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Thema der Woche


18.07.1997 - 

"Wem sollte eine Übernahme nützen?"

CW: Was nun, Apple, muß man nach der Demission von Gilbert Amelio wohl fragen?

Praxmarer: In der letzten Zeit hat sich bei Apple nichts getan. Auch solch eine Verzweiflungstat wie die Reaktivierung von Steve Jobs hat nichts gebracht. Es war klar, daß mit Jobs keine Trendwende kommen würde.

CW: Zumal Jobs auch als Geschäftsmann nicht unumstritten ist, siehe die wirtschaftlichen Flops von Next Computer und Next Software.

Praxmarer: Richtig. Jobs hat, das ist ja bekannt, auch nicht immer die richtigen Entscheidungen getroffen.

CW: Was spricht denn heute noch für Apple?

Praxmarer: Ganz eindeutig seine loyalen Anwender.

CW: Welches Ziel sollte sich Apple in seiner jetzigen Situation setzen? Wäre der Versuch sinnvoll, Marktanteile von der PC-Konkurrenz zurückzugewinnen?

Praxmarer: Dafür bestehen schon seit drei Jahren keine Chancen mehr. Und es gibt keine Anzeichen, daß sich diesbezüglich etwas ändern könnte.

CW: Die Wintel-Welt ist zu übermächtig?

Praxmarer: Genau.

CW: Die Marktforscher der Software Publishers Association sagen zudem, daß Apple-Anwendungen auf breiter Front verlieren.

Praxmarer: Das ist das Problem: Das Unternehmen wird auch in seinen traditionell starken Märkten durch Wintel-Systeme zunehmend an die Wand gedrückt.

CW: Wie sinnvoll wäre eine Übernahme?

Praxmarer: Wem sollte eine Übernahme etwas nützen? Apple hat seine Zukunft mit dem Kauf der Next Software Inc. komplett auf die Betriebssystem-Strategie von Next verwettet, ist aber noch weit davon entfernt, aus diesem Engagement Kapital schlagen zu können. Außerdem: Geht die Strategie nicht auf wie gewünscht, dann gibt es auch keine Zukunft mehr für Apple.

CW: Sich die installierte Basis der Apple-Anwender einzuverleiben ist nicht erstrebenswert?

Praxmarer: Nehmen Sie das Beispiel Digital in Deutschland. Die haben sich Marktanteile von Philips und Kienzle gekauft. Dafür mußte DEC eine Summe bezahlen, die in keinem Verhältnis stand zu dem Preis, den DEC gezahlt hätte, wenn es versucht hätte, den Markt ganz normal per Akquise anzugehen. Die Frage lautet also, was kostet es, die installierte Basis der Apple-Anwender zu kaufen?

CW: Wenn aber Apples Börsenkapitalisierung unter den Bilanzwert des Unternehmens fällt, spätestens dann könnte eine Übernahme doch interessant werden?

Praxmarer: Richtig, wenn diese Grenze erreicht ist, wenn die Aktie und damit der Wert der Firma noch weiter sinken, dann könnte es sinnvoll sein, Apple zu kaufen. Aber soweit ist es noch nicht.

CW: Die Übernahmekandidaten sitzen also in den Startlöchern?

Praxmarer: Die warten noch, bis der Preis von Apple ganz unten ist.

CW: Noch einmal: Was kann Apple tun in dieser Situation?

Praxmarer: Mit einer guten Strategie können sicher noch Kosten reduziert werden. Mit der installierten Basis läßt es sich dann auch noch ganz gut leben.

CW: Die Zeiten, da Apple Technologieführer war, sind aber wohl vorbei?

Praxmarer: Die sind lange vorbei. Apple muß versuchen, weiter Kosten einzusparen, ein Schrumpfgeschäft zu bedienen und damit noch etwas Gewinn zu machen.

CW: Wie soll das gehen mit Kostenreduzierungen?

Praxmarer: Man kann die Hardware abgeben. Es war ohnehin ein gravierender Fehler, daß Apple seine Plattform nicht rechtzeitig geöffnet hat. Den gleichen Fehler hat Steve Jobs mit Next Computer gemacht. Hätte er sich gleich auf die Software konzentriert und sich mit großen Hardwarepartnern wie etwa Sun, IBM oder DEC zusammengerauft, dann hätte er vielleicht bessere Chancen gehabt. Aber Jobs wollte ja immer als Anbieter einer kompletten Hard- und Softwarelösung auftreten. Genauso denkt und handelt auch Apple.