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06.07.2001 - 

Mit XML in Marktplatz eingeklinkt

Wegusta setzt auf Biztalk-Server

MÜNCHEN (rg) - Als erster Pilotkunde setzt die Wegusta Gesellschaft für Arbeitsschutz und Schweißtechnik mbH das "Commerce Gateway" von Navision ein. Über den Chemie-Marktplatz Chemplorer speist das auf Microsofts "Biztalk Server 2000" basierende System einen elektronischen Katalog in das E-Procurement-System von Bayer ein.

Unter der Internet-Adresse " www.wegusta.de " trifft man derzeit auf das emsige Männchen mit der Schaufel, das es trotz ehrlichen Bemühens nicht schafft, den kleinen Berg zu seinen Füßen abzutragen: "Hier entsteht unser Katalog", so die dazugehörige Botschaft. Der Eindruck, hier sei ein banaler Web-Shop in Arbeit, trügt jedoch. "Wir sind kein Versandhaus und wollen das auch nicht werden", stellt Karl Kühnert, Geschäftsführer der in Hilden bei Düsseldorf beheimateten Wegusta GmbH, klar. Vielmehr versteckt sich hinter dieser Baustelle ein ehrgeiziges Projekt, das den Hersteller und Distributor von Arbeitsschutzartikeln ins E-Business katapultieren soll.

Für dieses Ziel wäre die Implementierung eines allgemein zugänglichen Produktkatalogs im Internet aufgrund der Eigenheiten des Arbeitsschutzes nicht geeignet: Bei der Bestellung von Sicherheitsschuhen oder Schweißbrillen trifft beim Kunden die Entscheidung nicht nur die Einkaufsabteilung, sondern der verantwortliche Sicherheitsingenieur sowie der Betriebsrat sitzen immer mit im Boot. Diese Konstellation - von Kühnert als "goldenes Dreieck" bezeichnet - zwingt das Unternehmen, jedem Kunden einen auf ihn zugeschnittenen Katalog anzubieten. Dieser darf nur Artikel beinhalten, die von allen Beteiligten freigegeben wurden. Hinzu kommt, dass meist mit den Kunden spezielle Preislisten ausgehandelt werden.

Umso verwunderlicher scheint die Absicht von Wegusta, auf elektronischen Marktplätzen Fuß zu fassen, da es unter den beschriebenen Umständen kaum möglich ist, die potenzielle Klientel mit einem allgemeinen Produktkatalog zu bedienen. Kühnert geht es daher in erster Linie um die Reduzierung von Prozesskosten: "Die sind oft höher als der Preis des Artikels. Wir haben auch Lieferungen für 50 Pfennig. Dazu zählen beispielsweise Vorsatzscheiben für Schweißerschutzhauben."

Dass die Beteiligung an einem Marktplatz nicht nur Geld spart, sondern zusätzlich eine Überlebensstrategie sein kann, zeigt das Beispiel Chemplorer: Bayer, einer der größten Abnehmer von Wegusta, ist Gründungsmitglied dieser virtuellen Handelsplattform für die Chemie- und Life-Science-Industrie. Da auch der Chemiegigant seine Prozesskosten reduzieren will, werden Lieferanten, die langfristige Geschäftsbeziehungen unterhalten wollen, früher oder später nicht daran vorbeikommen, sich Chemplorer anzuschließen.

Marktplatz als Schnittstelle nutzenGrundsätzlich ermöglicht der Marktplatz zwei verschiedene Anbindungsmodelle. Die Variante "Managed Content" sieht vor, dass Lieferanten einen elektronischen Katalog mit verschiedenen Preiskatagorien zur Verfügung stellen, der von den Betreibern an die Mitglieder weitergereicht wird. Hier sieht Kühnert für sein Unternehmen nur wenig Potenzial: "Angenommen, Chemplorer gibt unseren Gesamtkatalog an ein Unternehmen weiter, dann finden die den vielleicht wunderschön, können aber nichts damit anfangen, da er in der Mehrheit Artikel enthält, die nicht freigegeben sind."

Wegusta setzt daher auf das Modell "Unmanaged Content". Dabei nutzen Firmen wie Bayer den Marktplatz lediglich als Schnittstelle für die Anbindung von Zulieferern. Im konkreten Fall stellt Wegusta so einen zuvor ausgehandelten Katalog für Bayer zur Verfügung.

Für die technische Umsetzung entschied sich Wegusta, das "Commerce Gateway" von Navision einzusetzen. Die Entscheidung lag nahe, da die Arbeitsschützer erst im Oktober letzten Jahres ihre gesamte IT auf "Navision Financials" umgestellt hatten. Die zuvor eingesetzten Unix-Systeme von GOB Software & Systeme waren den Anforderungen nicht mehr gerecht geworden. Vor allem der geplante Einstieg ins E-Business sowie die bevorstehende Euro-Einführung hätten mit der alten Lösung einen immensen Aufwand bedeutet. Die Implementierung des neuen ERP-Systems übernahm wieder die GOB, die seit mittlerweile vier Jahren als Navision-Partner Branchenlösungen anbietet. Wegusta gelang es, diese Entscheidung gegen anfängliche Widerstände aus dem Gesamtkonzern durchzusetzen (siehe Kasten "Das Unternehmen").

Implementierung in 20 TagenKurz nachdem Navision Financials in den Echtbetrieb gegangen war, begannen die Arbeiten an der Kataloglösung. Als Pilotkunde für das Commerce Gateway sowie den integrierten "Biztalk Server 2000" von Microsoft erhielt Wegusta Sonderkonditionen. Laut Andreas Wessels, GOB-Geschäftsführer, ging das Projekt erstaunlich glatt über die Bühne: "Normalerweise sind die Qualen, die wir bei Pilotierungen dem Kunden zufügen, deutlich schlimmer." Statt in den ursprünglich veranschlagten 40 Manntagen sei die Integration des Biztalk Servers sowie die Erstellung des Bayer-Katalogs in der Hälfte der Zeit bewältigt worden.

Die Entwicklung des Katalogs läuft - wie auch bei anderen Wegusta-Kunden - nach folgendem Schema ab: Der Abnehmer, in diesem Fall Chemplorer, gibt die Schnittstellen-Definitionen und das Katalogformat (BMEcat) vor. Nach Abschluss der notwendigen Programmierarbeiten schickt Wegusta eine Probedatei für einen Testlauf im Chemplorer-System. Für diesen Aufwand sowie die Erstellung des Katalogs rechnet Wessels mit ein bis zwei Tagen. Diese Arbeiten sollen künftig von einem entsprechend ausgebildeten Wegusta-Mitarbeiter erledigt werden. Dessen Fleißarbeit besteht unter anderem darin, den Katalog nach den Nutzungsrechten der einzelnen Fachabteilungen zu untergliedern: Da beispielsweise für die Lackiererei andere Produkte freigegeben sind als für die Schweißerei, erhalten die bestellberechtigten Kostenstellen einen speziellen und passwortgeschützten Auszug des Katalogs.

Zeitraubend gestaltete sich allerdings die Zusammenarbeit mit dem Marktplatzbetreiber beziehungsweise mit dessen Systemhaus. Vor allem die Informationsbeschaffung und Testphase mit dem von Chemplorer beauftragten B-to-B-Spezialisten Harbinger war äußerst mühsam. Besonders bei der Überprüfung der Testdaten wurde Kühnert des Öfteren vertröstet. Aufgrund dieser Kapazitätsprobleme arbeitet Wegusta jetzt direkt mit Chemplorer zusammen. Momentan befindet sich das Projekt im Fein-Tuning, der Katalog soll in Kürze freigeschaltet werden.

Standards erleichtern weitere ProjekteNachdem nun der technische Grundstock gelegt und die ersten Erfahrungen gesammelt sind, will Wegusta so zügig wie möglich weitere Großkunden mit elektronischen Katalogen bedienen. Dabei kommt den Arbeitsschützern die angekündigte Fusion von Chemplorer mit CC-Markets, einem weiteren Chemiemarktplatz, zugute: Auch ein zweiter Großkunde, BASF, nutzt dann die gleiche Plattform und arbeitet somit mit denselben Standards. In Verhandlungen ist Wegusta auch mit der Volkswagen AG, die ebenfalls die auf der Extensible Markup Language (XML) basierenden Standards BMEcat und E-Class nutzt (siehe Glossar). Deshalb, so Wessels, liege der technische Aufwand inklusive Biztalk-Mapping (siehe Glossar) auch bei diesen Projekten nur bei rund zwei Tagen. Die Absprache der Katalogumfänge stelle ebenfalls kein Problem dar, da beide Konzerne bereits Wegusta-Kunden sind.

Die angestrebte Reduzierung der Prozesskosten gelingt jedoch erst in vollem Umfang, wenn die mittels der elektronischen Kataloge erzeugten Bestellungen automatisch in das ERP-System von Wegusta überführt werden können. Wegusta plant hierfür die Implementierung von Navisions "Commerce Portal", das neben der Einspeisung der Aufträge in das ERP-System auch die Zugangsrechte der Katalognutzer verwalten soll. Ziel ist die Automatisierung des kompletten Prozesses vom Eingang der Order über die Überprüfung des Lagerbestands, dem Druck des Lieferscheins bis hin zur Erstellung der Rechnung und deren elektronischem Versand. "Wenn der Kunde seine Bestellung losschickt, hat er damit praktisch schon seine Rechnung geschrieben", fasst Kühnert sein Ziel zusammen.

Neben den 3000 Artikeln, die Wegusta selbst auf Lager hat, umfasst das Angebot 10 000 weitere Produkte, die es von rund 600 Lieferanten bezieht. Ergibt die Anfrage im Lager, dass ein Artikel nicht vorrätig ist, soll das System selbsttätig via Fax beim entsprechenden Unterlieferanten bestellen. Die entsprechenden Funktionen werden voraussichtlich bis Ende des Jahres verfügbar sein. Mit Einführung des Commerce Portals kann dann auch online geordert werden. Bei besonders wichtigen Lieferanten will Wegusta prüfen, ob die Einrichtung einer Biztalk-Anbindung sinnvoll ist.

Auch die eingangs erwähnte Wegusta-Website wird dann mit Bestellfunktionen ausgestattet, da das Commerce Portal die Einrichtung eines Web-Shops erlaubt, der jedem registrierten Kunden einen auf ihn zugeschnittenen Katalog vorlegt.

Mehr Umsatz mit BestandskundenNeben der Prozesskostensenkung soll das Marktplatzengagement Wegusta auch helfen, den Marktanteil bei bestehenden Kunden auszubauen. Derzeit ist der Markt für Arbeitsschutzartikel stark zerfasert. Folglich beziehen große Unternehmen diese Produkte meist bei einer Vielzahl von Herstellern. Da aber auch Kunden wie Bayer mit der papierlosen Bestellung (E-Procurement) Prozesskosten einsparen können, hofft Kühnert, den Anteil der von Wegusta gelieferten Produkte erhöhen zu können.

Positive Effekte soll auch die Umstrukturierung von Wegustas 15-köpfiger Verkaufsabteilung mit sich bringen, die heute zum überwiegenden Teil mit der reinen Abwicklung von Bestellungen ausgelastet ist. Da diese künftig zu großen Teilen von der IT erledigt wird, sollen sich die Mitarbeiter stärker auf den eigentlichen Verkauf und die Kundenberatung konzentrieren.

Das UnternehmenDie Wegusta Gesellschaft für Arbeitsschutz und Schweißtechnik mbH mit Sitz in Hilden bei Düsseldorf versorgt ihre Kunden mit rund 13000 Artikeln aus dem Bereich Arbeitsschutz. Das Unternehmen ist eine Tochter der niederländischen Barta Industrials, die wiederum ein Teil der weltweit tätigen Barta-Gruppe ist. Der kanadische Mutterkonzern setzt seit vielen Jahren ein selbst entwickeltes IT-System ein, die geplante Einführung von SAP-Standardsoftware wurde vor zwei Jahren verworfen. Laut Geschäftsführer Kühnert ist Wegusta mit der Implementierung von Navision Financials, Commerce Gateway und Commerce Portal nicht nur als Pilotkunde für den Biztalk-Server ein Versuchskaninchen. Auch der eigene Konzern plant die Einführung eines ERP-Systems und verfolgt deshalb die IT-Bemühungen Wegustas genau. Doch auch für die Großkunden ist der Bereich Arbeitsschutz - ebenso wie die Beschaffung von Büroartikeln - ein geeignetes Übungsterrain für ihre E-Procurement-Strategien. "Manche Firmen geben mehr Geld für Toilettenpapier aus als für den Arbeitsschutz", stellt Kühnert lapidar fest.

GlossarXML

Die Extensible Markup Language (XML) gilt als die Lingua franca für den Datenaustausch und zur Anwendungsintegration. XML ist keine Programmiersprache, sondern eine Metasprache zur Beschreibung strukturierter Daten. Durch deren Beschreibung mittels XML-Meta-Informationen erlangen sie eine weitgehende Unabhängigkeit von den Anwendungen, mit denen sie erstellt wurden. Auf diese Weise lassen sich die Daten von anderen Applikationen weiterverarbeiten, wenn diese die Bedeutung der Metadaten verstehen können.

Biztalk

Biztalk ist der Versuch Microsofts, auf XML-Basis eine weltweit akzeptierte Plattform für elektronische Geschäftsabläufe zu etablieren. Aufgrund seiner Marktmacht konnte der Desktop-Monopolist eine Reihe von Herstellern für dieses Vorhaben gewinnen.

Die Entwicklung eines Repositorys und der dazugehörigen Spezifikationen gingen Hand in Hand mit der Programmierung passender Software, allen voran dem "Biztalk Server 2000". Der von Microsoft getragene Biztalk-Ansatz (www.biztalk.org) steht in direkter Konkurrenz zur ebXML-Initiative (www.ebxml.org). Dabei arbeiten das Herstellerkonsortium Oasis und die UNO (UN/Cefact) ebenfalls an einem globalen Standard für das E-Business.

Biztalk-Mapping

Unterschiede zwischen ein- und ausgehenden Informationen können nicht nur das Datenformat, sondern auch die Art ihrer Beschreibung betreffen. Faktisch liegt dieser Fall immer dann vor, wenn Input und Output auf verschiedenen Schemata beruhen. Soll beispielsweise ein eintreffender Auftrag automatisch eine Bestellung bei einem Lieferanten nach sich ziehen, dann kann es vorkommen, dass die georderte Ware vom Kunden mit dem Elementnamen <Artikel> gekennzeichnet wurde, der Lieferant in seinem System aber <Product> erwartet. Für die Transformation der Daten umfasst der Biztalk-Server ein visuelles Mapping-Tool, das Eingangs- und Ausgangsschema nebeneinander darstellt und die Zuordnung von Elementen per Drag and Drop mit der Maus erlaubt. Bei diesem Verfahren können auch Elemente eines Dokumenttyps in Attribute des anderen konvertiert werden und umgekehrt. Allerdings sind in vielen Fällen derartig einfache Umformungen nicht ausreichend, sondern komplexe Transformationen mit Umgruppierungen, Summenbildungen oder Sortierungen erforderlich.

BMEcat:

Der Bundesverband Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik e.V. (BME) hat eine Initiative gestartet, die Standards zur Harmonisierung von Stammdaten zwischen IT-Systemen entwickelt. BMEcat basiert auf XML und dient der Übermittlung von multimedialen Daten auf Shop-Systeme, Marktplätze und E-Procurement-Systeme. Aber auch ERP-Systeme können so Katalogdaten austauschen.

E-Class:

Von führenden Unternehmen der deutschen Wirtschaft wurde mit E-Class ein Standard für den Datenverkehr zur einheitlichen Klassifizierung von Produkten, Dienstleistungen und Materialien entwickelt. Er umfasst ein aus zirka 12 000 Begriffen bestehendes Schlagwortregister. Die Produkte sind dabei über einen vierstufigen, hierarchischen Schlüssel codiert. Über eine Suchmaschine lassen sich Einzelheiten wie etwa alle Arbeitsschuhe mit der Sicherheitsstufe S1 unabhängig vom Hersteller recherchieren.