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01.03.2005

Welches Mobil-Betriebssystem solls sein?

Wolfgang Miedl arbeitet Autor und Berater mit Schwerpunkt IT und Business. Daneben publiziert er auf der Website Sharepoint360.de regelmäßig rund um Microsoft SharePoint, Office und Social Collaboration.
PDAs waren gestern, alle Welt redet mittlerweile über mobile Kleinstrechner im Handy - die Smartphones oder "converged devices". Offen ist, welches Betriebssystem sich dafür durchsetzt.

Angesichts der dominanten Rolle von Microsoft im PC-Markt wird dort immer wieder die mangelnde Vielfalt beklagt. Ganz anders dagegen die Situation auf dem Sektor der Kleincomputer wie Handhelds oder Smartphones. Seit Jahren muss hier der einst unangefochtene Platzhirsch Palm Marktanteile abtreten - und zwar gleich an mehrere Mitstreiter. Zum einen wäre hier Microsoft zu nennen.

Microsofts Aufholjagd

Nach den glücklosen Anfangsjahren mit dem Embedded-Betriebssystem Windows CE ist es den Redmondern seit 2001 zunehmend gelungen, mit der neu geschaffenen PDA-Oberfläche "Pocket PC" ein konkurrenzfähiges Konzept am Markt zu positionieren. Zunächst sah dann nach den ersten Erfolgen alles danach aus, dass Microsoft und Palm den Kampf um die PDA-Krone unter sich ausmachen.

Doch aufgrund der enormen Dynamik der Branche mit ständig neuen Geräten, Formfaktoren und der zunehmenden Konvergenz zwischen Handy und PDA hat der Softwaresektor in den vergangenen drei Jahren überraschende Wendungen genommen. So ist beispielsweise das beinahe marginalisierte Betriebsystem "Epoc" des Handheld-Klassikers "Psion" wie Phönix aus der Asche auferstanden und findet unter dem Namen "Symbian" wachsende Verbreitung. Das gleichnamige Konsortium, dem neben Mehrheitseigner Nokia weitere Größen wie Sony Ericsson und Siemens angehören, hat mittlerweile im Gesamtmarkt der Smartphones und PDAs sogar die Vorherrschaft errungen. Nach Berechnungen des Marktforschungsunternehmens Canalys erreichte Symbian im dritten Quartal 2004 mit 3,7 Millionen verkauften Lizenzen bei den mobilen Betriebssystemen einen Marktanteil von 50,2 Prozent. Erst mit deutlichem Abstand folgt Microsofts Pocket PC mit 20,2 Prozent und dahinter "Palm OS" mit 16,9 Prozent.

Herausforderer Blackberry

Zu einem weiteren ernst zu nehmenden Wettbewerber hat sich der in Managerkreisen populäre Blackberry von Research in Motion (RIM) gemausert. Mit 619 000 weltweit verkauften Geräten und 8,3 Prozent Marktanteil im dritten Quartal 2004 hat der kanadische Hersteller beinahe den Pocket-PC-Marktführer Hewlett-Packard (9,3 Prozent) eingeholt. Die jährlichen Wachstumsraten bei den mobilen E-Mail-Devices betrugen zuletzt etwa 300 Prozent.

Als weitere alternative Softwareplattform mischt seit einigen Jahren auch Linux im PDA-Sektor mit. Ganz im Sinne seines offenen Charakters existieren von diesem Betriebssystem unzählige Embedded-Derivate. Eine echte Relevanz im Markt hat derzeit aber nur die von der norwegischen Firma Trolltech angebotene GUI-Bibliothek "QT", die eine mit Pocket PC vergleichbare, standardisierte Anwendungspalette plus Entwicklungsschnittstellen bietet.

Angesichts der gebotenen Vielfalt stehen viele Anwender vor der Qual der Wahl: Welches Betriebsystem eignet sich am besten für den angepeilten Einsatzzweck? Bei Symbian ist das derzeit recht klar, da die Anteilseigner allesamt Handy-Hersteller sind: Ihnen geht es vor allem darum, Mobiltelefone mit leistungsfähigerer Software auszustatten und so aus Handys Smartphones zu machen. Wichtig ist dabei aus Herstellerperspektive nicht nur die Funktionsvielfalt und die Stabilität des Systems, sondern vor allem die Standardisierung der Programmierschnittstellen (APIs) und der grafischen Benutzeroberflächen (GUI = Graphical User Interface). Denn nur wenn einheitliche Rahmenbedingungen gelten, die die Kompatibilität auf Millionen von Geräten sicherstellen, wird eine Plattform für Programmierer attraktiv. Und nur so kann schließlich ein florierender Markt für Anwendungen entstehen. Einen derartigen GUI-Standard hat Symbian mit "Serie 60" geschaffen. Serie 60 legt bestimmte Parameter der Bedienoberfläche fest, wie etwa die Bildschirmauflösung oder die Menüansteuerung über vordefinierte Tasten. Derzeit unterstützt eine große Zahl an Smartphones von Nokia über Samsung bis Siemens diese Spezifikation.

Als nicht unproblematisch gilt allerdings die Politik des Konsortiums, mehrere weitere Formfaktoren zu unterstützen. Neben Serie 60 sind dies die Schwesterplattformen "UIQ" (Sony Ericsson P910), "Serie 80" (Nokia Communicator 9500) sowie "Serie 90" (Nokia 7710). Unabhängige Softwareanbieter stehen so vor dem Problem, für jede Symbian-GUI-Plattform Anpassungen vorzunehmen, damit die Anwendung auf allen Geräten mit allen Funktionen reibungslos läuft.

Symbians ungewisse Zukunft

Die Struktur des Konsortiums mit vielen beteiligten Geräteherstellern dürfte einer einheitlichen Strategie nicht gerade zuträglich sein. Schließlich versuchen die Handy-Hersteller seit Jahren, sich über individuelle Software-Features von der Konkurrenz zu differenzieren.

Noch basieren die meisten aktuell vertriebenen Symbian-Smartphones auf dem Betriebssystem-Kern Symbian OS 7. Angekündigt wurden aber bereits die Neuerungen, die der Release-Wechsel auf Version 9 bringen wird. So soll ein neues Sicherheitsmodell die Ausbreitung von Smartphone-Viren unterbinden, indem nur zertifizierte Anwendungen auf sicherheitsrelevante Telefoniefunktionen wie SMS-Versand oder Adressbuchabfrage zugreifen können. Ebenfalls bemerkenswert ist die Ausweitung der C++-Unterstützung auf alle Sprach-Features. Offenbar soll damit die Entwicklung nativer Symbian-Anwendungen vereinfacht werden, nachdem in der Vergangenheit der Fokus der Anwendungsentwicklung auf Java lag.

Microsoft hält den Daumen drauf

Eine völlig andere, sehr restriktive Produktpolitik verfolgt dagegen Microsoft mit seiner Windows-Mobile-Plattform. Die Redmonder sperren sich seit jeher gegen alle Wünsche der Hardwarehersteller, das System individuell modifizieren zu dürfen. Gerüchten zufolge soll das einer der Gründe gewesen sein, weshalb Windows Mobile Smartphone anfänglich von Handy-Herstellern und Mobilfunkanbietern gemieden wurde. Langfristig scheint sich diese starre Haltung jedoch auszuzahlen, wie das Beispiel des Formfaktors Pocket PC zeigt. Microsoft gab von Anfang an verbindliche Standards wie einheitliche Bildschirmauflösung oder Schalterbelegung vor - zur Freude der Softwareentwickler, die sich auf eine nahezu 100-prozentige Kompatibilität aller Pocket-PC-Anwendungen mit jedem verfügbaren Gerät verlassen können.

Ganz unerhört blieben die Anliegen der Hardwarehersteller aber nicht, schließlich besteht das Risiko, dass sich PDAs von Hewlett-Packard, Toshiba oder Fujitsu-Siemens nur mehr im Gehäusedesign unterscheiden. So bietet das System mit der aktuellen Windows Mobile Pocket PC 2003 Second Edition (SE) etwa mehrere verschiedene Bildschirmauflösungen und Formate an. Wo bisher die hochformatige Viertel-VGA-Auflösung (QVGA) als Dogma galt, steht nun erstmalig optional eine VGA-Auflösung zur Verfügung, die bei Bedarf sogar auf Querformat umgeschaltet werden kann. Daneben haben die Gerätehersteller nun auch die von Palm bekannte Option eines quadratischen Display-Layouts (240 mal 240 oder 480 mal 480 Pixel). Der "IQ Messenger" von HP soll als eines der ersten Geräte mit diesem neuen Layout ausgestattet werden. Das für Ende 2005 in Aussicht gestellte Smartphone soll zudem als besonderes Feature über eine Blackberry-typische E-Mail-Push-Funktion verfügen.

Zukunftspläne

Trotz dieser teilweisen Flexibilisierung der Windows-Mobile-GUI verspricht Microsoft eine volle Anwendungskompatibilität. Ganz in diesem Sinne wäre auch die Zusammenführung von Pocket PC und Windows Smartphone, die Gerüchten zufolge geplant ist. Offiziell gibt es von Microsoft zwar noch keinerlei Informationen darüber, aber nach Berichten einschlägiger News-Seiten im Web soll die nächste Version Windows Mobile 2005 (Codename "Magneto") sowohl auf PDAs wie auch Smartphones zum Einsatz kommen.

Spätzünder Palm

Dabei soll der Pocket PC vom Smartphone unter anderem die typischen Software-Menüknöpfe am unteren Bildschirmrand erben. Zu den weiteren kolportierten Neuerungen zählen überfällige Verbesserungen an den bisher recht spartanisch ausgestatteten Office-Anwendungen Pocket Word und Pocket Excel.

Einige Fragezeichen gibt es um die weitere Strategie von Palmone (Hardware) und Palmsource (Software). Die Hardwareabteilung des einst unangefochtenen Marktführers hat mit dem neuen "Treo 650" ein Smartphone mit vollwertiger Tastatur herausgebracht, das auf der Betriebssystem-Version 5.4 basiert. In den USA wird dieses Gerät bereits sehr erfolgreich verkauft. Doch weder der Treo 650 noch der im vergangenen Herbst erschienene PDA Tungsten T5 sind mit dem neuesten Palm OS 6 (Codename Cobalt) ausgestattet, obwohl dies bereits seit Februar 2004 verfügbar ist. Dabei müssen sich die Anwender bis zur Betriebssystem-Version 5.x mit einigen unzeitgemäßen Einschränkungen herumschlagen. Beispielsweise sind die alten Plattformen noch nicht Multitasking-fähig. Das macht sich unter anderem darin bemerkbar, dass etwa während des Downloads einer Website keinerlei andere Aktivitäten ausgeführt werden können. Das in den Startlöchern stehende Palm OS 6 verspricht demgegenüber einen Modernisierungsschub: Neben der VGA-Auflösung kommt endlich echtes Multitasking.

Der kometenhafte Aufstieg der Blackberry-Modelle von RIM dürfte die übrigen Marktteilnehmer überrascht haben. Weder die unkonventionelle, querformatige Bauform mit der dominanten Tastatur noch der für PDA-Verhältnisse eher spartanische Funktionsumfang wirkten vor einigen Jahren erfolgversprechend. Doch offenkundig handelte es sich beim Blackberry-typischen E-Mail-Push - dem unmittelbaren Weiterleiten einer Mail vom Firmen-Server auf das Endgerät - um eine Marktlücke, die Hersteller RIM geschickt genutzt hat. Mit den neuen Geräten der 7100er Serie nähern sich die Kanadier nun aber auch der gefälligeren, hochformatigen Smartphone-Bauweise an. Gleichzeitig wurde dabei auch das bisherige Tastaturlayout abgeändert zu einer Mischform zwischen PC-Keyboard und Handy-Eingabefeld. Die entscheidende Frage für RIM dürfte sein, ob es gelingt, von der geschaffenen Basis aus ein Stück vom wachsenden Smartphone-Kuchen abzuschneiden.

Erfolgloses Linux

Das bisherige Alleinstellungsmerkmal E-Mail-Push ist jedoch akut gefährdet. Zum einen haben Firmen wie Nokia und Sony Ericsson die Blackberry-Technik in Lizenz genommen und integrieren sie in die eigenen Serie-60-Geräte, zum anderen entwickeln andere Hersteller und Mobilfunkbetreiber in Europa eigene Varianten, da der Patentschutz dieser Technologie in Europa nicht gilt.

Der US-amerikanische Anbieter Good Technology arbeitet bereits mit Firmen wie HP zusammen, um sein Blackberry-ähnliches Konkurrenzprodukt zu vermarkten.

Linux spielt auf dem Smartphone- und PDA-Markt nach wie vor keine nennenswerte Rolle, die Absatzzahlen sind eher rückläufig. Einzig Sharp setzt mit seiner "Zaurus"-Reihe auf das Open-Source-System. (hi)