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02.12.1994

Weitere Tarifsenkungen in Aussicht gestellt Telekom will Herausforderungen fairen Wettbewerbes annehmen

BONN (gh) - Die Zukunft des deutschen wie europaeischen Telecom- Marktes und mit ihr die einer kuenftigen Telekom AG war das beherrschende Thema des Telekom-Anwender-Kongresses '94. Das ab dem 1. Januar 1995 privatisierte Postunternehmen will sich, wie auf der Veranstaltung erneut deutlich wurde, mit aller Macht zu einem modernen Dienstleistungsbetrieb wandeln. Dabei ist Eile geboten, denn das Ende von Sprach- und Netzmonopol zum 1. Januar 1998 wirft laengst seine Schatten voraus.

Telekommunikation boomt - auch und gerade, was die gegenwaertig heissdiskutierten Regulierungsfragen angeht. So ist es kein Wunder, dass sich die gesamte Prominenz der deutschen Branche beim vom Anwenderforum Telekommunikation e.V. (AFT) initiierten 2. Telekom- Anwender-Kongress die Ehre gab. "Bei der Telekom hat sich in Sachen Kundenorientierung eine Menge bewegt", machte Friedrich Rauch, AFT-Vorsitzender und Vorstand des Koelner Colonia-Konzerns, dem Bonner Staatscarrier in seinem Eroeffnungsvortrag ein Kompliment. Unabhaengig davon brennt jedoch der geschaeftlichen Telekom-Klientel nach wie vor ein Problem unter den Naegeln: die im internationalen Massstab zu hohen Mietleitungstarife.

Als positives Signal wurde in diesem Zusammenhang die vor kurzem von der Telekom fuer den Jahreswechsel angekuendigte Tarifsenkung bei den sogenannten Monopoluebertragungswegen gewertet (vgl. CW Nr. 46 vom 18. November 1994, Seite 25: "Senkung der Kosten oeffnet der Telekom Spielraeume bei Tarifen"). Diese am internationalen Niveau orientierte Anpassung darf aber, so der einhellige Tenor unter den Anwendern, nicht das letzte Wort aus Bonn sein. Zudem herrscht noch Verwirrung ueber das neue Tariftableau, das mittlerweile zwar mit Ausnahme der 155-Mbit/s-Leitungen vom Ministerium offiziell abgesegnet worden ist, gleichzeitig aber, was die drastische Erhoehung der Anschlussgebuehren angeht, fuer grossen Unmut bei der Telekom-Kundschaft sorgt.

Helmut Ricke, Vorstandsvorsitzender der Telekom, nahm in seinem Grusswort an die mehr als 400 Kongressteilnehmer ebenfalls Bezug auf die Tarifproblematik. Waehrend andere immer noch von Datenautobahnen redeten, verfuege Europa mit Euro-ISDN zumindest ueber die erste fertige Trasse eines kuenftigen paneuropaeischen Information-Highways - und dies in Deutschland, so Ricke, "zu den weltweit niedrigsten Preisen". Hier werde man sich in Zukunft "auch bei anderen Diensten beim Wort nehmen lassen". Gleichzeitig versprach der Telekom-Chef, mit der Umwandlung des Unternehmens von einer Behoerde zu einem modernen Dienstleistungsbetrieb fortzufahren. "Wir muessen lernen, das Geschaeft unserer Kunden zu verstehen", schrieb Ricke sich selbst und seinem Stab zum wiederholten Male ins Stammbuch. Ricke hob in diesem Zusammenhang auf die in Bonn vor knapp einem Jahr vollzogene Trennung zwischen System- und Geschaeftskunden ab und kuendigte weitere, projektbezogene Strukturaenderungen im Telekom-Management an.

Die Kongress wurde, wenn man so will, ueberschattet von den juengsten Entscheidungen in Bruessel. Der Beschluss, zum 1. Januar 1998 und damit zeitgleich mit dem Telefondienstmonopol auch das Netzmonopol aufzuheben, stiess auf allgemeine Zustimmung - auch bei der Telekom, wo man nach den Worten Rickes jeden neuen Wettbewerber begruesst. Man werde, wie der Telekom-Chef hinzufuegte, einen "fairen Wettbewerb anbieten, ihn allerdings auch von der Konkurrenz erbitten". Grosse Bauchschmerzen hat die Telekom-Chefetage indes, was die Freigabe sogenannter alternativer Netze vor 1998 angeht. Da man im Bundespostministerium offensichtlich mit entsprechenden Genehmigungen liebaeugelt (Antraege von Vebacom, E-Plus und dem DFN- Verein liegen bereits vor), mahnen die Mannen um Helmut Ricke mehr denn je faire Wettbewerbsbedingungen an. Nachdem sich vor allem Energieversorgungsunternehmen als neue Wettbewerber herauskristallisieren, muesse man auch diese Maerkte liberalisieren, hiess es in Anspielung auf die regionalen Strommonopole von Veba, RWE und Co.