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16.05.1975 - 

Berliner Modell für die Finanzämter

Wegen Personalmangel keine Automation

BONN - Die Finanzverwaltung kann gar nicht so schnell Geld sparen wie sie gern möchte. Eine beschleunigte Automation der Finanzämter scheitert ausgerechnet am Personalmangel.

Von den über 500 bundesdeutschen Finanzämtern sind erst 30 computerisiert - die allerdings mit Erfolg. So hatte man im Finanzamt Hannover-Süd einst ein Personal-Soll von 92 Stellen; jetzt beschäftigt man effektiv noch 54 Mitarbeiter - nachdem das Kassenwesen automatisiert ist -, und die können auch noch die üblichen Arbeitszeiten einhalten. Pauschal rechnet man mit einer effektiven Personaleinsparung von 25 bis 30 Prozent durch den Computer-Einsatz.

4,5 Millionen gespart

In Berlin ergab eine Kosten-Nutzen-Analyse, daß durch die EDV im Finanzamt pro Jahr rund 4,5 Millionen Mark eingespart werden.

Eine Automatisierung des Kassenwesens der Finanzämter verbunden mit dem "Berliner Verfahren" zur integrierten Steuerfestsetzung und -erhebung erfordert allerdings die "EDV-gerechte Aufbereitung der Steuerunterlagen". Und mit der Datenerfassung hapert's. Denn bei den Finanzkassen, die unter Personalnot leiden, herrscht nur allzuoft Wirrwarr, gibt es viele Buchungsfehler wegen der Kompliziertheit der Steuergesetze. Das Gros der Arbeit wird manuell gemacht - Arbeitsrückstände nimmt man in Kauf.

Angst vor Beschwerden

Da bei der EDV das "GIGO-Prinzip" gilt (Garbage In - Garbage Out) muß eine Umstellung mit Sorgfalt vorgenommen werden. Denn der Computer entschuldigt keine Fehler - im Gegensatz zum Buchhalter, der auch mal improvisieren kann. Die Finanzbehörden sind bei Umstellungen deswegen besonders vorsichtig, weil man gewaltige Schübe von Beschwerden vermeiden will. Die Umstellung bringt dem Steuerzahler nämlich ohnehin Neuerungen, über die er nicht immer erbaut ist - so kommen beispielsweise Mahnungen im maschinellen Verfahren plötzlich ganz pünktlich, während sie früher oft nur in großen Abständen verschickt wurden.

Für Umstellungen die besten Leute

Für Umstellungen vom manuellen auf das automatisierte Verfahren setzt die Verwaltung deswegen vorzugsweise die besten Leute ein - nämlich die, die sowohl das alte wie das neue Verfahren kennen. Und die sind rar.

Trotz des Föderalismus ist das System einheitlich: verwendet wird das Anfang der 60er Jahre in Berlin mit einer der ersten Plattenanlagen entwickelte Verfahren, das inzwischen acht andere Länder übernommen haben. Es läuft nicht nur auf den von den Finanzverwaltungen bevorzugten IBM-Anlagen, sondern in Bayern auch auf einer Siemens 4004.

Hoffen auf Magnetblasen-Speicher

Zur Zeit hofft die Finanzverwaltung auf den Magnetblasenspeicher: von ihm erwartet man sich eine Verringerung der immer noch zu hohen Zugriffszeiten. Trotz Multiprogramming und einem auf hohen Durchsatz getrimmten selbstgestrickten Datenbanksystem ist die Kapazität der installierten Rechner bisher nicht ausgenutzt. Beim Output gibt es keine Schwierigkeiten: der Sachbearbeiter bekommt die Information am Bildschirm - um den Rechnungshof zufriedenzustellen, gibt man am Jahresschluß in Berlin die unbedingt schriftlich festzuhaltenden Daten im COM-Verfahren aus.

Typische Zwischenbilanz

HANNOVER - Auf einer Informationsveranstaltung in Garbsen bei Hannover gab das niedersächsische Kultusministerium einen Statusreport über Datenverarbeitung im Bildungswesen. Für das Projekt "Clab" (= Computer lösen Aufgaben des Bildungswesen) hat das Land Niedersachsen bisher etwa 2,7 Millionen Mark aufgebracht, der Bund schoß 850 000 Mark zu. Bisher wurde erreicht, daß

- in den kommunalen Datenzentralen ein Programmsystem zur Einrichtung und Auswertung von Schulerdateien zur Verfügung steht

- für die Schulen verschiedene Programme zwecks Ermittlung optimaler Stundenplane entwickelt wurden

- mit Hilfe einer Schuldatei und einer Lehrerdatei eine optimale Stellplanbesetzung erreicht werden kann

- ein Programmsystem für die Auswertung von Schülertests zur Verfügung steht

- 40 Programme für computergestützten Unterricht erarbeitet wurden.

Der niedersächsische Kultusminister Dr. Ernst Gottfried Mahrenholz bezeichnete die weitere Entwicklung der EDV für das Schulwesen als dringend notwendig, um die Arbeit der Lehrer zu erleichtern und die Tätigkeit der Verwaltungsbehörden zu rationalisieren.