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10.11.1989 - 

Trotz gestiegenen Umsatzes im dritten Quartal

Weitere 940 Nixdorfer müssen jetzt gehen

PADERBORN/MÜNCHEN (CW) - Nixdorf-Angestellte, die seit der schlechten Halbjahres-Bilanz um ihre Stellen fürchten, wissen jetzt mehr: Bis Ende 1990 werden mindestens 940 Angestellte von der Lohnliste der Paderborner gestrichen, davon etwa 680 in der Bundesrepublik.

In erster Linie sind die Bereiche Entwicklung und Produktion betroffen. Bis zum September nächsten Jahres, so Nixdorf in einem Rundschreiben an seine Mitarbeiter, sollen 488 von 5688 Stellen in der Produktion wegfallen, davon etwa die Hälfte an deutschen Standorten. Der Entwicklungsbereich wird bis zum Jahresende 1990 von 2880 Arbeitsplätzen auf 2440 verkleinert: Am Stammsitz Paderborn werden in einem Jahr statt derzeit 1758 nur noch 1442 Stellen angesiedelt sein.

Berlin verliert 50 von 566 Arbeitsplätzen; in München werden nach 62 Stellenstreichungen nur noch 216 Nixdorfer tätig sein und ausländische Entwicklungsstandorte nehmen um 22 Planstellen ab.

Damit wird die Mitarbeiterzahl des ostwestfälischen Unternehmens innerhalb von zwei Jahren um etwa neun Prozent geschrumpft sein nachdem im November 1988 mit 31 262 ein Personalhöchststand erreicht worden war. Dieser ist bereits um bisher 1699 Plätze verringert worden.

Die betroffenen Nixdorf-Mitarbeiter, so ein Unternehmenssprecher, werden möglichst in periphere Nixdorf-Bereiche, zum Beispiel in den Vertrieb, versetzt werden.

Im August hatte Nixdorf einen Netto-Verlust von 297 Millionen Mark für das erste Halbjahr 1989 hinnehmen müssen und damals bereits weitere Jobkürzungen in Aussicht gestellt. Wegen der nach wie vor schlechten Ertragslage müßten die Kosten gedrückt werden, begründet das Unternehmen seine Entscheidung.

Im ersten Quartal 1990 soll eine neue Organisationsstruktur bei Nixdorf greifen, die zur Zeit entwickelt wird. Dem Rundschreiben zufolge wird es drei Product-Divisions geben: Für PCs, für Targon-Systeme unter Unix und für CSC-(Customer Service Center-)Geräte. Die neuen Divisions sollen die wirtschaftliche Gesamtverantwortung für ihre Produkte tragen und mit weitgehenden Kompetenzen ausgestattet werden: Heute noch zentral wahrgenommene Funktionen wie Produktplanung, Einkauf und Controlling werden dann dezentral in den Divisions verantwortet.

Auch der technische Kundendienst der Ostwestfalen bekommt einen neuen Rahmen: Waren die Services bisher den regionalen Vertriebsabteilungen zugeordnet, so gehen sie künftig in sechs eigenständigen Standorten auf: Hamburg, Hannover, Düsseldorf, Frankfurt, Stuttgart und München.

Erneut trat Nixdorf Übernahmegerüchten entgegen: Man stehe auf einer soliden finanziellen Basis und verfüge über ausreichendes Eigenkapital. Die Stammaktionäre hätten den Vorstand ermächtigt, alle Gerüchte über Verhandlungen mit potentiellen Aufkäufern zu dementieren. Notwendige Strukturmaßnahmen, um bei den offenen Systemen mithalten zu können, werde man selbst durchfuhren. Schon jetzt sorgen laut Nixdorf Systeme auf der Basis von offenen Standards wie Unix für die Hälfte des Auftragseinganges. Ein Unternehmenssprecher zeigte sich auf Nachfrage jedoch nicht bereit, diese Angabe näher aufzuschlüsseln.

Im September hatten die Paderborner überraschend angekündigt, ihre 8890-Reihe und damit ihr Engagement in der IBM-/370-Welt einzustellen. Die betroffenen Kunden, so hoffte man bei Nixdorf, würden sich nunmehr auf die Unix-fähigen Rechner der Targon-Baureihe einlassen oder sich mit dem OEM-Partner Comparex zufrieden geben. Wenn man den damaligen Kundenreaktionen glauben darf, wird das nicht eintreffen: Viele 8890-User fühlten sich verschaukelt (siehe auch CW Nr. 40 vom 29. September 1989, Seite 1).