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24.10.1975 - 

Real-Time kontra Batch

Weniger Auslastung ist besser

KARLSRUHE - Ein nicht voll ausgelastetes DV-System kann nützlicher sein als eine Anlage, deren Kapazität voll ausgeschöpft wird. Zu dieser zunächst erstaunlich wirkenden Folgerung kamen verschiedene Referenten beim Workshop "Betrieb von Rechenzentren", den die Gesellschaft für Informatik auf ihrer Jahrestagung in Dortmund veranstaltete.

Angesichts der Möglichkeiten, die die Real-Time-Verarbeitung bietet, sind Zweifel berechtigt, ob die Minimierung der Verarbeitungskosten je Informations einheit durch möglichst weitgehende Auslastung eines Systems mit Batchverarbeitung und einigermaßen starrem Zeit-Mengen-Gerüst denn wirklich das Optimum darstellt.

Der Wert ist relativ

Minimale Kosten der DV sind nämlich nicht identisch mit maximalem Nutzen für den Benutzer: "Der relative Wert einer DV-Anlage ist für den Benutzer bei reiner Dialogverarbeitung bei etwa 50 Prozent Auslastung am höchsten", erklärte H. J. Siebert von IBM Deutschland GmbH. "Bei Mischung mit Batchverarbeitung ist der relative Wert bei 70 Prozent Auslastung am höchsten". Siebert, der aufgrund der Erfahrungen im IBM-Labor berichtete, "wir wären ohne interaktive DV nicht mehr in der Lage, unsere Aufgaben zu lösen", vertrat die Ansicht, daß 80 Prozent aller Transaktionen innerhalb von drei Sekunden abgewickelt sein müßten, Batch-Arbeiten, die im Background bei Multiprogramming ablaufen, füllen die Kapazitätslücken, die der im Foreground unter Time-Sharing laufenden Dialogbetrieb läßt.

Batch, Expreß und Dialog gemixt

Durch Mischung von Dialog- und Batchbetrieb wurde die Auslastung des Softwaretest-Rechenzentrums der Siemens AG in München von 50 auf 60 Prozent verbessert. In den Rechenzentren der Universitäten Braunschweig und Karlsruhe werden zur Vermeidung unnötiger Wartezeiten drei Verfahren kombiniert - Dialogbetrieb (mit Beschränkung des K-Bereiches pro Benutzer), Batchverarbeitung (vor allem nachts und für Programme mit geschätzter Laufzeit von mehr als fünf Minuten) sowie "Expreßbetrieb". Für den Expreßbetrieb bestehen eigene Schalter, wo die Bänder oder Kartenpakete abgegeben und der Output in Empfang genommen werden können. Die Eingabe für den Expreßbetrieb kann im Universitäts-Rechenzentrum Braunschweig sogar vom Bildschirm aus erfolgen, so daß der Benutzer entscheiden kann, wo ihm die Wartezeit geringer scheint.

Ziel: variable Preise

Als Ziel schwebt den Braunschweigern vor, durch variables Preis-Leistungs-Verhältnis (Verrechnung unterschiedlich hoher Benutzungsgebühren je nach Erledigungs-Geschwindigkeit) die Nachfrage zu lenken und die Flexibilität des Systems zu erhöhen.

Um sicherzustellen, daß der Nutzen einer nicht voll ausgelasteten DV echt ist und nicht relativ bleibt, empfahl Siebert folgende Kontrollen: mindestens wöchentlich prüfen, welche Terminals zu welcher Zeit angeschaltet sind, und wieviel Transaktionen innerhalb von drei Sekunden oder weniger abgearbeitet sind; Verhältnis von Laufzeit : Ausfallzeit berechnen. Ermitteln, welche mittlere Zeit das System zwischen zwei Fehlern in Betrieb ist, weil Ausfälle die Benutzer verunsichern. Die ständige Beobachtung des Systems ist nach Siebert deswegen so wichtig, weil sich durch Übung das Verhalten der Benutzer und die Belastung des Systems ändern.

Mehr Remote - weniger RZ-Personal

"Remote-Realtime-Betrieb benötigt bei gleicher Maschinengröße und gleichem Verarbeitungsvolumen weniger, aber qualifizierteres RZ-Personal als bei Batchbetrieb", berichtete Dr. M. Graef von der Universität Tübingen. "Diese Situation darf nicht zu einer reinen Personalverschiebung in die Fachabteilungen führen - das System muß so benutzerfreundlich sein, daß in der Fachabteilung mit dem Dialogsystem effizenter ohne zusätzliches Personal gearbeitet werden kann."