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11.04.1997 - 

Wechsel des Netz-Betriebssystems

Welche Plattform braucht das Unternehmen?

Um Anwendern einige Anhaltspunkte für eine möglichst gewinnbringende Migration zu geben, hat die CW-Schwesterpublikation "Infoworld" den Umstieg von Netware 3.12 auf die vier populärsten alternativen Plattformen getestet.

Novell hatte anderen Herstellern von Netz-Betriebssystemen gegenüber jahrelang die Nase vorn: Netware in der Version 3.12 lief stabil und konnte mit zuverlässigen Druck- und Dateidiensten aufwarten. Daher ging die Testmannschaft der "Infoworld" von diesem Betriebssystem als Ausgangsbasis aus. Da das betagte 3.12 in Zeiten von Inter- und Intranet an seine Grenzen stößt, müssen sich Administratoren mehrere Fragen stellen: Welches moderne Netz-Betriebssystem läßt sich am besten verwalten, bietet optimale Inter- beziehungsweise Intranet-Funktionalität und unterstützt überdies die vorhandenen Clients?

Um die Gunst der Netzverwalter, die den Wechsel vollziehen müssen, buhlen: Novells Intranetware, IBMs OS/2 Warp Server 4.0 SMP Feature, Solaris 2.5.1 von Sun Microsystems und der Microsoft NT Server 4.0 der Gates-Company. Wie Administratoren wissen, muß sich der Übergang so vollziehen lassen, daß User-Accounts unbeschadet übertragen werden, ebenso Systemdateien inklusive etwaiger Dateiattribute und Zugriffsrechte. Bei alldem dürfen die Clients von dem Wechsel im Back-end nichts merken, damit nach dem Wochenende die Arbeit im Unternehmen wie gewohnt weitergehen kann.

Wie eigentlich nicht anders zu erwarten, schneidet Intranetware bei den meisten Tests im Labor am besten ab. Das kommt unter anderem daher, daß mit dieser Lösung der Wechsel recht einfach zu vollziehen ist. Novell hat das Installa- tionsprogramm verbessert, so daß es sogar vorhandene Hardware erkennt. Als Handicap zeigt sich jedoch, daß Paßwörter des 3.12-Servers nicht übernommen werden können. Hier müssen Administratoren selbst Hand anlegen.

An der NT-Installationsroutine monieren die Tester, daß den Anwender trotz einer Fülle von Tools, die Microsoft ihm zur Erleichterung der Migration bietet, leider auch eine Reihe von kleinen, aber lästigen Fehlern erwartet, was den Wechsel unnötig erschwert. Drucker wurden beispielsweise völlig ignoriert und mußten nach dem Umstieg manuell wieder eingerichtet werden.

Demgegenüber gestaltete sich die Migration von Netware 3.12 sowohl zu OS/2 Warp als auch zu Solaris als recht komplizierte Aufgabe.

Sun gibt dem Anwender keinerlei Tools an die Hand, die den Wechsel vereinfachen könnten, so daß beispielsweise eine Neueinrichtung aller User und Drucker fällig wird. Unter OS/2 Warp ist es zwar möglich, Anwender und Daten von einem Netware-Server zu importieren, dafür muß jedoch zuerst neue Client-Software installiert werden, was mit einem enormen Arbeitsaufwand verbunden ist.

Auch Applikationsdienste gehören nicht gerade zu den Stärken der IBM-Lösung. Der Warp Server bietet hier lediglich die "Netfinity"-Services, die zusammen mit dem Produkt ausgeliefert werden. Und auch diese Lösung hat Server-seitig außer einer Überwachungsfunktion für Lizenzen (die an Netfinity angepaßte Software voraussetzt) wenig zu bieten. Auch Intranetware zeigt in diesem Bereich Schwächen - die Verwaltung verschiedener Applikationen muß von der Befehlszeile des Servers aus erfolgen und ist daher auch kaum als benutzerfreundlich einzustufen.

Genau daran krankt auch Solaris - allerdings bietet dieses System dem Administrator nach einiger Eingewöhnung ein erstklassiges Applikations-Management. Obwohl der NT Server wesentlich stärkere Integration mit Applikationen ermöglicht als Intranetware, ist der "Performance Monitor" das einzige echte Verwaltungswerkzeug, das über verschiedene Anwendungen hinweg funktioniert.

Die Datei- und Druckdienste von Novells neuem Flaggschiff erweisen sich als sehr robust, und die Verwaltung selbst großer Installationen wird durch die Möglichkeit der hierarchischen Administration vereinfacht. IBMs Warp Server und Microsofts NT halten hier ohne weiteres mit, wobei hervorzuheben ist, daß das Einrichten eines neuen Druckers unter NT mit Abstand am leichtesten fällt. Die umfangreichen Datei- und Druckdienste von Solaris werden leider getrübt durch den Umstand, daß ihre Verwaltung einen mit allen Unix-Wassern gewaschenen Administrator erfordert.

In puncto Verzeichnisdienste erhalten Anwender mit NIS+ von Sun und IBMs Directory and Security Services (DSS) wirklich gute Lösungen, die allerdings letztlich nicht an die Novell Directory Services (NDS) heranreichen. Der NT Server offenbart hier seine große Schwäche: Als einziges Netz-Betriebssystem im Test verfügt er über kein Objektmodell zur Verwaltung von Anwendern, Druckern, Verzeichnissen und anderen Elementen im Netz.

Ein wichtiges Kriterium gerade auch in bezug auf die ständig wachsende Zahl der Intranet-Anwendungen war die Internet-Funktionaliät der getesteten Plattformen. Intranetware schneidet hier sehr gut ab, läßt aber trotz integrierter Komponenten wie Dynamic Host Configuration Protocol (DHCP) oder Web- und FTP-Servern etwas zu wünschen übrig. Immerhin kann man mit Intranetware nun LANs aufbauen, die rein auf TCP/IP basieren. Novells Lösung findet auf diesem Gebiet nahezu ebenbürtige Partner im NT Server und in Solaris. Beide Lösungen verfügen über vergleichbare Web-Funktionen wie Intranetware, so daß etwa die Einrichtung eines Intranet mit diesen Produkten kein Problem sein sollte. Schwächen zeigt der Warp Server, der beispielsweise Web-, FTP- und Gopher-Server-Qualitäten vermissen läßt.

In Sachen Interoperabilität hat die Novell-Lösung gegenüber den anderen Plattformen einmal mehr die Nase vorn. Kein System unterstützt so viele Clients wie Intranetware. Durch die Kompatibilität mit einer Vielzahl von Protokollen fügt es sich in fast alle LANs nahtlos ein. Fast so gut bewertet wie Novells Plattform wird NT, das ebenfalls Applikations-Unterstützung für eine breite Palette von Clients bietet, darunter Appletalk, OS/2 und Unix. Die beiden anderen Netz-Betriebssysteme schneiden bei diesem Test ziemlich schlecht ab: Sie unterstützen nicht einmal Macintosh-Clients.

Die Supportleistungen von Microsoft, Sun und IBM werden allesamt als gut eingestuft. Nur beim Marktführer Novell ist nach Meinung der "Infoworld" der gebotene Service lediglich zufriedenstellend. Die Schwächen der Hotline werden durch die umfassende Web-Hilfsseite mit Suchfunktion etwas kompensiert. Auch Microsoft bietet seinen Kunden via Web ausgezeichnete Hilfestellungen. Hier könnten IBM und Sun, die ansonsten über eine gute und schnelle Telefon-Hotline verfügen, noch etwas tun.

Preislich liegen die vier Plattformen etwa auf einer Höhe (alle Lösungen kosten zwischen 22000 und 24000 Dollar), so daß dieser Aspekt alleine eine Kaufentscheidung kaum beeinflussen dürfte.

Wie der Test zeigt, liegt Intranetware, das eine Gesamtnote von 7,0 (gut bis sehr gut) erhielt, noch immer klar vor Microsofts als fast gut (5,7 Punkte) eingestuftem NT Server, was sich vor allem auf den immer noch fehlenden starken Verzeichnisdienst bei der Lösung aus dem Hause Gates zurückführen läßt. Ist der aber erst einmal vorhanden, steht Intranetware mit dem Windows NT Server ein ernstzunehmender Rivale gegenüber.

Das überraschend gute Abschneiden von Solaris (ebenfalls 5,7 Punkte) zeigt, daß es auch leistungsstarke Alternativen zu NT und Netware gibt. Zu diesen zählt der Warp Server leider nicht - er erreichte im Test lediglich fünf Punkte, was etwas besser als zufriedenstellend ist. Um mit den anderen Systemen mithalten zu können, muß IBM eine überzeugende Netware-Emulation liefern sowie die Applikationsdienste verbessern.

Zum Testverfahren

Die "Infoworld"-Tester haben bei dem Vergleich ihr Augenmerk vor allem auf acht Kriterien gerichtet. So prüften sie, wie schwierig die Implementierung der Netz-Betriebssysteme ist. Aber auch die Leistungsfähigkeit der in Frage kommenden Plattformen im laufenden Betrieb wurde bewertet, also Applikationsservices, Datei- und Druckdienste, Verzeichnisdienste, Internet-Tauglichkeit und Interoperabilität. Sie beurteilten außerdem die Qualität des Supports, den die Hersteller bei Problemen mit ihren Systemen gewähren, und die Kosten für diesen Service. Schließlich floß auch der Preis für die Anschaffung einer Plattform mit in die Bewertung ein. Bei der Beurteilung waren nicht alle Kriterien gleichwertig. So hielten die Tester beispielsweise den Anschaffungspreis für ein weniger wichtiges Merkmal - ihrer Meinung nach beeinflußt er die Kaufentscheidung nur zu fünf Prozent. Als weitaus kritischer wurde dagegen beispielsweise die Qualität des Verzeichnisdienstes (20 Prozent) empfunden. Nach jedem einzelnen der genannten Kriterien vergaben die Tester Noten in Zweierstufen von 0 (inakzeptabel) bis 10 (hervorragend), die je nach Bedeutung des Merkmales für die Kaufentscheidung noch einmal modifiziert wurden. Die Note 2 (schwach) für Verzeichnisdienste wurde demnach wegen der hohen Relevanz für die Kaufentscheidung in eine 0,4 geändert. Mit diesem Verfahren ergab sich als Gesamtnote für jedes Netz-Betriebssystem wiederum ein Wert zwischen 0 und 10.