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26.11.1999 - 

Über 5000 Mittelständler agieren im Schulungsgeschäft

Weiterbildung: Viele Anbieter, aber keine Transparenz

Der deutsche Weiterbildungsmarkt ist von kleinen Anbietern geprägt. Über 5000 sollen es nach Ansicht von Branchenexperten sein, die einen Umsatz von mehr als zehn Milliarden Mark erwirtschaften. Eine immer größere Rolle spielen dabei die Anbieter von IT-Training.

Den Weiterbildungsmarkt als eindeutig abzugrenzendes Phänomen gibt es nicht. Es werden so viele "Weiterbildungsmärkte" angeboten, wie Parameter für dieses Thema bei den unterschiedlichen Betrachtern existieren. Bei den einen gilt nur der externe Weiterbildungsumsatz als "Markt", bei den anderen die Kombination aus unternehmensinternen und -externen Aufwendungen für Weiterbildung.

Um in dieses komplexe Thema etwas mehr Transparenz zu bringen, starteten die Marktforscher von Lünendonk Consultancy + Research, Hamburg, im Jahr 1998 eine Untersuchung bei führenden Anbietern beruflicher Weiterbildung. Mehr als 60 Unternehmen jeder Größenordnung beteiligten sich mit Angaben zu Umsätzen, Mitarbeitern, Themen und Trends.

Aufgrund der positiven Marktresonanz wurde diese Untersuchung 1999 mit genau denselben Fragen erneut aufgelegt, um eine hohe Vergleichbarkeit und Interpretationsbreite der Ergebnisse zu erzielen. Berücksichtigt wurden neben den Angaben der Teilnehmerunternehmen auch offen zugängliche Marktquellen.

Obwohl die Unternehmen heute immer mehr vom Sparen sprechen und in vielen Feldern entsprechend handeln, steigt die Nachfrage nach beruflicher Weiterbildung weiter an. Die technologischen und strategischen Veränderungen in Wirtschaft und Verwaltung erzwingen kontinuierliche und sogar steigende Investitionen in die Qualifizierung der Mitarbeiter. Hinzu kommen Sonderthemen, für die rasch Know-how aufgebaut werden muß (Euro-Währung, Jahr 2000, neue Steuergesetzgebung etc.).

Bei soviel Interesse im Nachfragesektor verwundert es nicht, daß sich weit über 5000 Anbieter am deutschen Weiterbildungsmarkt tummeln. Nach Schätzungen des Kölner Instituts der Deutschen Wirtschaft weist dieser Markt ein jährliches Volumen von etwa zehn Milliarden Mark auf. Je nach Parameter und Interpretation kann man sogar von einem noch größeren Marktvolumen sprechen.

Dieser Markt ist gekennzeichnet durch eine atomistische Struktur: Nach Ansicht von Experten handelt es sich bei der Hälfte der Weiterbildungsanbieter um Freiberufler oder sehr kleine Unternehmen mit ein bis zwei Mitarbeitern. Nur zehn Prozent sind Unternehmen mit mehr als 25 festangestellten Mitarbeitern und Trainern. Die Anbieter beruflicher Weiterbildung weisen außerdem eine sehr heterogene Leistungsstruktur auf, die durch unterschiedliche Themen und Angebotsformen geprägt ist.

Die Übersicht von Lünendonk Consultancy + Research mit 15 führenden Anbietern spiegelt diese Heterogenität der Weiterbildungsunternehmen wider. Die dominierende Rolle spielen erwartungsgemäß Anbieter von Schulungen mit Schwerpunkt Informations- und Kommunikationstechnik. Das sind vor allem die internationalen Anbieter von IT-Hardware und -Software wie SAP, Siemens, Hewlett-Packard, Oracle und IBM/csg. Sie erzielen ihre Umsätze in hohem Maße mit der Produktschulung für ihre Kunden, bieten aber häufig zur Angebotsabrundung im Gesamtprogramm auch Themen wie Management-Training, Projekt-Management oder diverse Skill- und Verhaltenstrainings an.

Gerade die Informations- und Kommunikationstechnik gewinnt am deutschen Weiterbildungsmarkt eine stetig wachsende Bedeutung. Dieser Nachfrage stellen sich in besonderer Weise spezialisierte Wirtschaftsunternehmen, die Weiterbildung insbesondere für hochqualifizierte Fachkräfte, gerade im Bereich Informations- und Kommunikationstechnik, anbieten. Als typische Vertreter dieser Anbietergruppe zeigt die Lünendonk-Weiterbildungs-Liste Integrata Training, CD, Ditec und Prokoda.

Die technischen Überwachungsvereine, die vor allem für ihre Mitglieder Schulung im technisch-gewerblichen Bereich betreiben, bieten auch zunehmend Weiterbildung für Dritte an. Diese Anbieterkategorie wird auf der Liste durch die Dekra Akademie und die TÜV Akademie Westfalen vertreten. Von den technischen Bildungsvereinen erscheinen das Paderborner Bildungszentrum für informationsverarbeitende Berufe und die technische Akademie Wuppertal auf der Liste.

Nach Expertenansicht dürfte die große Mehrheit der Weiterbildungsanbieter in Deutschland Umsatzwerte von jeweils weniger als einer Million Mark pro Jahr erreichen. Sieht man von den großen IT-Konzernen ab, die überwiegend eigene Produktkunden schulen, so wird auch an diesem Wert die atomistische Struktur des deutschen Weiterbildungsmarkts deutlich.

In die aktuelle Lünendonk-Untersuchung wurden 60 Weiterbildungsanbieter einbezogen, deren Umsatzgrößen und Umsatzwachstumsraten enorme Spannweiten aufweisen. 29 Prozent der Unternehmen mußten 1998 Umsatzrückgänge oder Stagnation hinnehmen. Rund 17 Prozent wuchsen zwischen einem und zehn Prozent, 20 Prozent wuchsen zwischen elf und 20 Prozent, und 34 Prozent der Weiterbildungsanbieter steigerten ihre Umsätze um mehr als 20 Prozent.

Es kennzeichnet im übrigen den IT-Weiterbildungsmarkt, daß dessen führende Anbieter das Thema Weiterbildung nur als eines von mehreren in ihrem Portfolio offerieren. Daneben - zum Teil sogar hauptsächlich - werden andere Dienstleistungen geboten, beispielsweise Unternehmensberatung, IT-Beratung, IT-Dienstleistungen (Systemintegration etc.), oder es werden mit Software große Umsätze erzielt. Nur knapp ein Drittel der an der Lünendonk-Studie beteiligten Unternehmen sind auf Training und Schulung konzentriert.

TK- und Softwarethemen am stärksten gefragt

Es verwundert den Kenner des Marktes nicht, daß 1998 die Trainingsthemen zu Telekommunikation und Standardsoftware eine dominierende Rolle spielten. Hier spiegeln sich die aktuellen Bildungs- und Informationsbedürfnisse des Marktes wider.

Befragt man Weiterbildungsunternehmen nach ihren Mitarbeitern, so ist es wichtig, zwischen festangestellten, freien und sogenannten festen Freien zu unterscheiden. Würde man hier die in vielen Prospekten dargestellten Mitarbeiterzahlen zur Grundlage einer Pro-Kopf-Umsatzbewertung machen, kämen hier sowohl nach oben als auch nach unten die kuriosesten Werte zustande.

Die Ursache für Fehlinterpretationen liegt darin, daß freiberuflich tätige Mitarbeiter nicht in die Beschäftigtenzahl einbezogen werden, der mit ihnen erwirtschaftete Umsatz jedoch schon. Oder es wird auf die Präsentation einer "breiten Basis kompetenter Mitarbeiter" Wert gelegt, in die alle sporadisch oder häufig eingesetzten externen Referenten einbezogen werden, so daß Mitarbeiterzahlen entstehen, die nur minimale Pro-Kopf-Umsätze ergeben. Für die Teilnehmer an der Lünendonk-Studie wurde bei Berücksichtigung aller dieser Kriterien eine Pro-Kopf-Umsatz-Bandbreite von mindestens 50000 und höchstens 600000 Mark ermittelt.

Enorme Pro-Kopf-Umsätze weisen auch die sogenannten Seminarvermarkter auf. Neben den großen IT-Unternehmen und klassischen Weiterbildungsanbietern sind sie in den vergangenen Jahren als wettbewerbskräftige Anbieter hervorgetreten. Diese Unternehmen sind in der Regel auf kein Thema spezialisiert, sondern bauen zeit- und nachfragegerecht mit massivem Marketing-Einsatz Themen zusammen. Ihre Veranstaltungen sind eher Einzel-Events, bei denen häufig neben der Kompetenz auch die Prominenz der Referenten ein Kriterium darstellt.

*Thomas Lünendonk ist Berater und Journalist im Allgäu.