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11.06.2008

Wen kauft Oracle als Nächstes?

Analysten zufolge plant das Unternehmen weitere Milliarden-Übernahmen.

Die Ruhe ist trügerisch. Zwar hält sich Oracle derzeit mit Übernahmen zurück, Marktbeobachter wie Charles DiBona von Sanford C. Bernstein vermuten jedoch, dass der US-amerikanische Softwarekonzern bereits seine nächsten Akquisitionen plant. Der Analyst beruft sich dabei auf Äußerungen von Oracle-Chef Lawrence Ellison. Dieser hatte im vergangenen Jahr ein Umsatzziel von 50 Milliarden Dollar bis zum Jahr 2012 ausgegeben. Gehe man von einer jährlichen Wachstumsrate von etwas mehr als elf Prozent aus, schaffe der Softwarehersteller in vier Jahren einen Jahresumsatz von knapp 35 Milliarden Dollar. Die fehlenden 15 Milliarden Dollar müsse Oracle über Akquisitionen hereinholen.

Um Ellisons Ziel zu erreichen, werde Oracle rund 40 Milliarden Dollar in weitere Zukäufe investieren müssen, rechnet DiBona vor. Das ist deutlich mehr, als der Konzern in den vergangenen drei Jahren für Übernahmen ausgegeben hat. Experten zufolge hat der Konzern seit 2005 etwas mehr als 30 Milliarden Dollar in Akquisitionen gesteckt. Unter den knapp 40 übernommenen Softwareherstellern finden sich klangvolle Namen wie Peoplesoft, Siebel und Bea Systems.

Akquisitionen: Mehr Umsatz, aber auch mehr Risiko

Potenzielle Übernahmekandidaten wollte beziehungsweise konnte DiBona nicht nennen. Grundsätzlich sei eine Akqusitionsstrategie von diesem Ausmaß jedoch riskant, warnte der Analyst. Oracles Übernahmen dienten zumindest teilweise als Ersatz für eigene Entwicklungsaufwendungen.

Das vom Markt geforderte Wachstum lasse sich ohne Zukäufe heute nicht mehr realisieren, bestätigt auch Wolfgang Braun, Geschäftsführer von Meta Mergers & Acquisitions. Auf der Jahrestagung der Deutschen Oracle Anwendergruppe (Doag) im vergangenen Herbst bewertete der Branchenexperte Oracles Übernahmepolitik der vergangenen Jahre. Seine Bilanz fiel dabei leicht positiv aus. Die knappe Mehrheit der übernommenen Firmen passe zu Oracle. Außerdem steuerten die zugekauften Unternehmen mittlerweile rund die Hälfte der Lizenzeinnahmen des Konzerns bei.

Allerdings gebe es nach wie vor Risiken und Herausforderungen für Oracle. Entscheidend für das Unternehmen sei es, die Kunden der übernommenen Softwareanbieter bei der Stange zu halten. Oft reagierten die Anwender erst mit zwei bis drei Jahren Verzögerung. Zudem müsse Oracle seine Integrationshausaufgaben machen. In den vergangenen Jahren habe sich beispielsweise die Mitarbeiterzahl verdoppelt. Verbesserungsbedarf gebe es bei Kennzahlen wie Umsatz beziehungsweise Profit pro Mitarbeiter. Hier hätten Konkurrenten wie SAP deutlich die Nase vorn. (ba)