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14.08.1986 - 

Ein Votum für die gerautete Bayernkrone:

Weißblaue Wirtschaft gegen den Rest der Welt

Wäre der Freistaat Bayern tatsächlich ein freier Staat und kein Bundesland, so rangierte die weiß-blaue Elektroindustrie mit ihren Exportergebnissen weltweit immerhin an zwölfter Stelle - neben Kanada und noch vor Schweden. Mit diesem stolzen Fazit konnte unlängst die Landesstelle Bayern des Zentralverbandes Elektrotechnik- und Elektronikindustrie (ZVEI) e.V. aufwarten und somit über die ansonsten wenig rosige Situation der Branche hinwegtrösten.

"Stabilisierung auf hohem Niveau" lautete die Parole, die den Umsatzrückgang von 17,5 Prozent auf magere 5,3 Prozent im laufenden Rechnungsabschnitt kaschieren sollte. Da allein der Handel, den das einstige Königreich mit dem nahen und fernen Ausland treibt, beinahe die Hälfte aller Einnahmen bringt, scheuten die Verbandsoberen weder lange Zahlenkolonnen noch sorgsam entworfene Grafiken.

Lobenswerte Genauigkeit scheint in der Buchhaltung der Landesstelle zu walten, denn den staunenden Berichterstattern wurden nicht etwa nur die Bilanzen präsentiert, die sich auf die EG-Mitgliedsländer, das verbundene Nordamerika oder die nicht ganz so nahestehenden Staatshandelsländer des Ostblocks beziehen. Auch in entlegeneren Regionen wie Singapur oder Ecuador erfreuen sich - die Statistiken belegen es - bayerischen Waren offensichtlich großer Beliebtheit.

Bei so viel Kosmopolitismus hätte freilich auch ein Blick auf die Geschäftsergebnisse mit dem benachbarten Baden-Württemberg interessiert, von Vergleichsdaten ganz abgesehen. Doch der Verband strebt in die Welt - vornehmlich in die neue, auch wenn dort derzeit der Dollar zur Betrübnis der exportierenden Bayern fallen gelassen wird. Daß hier eine Gefahr für die stark ausfuhrorientierte Elektroindustrie des Freistaates lauere, erkannte denn auch ZVEI-Vorstandsmitglied und Siemens-Direktor Herbert Stich und mahnte konsequenterweise zu "besonderer Aufmerksamkeit" beim US-Handel.

Anstatt seinem Kollegen wortstark beizupflichten und sich mit fiskalpolitischen Ratschlägen von München aus direkt an Washington zu wenden, hielt der Landesverbandsvorsitzende Albert Geyer indes vor dem verblüfften Auditorium ein emphatisches Plädoyer für die Kernenergie. Möglicherweise war sein Terminkalender durcheinander geraten und er wähnte sich in einem anderen Kreis. Nach dem eingangs verlesenen Referat jedenfalls hätte sich das Postulat einer eigenen Landeswährung allemal mehr geziemt. Der Vorschlag einer gerauteten Bayernkrone, auf der das stolze Wappentier brüllend posiert, hätte dem Bajuwaren-Gremium trefflich angestanden.