhalten vor. Programme wie "Websuxess" oder "Webtrends" liefern Antworten auf die Fragen: Was macht der reale Nutzer auf der Website, und wie lange bleibt er? Außerdem bieten Logfile-Analysen Aufschlüsse über Einstiegs- und Ausstiegsseiten, beliebte Seiten oder typische Stellen für das Abrufen von Detailinformationen.

Aus diesen Daten können Experten via Web-Controlling dann beispielsweise Schlussfolgerungen darüber ziehen. wie eine Web-Seite genutzt wird, welche Seiten besonders populär sind, ob wichtige Informationen auf der Site gelesen werden, ob die Navigation funktioniert, ob Online-Werbekampagnen den gewünschten Besucherzustrom hervorrufen oder wie viele Nutzer über Suchmaschinen kommen.

Mit Experten-Reviews schließlich wird die Site aus Nutzersicht überprüft. Der Geschäftsbereich Multimedia Solutions von T-Systems beispielsweise betreibt ein spezielles Testzentrum in Dresden. Mit Hilfe von detaillierten Checklisten prüfen die Experten neben der Barrierefreiheit auch die Benutzerfreundlichkeit einer Web-Seite. Sie untersuchen Problembereiche wie: Werden einfache, kurze Sätze verwendet? Gibt es ein übersichtliches Inhaltsverzeichnis? Ist die Benutzerführung intuitiv? "Dabei arbeiten immer verschiedene Personen an einem Test, um zu verhindern, dass ein Prüfer betriebsblind wird", erklärt Serafima Bienstock, Projektfeld-Managerin Application Test and Quality Assurance bei T-Systems.

Zusätzlich untersuchen die Experten, ob eine Web-Seite auch über Ausgabegeräte zugänglich ist, die Blinde oder Gehörlose nutzen. Je nach Umfang dauern solche "Accessability"-Tests zwischen einigen Stunden und wenigen Tagen. Die Experten geben abschließend Empfehlungen, sind aber als unabhängiges Testinstitut nicht an der Überarbeitung der Seiten beteiligt.

Dass sich eine Analyse der Website und ein anschließendes Redesign auszahlen können, zeigt der Automobilkonzern Volvo. Volvo Construction Equipment (CE), Hersteller von Geräten für die Bauindustrie und verwandte Branchen und eine der größten E-Business-Initiativen der Volvo Group mit über 50 regionalen Händler- und marktorientierten Websites, optimiert mit der Web-Analyse-Lösung "Webtrends Enterprise" die Identifizierung potenzieller Neukunden (Leads). "Wir verfügen über 100 Reporting-Profile aus 55 Ländern", erklärt Brian Godwin, E-Commerce Program Manager bei Volvo CE. "Ein erster Schritt war die Synchronisierung unseres Content-Management-Systems mit Web-Trends, um die Genauigkeit und Vollständigkeit der Informationen mehrerer Content-Gruppen, wie Produkttypen und landesspezifische Sites, sicherzustellen. Wir haben die Szenario-Analysen von Webtrends auch für eine schrittweise Analyse des Reaktionsprozesses genutzt, um zu verstehen, wo Besucher aus einem Lead-Generierungs-Szenario aussteigen und ob sie die Informationen finden, die sie suchen. Auf diese Weise konnten wir die größten Probleme ermitteln, die Besucher mit der Site hatten, und dadurch unsere Web-Leads letztendlich um 700 Prozent erhöhen."

Auch der Staubsaugeranbieter Dirt Devil ist überzeugt von der Web-Analyse: Er investierte knapp 10 000 Dollar in entsprechende Software und fand damit die Schräubchen auf der Site, an denen gedreht werden musste, um das Umwandlungsverhältnis von Besuchern zu Käufern beziehungsweise Kunden (Conversion-Rate) von zwölf bis 15 Prozent auf 20 bis 23 Prozent zu erhöhen. Dazu Michael Crowdes, E-Commerce-Chef des Unternehmens: "Kleine Veränderungen, beispielsweise deutlichere Preisschilder, haben oft große Wirkung." (ue)