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23.04.1976 - 

Was heißt hier Kabel - den Satelliten gehört die Zukunft!

Weicht der Briefträger dem Jedermann-Terminal?

Auf einer Kommunikations-Konferenz anläßlich des 100. Geburtstags des Telefons an Amerikas

Renommier-Technokraten-Schmiede, Massachusetts Instituts of Technology, zeichnete IBM-Star-Redner Robert Evans dieses Bild der absehbaren Entwicklung der Telekommunikation: Satellitenverbindungen werden für immer kürzere Distanzen wirtschaftlich und 1980 dürften mit engen Bandbreiten bei 9600 Baud Übertragungsgeschwindigkeit bereits wenige 100 Kilometer Distanz via Satellit billiger als per Kabel überbrückt werden. Bei Breitbandtechnik werden noch kürzere Entfernungen satelliten-fähig. In fernerer Zukunft stehen dann bündelweis angeordnete Terminal-Kontrollzentren und sogar singuläre Terminals, die via Satellit mit Zentralrechnern verbunden sind.

Wie ernst IBM solche Prognosen selber nimmt, zeigt eine Neugründung im Verbund IBM-Aetna Insurance-Comsat, die "Satellite Business Systems". Sie will ein digitalisiertes Satelliten-Netzwerk über die USA spannen, das Daten, Bilder und Töne übertragen soll.

DFÜ muß schneller werden

So wie die Terminal-Umsätze immer rascher emporschnellen - 1985 soll schon ein Viertel des

Computer-Verkaufs auf Terminals entfallen -, werden auch Die Anforderungen an Datenbanken und Zentraleinheiten wachsen. Die schwache Stelle bei Verbundsystemen ist aber vorerst noch die langsame Datenübertragung zwischen den einzelnen Rechnern: Intern arbeiten die Computer mit einer Million Bit, untereinander aber nur mit weniger Bit pro Sekunde. Hier versprechen die

Breitband-Satellitenkanäle Abhilfe, die auf bislang noch unbenutzten Frequenzen arbeiten sollen.

Natürlich gibt es noch eine ganze Reihe Wenns und Abers. Dazu gehören die Signalabschwächung bei steigender Distanz, die Katastrophensicherheits Bit-Fehler und politische Einflüsse. Auch die ökonomische Basis eines - von IBM bereits anvisierten - Systems, das jeden Haushalt sein eigenes Terminal anbietet, sind noch nicht durchkalkuliert. Doch ohne Zweifel wird die Telekommunikation durch die Satelliten einen kräftigen Vorwärtsschub erfahren.

Minis als Postboten

Das Jedermann-Terminal sieht Prof. Joel Moses vom Massachusetts Institute of Technology (MIT) schon für die zweite Hälfte der achtziger Jahre Wirklichkeit werden. Statt Rechnungen zu lesen und Überweisungen zu pinseln, wird Mr. Jedermann dann einfach via Datenleitung mit Gott und der Welt kommunizieren. Dann darf die Heim-Hardware allerdings nicht mehr als heute ein Farbfernseher kosten. Diese Apparate können aber dann auch eine aktuelle Zeitung zu jedem gewünschten Augenblick ausgeben, wie praktische Tests in England bereits absehen lassen.

Zu besonderer Fortschrittsgläubigkeit verpflichtet natürlich ein Name wie Arthur C. Clarke, renommierter Science-Fiction-Autor und Ko-Schreiber an Stanley Kubricks eindrucksvollem Space-Epos "2001 - Odyssee im Weltraum". Für Clarke ist die Ehe von Satelliten mit Billig-Terminals geeignet, in allen Teilen der Welt Unwissenheit zu beseitigen - also jenes Dunkel in so vielen Gehirnen, das für Clarke die Wurzel unzähliger Sekundärübel ist.

Clarke schreibt dem Menschen ein ebenso elementares Bedürfnis nach Informationen zu wie nach Nahrung. Die potentiellen Möglichkeiten zur spontanen Kommunikation eines jeden mit einem jedem dürften nicht nur die Büroberufe zu einem Heer von neuen

Heimarbeitern werden lassen, sondern auch das Privatleben der Menschen, ihre Gesellschaftsformen und, wieder einmal, ihre Lebensqualität verändern.

Doch der weitsichtige Star-Autor - er skizzierte den Gedanken eines Kommunikationssatelliten immerhin bereits 1945 - sieht auch, daß die goldene Zukunft nicht von selbst zur Tür hereinspaziert kommt. "Die wunderbaren neuen Spielzeuge", die er kommen sieht, müssen konstruktiv angewandt werden und dürfen keinesfalls zu "reinen Zerstreuungsapparaten werden oder gar als gehirnvernebelnde Mittel, die eingesetzt werden, die den Geist Von der Realität ablenken.

* Egon Schmidt ist freier Wissenschaftsjournalist.