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09.05.1997 - 

Kolumne

"Welcome to the Machine"

Nichts wird so heiß gegessen, wie es gekocht wird - außer Java. Von Gegnern oftmals als Performance- und Speicherfresser abqualifiziert, ist die New-Age-Sprache von Sun Microsystems dabei, in den Vereinigten Staaten wie in Europa den IT-Markt komplett umzukrempeln.

Die Idee hinter der Sprache, die keineswegs nur der Animation von Web-Seiten dient, ist so einfach wie bestechend: Zu den meisten gängigen Betriebssystemen sind bereits Java Virtual Machines erhältlich, die es erlauben, auf Client- wie auf Server-Ebene beliebig Java-Programme ablaufen zu lassen. Damit werden Betriebssysteme als Anwendungsplattform entwertet, zu einer bloßen Schnittstelle zwischen der Hardware und der jeweiligen Virtual Machine degradiert.

Nun ließe sich einwenden, das Gesagte gelte nur für Java selbst, eine Sprache also, die erst ganz allmählich Eingang in den IT-Alltag findet. Doch Sun, Microsoft, IBM oder Lucent arbeiten längst daran, die Virtual-Machine-Idee auf andere Sprachen zu übertragen. Sogenannte Universal Virtual Machines sollen entstehen, mit denen nicht nur Java-, sondern auch C++-, Smalltalk- und andere Programme auf jeder beliebigen Plattform ablaufen können.

Vorerst ist Sun Microsystems alleiniger Gewinner dieser Entwicklung - zumindest, solange sich noch alles um Java dreht. Das Unternehmen gibt die Spezifikationen heraus, nach denen alle wichtigen Player der IT-Szene, auch Microsoft, ihre eigene Java Virtual Machine schreiben - wohl eher gezwungenermaßen, denn wer würde sich freiwillig das Betriebssystem-Geschäft kaputtmachen lassen?

Wer jedoch auf lange Sicht den meisten Nutzen aus der Java-Manie zieht, ist noch völlig offen. Wird das Betriebssystem zur Nebensache, entscheiden allein Kosten und Qualität von Hardware, Applikationen und Entwicklungs- Tools darüber, ob sich ein Hersteller im freien Wettbewerb durchsetzt.

Anbieter, die es bislang nötig hatten, ihre Klientel mit proprietären Betriebssystemen bei der Stange zu halten, werden spätestens dann die Quittung bekommen. Vielleicht schafft die Java-Fraktion, was der Unix-Gemeinde nicht gelang: die Betriebssystem-Ebene zu egalisieren, um den Anwendern einen neuen, universellen Softwaremarkt zu Füßen zu legen.