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16.04.1993 - 

Vor allem der Desktop-Absatz bereitet Probleme

Weltweiter Wettbewerb macht auch Taiwans PC-Herstellern zu schaffen

Nach Angaben des Market Information Center (MIC) erhoehte sich im vergangenen Jahr der Absatz von Mikrocomputern gegenueber 1991 um 5,6 Prozent auf 2,8 Millionen Stueck. Knapp 90 Prozent der Produktion gingen ins Ausland. Bei einer geschaetzten weltweiten Nachfrage von etwa 27 Millionen PCs lag damit der taiwanische Anteil bei 10,3 Prozent; bei Notebook-Computern soll er sogar etwa 20 Prozent erreicht haben. Die Umsaetze der taiwanischen Hersteller stiegen dem MIC zufolge um 14,1 Prozent auf rund 2,2 Milliarden US-Dollar.

Das Geschaeft mit Tischrechnern fiel indes aufgrund der weltweit fallenden Stueckpreise schlecht aus. Der Absatz ging von rund 2,1 Millionen auf etwa 1,9 Millionen Geraete zurueck, die Umsaetze stagnierten mit zirka 1,2 Milliarden US-Dollar nahezu auf dem Vorjahresniveau. Kompensieren liess sich diese Negativentwicklung nur durch starke Zuwaechse bei tragbaren Computern, vor allem den Notebook-Rechnern.

Ihr Absatz stieg um 61,3 Prozent auf 861 000 Geraete, der Umsatz wuchs um 37,5 Prozent auf 947 Millionen US-Dollar. Im Gegensatz zur Entwicklung bei Absatz und Umsatz aber fielen die Gewinne der einheimischen Hersteller im Durchschnitt unter drei Prozent. Einige fuehrende Produzenten wie Acer oder Mitac mussten sogar Verluste hinnehmen.

Fuer das laufende Jahr sagt das MIC der PC-Branche erneut eine zweistellige Umsatzerhoehung um 15 Prozent auf rund 2,5 Milliarden US-Dollar voraus. Der Absatz soll dagegen nur um 2,7 Prozent auf etwa 2,9 Millionen Geraete zulegen. Tischcomputer entwickeln sich 1993 nach Auffasung des MIC weiter ruecklaeufig.

Der Absatz werde um 13,5 Prozent auf 1,7 Millionen Rechner sinken, der Umsatz um 14,7 Prozent auf etwas ueber eine Milliarde US-Dollar zurueckgehen, so die Prognose.

Dagegen erwartet das MIC fuer die Hersteller von tragbaren Computern und wiederum speziell von Notebook-Rechnern ein Plus von 39 Prozent auf 1,2 Millionen Geraete beim Absatz und einen Zuwachs von 53,5 Prozent auf 1,5 Milliarden US-Dollar. Damit werden 1993 die Verkaeufe von tragbaren Computern dem Wert nach erstmals das Ergebnis von Desktops uebertreffen.

Zugrunde liegt diesen Prognosen allerdings die Annahme, dass sich die Weltwirtschaft erholen wird.

Besondere Impulse erhofft sich Taiwan hierbei von einer konjunkturellen Aufwaertsentwicklung in den USA, dem Hauptabnehmerland taiwanischer Computer. 1992 gingen 46,7 Prozent aller exportierten Rechner nach Nordamerika. Westeuropa rangierte mit einem Anteil von 36,2 Prozent an zweiter Stelle.

Einen weiteren Anstoss erhofft sich die PC-Branche auch von der Einfuehrung neuer Produkte. Im Notebook-Bereich beispielsweise duerften in den naechsten Monaten mehr Anbieter mit Farbbildschirm- Modellen auf den Markt kommen. Allerdings sind hier noch nicht alle technischen Probleme zufriedenstellend geloest. Weiter verstaerken wird sich auch die Abloesung der 386-PCs durch Rechner mit 486-Prozessoren.

Vor dem Hintergrund des derzeitigen weltweiten Wettbewerbs sehen die taiwanischen

Computerproduzenten jedoch schwierigen Zeiten entgegen. Da die meisten Hersteller kleine und mittlere Unternehmen sind, die haeufig keine ausreichende Liquiditaetsbasis besitzen, ist angesichts immer neuer Preiskaempfe auf dem Weltmarkt ein Schrumpfungsprozess in der Branche unvermeidlich. Zwar scheiden bei den Schaetzungen ueber die Zahl der ueberlebenden PC-Anbieter noch die Geister, doch duerften es nicht mehr als 30 sein. Zum Vergleich: 1991 gab es 100 Unternehmen, die Computer und Peripheriegeraete herstellten.

Ein weiteres Problem ist die Entwicklung der Kosten in Taiwan. Da der Inselstaat laengst nicht mehr ein Billiglohnparadies ist, besteht die Gefahr, dass die grossen internationalen Konzerne, die bislang im Rahmen von OEM-Vertraegen in Taiwan fertigen liessen, zunehmend in die preiswerteren Nachbarlaender abwandern. Besonders die Volksrepublik China gewinnt zunehmend an Attraktivitaet.

Auch fuer die taiwanischen Produzenten ist ein Engagement in China nicht ohne Reiz. Neben der Fertigung locken angesichts des vermutlich grossen PC-Bedarfs auch die Aussichten auf gute Exportchancen. Im vergangenen August gab in diesem Zusammenhang die Taipei Computer Association (TCAbekannt, dass etwa 60 einheimische Firmen, darunter Acer, in Shanghai eine "Elektronikstrasse" errichten wollen. Die Zustimmung der taiwanischen Regierung zu Investitionen und Kooperationen in China duerfte allerdings nicht ohne weiteres erhaeltlich sein, sieht sie doch den gesamten Hochtechnologiebereich als eine Grundlage fuer den industriellen Strukturwandel und somit die gesamte weitere wirtschaftliche Entwicklung des Landes.