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04.03.1983 - 

Mikro-Winchester und die Datensicherung:

Wechselplatte gewinnt langsam an Profil

MÜNCHEN - Vor knapp drei Jahren lieferte die einschlägige Industrie die erste 5?-Zoll-Winchesterplatte aus. Das Laufwerk nimmt nur den Platz einer entsprechenden Floppy bei sieben- bis achtfacher Kapazität ein. Damit stellt sich massiv das Problem der Datensicherung. Leistungen gibt es genug, doch die einen sind teuer, die anderen nicht sonderlich elegant.

Einigkeit herrscht bei Anwendern und Anbietern über die Notwendigkeit der kleinen Winchesterplatten: Wer mit Datenmengen, wie sie die 5?-Zoll-Platten heute speichern können, arbeiten muß, will diese Mengen auch verfügbar haben. Er benötigt also zwangsweise den schnellen Zugriff und damit die Festplatte. Schließlich nützen 5 MB Kapazität wenig, wenn nur die Geschwindigkeit einer Floppy zur Verfügung steht. Erfahrungswerte zeigen, daß sich auf einen beliebigen Datensatz etwa fünfmal schneller als bei einer Diskette zugreifen läßt, den Systemsoftware-Overhead schon eingerechnet.

Diese geringe Geschwindigkeit einer Floppy macht sich gerade auch bei der Datensicherung bemerkbar. Die 1:1-Sicherung einer Mikro-Winchester mit ihren 5 MB Kapazität dauert immerhin mindestens 15 Minuten. Obendrein muß der Anwender sich noch als Diskjockey betätigen, um fünf bis acht Disketten einzulegen. Nun ist nicht jeden Tag eine Sicherung aller Daten der Festplatte nötig, wenden die Verfechter der Floppysicherung ein. Es genüge, nur die Daten zu sichern, die im Laufe des Arbeitstages tatsächlich verändert wurden.

Doch dazu bedarf es eines Betriebssystems oder einer zusätzlichen Backup-Software, die die angesprochenen Daten kennzeichnet. In der Tat Betriebssysteme wie Unix mit allen Ablegern oder auch Oasis erfüllen diese Forderung. Aber ausgerechnet das am weitesten verbreitete Betriebssystem (CP/M) verfügt nicht über diese Fähigkeit.

Zwar kommt jetzt die Version 3.0 von CP/M, doch mehr als eine Testversion davon wurde auf dem deutschen Markt noch nicht gesichert. Damit ist zur Zeit noch unklar, was CP/M 3.0 leistet. Doch selbst wenn es veränderte Daten kennzeichnen kann und damit eine selektive Datensicherung möglich würde, bleibt dieses Sicherungsverfahren doch problematisch. Zumindest bei Anwendern, die Dateien in Megabytegröße verarbeiten müssen, kann am Ende eines Tages ein vollständiges Update der Datei notwendig werden. Mit einer Floppy kommen dann die schon erwähnten Unbequemlichkeiten auf den Anwender zu.

Unbequem ist allein schon die Wartezeit, bis die Sicherung endlich abgelaufen ist. Als elegante Lösung kommt hier langsam die Winchester-Wechselplatte ins Gespräch, die jedoch zwei entsprechende Nachteile hat: Sie ist teuer, und auf dem deutschen Markt sind derzeit überhaupt nur zwei funktionsfähige Systeme verfügbar. Davon abgesehen aber scheint das Wechselsystem nur Vorteile aufzuweisen.

So läßt sich eine Sicherung der gespeicherten 5 MB je nach Maschine und Betriebssystem in zwei bis vier Minuten verwirklichen. Umgekehrt kann der Anwender fast sofort auf seine gesicherten Daten wieder zugreifen, wenn er die Plattenkassette eingeschoben und den Hochlauf der Platte abgewartet hat. Dies dauert rund eine Minute.

Dagegen hat es ein weiteres System der Datensicherung schon schwerer. Die Aufzeichnung der Daten auf Magnetbandkassetten im Streaming-Mode ist ein gängiges Verfahren. In der Regel benötigt der Anwender hier jedoch ein separates Laufwerk einschließlich Stromversorgung und Controller, was zunächst einmal auch zusätzliche Installationskosten erfordert. Systeme mit eingebautem Bandlaufwerk liegen im Preis bereits in der Größenordnung einer Fest-/Wechselplatten-Kombination, bieten aber lediglich die einfache Kapazität.

Der Streamer dient nur als reines Datensicherungsmedium, es gibt keinen wahlfreien Zugriff des Benutzers auf das Magnetband. Eine Ausnahme bildet hier Hewlett-Packard mit seinem 8-Zoll-Winchesterschrank (16 bis 64 MB) und integrierter Kassette.

Zudem kann langfristig ein weiteres Problem bei Streamern auftreten, über das kaum geredet wird, weil noch keine Langzeiterfahrung mit diesen Systemen vorliegt. Wie alle Magnetbänder dürften gerade die Kassetten nach längerer Zeit Kopiereffekte zeigen, zumal hier besonders dünnes Band verwendet wird, um die Kapazität zu erhöhen. Großrechenzentren kopieren ihre auf Band gespeicherten Daten etwa jedes halbe Jahr um. Dabei wird bei normalen Magnetbandspulen wesentlich dickeres und damit sichereres Band verwendet. Auch bei Kassetten dürfte eine Lagerzeit von maximal einen halben Jahr realistisch sein.

Neben Preis und Verfügbarkeit sehen sich 5?-Zoll-Wechselplatten noch technischen Problemen und daraus resultierender Skepsis von Fachleuten gegenüber. Prinzipiell gibt es zwei Techniken, den Antrieb des Schreib-/Lesekopfes zu realisieren: durch den Stepper- und den Linearmotor. Der Linearmotor benötigt eine aufwendige Regelelektronik, um den Spuren zu folgen. Dabei werden vom Werk voraufgezeichnete Steuerungsinformationen gelesen, die zwischen den Sektoren stehen. Nach diesen Informationen über die Spurlage regelt die Steuereinheit die Kopfposition nach. Damit ist es sogar möglich, einer nicht ganz zentrischen Kreisbahn zu folgen. Eine solche Exzentrik kann auftreten, wenn nach einer bestimmten Betriebsdauer Verschleißerscheinungen bei der Spindellagerung auftreten.

Dem Stepper-Motor dagegen sind bestimmte Schritte vorgegeben, die nur in sehr engen Grenzen korrigiert und einer veränderten Spurlage angepaßt werden können. Der erheblich geringere Aufwand bei der Regelung schlägt sich natürlich im Preis nieder: Für die komfortable und auch datensichere Steuerung durch den Linearmotor muß der Endbenutzer um 30 Prozent tiefer in die Tasche greifen.

Teurer Linearmotor

Problem Nummer zwei ist der Staub. Läßt er sich aus einer Festplatte wirksam heraushalten, so muß bei der Wechselplatte schon ein höherer Aufwand getrieben werden. Es ist zwar kein Problem, die Wechselplatte zuverlässig vom Staub zu befreien, doch nicht bei allen Herstellern ist das Kopfproblem gelöst. So liegt bei Seagate und Syquest etwa der Kopf offen, wenn die Kassette eingeschoben wird oder die Platte auf ihre Endgeschwindigkeit hochfährt. Anders haben die Entwickler von DMA das Problem gelöst: Der Kopf verschwindet in einer geschlossenen Kammer. Obendrein spendierten die Ingenieure dem System einen Ventilator, der in der Plattenkammer für einen leichten Überdruck an gefilterter Luft sorgt, um so das Eindringen von Staubteilchen bei einem Leck zu erschweren.

Hohe Kapazität mit Disketten versucht Amlyn (Vertrieb: Technitron, München) mit einer relativ neuen Lösung zu erreichen. Das US-Unternehmen stellte jetzt ein Wechselplattensystem mit Disketten vor. Auf fünf Disketten stehen insgesamt acht MB zur Verfügung. Das ganze System soll nicht größer als ein 5?-Zoll-Laufwerk sein, ist verfügbar und kostet 2650 Mark.

Seagate (Vertrieb in Deutschland durch CTT, München) will zur kommenden Hannover-Messe seine Wechselplatte vorstellen. Branchenkenner allerdings sind skeptisch, daß es diesmal gelingt, nachdem das Unternehmen auf der NCC, der Electronica und der Comdex lauffähige Systeme nicht demonstrieren konnte. Ferner existieren Ankündigungen von Atheneum und Honeywell Bull/Cynthia.

Verfügbar ist auch noch die 3,9-Zoll-Wechselplatte von Syquest, die durch Kontron, Eching/München, vertrieben wird - vereinzelt leidet sie noch an Kinderkrankheiten. Lauffähig und lieferbar scheint derzeit nur die DMA-Platte, eine 5+5-MB-Kombination, die für knapp 16 000 Mark von der Berliner Compatibel-Data GmbH angeboten wird. Inzwischen hat auch Memorex angekündigt, die DMA-Platte in Lizenz fertigen zu wollen.