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17.05.1991 - 

Nach langem Kampf haben es die New York geschafft

Weltmarkt-Ambitionen mit Unix bringen AT&T und NCR zusammen

MÜNCHEN (bk) - Der Jahr 1991 hat "seine" Elefantenhochzeite. Der Telefonriese AT&T wird sich den Computerhersteller NCR durch einen Aktientausch einverleiben. Beide Unternehmen einigten sich auf 110 Dollar pro NCR-Aktie. Damit beläuft sich der Gesamtwert der Transaktion auf 7,48 Milliarden Dollar.

Nach verbissenen, gut fünf Monate dauerndem Kampf kann Telefonriese AT&T den Computerhersteller NCR endlich sein eigen nennen. Der letztlich doch noch friedlich vereinbarte Zusammenschluß beschert der Informatikbranche einen neuen Giganten: Der zusammengerechnete Umsatz beider Unternehmen - auf Basis der Zahlen von 1990 - liegt bei mehr als 43 Milliarden Dollar, die addierten Nettoerträge belaufen sich auf knapp 3,1 Milliarden Dollar. Auch nicht schlecht lesen sich die Zahlen, die sich aus dem reinen Computer-Business ergeben. NCR verzeichnete 1990 einen Umsatz von 6,3 Milliarden Dollar, AT&T nahm schätzungsweise zwei Milliarden Dollar ein.

Zusammengerechnet entsteht damit eine gut Acht-Milliarden-Dollar-Division, die unter den weltweit größten DV-Anbietern Platz sieben belegt. Profitmäßig allerdings sieht es weniger gut aus: Zwar verdiente der Rechnerhersteller aus Dayton 1990 rund 369 Millionen Dollar, die New Yorker Telefon-Company schreibt in ihrem DV-Business indes rote Zahlen.

US-Analysten schätzen den Verlust für das letzte Geschäftsjahr auf rund zwei Millionen Dollar. Ein Grund dafür: Bei dem verzweifelten Versuch, Marktanteile im DV-Geschäft zu gewinnen, so beruft sich die "Financial Times" auf AT&T-Insider, habe man bei Großaufträgen Angebote der billigsten Art gemacht. Dadurch ging den New Yorkern aber mehr Geld verloren, als sie verdienen konnten.

Daß sich der gelbe Riese im Computergeschäft bislang wahrlich nicht mit Ruhm bekleckerte, ist hinlänglich bekannt. Doch gerade deswegen scheinen sich bei der Verschmelzung der Computeraktivitäten der beiden Unternehmen weitaus weniger Schwierigkeiten aufzutun als beispielsweise bei der Fusion Siemens-Nixdorf. Wenn Überhaupt, kamen sich NCR und AT&T bisher beim Verkauf von Rechnern nur in den USA ins Gehege. International traten die New Yorker im DV-Business bislang nahezu gar nicht in Erscheinung - im Gegensatz zur Exley-Company, die mit insgesamt 1200 Geschäftsstellen in fast allen Ländern der Erde vertreten ist und die an die 60 Prozent des Gesamtumsatzes außerhalb der USA macht. Allein in Europa ist NCR mit rund 12 000 Mitarbeitern in acht Regionen aktiv; der Umsatz aus dem Europa-Geschäft beläuft sich auf gut zwei Milliarden Dollar.

Beide liegen auf einer Unix-Wollenlänge

Von Vorteil ist auch, daß beide Unternehmen auf einer Unix-Wellenlänge liegen. So unterstützt NCR bereits seit 1981 sämtliche Unix-Produkte von Ma Bell, so daß sich im Open-Systems-Geschehen vielversprechende Synergie-Effekte auftun. In diesem Zusammenhang dürfte nicht zuletzt die im September letzten Jahres von NCR angekündigte breitangelegte Produktoffensive für die 90er Jahre - nämlich auf Basis von Intel-Mikroprozessoren eine durchgängig offene Systemumgebung vom Laptop bis hin zum 200 000 MIPS starken Parallelrechner zu schaffen - den Appetit von AT&T auf den Rechnerhersteller aus Dayton verstärkt haben.

Die NCR Corp. wiederum braucht für ihre ehrgeizigen Open-Systems-Pläne viel Geld. Schon vor anderthalb Jahren hatte Charles Exley festgestellt, sein Unternehmen müsse bis spätestens Mitte der 90er Jahre den Umsatz verdoppeln, wolle es als Generalanbieter überleben. Unter dem Dach des milliardenschweren Telefonriesen nun dürfte sich NCR zumindest in finanzieller Hinsicht sicher fühlen. Dies sehen US-Analysten auch so. Erklärte Michel Guite von Salomon Brothers:, NCR hat Jetzt die Muskeln, sich zu einem starken Generalisten entwickeln zu können."

Obwohl amerikanische Marktauguren dem neuen Venture langfristig beste Aussichten einräumen, sind sie sich auch darüber einig, daß der Erfolg größtenteils davon abhängt, ob sich AT&T an die in den vergangenen Monaten gemachten Versprechen hält. Immer wieder hatte Robert Allen während des Übernahmegerangels betont, NCR bleibe nach der Fusion weitgehend eigenständig, der Vorstand an seinem Platz und der Name erhalten. Dazu Steven Milunovich, ebenfalls Analyst in Diensten von Salomon Brothers: "AT&T wird nun beweisen müssen, wie es um die Bereitschaft steht, NCR in Ruhe ihre Geschäfte tätigen zu lassen."

Bislang zumindest scheint es Allen ernst mit seinen Versprechen zu sein. Schon jetzt machte er den bisherigen NCR-President Gilbert P. Williamson zum Chief Executive Officer und damit zum "Kopf der neu zu gestaltenden Computerdivision, darüber hinaus wird er einen Sitz im AT&T-Board wie auch im Management Executive Committee bekommen. Elton White, ein anderer NCR-Top-Manager, soll Williamsons Platz als NCR-President einnehmen. Chairman Charles Exley wird nach Abschluß der Fusion zurücktreten, will aber als Berater, weite hin zur Verfügung stehen. Der erklärte Gegner des Zusammenschlusses bekräftigte nach der endgültigen Fusionsentscheidung, er werde alles tun, was in seinen Kräften stehe, den Merger erfolgreich zu gestalten.

Bis die kombinierte AT&T/NCR-Computerdivision in die Gänge kommt, wird allerdings noch einige Zeit vergehen. Allein die Abklärung der formaljuristischen Dinge, so Lutz Leinert, Sprecher der NCR GmbH in Augsburg, wird sich wohl noch fünf Monate hinziehen. Zunächst gilt es, mit der Security and Exchange Commisson (SEC) zu klären, ob AT&T die Transaktion bilanztechnisch als "Pooling of interests ausweisen kann und somit ein voller Aktientausch möglich ist. Dann erhielten die NCR-Anleger für jede Aktie wenigstens 9,7 und höchstens 3,2 AT&T-Papiere und müßten keine Steuern bezahlen. Läßt sich diese Verfahrensweise nicht realisieren, wird AT&T 40 Prozent der NCR-Aktien zum Barpreis von 100 Dollar pro Stück erwerben, während die restlichen 60 Prozent zu 110 Dollar pro Aktie getauscht werden sind diese Dinge geklärt, bedarf es dann noch - Zustimmung der NCR-Aktionäre.

Schon jetzt indes können die beiden Partner damit beginnen zu evaluieren, welche Produkte erhalten bleibene welche auslaufen, welche Produktionsstätten wie bedient werden welche Mitarbeiter eventuell welches Unternehmen verlassen müssen. "Die Reorganisation" so erwartet Jay Stevens, US-Analyst von Dean Witter, wird auf jeden Fall den Rest des Jahres und sogar noch einen Teil von 1992 in Anspruch nehmen." Stevens weiter: "Es braucht halt Zeit, ein 6,3 Milliarden-Geschäft zu verdauen." (Siehe auch Seiten 4 und 86 sowie Kolumne, Seite 9).