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15.08.1997 - 

Mercedes-Benz spielt eine Vorreiterrolle

Weiterbildung: Anwender entdecken Business-TV

Wer bei Mercedes-Benz beschäftigt ist, sieht häufig fern. Business-TV ist beim Stuttgarter Autobauer fester Bestandteil der Unternehmenskultur. Unbemerkt von der breiten Öffentlichkeit ist das Firmenfernsehen in den Vorstandsetagen und Werkhallen auf Sendung gegangen.

Business-TV bietet sich besonders für dezentral organisierte Unternehmen an, deren Mitarbeiter an verschiedenen Orten national oder international tätig sind. Die Informationen werden vom firmeneigenen Fernsehstudio oder mobil von jedem anderen Ort (zum Beispiel einer Werkshalle) zeitgleich und zuverlässig ohne langwierige und teure Reisen an alle angeschlossenen Teilnehmer übermittelt.

Eine interaktive Kommunikation zwischen den Empfangsorten und dem Sendestudio per Telefon, Telefax, Bildschirm- und Tonverbindundungen ist jederzeit möglich. "Technisch funktioniert Business-TV genauso wie herkömmliches Fernsehen. Zur Übertragung von Bildern und Sprache werden Breitbandnetze, Richtfunkstrecken und Satelliten eingesetzt. Die Wiedergabe der Beiträge erfolgt über Fernsehschirme, Großbildprojektoren oder auch PC-Monitore. Durch Verschlüsselung der Bild- und Tonsignale ist gewährleistet, daß nur autorisierte Teilnehmer die gesendeten Informationen empfangen können", erläutert Telekom-Sprecher Winfried Seibel.

Das Anwendungsspektrum von Business-TV ist denkbar breitgefächert. Es reicht von der Aus- und Weiterbildung, Produktpräsentation und -betreuung über Management- und Mitarbeiterinformation, Öffentlichkeitsarbeit sowie Special Events bis hin zu Mehrwertdiensten wie Datenübertragungen (beispielsweise Updates für Kassensysteme, Ersatzteillisten, Lagerbestände etc.) oder Business-Radio und andere.

Mercedes-Benz verfügt seit langem über ein fest etabliertes Firmenfernsehen. Der Pionier in Sachen Business-TV in der Bundesrepublik entwickelte bereits 1989 in Zusammenarbeit mit dem Fraunhofer-Institut für Arbeitswissenschaft und Organisation ein entsprechendes Modellprojekt mit dem Namen Akubis (= Automobilkunden-orientiertes Breitband-Informationssystem).

Rund 120mal pro Jahr werden im Fernsehstudio des Stuttgarter Autobauers in Esslingen-Brühl ganztägige Sendungen produziert, die vornehmlich der Aus- und Weiterbildung der Belegschaft dienen. Insbesondere bei Schulungsinhalten, die einer großen Anzahl von Beschäftigten vermittelt werden müssen, wie etwa bei der Einführung einer neuen Automobilgeneration, wo binnen kürzester Zeit Tausende von Mitarbeitern zu unterrichten sind, hat sich Business-TV bewährt.

"Bei einer Produkteinführung können dank Akubis 4000 Mitarbeiter in zwölf Arbeitstagen geschult werden. Vorher waren dafür fünf Monate notwendig", verdeutlicht Michael Broßmann, Akubis-Projektleiter bei Mercedes-Benz, die Vorteile des neuen Mediums. Neben Zeit spart Mercedes auch Geld. Reisekosten entfallen, da die "Schulstunden" nicht in der Konzernzentrale in Stuttgart-Untertürkheim, sondern im Seminarraum der jeweiligen Niederlassung stattfinden können.

Globales Klassenzimmer ist keine Vision mehr

Die Akzeptanz bei den Adressaten ist nach anfänglichen Anlaufschwierigkeiten inzwischen hoch. 96 Prozent der angeschlossenen Teilnehmer halten nach einer firmeninternen Umfrage die über Akubis vermittelten Informationen für sehr wichtig und zeigen sich mit der neuen Art der Informationsvermittlung sehr zufrieden.

Bislang beschränkt sich die Reichweite von Akubis auf ausgewählte Niederlassungen in Europa. In den kommenden Jahren ist die Anbindung von Außenstellen in Wirtschaftsmetropolen in Übersee geplant. "Das globale Klassenzimmer wird für uns dann keine Vision mehr, sondern Wirklichkeit sein", so Broßmann weiter.

Business-TV made by Mercedes-Benz ist für andere Unternehmen in Deutschland zum Vorbild geworden. Vor allem Betriebe aus Branchen, die dem internationalen Wettbewerb der Standorte hart ausgesetzt sind, wie die Automobil-, Computer- und Elektronikindustrie, zeigen Interesse an dem neuen Medium.

Besonders aktiv ist die BASF AG, Ludwigshafen, die seit September 1996 mit dem wöchentlichen Firmenfernsehen BASF TV auf Sendung gegangen ist. Getreu der Devise "Chemie im Dialog" soll es den Menschen im gesamten Rhein-Neckar-Raum das Innenleben des badischen Chemiekonzerns näherbringen. Möglich macht dies eine Kooperation mit dem regionalen Privatsender RNF+, dank der 500000 private Haushalte in der Region BASF TV empfangen können. Das Programmprofil ist bewußt breitgefächert: "Es deckt alles ab, was BASF betrifft. Egal ob Kultur, Wirtschaft oder Soziales. Von Produktinformationen über Veranstaltungstips und die Öffnungszeiten der Werkskantinen bis zu Portraits von interessanten Mitarbeitern", betont Projektleiter Michael Grabicki.

Vorstandsvorsitzender im Kreuzverhör

Einen Monat vor dem Chemiemulti, im August 1996, begann für die 35000 Mitarbeiter der Kaufhof AG, Köln, das Business-TV-Zeitalter. K-TV, das erste Firmenfernsehen im deutschen Einzelhandel, wird vom Fernsehstudio der Kaufhof-Tochter Multimedia Concept GmbH in Frechen bundesweit an alle 150 Warenhäuser des Konzerns ausgestrahlt. "Während der Sendungen wird eine Telefonnummer eingeblendet, unter der die Mitarbeiter bei K-TV anrufen und mit Fragen, Ideen oder Verbesserungsvorschlägen direkt in die Sendung geschaltet werden", erzählt Concept-Geschäftsführer Fritz Faßbendert das Prinzip. Den Auftakt machte eine Sendung mit dem Vorstandsvorsitzenden der Kaufhof AG, Lovro Mandac, der seinen Mitarbeitern eine halbe Stunde lang Rede und Antwort zu Fragen aller Art stand. Der Dialog zwischen Management und Mitarbeitern ist ein inhaltlicher Schwerpunkt von K-TV. Eine weitere feste Größe ist der Bereich Aus- und Weiterbildung.

Wie Kaufhof im Einzelhandel ist die marktführende Bausparkasse Schwäbisch Hall das erste Unternehmen unter den Finanzdienstleistern, das sich auf den Bildschirm traut. Zeitgleich mit BASF TV erlebte Schwäbisch Hall TV im September 1996 seine Feuertaufe. Die erste Sendung verfolgten bundesweit über 2500 Mitarbeiter in den Außenstellen des Unternehmens. Rund 100 Beschäftigte beteiligten sich via Telefon aktiv an der Sendung.

"Innerhalb von nur drei Monaten haben wir hier ein Studio errichtet, das uns die Wissensvermittlung auf schnellerem Wege ermöglicht. Ab sofort werden wir monatlich ein 90minütiges TV-Magazin live an alle 190 Bezirksdirektionen übertragen", kündigt Horst Kleiner, Vorstandsvorsitzender der Bausparkasse, an. Neben aktuellen Nachrichten aus dem Unternehmen stehen Hintergrundberichte zu verschiedenen Schwerpunktthemen im Mittelpunkt der Sendung. "Das neue Zeitalter der Kommunikation wird von unserem Außendienst sehr positiv aufgenommen. 78 Prozent der Kollegen bewerten die Sendungen mit gut oder sehr gut", freut sich Anton Bühler, Marketing- und Vertriebsvorstand beim Bauspar-Primus.

TV-Kanal für Software-Entwickler

Business-TV bietet sich nicht nur als Unternehmens-, sondern auch als Branchenmedium an. In Zusammenarbeit mit Microsoft plant der Privatsender Pro Sieben im Laufe dieses Jahres die Einrichtung eines Computer-Channels. "Wir wollen die Faszination Fernsehen in die Computerbranche transportieren. Durch Bündelung eines professionellen Informationsangebotes schaffen wir einen neuen TV-Spartenkanal, der von Computerprofis als Entscheidungshilfe genutzt werden soll", verdeutlicht Jan Traenckner, Mitglied der Geschäftsleitung von Pro Sieben. 40000 Software-Entwickler im deutschsprachigen Raum sollen nach dem Willen der Macher an den Bildschirm gelockt werden. "Business-TV stellt für uns einen vielversprechenden Weg dar, ganz aktuell über technologische Innovationen in den Bereichen Hard- und Software zu informieren", begründet Karl-Heinz Breitenbach, Manager Internet bei Microsoft, das Engagement seines Unternehmens.

Was kostet Business-TV?

Bei Angaben zu den Kosten halten sich die Business-TV-Anbieter bedeckt. Ihr Verhalten ist verständlich, berücksichtigt man, daß die Bandbreite beim Firmenfernsehen wie beim Autokauf von Basismodellen mit Grundausstattung bis zu Luxuslimousinen mit allen Extras reicht. Ungeachtet dessen gibt es Modellrechnungen, die zumindest grobe Anhaltspunkte bieten.

Kalkulationsgrundlage:

- Schulung von 200 Vertriebsmitarbeitern aus je einer Filiale- Sitz der Unternehmenszentrale Frankfurt am Main- 120 Übernachtungen- Durchschnittliche Entfernungskilometer: 250- Durchschnittliche Lohnkosten: 100 Mark/Stunde- Kosten für Empfangstechnik (vorhanden) werden anteilig in die Kalkulation einbezogen, die ansonsten anfallende Technik wird angemietet- das Netzwerk wird einmal pro Woche genutztIn der Kalkulation nicht enthalten sind Kosten für Trainer, Studio und Moderatoren, die je nach Kundenwunsch sehr stark schwanken.

Modellrechnung: eintägige Schulung Frankfurt am Main:Reisekosten: 52 000 Mark120 Übernachtungen: 14 400 Mark120 x Spesen: 9 840 Mark80 x Spesen: 2 800 Mark200 x Arbeitsausfall an einem Reisetag: 100 000 MarkGesamtsumme: 179 040 Mark

Modellrechnung: Business-TV-Schulung

(4 Stunden Sendung, 200 digitale Downlinks, digitaler Uplink, Satellitentechnik, Produktionstechnik)Uplink: 4 000 MarkSatellitentechnik: 3 200 MarkNetzwerk mit 200 digitalen Empfängen: 4 200 MarkRedaktion, Produktion, Aufnahmeleitung (3 Personen): 10 000 MarkSendeabwicklung inklusive Personal: 17 000 MarkProduktion von EB-Beiträgen (4 Magnetbandauf-zeichnungen ê 5 Min.): 22 800 MarkBandmaterial: 1 000 MarkGesamtsumme: 62 200 MarkQuelle: Business TV International GmbH

*Stefan Buscher arbietet als Journalist in München.