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06.10.2000 - 

Web-Agenturen können mit dem Internet-Ausbau kaum Schritt halten

Weltweite Internet-Präsenz für Gabelstapler von Jungheinrich

Der Hamburger Jungheinrich-Konzern, Hersteller von Gabelstaplern, baut seit zwei Jahren seine Internet-Präsenz neu auf. Ausschreibungen für Lieferanten, eine Datenbank für Gebrauchtgeräte und ein Produkt-Finder für die Auswahl von Staplern sind bereits realisiert. Es folgen die Integration eines Shop-Systems für Katalogartikel, die interaktive Berechnung von Finanz- und Leasingkosten sowie die Materialbeschaffung über Intra- und Internet. Von Holger Eriksdotter*

"Als ich im Januar 1999 meinen Job bei Jungheinrich antrat, gab es einige HTML-Seiten, die ein Student gestaltet hatte. Obwohl diese sehr liebevoll gemacht waren, genügten sie aus meiner Sicht nicht annähernd den Ansprüchen eines international agierenden Konzerns", erläutert Jasmine Borhan, Leiterin der Unternehmenskommunikation. Das Manko der Online-Präsenz war auch an anderer Stelle nicht verborgen geblieben: "Zu der Zeit hatte der Vorstand schon ein Trainee-Projekt aufgesetzt mit dem Ziel, Ideen und Perspektiven für den Internet-Auftritt zu entwickeln", so Borhan.

PR-Abteilung macht E-BusinessAm Ende des Projekts standen eine Reihe von Ideen, das Konzept für eine komplett neue Präsenz und ein Budget für die Umsetzung. Damit wurde - weil seinerzeit der Informationsgehalt im Vordergrund stand - die PR-Abteilung betraut, die bis heute die Verantwortung für Koordination und Ausbau von Intra- und Internet trägt. Die Realisierung hat ein externes Unternehmen, die Hamburger Popnet AG, übernommen. Ein Vorgehen, das auch bei allen Folgeprojekten beibehalten wurde: Während die Konzepte, technische und fachliche Vorgaben im Haus gemacht werden, erledigen die Umsetzung Medienagenturen, die über spezielles Know-how im Bereich Web-Design und E-Commerce verfügen.

Dabei ist es nicht immer einfach, eine Agentur zu finden, die die Projekte im gewünschten Zeitrahmen umsetzen kann; zum einen sind die Auftragsbücher der renommierten Mediendienstleister meist so gut gefüllt, dass die engen Zeitpläne häufig keinen zügigen Projektbeginn erlauben. Auf der anderen Seite weigern einige Agenturen, nur Teilprojekte zu übernehmen, oder - auch das ist der PR-Chefin schon zu Ohren gekommen - ihnen schienen die Projekte nicht hinreichend prestigeträchtig. Manchmal ist auch ein Budget, das unter einem zweistelligen Millionenbereich liegt, nicht attraktiv genug. Neben Branchengrößen wie Vice Versa, die heute zur Kabel New Media Gruppe gehört und Popnet, die am Aufbau großer Teile des Intra- und Internets beteiligt war, hat sich inzwischen die Zusammenarbeit mit unterschiedlichen Dienstleistern bewährt. Dadurch lässt sich bei zeitkritischen Aufgaben wie dem Einstellen des aktuellen Geschäftsberichts vor der Gesellschafterversammlung oder bei der Erstellung der neuen Lieferantendatenbank die Last auf mehrere Schultern verteilen.

Heute stehen neben dem internationalen Konzernportal jungheinrich.com die weitgehend einheitlich gestalteten und inhaltlich aufeinander abgestimmten Websites jungheinrich-ag.de mit Investor-Relations und konzernweiten Ausschreibungen sowie jungheinrich.de mit den Informations-, Vertriebs- und Support-Angeboten für die Kunden der Marke Jungheinrich im Netz. Jeder Computer im Firmennetz ist mit Outlook als E-Mail-Client ausgestattet, alle Mitarbeiter an PC-Arbeitsplätzen mit sind über eine eigene E-Mail-Adresse erreichbar.

"Natürlich war uns von Anfang an klar, dass es nicht bei einem reinen Informationsangebot bleiben sollte, sondern dass das nur eine erste ausbaufähige Grundlage für eine umfassendere E-Commerce-Lösung sein konnte." erläutert die PR-Chefin. Obwohl das Unternehmen durch internationale Online-Ausschreibungen auf neue Lieferanten hofft und hier durchaus Sparpotenziale sieht und auf der anderen Seite die Inhouse-Materialbeschaffung über das Intranet, die sich zur Zeit noch in der Planung befindet, weitere Einsparungen bringen soll, geht man nicht davon aus, dass sich die Investitionen sofort in Heller und Pfennig auszahlen.

"Mit der rasanten Entwicklung des Internet zu einem globalen Kommunikationsnetz ist der Einsatz von Web-Technologien zu einem strategischen Faktor geworden", formuliert IT-Vorstand Michael Lüer. Und Borhan sieht in der Online-Erreichbarkeit nicht nur die Chance einer größeren Kundennähe, sondern im Ausbau der digitalen Kundenkommunikation in allen denkbaren Bereichen ein unbedingtes Muss für einen internationalen Konzern. Das gilt umso mehr als sich nach ihrer Ansicht E-Commerce-Lösungen im B-to-B in ihrer Branche zum entscheidenden Wettbewerbsfaktor entwickeln werden. Und nicht zuletzt habe die E-Commerce-Strategie auch Einfluss auf den Aktienkurs, weil Analysten diese bei der Bewertung der Zukunftsfähigkeit eines Unternehmens zunehmend wichtig nähmen.

Die Ergebnisse einer Befragung brachte allerdings zutage, dass Kunden und Lieferanten die Verbesserung der Online-Kommunikation des E-Commerce-Angebots nicht als besonders dringlich einstufen und die neuen Medien hier noch keineswegs flächendeckend eingesetzt werden. Hinzu kommt, dass beim Staplerkauf fachkundige Beratung unverzichtbar ist: Zu unterschiedlich sind die Leistungsdaten von Hubhöhe und Tragfähigkeit, Antriebstechnik und Einsatzmöglichkeiten bis hin zu Ausstattungsvarianten, Spezialanfertigungen und Sondermodellen. Trotzdem ist als nächster Ausbauschritt ein Shop-System geplant, das alle Artikel des jetzt etwa 140-seitigen Katalogs online feilhält. Neben Staplern gehören Karren und Spinde, Regalsysteme und Werkbänke, Packtische und Rollboxen zum Angebot. "Alles Artikel, die man auch gut ohne Beratung bestellen kann", betont Borhan.

Und selbstverständlich wird es nach wie vor einen gedruckten Katalog geben; zwar kann sich die Borhan vorstellen, eines Tages vielleicht auch darauf zu verzichten - aber bis dahin würden sicher noch einige Jahre ins Land gehen: "Wir setzen auf einen sanften Übergang und auf die Überzeugungskraft des digitalen Angebots - aber wir werden weder Kunden noch Lieferanten zwingen, davon Gebrauch zu machen." Auch jetzt sind schon Bestellungen per E-Mail möglich, die ein Mitarbeiter dann aber in das Warenwirtschaftssystem eingibt. Orders aus dem Shop-System sollen direkt dort einfließen: "Als betriebswirtschaftliche Software setzen wir SAP ein und sind dabei, konzernweit auf Basis von SAP R/3 zu standardisieren, zu etablieren. Bei dem Shop-System werden wir ein Produkt mit entsprechender Schnittstelle einsetzen", erklärt Borhan.

Weitere Ausbaustufen sind geplant: Das Intranet, das sich momentan in der Testphase befindet, geht demnächst online und soll langfristig auch mit einem Bestellsystem für Kostenstellenmaterial ausgestattet werden. Ein Online-Programm, auf das die Kunden via Internet zugreifen, wird die interaktive Berechnung von Finanzierungs- und Leasingkosten ermöglichen. Ob die Ersatzteilbestellung, die zeitkritisch ist, künftig per Internet angeboten werden kann, prüft die Firma. Ebenso, ob sich Teile des Materialeinkaufs über offene Plattformen und Online-Auktionen abwickeln lassen.

Konkret soll unter dem Stichwort "Desktop Purchasing" im Intranet eine einheitliche Oberfläche für die Bestellabwicklung bereitstehen, die über die Einbindung von Katalogen den Einkauf von C-Material sowie PC-Hard- und Software erlaubt. Auch beim Einkaufsbedarf für die Produktion beschreitet das Unternehmen neue Wege: Nachdem eine erste Auktion im August erfolgreich verlief, peilt Jungheinrich unter dem Stichwort "Co-Shopping" auch die Nutzung gemeinsamer Marktplätze mit anderen Firmen an. Ebenso wird gegenwärtig der Ausbau der Lieferantendatenbank mit Online-Fragebogen und Ausschreibungen vorangetrieben; ein Pilotprojekt zur Batteriebeschaffung mit Lieferantenanbindung über eine SAP- oder XML-Schnittstelle soll noch in diesem Jahr realisiert und dann auf weitere Lieferanten und Materialien ausgedehnt werden.

Im Bereich Materialeinkauf werden konzernweit rund 2500 bis 5000 Mitarbeiter von den Möglichkeiten der neuen Beschaffungssysteme Gebrauch machen. Das Unternehmen setzt dabei nicht nur auf Einspareffekte durch geringere Beschaffungskosten, sondern rechnet auch mit einer merklichen Senkung der Prozesskosten.

Die Verantwortung für den Internet-Auftritt des Konzerns liegt, wie bereits erwähnt, beim Bereich Unternehmenskommunikation. Hier sind auch die beiden Koordinatoren für Neue Medien angesiedelt, die sich ausschließlich mit dem Betrieb, dem Auf- und Ausbau von Internet und Intranet beschäftigen. Weitere Koordinatoren sitzen im den Abteilungen IT, Marken-Marketing sowie Einkauf und stehen den Kollegen mit fachlichem Rat zur Seite.

Lenkungsausschuss für Web-AktivitätenAls oberstes Gremium entscheidet ein neu installierter, regelmäßig tagender Lenkungsausschuss mit Teilnehmern aus allen betroffenen Fachabteilungen unter dem Vorsitz des IT-Vorstands Lüer darüber, welche Projekte in welchem Zeitrahmen verwirklicht werden sollen. Die Ideen für Neuerungen werden zum Teil hier oder in der PR-Abteilung entwickelt, zum Teil aber auch von den Fachabteilungen an die Internet-Koordinatoren herangetragen.

Bei neuen Projekten steht immer als erster Ansprechpartner die IT-Abteilung - gleichsam als interner Consultant - auf der Liste: Erst wenn mit den IT-Fachleuten die Machbarkeit und die technischen Voraussetzungen geklärt sind, kann ein Projekt starten. Borhan führt den zügigen Ausbau des Online-Angebots auf mehrere Faktoren zurück: zum einen sei in allen Bereichen ihres Unternehmens die strategische Bedeutung von E-Commerce unbestritten, zum anderen gestalte sich die Arbeit mit Fachabteilungen und besonders dem IT-Bereich kooperativ und produktiv. Und Internet-Koordinator Olaf Mollik erklärt, warum auch die Mitarbeiter sich Innovationen nicht verschließen: "Wenn Sie den Kollegen praktikable und handhabbare IT-Systeme an die Hand geben und für gute Schulungen und eine gründliche Einarbeitung sorgen, können Sie auch mit hoher Akzeptanz rechnen - und davon hängt zumindest innerbetrieblich der Erfolg ab".

*Holger Eriksdotter ist freier Autor in Hamburg.

DIE JUNGHEINRICH AGDas Unternehmen, das mit rund 9000 Mitarbeitern im vergangenen Jahr einen Umsatz von 2,81 Milliarden Mark (1,44 Milliarden Euro) verbuchen konnte, ist mit Produktionsstätten in Deutschland, Großbritannien und Frankreich und einem weltweiten Vertriebsnetz die internationale Nummer vier unter den Herstellern von Flurförderzeugen.