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31.10.1975

Wehret den Anfängen

Glücklicherweise sind die vielen hunderttausend und mehr Arbeitskräfte, die durch die Datenverarbeitung "wegrationalisiert wurden, in der Regel anderweitig in qualifizierteren Berufen untergekommen. Die "Zweite Automationswelle" führte zu keinen nennenswerten Arbeitskämpfen um die Erhaltung der Arbeitsplätze. Buchhalter wurden Disponenten, Lageristen wurden Lagerverwalter oder gingen in den Ruhestand, Zigtausende und mehr reihten sich in die neuen EDV-Berufe ein. Eine ständig expandierende Wirtschaft mit einem Bedarf von Millionen von Gastarbeitern machte dies möglich. Die Nürnberger Bundesanstalt für Arbeit zahlte großzügig Umschulungshilfen als Umstrukturierungshilfe. Technologisch mögliche Rationalisierung brauchte bislang nicht eingeschränkt zu werden. Das war zum Nutzen der gesamtwirtschaftlichen Produktivität im Sinne einer besseren Allokation knapper Resourcen und verbesserte somit den allgemeinen Lebensstandard.

Man schaue nach England, dort fährt auf jeder E-Lok noch ein Heizer mit. Oder gar Argentinien mit zwei gewerkschaftlich organisierten Heizern pro "Rapido".

Nun aber - und die schlechte Wirtschaftslage ist wohl der Anlaß - fordert die IG Druck und Papier erstmals, daß nur gelernte Wanninger-Profis die neuen elektronischen Geräte und Maschinen bedienen dürfen, die zunehmend die alte "Schwarze Kunst" ersetzen. Der Platz am Eingabe-Terminal, den eine billige Hilfskraft bedienen könnte, soll tarifvertraglich abgesichert - so der Wunsch der Gewerkschaft - ausgebildeten Druckern, Setzern oder Metteuren vorbehalten sein (siehe Karriereseite).

Zugegeben, Druck und Papier ist eine Branche, die besonders durch neue Techniken verändert wurde: Linotypes, Fotosatz, Hochleistungs-Rotationen, Lichtsatz mit Lichtgeschwindigkeit, Erfassen der Druck-Daten am Entstehungsort, Umbruch am Bildschirm - und vieles wird noch hinzukommen. Das macht Sorgen, gerade und zu Recht für Gewerkschaftler. Aber so geht das nicht!

Wenn die IG Druck und Papier berechtigte Sorgen hat, wird man diese anders beheben müssen - vor allem durch Umschulung - , notfalls bei schlechter Arbeitsmarktlage durch Verzögerung neuer Projekte. (Dann weiß man zumindest, was das kostet.)

Völlig falsch wäre es, mögliche Rationalisierungsmaßnahmen "durch den Heizer auf der E-Lok" künstlich zu verteuern. Wehret den Anfängen!