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23.11.1984 - 

DIHT-Kongreß beschwört das Monster Technologiebürokratie

Weiterbildung ist eine Lebensaufgabe

AUGSBURG (lo) - Fast wichtiger als die Weiterbildung selbst scheint den Beteiligten in Wirtschaft und Staat ihre eigene Rolle. Beim ersten Weiterbildungskongreß des Deutschen Industrie- und Handelstages (DIHT), der Dachorganisation der Industrie und Handelskammern, argwöhnte DIHT-Präsident Otto Wolff von Amerongen: Die öffentlichen Hände könnten bei der beruflichen Weiterbildung zupacken und strukturelle Anpassungsprozesse a la Marktwirtschaft abwürgen. "Kein Interesse an totaler Bürokratisierung", lautete darauf die Retourkutsche.

Weder die Länder noch der Bund, versicherten der bayerische Kultusminister Hans Maier, und der Staatsekretär im Bundesministerium für Bildung und Wissenschaft, Paul Harro Piazolo, hätten den Ehrgeiz, sich in dieses Bildungskapitel einzumischen: "Wir sollten die Weiterbildung als freien Raum bestehen lassen", machte Maier deutlich.

Von der Wirtschaft werde jährlich die Summe von neun Millionen Mark für neues Wissen der Arbeitnehmer aufgebracht, bezifferte Wolff von Amerongen das Engagement der privaten Seite. Illusionslos müsse aber gesehen werden, daß Weiterbildung keine neuen Arbeitsplätze schaffen könne. Es sei eine Milchmädchenrechnung, zu glauben, man brauche nur das Arbeitsvolumen durch die Zahl der Arbeitsfähigen zu teilen. An einem "abgemagerten Bufett" müsse man eben etwas nachlegen.

Mit neuem Wissen neue Chancen

Weiterbildung erhöhe jedoch die Chance zur Wiedereingliederung von Arbeitslosen und mache die Arbeitsplätze sicherer. Der DIHT-Präsident warnte in diesem Zusammenhang vor einer "Verteufelung des technischen Fortschritts ". Gerade in der "bevorstehenden Aufbruchphase" habe die Weiterbildung einen wichtigen Beitrag in der ernsthaften Auseinandersetzung über die Zukunft des technischen Fortschritts zu leisten. Dabei sei noch nicht viel gewonnen, wenn sogenannte Akzeptanzprobleme gelöst würden. "Wer akzeptiert, ist noch nicht überzeugt", markierte der Präsident den allgemeinen Ausgangspunkt und forderte die Verantwortlichen in der Weiterbildung auf, eine positive Einstellung zu den neuen Techniken herzustellen.

Von Amerongen warnte jedoch: Das präventiv wirkende, unternehmens- wie arbeitspolitische Instrument verliere an Flexibilität, "wenn der Eifer vieler Gemeinden, Kreise und Länder in eine neue Technologiebürokratie umschlägt". Staatliche Innovationsförderung dürfe nicht zu stark in die einzelbetriebliche Sphäre eindringen.

Flexibel und unbürokratisch

Auch DIHT-Hauptgeschäftsführer Dr. Franz Schoser unterstrich Anpassung und Ausbau der Weiterbildung angesichts der neuen Herausforderung auf dem Weltmarkt. Zugleich konturierte er hart die Kooperation zwischen Staat und Wirtschaft: Ein staatliches Bildungsangebot sei nur dort sinnvoll, wo "Lücken in der Fläche abgedeckt" würden.

Arbeitsämter helfen bei Weiterbildung

Am bildungspolitischen Stellenwert der Weiterbildung gab es auf der Tagung jedoch keinen Zweifel. Minister Maier hielt es zukünftig für möglich, daß sich das Bildungswesen von der Ausbildung zur Weiterbildung verlagern könnte. Heinrich Franke, Präsident der Bundesanstalt für Arbeit, äußerte die Absicht, demnächst gemeinsam mit dem DIHT und dem Handwerk in einer Empfehlung an Arbeitsämter und Kammern die Zusammenarbeit bei der Weiterbildung zu unterstützen und zu vertiefen.

Einhellig fanden die rund 620 Vertreter von 400 Weiterbildungsträgern trotz unterschiedlicher Interessen sowie Konkurrenzdenken den gemeinsamen Nenner: Der Arbeitsplatz muß zum "Lernort auf Lebenszeit" werden.