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29.11.2005

Weltweiter Server-Markt wächst - noch

Nach Zahlen des Marktforschungsinstituts IDC hat das Geschäft im dritten Quartal 2005 um 8,1 Prozent gegenüber dem Vergleichszeitraum des Vorjahres zugelegt.

Vor allem das Segment der Lowend-Server (x86) sowie der Linux- und Windows-basierenden Maschinen zeigte sich als Wachstumsmotor. Über alle Server-Segmente - also von den Einstiegsmaschinen der x86-Klasse bis hin zu den Großrechnern - ist IBM weltweit nach den Zahlen von Gartner (siehe Tabelle) und IDC mit einem Marktanteil nach Umsatz von 32,2 Prozent an der Spitze. Auf den Plätzen folgen Hewlett-Packard (27,8 Prozent), Dell (10,5 Prozent), Sun Microsystems (8,7 Prozent) und Fujitsu/Fujitsu-Siemens (6,1 Prozent). An der Rangfolge hat sich im Vergleich zum dritten Quartal des Vorjahres nichts geändert.

Weltweite Server-Zahlen im 3. Quartal nach Stückzahlen

3. Quartal 2005 3.Quartal 2004

Stückzahlen Marktanteil Stückzahlen Marktanteil

Hewlett-Packard 504 466 26,97% 468 924 28,39

Dell 416 148 22,25% 346 917 21,01

IBM 308 898 16,52% 265 459 16,07

Sun Microsystems 78 030 4,17% 76 258 4,62

Fujitsu/Fujitsu Siemens 69 222 3,70% 60 572 3,67

Andere 493 446 26,38% 433 419 26,24

Insgesamt 1 870 230 100,00% 1 651 549 100,00

Weltweite Server-Zahlen im 3. Quartal nach Umsatz in Dollar

3. Quartal 2005 3.Quartal 2004

Umsatz Marktanteil Umsatz Marktanteil

IBM 4 077 673 183 32,69% 3 741 213 367 31,67

Hewlett-Packard 3 501 188 331 28,07% 3 285 476 591 27,82

Dell 1 267 335 872 10,16% 1 163 382 524 9,85

Sun Microsystems 1 054 107 265 8,45% 1 140 475 716 9,66

Fujitsu/Fujitsu Siemens 689 574 658 5,53% 652 425 896 5,52

Andere 1 884 582 112 15,11% 1 828 290 718 15,48

Insgesamt 12 474 461 420 100,00% 11 811 264 811 100,00

Quelle: Gartner

Verlierer Sun

Jean Bozman, Research Vice President Enterprise Computing Group bei IDC, betont, dass nunmehr bereits zum zehnten Mal in Folge die Zahlen im Server-Markt angestiegen seien. Hier zeige sich, dass Firmen kontinuierlich in Server-Infrastrukturen investieren. Diese hätten sich zudem als wesentliche Komponente übergreifender IT-Ausgaben für Software, Speichermedien und Dienstleistungen etabliert.

Bozman stellt fest, dass das Geschäft mit Lowend-Maschinen Wachstumsmotor der Server-Branche sei. Die Umsätze mit x86-Maschinen stiegen um 14,8 Prozent. Bei den Midrange-Geräten hingegen betrug der Zuwachs lediglich 3,8 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Rückläufig indes waren die Einnahmen mit Highend-Enterprise-Systemen. Sie gingen um 1,2 Prozent zurück.

IDC definiert Lowend- beziehungsweise "Volume Server" als solche, die weniger als 25000 Dollar kosten. Midrange-Systeme liegen in der Preisklasse zwischen 25000 und einer halben Million Dollar. Highend-Enterprise-Maschinen gehören in die Kategorie der Systeme, die noch teurer sind

Eindeutiger Verlierer im Server-Markt ist Sun Microsystems. Dessen Umsatz fiel über alle Geräteklassen hinweg um 7,6 Prozent. Während Fujitsu/Fujitsu-Siemens einen um 5,9 Prozent höheren Absatz erwirtschaftete, konnten IBM, Dell und HP jeweils zweistellige Zuwächse melden.

Interessant werden die neuesten Ergebnisse zum Server-Markt aber insbesondere bei Betrachtung der einzelnen ServerGattungen. Im Segment Risc-Unix-Server, auf seinem traditionell starken Turf also, erlitt Sun sogar einen Umsatzeinbruch von 12,64 Prozent. IDC-Analystin Bozman sieht hierin allerdings noch keinen Grund für große Besorgnis. Sun-Kunden würden momentan den Wechsel auf die nächste Prozessorgeneration des Herstellers abwarten. Die signifikant rückläufigen Zahlen des Unix-Server-Umsatzes dürften, so Bozman, vorübergehend sein.

Beurteilt man die Server-Hitliste im Risc-Unix-Segment nach der Zahl ausgelieferter Systeme, sieht es für Sun zunächst sehr viel erfreulicher aus. Nach Stückzahlen liegt das Unternehmen mit einem Marktanteil von 57,77 Prozent weit vor der gesamten Konkurrenz. IBM mit 23,33 Prozent und HP mit 14,45 Prozent Marktanteil folgen weit abgeschlagen auf den Plätzen zwei und drei.

Der hohe Marktanteil kann aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass Sun in seiner Paradedisziplin einen Stückzahlenrückgang von 7,86 Prozent zu verschmerzen hatte. Solch eine Erfahrung machte im Übrigen in diesem Quartal auch HP (minus 6,81 Prozent). Diese Zahlen reflektieren den insgesamt für dieses Segment geltenden verhaltenen Geschäftsverlauf - ganz zu schweigen von den bereits rückläufigen Umsätzen im Segment der Highend-Enterprise-Server.

Nur vordergründig positiv

Die vordergründig positiven Ergebnisse im Server-Markt kaschieren darüber hinaus einen Trend, der sich mittelfristig negativ für Server-Anbieter auswirken könnte. Tatsache ist nämlich nicht nur, dass teurere Server-Modelle zunehmend weniger gefragt sind. Tatsache ist auch, dass sich ein Käufermarkt entwickelt, über den die Anbieter zunehmend die Kontrolle verlieren. Analysten wie Andy Butler und Rakesh Kumar von Gartner weisen darauf hin, dass die Rechenkapazitäten von Servern über alle Architekturen hinweg schneller steigen als die Anforderungen nach hochleistungsfähigen Maschinen bei den Anwendern. Ergo können diese einen wachsenden Anteil der Rechenlast von den teuren Hochleistungs- auf die preiswerteren Systeme verlagern - hier insbesondere solche, die mit Intel- oder AMD-Prozessoren arbeiten.

Analyst Matt Eastwood, federführend bei der vierteljährlichen Ermittlung der Marktzahlen bei IDC, nennt einen weiteren Trend, der erheblichen Einfluss auf den Server-Markt hat: Anwender nutzen, um die Kosten weiter zu reduzieren, zum einen die Möglichkeiten von ServerKonsolidierungen, zum anderen von Virtualisierungsstrategien.

Diese Trends - Konsolidierung, Virtualisierung sowie überproportionale Leistungszunahme der Rechner - wirken sich erheblich auf den Markt aus. Eastwood weist darauf hin, dass der Server-Absatz nach Stückzahlen im dritten Quartal zwar 11,3 Prozent gegenüber dem Vergleichszeitraum des Vorjahres betragen habe. Dies aber ist die geringste Steigerungsrate der vergangenen Jahre. Wuchs die Zahl ausgelieferter Server im dritten Quartal 2003 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum 2002 noch um 20,5 Prozent, verlangsamte sich das Wachstum 2004 schon auf 17,5 und dieses Jahr auf besagte 11,3 Prozent. Hier zeichnet sich eine Entwicklung ab, die mittelfristig für die Hersteller problematisch werden könnte.

Die Hoffnungsträger der Szene sind nach den IDC-Zahlen schnell benannt: Linux, Windows und 64-Bit-Plattformen. Zum dreizehnten Mal in Folge wuchs der Markt für Linux-basierende Server im zweistelligen Bereich. Das Umsatzwachstum legte um 34,3, die Stückzahlen um 20,5 Prozent zu - allerdings ist diese Zunahme geringer als noch im zweiten Vierteljahr 2005. Insgesamt erwirtschafteten die Anbieter in diesem Segment nach den Worten von IDC-Analystin Bozman 1,4 Milliarden Dollar.

64 Bit setzt sich durch

Diese Daten korrelieren mit einer Prognose von Gartner zur Zukunft der Server. Danach sieht der IDC-Konkurrent insbesondere bei Servern mit der x86-Architektur eine sehr hohe Wahrscheinlichkeit, dass Linux in diesem Segment Mainstream wird, sich also auf breiter Front durchsetzt.

Dominant ist ferner die Position von Windows-basierenden Servern. Dieses Teilsegment mit einem Gesamtumsatz von 4,6 Milliarden Dollar ist das größte des gesamten Marktes - zum ersten Mal, wie IDC betont. Unix-Server insgesamt brachten nur mehr einen Gesamtumsatz von 3,9 Milliarden Dollar ein. Im vierten Quartal 2004 waren es noch über fünf Milliarden Dollar gewesen, vergleicht Bozman. Das Segment Windows-Server wuchs sowohl bezüglich des Umsatzes (17,7 Prozent) als auch der Stückzahlen (15,3 Prozent).

Und noch ein Trend hat sich mittlerweile zementiert: 64-Bit-Architekturen setzen sich bei den Server-Verkäufen ganz klar durch. Während sich nämlich deren Umsätze im Jahresvergleich versiebenfachten, stürzten im gleichen Zeitraum die Absätze für 32-Bit-Server um 60,7 Prozent ab. 69 Prozent aller Investitionen in Server der x86-Klasse wurden für Maschinen mit einem 64-Bit-Prozessor von Intel oder AMD getätigt. Hier kommt laut IDC-Frau Bozman ein technischer Trend zum Tragen, der im obersten Produktsegment bei 64-Bit-Mainframes begann, sich bei Unix-Systemen fortsetzte und nun bei den Intel- und AMD-Maschinen angelangt ist. (jm)